Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Black Friday findet in diesem Jahr vor allem in den Internetshops statt

Während früher die Adventswochenenden den Startschuss zum Weihnachtsgeschäft lieferten, beginnt die Jahresendrally für den Handel seit einigen Jahren bereits früher. Hieran haben nicht zuletzt die aus den Vereinigten Staaten eingeführten Trendtage „Black Friday“ und „Cyber Monday“ ihren Anteil. In den USA wird der Black Friday, der Freitag nach Thanksgiving, häufig als Brückentag genutzt. An diesem Tag erzielen die amerikanischen Einzelhändler traditionell ihren größten Umsatz im Jahr. Angeblich kommt sogar der Name „Black Friday“ daher, dass die Geschäfte an diesem Tag die roten Zahlen verlassen und die Gewinnzone erreichen. Als Antwort auf den Black Friday führten die Onlineshops den Cyber Monday ein, den auf den Black Friday folgenden Montag. In den Vereinigten Staaten gilt dieses verlängerte Wochenende schon länger als der Start des Weihnachtsgeschäfts. Aber auch in Deutschland hat es sich mittlerweile durchgesetzt und wird immer öfter hin zu einer „Black Week“ ausgedehnt. Der Handelsverband Deutschland HDE erwartet für die beiden…

Corona-Krise lässt Mittelstand auch im Herbst nicht los

In der Vergangenheit erwies sich der Mittelstand als relativ robust in Krisenzeiten. Dies lag insbesondere an seiner Ausrichtung auf den Heimatmarkt. Dadurch fielen die negativen Auswirkungen internationaler Krisen wie der Finanzkrise oder der Euro-Schuldenkrise vergleichsweise gering aus. Auch in der Corona-Krise brachen die Ausfuhren stärker ein als die Inlandsnachfrage. Dennoch traf die aktuelle Krise den deutschen Mittelstand mit voller Wucht. Allerdings gab es deutliche Unterschiede zwischen den Branchen und den Unternehmensgrößenklassen. Beträchtlichen Einfluss auf die Mittelständler zeigten die Einführung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sowie die Flexibilisierung der Arbeit. Darauf reagierten 40 Prozent der befragten Mittelständler mit Umstrukturierungen ihrer Arbeitsprozesse. Für jeden fünften Befragten war sogar die Neuausrichtung von Produktion oder Geschäftstätigkeit wegen der Auswirkungen der Corona-Krise notwendig. Trotz anhaltender Nutzung von Kurzarbeit konnten zudem immer mehr Unternehmen Entlassungen nicht vermeiden.   Dass Investitionen in „herkömmliche“ Maßnahmen wie die Erschließung neuer Märkte oder neue Arbeitsformen im Zeitalter der Digitalisierung alleine aber…

Corona hat den Wohnungsmarkt verschont, doch das Regulierungs-Virus breitet sich aus

Das Corona-Virus hat am gewerblichen Immobilienmarkt erheblichen Schaden angerichtet. Der Wohnungsmarkt zeigt sich jedoch weitgehend immun. Die Wertschätzung für die eigenen vier Wände hat in der Corona-Krise zugenommen und sorgt angesichts attraktiver Finanzierungskonditionen für fortgesetzt kräftig steigende Kaufpreise. Der Anstieg der Wohnungsmieten hat sich jedoch verlangsamt. Nach dem gerade veröffentlichen F+B-Wohn-Index sanken die Neuvertragsmieten im dritten Quartal gegenüber den vorangegangen drei Monaten um etwa 1 Prozent. Neben Rezession und gestiegener Arbeitslosigkeit dürften sich das verbesserte Neubauangebot und das erheblich gestiegene Mietniveau dämpfend auswirken. Aber statt des Mietrückgangs könnte vielmehr das Regulierungs-Virus zum Risiko für den Wohnungsmarkt werden. Um die Folgen der angespannten Wohnungsmärkte zu mildern, sind Instrumente wie die Mietpreisbremse eingeführt worden. Sie haben aber wenig bewirkt, weil sie bestenfalls am Symptom ansetzen. Das knappe Wohnungsangebot als Ursache der steigenden Mieten wird jedoch ausgespart.   Die Folgen einer ausufernden Regulierung lassen sich aktuell am Berliner Wohnungsmarkt beobachten. Der Anfang des…

DAX Erweiterung auf 40 Werte ab September 2021

Das Regelwerk für den DAX wurde überarbeitet. Die Änderungen basieren auf einer Befragung von über 600 Marktteilnehmern und werden schrittweise eingeführt. Die wesentlichste Neuerung ist, dass der DAX ab September 2021 von 30 auf 40 Werte erweitert wird. Damit wird der Index die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug wird der MDAX von 60 auf 50 Werte verkleinert. Daneben werden weitere Qualitätskriterien eingeführt. Ab Dezember 2020 müssen alle DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen. Ab März 2021 müssen zusätzlich alle Unternehmen testierte Geschäftsberichte und Quartalsmitteilungen veröffentlichen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß unmittelbar zum Indexausschluss. Zuvor hatte das Wirecard-Debakel Schwächen des Indexkonzepts aufgedeckt, so dass die Deutsche Börse nun handeln musste. Nicht übernommen wurde der Vorschlag zur Aufnahme von Nachhaltigkeitskriterien. Aus unserer Sicht ist dies zu begrüßen, weil Anleger eine objektive Vergleichsgröße suchen. ESG-Kriterien können aufgrund der hohen Heterogenität…

Einkaufsmanagerindizes in der EWU: Rückgang im November war zu erwarten

Es kommt, wie es kommen musste. Angesichts der zweiten Pandemie-Welle in Europa und der damit verbundenen Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Euro-Raum spürbar eingetrübt. Gerade die Dienstleister berichten in der Umfrage von IHS Markit von schwierigen bis unmöglichen Geschäftsbedingungen im November. Aber auch das verarbeitende Gewerbe kann sich der Lockdown-Stimmung nicht entziehen. Einziger Lichtblick: Die Geschäftsperspektiven der Einkaufsmanager für die kommenden 12 Monate haben sich aufgehellt. Dies wird an den Meldungen über die Fortschritte bei der Entwicklung der Impfstoffe liegen. Das reicht aber nicht, um die düstere Lageeinschätzung auszugleichen. Insgesamt geht der umfassende Composite-Einkaufsmanager im November erneut deutlich von 50 auf 45,1 Punkte zurück. Und die Botschaft ist eindeutig. Die Wirtschaftsleistung der Währungsunion dürfte im Schlussquartal 2020 erneut sinken, im Einklang mit unserer Prognose. Auch in Deutschland gab der Composite-Index nach. Nach 55,0 Punkten im Oktober notiert er im November vorläufig aber bei immer noch…

Türkische Zentralbank: Vertrauen braucht Zeit

Die türkische Zentralbank hat im Rahmen ihrer ersten Sitzung unter neuer Führung den Leitzins von 10,25% auf 15,00% angehoben und mehr Transparenz versprochen. Damit hat sie die aktuell marktseitig vorherrschenden Erwartungen zwar erfüllt. Den Währungshütern dürfte jedoch klar sein, dass man Vertrauen nicht über Nacht zurückgewinnt. Hierfür bedarf es einer angemessenen Geldpolitik über einen längeren Zeitraum. Und sicherlich nicht ohne Grund betonen die Währungshüter in ihrer Stellungnahme, eine restriktive Geldpolitik so lange aufrecht erhalten zu wollen, bis ein dauerhafter Rückgang der Inflationsrate erreicht wurde. Ebenso wird die Notwendigkeit von Transparenz, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der geldpolitischen Maßnahmen hervorgehoben, um das Ziel der Preisniveaustabilität zu erreichen und zu wahren. Nicht nur für die Zentralbank gilt es nun, die jüngsten Aussagen mit Leben zu füllen. Die weitere Entwicklung in der Türkei dürfte auch davon abhängen, ob Staatspräsident Erdogan seine jüngst für die restriktivere geldpolitische Ausrichtung zum Ausdruck gebrachte Rückendeckung dauerhaft aufrechterhält. Schließlich waren…