Bielmeiers Blog

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
EU-Referendum löst politisches Chaos aus

Die Briten haben eine historische Entscheidung getroffen: mit einer Mehrheit von 52% haben sie sich für den Austritt aus der EU ausgesprochen. Doch auch wenn das Ergebnis damit weniger knapp ausfiel als befürchtet, ist das Land nach dem Referendum tief gespalten. Während Brexit-Befürworter wie Nigel Farage, Daniel Hannan und Boris Johnson sich als Sieger sehen, zog David Cameron die Konsequenzen und kündigte seinen Rücktritt an. Auf dem Konservativen Parteitag Anfang Oktober soll nun ein neuer Parteichef gewählt werden. Ohne Frage wird dieser aus den Reihen der sogenannten Brexiteers kommen, was einen Konflikt mit dem mehrheitlich EU-freundlichen Parlament vorprogrammiert. Überhaupt ist derzeit vollkommen unklar, wie es denn nun weitergehen soll. Zwar hat David Cameron’s Rücktritt auf Raten den Briten Zeit gekauft, einer Lösung des eigentlichen Problems ist man damit aber keinen Schritt näher. Die Befürworter eines Austritts haben es bisher verpasst, eine klare Antwort auf die Frage zu geben, wie die…

Aktienmärkte mit Überreaktion nach Brexit-Entscheid

Die Befürworter des Brexits haben das gestrige Referendum gewonnen. Diese Entscheidung wird unseres Erachtens per Saldo langfristig negative Auswirkungen auf die britische Wirtschaft haben, wenngleich der eigentliche Austritt der Briten erst frühestens in zwei Jahren erfolgen würde. Wir gehen davon aus, dass das Wachstum in Großbritannien insbesondere von sinkenden Investitionen und Geschäftsverlagerungen im Vorfeld des EU-Austritts betroffen sein würde. Diese würde insbesondere die Finanzindustrie und die Industrie betreffen. Auch das Wirtschaftswachstum in Deutschland und im Euroraum wird wohl in Mitleidenschaft gezogen werden, wie wir an dieser Stelle mehrfach ausgeführt hatten. Der heutige Crash an den Aktienmärkten infolge des Brexit-Entscheids hat zu einem weltweiten Marktkapitalisierungsverlust von fünf Billionen US-Dollar geführt (DAX: minus 95 Mrd. Euro). Dies ist ein erheblicher Verlust, der der doppelten Wirtschaftsleistung Großbritanniens und 17% der Wirtschaftsleistung der G7-Staaten im Jahr 2015 entspricht. Unabhängig davon, dass der Austritt Großbritanniens mittelfristig nachtteilig für das Wirtschaftswachstum der EWU sein wird, zeigt…

Frankreich: Geplante Arbeitsmarktreform geht in die richtige Richtung, aber greift zu kurz

Nicht abgeholter Müll, Zugausfälle und Schlange stehen an der Zapfsäule: Seit Wochen leidet Frankreich unter dem von den Gewerkschaften organisierten Streik gegen die geplante Arbeitsmarktreform. Mit Maßnahmen, wie einer Lockerung des Kündigungsschutzes und flexibleren Arbeitszeiten, will die französische Regierung mehr Schwung in den Arbeitsmarkt bringen und für mehr Beschäftigung sorgen. Dabei ist die aktuelle Reform nicht der erste Versuch, den Arbeitsmarkt zu beleben. Dass es tatsächlich akuten Handlungsbedarf gibt, zeigt ein Blick in die Statistik: So bewegt sich die französische Arbeitslosenquote seit Jahren hartnäckig nahe der Marke von 10 Prozent. Besonders betroffen sind die Jüngeren, die Berufseinsteiger: Die Jugendarbeitslosenquote liegt bei knapp 24 Prozent. Unter den neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen machten im Jahr 2015 unbefristete Arbeitsverträge nur noch rund 13 Prozent aus. Der Rest besteht aus befristeten Verträgen, meist mit Laufzeiten von teilweise weniger als einem Monat. Mit der Reform, die in die richtige Richtung geht, will die Regierung die Probleme…

Brexit – was nun?

Sie haben es tatsächlich geschafft: mit einer knappen Mehrheit von 52% haben die Befürworter eines britischen Austritts aus der EU das gestrige Referendum gewonnen. Das Ergebnis kommt für den Finanzmarkt völlig überraschend: zwar hatten die Umfragen bis zuletzt keine klare Indikation gegeben, wie das Referendum ausgehen würde, der Markt hatte aber eindeutig auf ein Remain gesetzt. Doch wie geht es nun weiter? Hier eine Liste der, aus unserer Sicht, wichtigsten Fragen. » Was passiert nun? Der Austritt eines Landes aus der EU ist ein Novum (Grönland nicht mitgerechnet). Sowohl die Briten als auch die EU werden in den kommenden Wochen und Monaten Wege finden müssen, mit dieser Situation umzugehen. Einen konkreten Fahrplan gibt es nicht. » So ist u.a. vollkommen unklar, wie sich die Austrittsbefürworter die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU vorstellen. Und auch die EU wird vorsichtig agieren müssen: ein zu schnelles Entgegenkommen würde ein potentiell fatales…

Brexitsorgen beeindrucken Einkaufsmanager im Euro-Raum anscheinend nicht

Die heutige Abstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU konnte offenbar die Einkaufsmanager (PMI) im Euro-Raum im Juni nicht erschrecken. Zwar ging es für den Gesamtindex, der sich aus den Teilindizes für das verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungsaktivität zusammensetzt, leicht nach unten. Mit 52,8 Punkten pendelt der Wert aber nun zum vierten Mal in Folge um die Marke von 53 Indexpunkten und deutet damit praktisch keine Veränderung im Stimmungsbild insgesamt an. Etwas mehr Bewegung zeigt sich hingegen bei den Teilindizes: Konnte sich das Klima im verarbeitenden Gewerbe vor allem dank der gestiegenen Auslandsnachfrage gegenüber dem Vormonat verbessern, trübte sich die Zuversicht im Dienstleistungsbereich aufgrund einer schwächeren Auftragslage ein. In Deutschland setzt sich das grundsolide Vertrauen in der Privatwirtschaft weiter fort. Das signalisieren die Ergebnisse aus den Einkaufsmanagerbefragungen im Juni vor allem für das verarbeitende Gewerbe. Der Teilindex legte starke +2,3 Punkte zu und landete bei einem Indexstand von 54,4 – dem besten…