Schreckgespenst der Deflation jetzt auch in den USA?

Die Verbraucherpreise lagen in den Vereinigten Staaten im Januar um 0,1 Prozent unter dem Niveau vom Vorjahresmonat, das zeigen die heute veröffentlichten Zahlen. Dies ist für die USA die erste „rote“ Inflationsrate seit dem Herbst 2009, für den Euro-Raum wurde bereits im Dezember eine negative Rate gemeldet. Und damit tritt auch schon die wesentliche Ursache für den deutlichen Rückgang der Verbraucherpreise auf Monatssicht ans Tageslicht: Im Januar war der Rohölpreis weltweit den zweiten Monat in Folge um rund zwanzig Prozent gesunken. Die US-Bürger konnten sich deshalb im Vergleich zum Dezember bei den Energiepreisen um ein Minus von knapp zehn Prozent freuen.

Müssen wir uns angesichts des deutlichen Rückgangs bei den Lebenshaltungskosten in Übersee, immerhin sanken die Preise um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, jetzt auch für die US-Volkswirtschaft ernsthaft mit dem Thema Deflation beschäftigen? Oder ist dies möglicherweise sogar ein erster Indikator für eine drohende Rezession?

Der Blick auf die Kernrate, die die volatile Entwicklung bei den Energiepreisen und bei den Nahrungsmitteln ausschließt, belehrt uns jedoch schnell eines Besseren. Diese Betrachtung weist gegenüber Dezember einen Preisanstieg um 0,2 Prozent aus, die Jahresteuerungsrate liegt unverändert bei 1,6 Prozent. Dieses solidere Inflationsmaß zeigt den tatsächlichen inländischen Preisdruck, der in den USA im Wesentlichen vom Dienstleistungsbereich ausgeht und einen stetigen leichten Aufwärtstrend zeigt. Immerhin entfallen rund 60 Prozent der monatlichen Ausgaben der Konsumenten auf den Servicebereich. Vor dem Gespenst einer Deflation schützt die Amerikaner darüber hinaus die kräftige Inlandsnachfrage, die auch in diesem Jahr der alleinige Wachstumsträger sein dürfte.

Fazit: Auch wenn etwa bis zur Jahresmitte die Headline, also die „all inclusive-Inflationsrate“, nahe der Null-Linie oder leicht darunter liegen dürfte, hat dies wenig mit Deflation zu tun. Die Kernrate dürfte auch in den kommenden Monaten vom moderaten inländischen Preisdruck getrieben werden, so dass die Jahresteuerungsrate nach diesem Maßstab weiterhin bei rund 1,6 Prozent liegen dürfte. Hinzu kommt, dass der Ölpreis auf den Weltmärkten anscheinend im Februar sein Tief überwunden hat und damit auch die Headline von dieser Seite wieder Auftrieb erhalten sollte. Darüber hinaus sehen wir durch die anhaltend hohe Beschäftigungsdynamik in der zweiten Jahreshälfte erhöhten Lohndruck aufziehen, der sich über kurz oder lang auch bei den Verbraucherpreisen niederschlagen dürfte.

26.02.2015

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