Bielmeiers Blog

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Der IWF senkt seine Wachstumsprognose nur geringfügig, zeigt aber erhebliche Risiken auf

Der Internationale Währungsfond (IWF) hat jüngst, im Rahmen seiner alljährlich im Juli durchgeführten Aktualisierung, seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft leicht gesenkt. Nach der jüngsten IWF-Prognose steigt in diesem Jahr die Wirtschaftsleistung weltweit im Durchschnitt mit dem gleichen Tempo wie im Vorjahr, und zwar um 3,1 Prozent. Im kommenden Jahr rechnet die in Washington ansässige Behörde wieder mit einer etwas stärkeren Dynamik in Höhe von 3,4 Prozent, was dann wieder dem Tempo aus dem Jahr 2014 entsprechen würde. Als wesentlicher Grund für den geringfügig eingetrübten Wachstumsausblick wird das Votum der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der Europäischen Union genannt. Nach diesem Basisszenario wären die Belastungen für die Weltwirtschaft und vor allem für die Industrieländer also nur „sehr“ begrenzt und liegen sogar schon im Bereich der statistischen Unschärfe. Es entsteht schon fast der Eindruck, als wäre der bevorstehende Brexit gar kein wirkliches Risiko für die Weltwirtschaft, da reicht der IWF in…

Bank Lending Survey signalisiert Kreditwachstum – Wie erfolgreich ist die EZB-Politik tatsächlich?

Wie aus dem Juli-Bank-Lending-Survey der EZB hervorgeht, rechnen die Banken im Euroraum weiter mit einer steigenden Kreditnachfrage. Zwar hat sich die Mehrheit optimistischer Kreditinstitute im Vergleich zum April etwas verringert, aber sie ist immer noch deutlich. Vor allem schätzen die Banken sowohl die Kreditnachfrage der Unternehmen als auch der privaten Haushalte positiv ein, und sie planen keine Verschärfung ihrer Kreditrichtlinien. Das klingt gut. Besteht also Hoffnung, dass der allmählich erkennbare Aufschwung im Kreditgeschäft der Banken Fahrt aufnimmt und die Investitionstätigkeit in der Wirtschaft angekurbelt? Hierauf zielt die überaus expansive Geldpolitik der EZB schließlich ab. Ein differenzierter Blick in die Statistik verdeutlicht, dass die Flut billigster Zentralbankmittel bisher nicht sehr effizient war: Zwar wuchsen die von den Geschäftsbanken vergebenen „Kredite an Nichtbanken im Euro-Währungsgebiet“ von Ende Mai 2015 bis Ende Mai 2016 um beachtliche 3,1 Prozent. Die hierin enthaltenen „Kredite an Unternehmen und Privatpersonen“ stiegen jedoch nur um 0,6 Prozent, während…

Türkei: Sichtbar eingetrübter Ausblick für die Konjunktur

In der Türkei greift Präsident Rayyip Erdogan nach dem Putschversuch von Teilen des Militärs hart durch. Massenverhaftungen von Offizieren und Soldaten sind erfolgt. Die Ereignisse vom Wochenende dienen Erdogan nun als willkommener Vorwand, auch im Polizei- und Justizapparat sowie in der Beamtenschaft die Ausschaltung seiner Gegner verstärkt fortzusetzen. Es droht mithin eine völlige „Gleichschaltung“ des öffentlichen und politischen Lebens in der Türkei nach den konservativ-islamischen Vorstellungen Erdogans. Schon Mitte Mai wurde mit der Begründung der Abwehr von Gefahren für die innere Sicherheit die Immunität von 138 oppositionellen Parlamentsmitgliedern aufgehoben. Es gab offenbar schon vor dem Putschversuch umfassende Listen mit Namen von Amtsträgern im Militär-, Polizei- und Justizbereich sowie von Politikern, Journalisten und anderen Personen, die in Fällen wie dem, der nun eingetreten ist, sofort festzusetzen seien. Natürlich hat dies einschüchternde Wirkungen auf all jene, die mehr Liberalität und Demokratie für das Land fordern. Die Türkei verändert ihr Gesicht. Was sind…

Auswirkungsstudie zur europäischen Einlagensicherung: Die entscheidenden Fragen

Wie jetzt bekannt wurde, will die EU-Kommission nun doch eine Auswirkungsstudie zur geplanten europäischen Einlagensicherung (European Deposit Insurance System, EDIS) erstellen lassen. Entsprechende Forderungen kamen immer wieder aus dem EU-Parlament, dem Rat und von Bankenverbänden – vor allem aus Deutschland. Dabei geht es um die Frage, welche Konsequenzen von einer europäischen Zentralisierung der bisher unabhängigen nationalen Sicherungssysteme zu erwarten wären. Bisher hielt die Kommission eine Auswirkungsstudie zu EDIS für nicht notwendig, weil es bereits 2010 eine Folgenabschätzung zur Idee einer europäischen Sicherungseinrichtung gab. Allerdings hat sich die Welt seit dem stark gewandelt: So liegt mit EDIS jetzt ein konkreter Vorschlag für eine stufenweise Zentralisierung ab 2017 vor. Vor allem aber werfen aktuelle Probleme, wie der angeschlagene italienische Bankensektor oder hartnäckig niedrige bzw. negative Zinsen, neue Fragen auf. Eine Auswirkungsstudie zu EDIS ist daher dringend geboten. Wie groß der Nutzen der Studie tatsächlich ist, hängt jedoch davon ab, ob die entscheidenden…

Putschversuch in der Türkei verunsichert die Lira

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist in der Türkei ein Putschversuch von Teilen des Militärs gescheitert. Die türkische Lira gab unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Entwicklungen gegenüber dem US-Dollar um knapp 6% und gegenüber dem Euro um rund 2,5% nach. Die Sicheren Häfen Yen und Franken wurden wieder verstärkt nachgefragt. Staatspräsident Erdogan macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Die türkische Regierung antwortete umgehend mit zahlreichen Verhaftungen von Personen aus den Bereichen Justiz und Militär. Gleichzeitig kündigte die türkische Notenbank (CBRT) an, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die finanzielle Stabilität in der Türkei zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang stellt sie den dortigen Geschäftsbanken unbegrenzten Zugang zu Liquidität in Aussicht. Heute Morgen haben sich die Wogen an den Devisenmärkten wieder geglättet. Auch die Lira konnte auf breiter Front Boden gutmachen. Wir gehen nicht davon aus, dass die Welle der Unsicherheit erneut anschwellen…