Bielmeiers Blog

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
DAX: Gewinnmitnahmen nach neuem Bewegungshoch

Auch gestern konnte der DAX zunächst stark eröffnen und etablierte bereits am frühen Morgen ein neues Bewegungshoch (10.365 Pkt.) im neu herausgebildeten kurzfristigen Aufwärtstrend. Das Kaufinteresse erlahmte jedoch, und es kam zu Gewinnmitnahmen. Das Gros des Handelsgeschehens verbrachte der Index rund um die 10.300 Punkte-Marke. Als sich die Gewinnmitnahmen am späten Nachmittag ausweiteten, etablierte sich eine negative Kerzenformation im Tageschart (sog. „Bearish Engulfing“ – eine längere schwarze Tageskerze schließt die vorherige weiße komplett ein). Mit dem gestrigen neuen Bewegungshoch im neuen kurzfristigen Aufwärtstrend wurde dieser zunächst als charttechnisch intakt bestätigt. Doch das negativ zu interpretierende zweitägige Kerzenmuster „Bearish Engulfing“ zeigt an, dass der Markt seiner „überkauften“ Markttechnik (siehe „Projection Oscillator“ in der Grafik) Tribut zu zollen hat. Vor diesem Hintergrund sollten im kurzfristigen Kontext fortgesetzte Gewinnmitnahmen nicht überraschen. Aus charttechnischer Sicht besteht hierbei ein „pull back“-Risiko bis rund 10.100 Punkte, wo die letzte Ausbruchszone und die 200 Tage-Linie liegen. Jegliche…

EWU-Inflationsrate im Mai 2016 bei -0,1 Prozent: Belastung durch Energiepreise sinkt langsam, sonstiger Preisauftrieb nur moderat

Die Inflationsrate für die Europäische Währungsunion ist im Mai leicht angestiegen, von nachhaltig steigenden Verbraucherpreisen kann aber noch lange keine Rede sein. Nach -0,2 Prozent im Vormonat liegt die Jahresrate gemäß der Schnellschätzung im Mai bei -0,1 Prozent. Fast schon wie gewohnt belastete der niedrige Ölpreis die Inflationsrate. Im Teilsegment Energie verbilligten sich im Jahresvergleich die Preise um -8,1 Prozent. Dies ist allerdings der geringste Preisrückgang im Bereich Energie seit 3 Monaten. Allmählich wirkt sich die moderate Erholung des Ölpreises seit Jahresbeginn auch auf die Verbraucherpreise aus. Der Preisauftrieb bei den anderen Komponenten blieb im Mai weiter verhalten. Dienstleistungen verteuerten sich im Jahresvergleich um 1,0 Prozent nach 0,9 Prozent im Mai. Bei Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak steigen die Preise im Jahresvergleich um 0,8 Prozent genauso wie im Vormonat. Und nichtindustrielle Güter ohne Energie verzeichneten einen Preisanstieg von 0,5 Prozent. Diese Entwicklungen waren nicht stark genug, dass die Inflationsrate der EWU…

Dänische Krone im Aufwind

Eine der interessanteren Devisenmarktbewegungen der letzten Wochen war die Aufwertung der dänischen Krone. Prozentual mögen die Kursschwankungen in EUR-DKK verschwindend gering sein und auch der offizielle Währungskorridor ist nicht gefährdet, dennoch ist die Aufwertung der Krone beachtenswert. Schließlich hatte eine Aufwertung in einer ähnlichen Größenordnung vor etwas mehr als einem Jahr die Dänische Nationalbank auf den Plan gerufen. Dieses Mal haben sich die Währungshüter (zumindest bislang) zurückgehalten: weder gab es Gerüchte über eine mögliche Intervention, noch hat die Zentralbank zu anderen (expansiven) Maßnahmen gegriffen. Dies sollte jedoch nicht als Zeichen interpretiert werden, dass die Dänen einer Aufwertung der Krone auch in Zukunft tatenlos zusehen werden. In den vergangenen zehn Jahren fungierten Kurse um 7,43 DKK als, wenngleich inoffizielle, Untergrenze für EUR-DKK. Auch dieses Mal dürfte die Zentralbank im Notfall aktiv werden, um eine aggressivere Aufwertung der Krone zu verhindern. Dies wäre wahrscheinlich vor allem dann notwendig, sollten sich die Briten…

Geldanlage privater Haushalte in Deutschland: Niedrigzins + Risikoaversion = Geldanlagestau

So könnte die Formel lauten, die das Dilemma beschreibt, in dem sich Anleger seit Jahren befinden. Die Geldanlage der meisten privaten Haushalte in Deutschland ist traditionell von einer geringen Risikobereitschaft geprägt. Aktien und andere kursreagible Anlagen machen gerademal gut zehn Prozent des Geldvermögens aus. Ein Großteil ist in Einlagen, Versicherungen und Rentenwerten angelegt. Das hat den Vorteil, dass die Bürger bei Aktienkurseinbrüchen kaum Verluste erleiden. Die Nachteile der einseitig auf Zinserträge ausgerichteten Portfoliostruktur treten allerdings durch die Niedrigzinsphase drastisch zutage: Während die Zinserträge gegen Null tendieren, bleibt ein Ausgleich bei positiven Kursentwicklungen an den Aktienmärkten weitgehend aus. Als Konsequenz mussten die Bürger in den letzten Jahren phasenweise real schrumpfende Geldvermögen hinnehmen. Gleichzeitig erreichte der Anteil zwischengeparkter Anlagemittel immer neue Rekordwerte, weil kaum jemand bereit war, sich angesichts extrem niedriger Zinsen langfristig zu binden.  In einem positiven konjunkturellen Umfeld mit niedrigen Inflationsraten verstärkten die Bürger in den letzten beiden Jahren ihre…

Aktuelle VR Mittelstandsumfrage: Investitionsbereitschaft so hoch wie nie zuvor

Nach dem schwachen Ergebnis vom Herbst vergangenen Jahres hat sich die Stimmung im deutschen Mittelstand in diesem Frühjahr erholt. Die Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher auf das Jahr 2016. Die Stimmungsverbesserung der kleinen und mittleren Unternehmen ist insbesondere auf deutlich gestiegene Geschäftserwartungen zurückzuführen. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Antworten liegt mit aktuell 27,3 Punkten deutlich über dem Ergebnis von vor einem halben Jahr (16,9 Punkte). Aber auch die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich gegenüber dem letzten, ohnehin bereits sehr guten Ergebnis nochmals leicht verbessert und liegt mit einem Antwortsaldo von 69 Punkten weit über dem langjährigen Mittelwert. Die Investitionsbereitschaft der Mittelständler stieg sogar auf ein neues Allzeithoch. So planen 81 Prozent der Befragten im nächsten halben Jahr in ihr Unternehmen zu investieren. Im Herbst waren es noch weniger als 78 Prozent. Zudem beabsichtigen die Mittelständler einen weiteren Personalaufbau. In den nächsten sechs Monaten will immerhin jedes vierte Unternehmen Mitarbeiter…