Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Deutscher Wohnungsmarkt: Steht eine umfassende Zäsur bevor?

Die Stimmung in der deutschen Immobilienwirtschaft ist bestens, Betongold verkauft sich hierzulande „wie geschnitten Brot“. Und das gilt nicht nur für Wohnungen und Häuser. Mindestens genauso groß ist die Nachfrage nach Büroobjekten, Einkaufs- und Fachmarktzentren, Logistikhallen oder auch Hotels und Mikroapartments. Das sorgt für durchweg hohe und steigende Kaufpreise, während die Mietrenditen auf nicht gekannte Tiefstände gesunken sind. Wenn ein solcher Boom von anfänglichen Übertreibungen zur ausgewachsenen Immobilienblase übergeht, droht Gefahr für die Volkswirtschaft und das Finanzsystem. Soweit ist es aber noch nicht gekommen. Das sagen sowohl die Bundesbank als auch der Rat der Immobilienweisen im Rahmen ihrer jüngst veröffentlichten Analyseergebnisse; erstere im Monatsbericht des Instituts, letztere im jährlichen Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft. Mahnende Worte, die das Bewusstsein für die Risiken der schon bestehenden Übertreibungen am Immobilienmarkt schärfen, können dennoch nicht schaden. Für Aufmerksamkeit und eine breite Presseresonanz hat vor allem das Frühjahrsgutachten gesorgt. Dort werden nicht nur die schon bekannten Preisübertreibungen…

Euro Stoxx 50: 4.000 Punkte bis Jahresende erreichbar

Zusammenfassung: » Unternehmensgewinne sollten 2018 und 2019 jeweils um 10% wachsen » Indexbewertung günstig – KGV-2019 liegt bei 12,6, Dividendenrendite gehört zu den höchsten unter den etablierten Indizes weltweit » Euro Stoxx 50 bis Jahresende bei 4.000 Punkten erwartet Die Kursentwicklung des Euro Stoxx 50 konnte in den vergangenen Jahren weder mit der Entwicklung der großen amerikanischen Indizes noch mit der des DAX mithalten. In Europa hemmten in der Vergangenheit Krisen die Entwicklung, während z.B. in den USA die zahlreichen Technologie- und Finanzaktien den Kursaufschwung für eine Sonderkonjunktur sorgten. Die Perspektiven für den europäischen Leitindex haben sich zwischenzeitlich deutlich verbessert. Die Konjunktur im Euroraum befindet sich heute wieder in einer guten Verfassung, selbst die notorisch schwach wachsenden Volkswirtschaften Italiens und Griechenlands expandieren. Auch die politische Lage innerhalb Europas hat sich im Zuge der – aus Marktsicht – positiven Wahlausgänge 2017 (u.a. Niederlande, Frankreich) deutlich stabilisiert. Die anstehende Wahl in Italien…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Verschnaufpause im Februar

Gemäß den vorläufigen Ergebnissen der Einkaufsmanagerbefragung im Euro-Raum gaben die Stimmungsbarometer auf weiterhin hohem Niveau gegenüber dem Vormonat leicht nach. Der kleine Rückgang ist nicht verwunderlich. Nach der Stimmungsverbesserung im vergangenen Jahr ist eine Korrektur durchaus zu erwarten gewesen. Es mag auch sein, dass gerade im Exportgeschäft der inzwischen gestiegene Außenwert des Euro zum US-Dollar die Nachfrage etwas gedämpft hat. Trotzdem bleibt der Aufschwung intakt. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum gab im Februar gemäß den vorläufigen Zahlen leicht von 58,8 auf 57,5 Indexpunkte nach. Dahinter stehen jeweils leichte Rückgänge bei der Industrie und bei den Dienstleistern, die beide von einem ordentlichen, aber geringeren Plus bei den Auftragseingängen berichten. Dieses Bild zeigt sich nicht nur in Frankreich und in Deutschland, sondern auch in den anderen von der Umfrage erfassten Volkswirtschaften. Deren Ergebnisse werden aber erst zu Beginn des kommenden Monats veröffentlicht In Deutschland ging es leicht nach unten. Die beiden…

Aussichten für den Dax weiterhin günstig

Zusammenfassung » Der DAX ist mit einem KGV-2019e von 11,8 und einer Dividendenrendite von 3,5% günstig bewertet. » Die starke Weltkonjunktur (+3,9% in 2018) bringt den DAX-Unternehmen 2018/19 einen deutlichen Gewinnsprung. Gleichzeitig bieten die niedrigen Kapitalmarktrenditen Anlegern keine echte Alternative. » Dieses Setup überzeugt uns: Wir erwarten, dass der DAX bis zum Jahresende um gut 13% auf 14.000 Punkte steigen wird. Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind dank wachsender Weltkonjunktur prall gefüllt, die Stimmung in der Wirtschaft ist so gut wie nie zuvor. Dies spiegelt sich bei den Erwartungen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung der DAX-Unternehmen wider. Analysten rechnen damit, dass in diesem und im nächsten Jahr die DAX-Gewinne um je 10% steigen sollten. Aktienanalysten tendieren häufig dazu, Gewinnerwartungen zunächst zu positiv zu formulieren, meist ist die erste Schätzung dann zu optimistisch und muss revidiert werden. Berücksichtigt man jedoch das gesamte (volks-)wirtschaftliche globale Umfeld, welches durch eine gut laufende Konjunktur,…

Linde – die Fusion geht in die Endphase

Linde will vor der geplanten Fusion mit Praxair, eine Dividende von 7 Euro je Aktie ausschütten. Die Dividendenausschüttung soll auf der Hauptversammlung am 3. Mai beschlossen werden. Die Höhe der Dividende setzt sich zusammen aus einer Ausschüttung von 3,90 Euro/Aktie für das Geschäftsjahr 2017 sowie weiteren 3,10 Euro/Aktie, welche die drei Quartale des Geschäftsjahres 2018 bis zu geplanten Fusion mit Praxair berücksichtigen. Dieser Schritt reflektiert die Tatsache, dass Praxair quartalsweise Dividendenzahlungen vornimmt und in den drei Quartalen bis zum avisierten Zusammenschluss Dividende zahlen wird. Linde will damit einen „Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Dividendenzahlungszeitpunkten herstellen“. Die EU-Kommission hat am 16.02.2018 ein vertieftes Prüfungsverfahren eingeleitet. Hintergrund sind Bedenken über Wettbewerbsbeeinträchtigungen auf dem Markt für verschiedene Gase, da die Anzahl der Anbieter dadurch weiter reduziert würde, was höhere Preise und eine geringere Auswahl zu Folge haben könnte. Das Verfahren soll bis zum 4.7.18 abgeschlossen werden. Linde hatte diesen Schritt erwartet und bereits im…

Südafrika: Zeit der guten Hoffnung

In Südafrika ist Staatspräsident Jacob Zuma gestern von seinem Amt zurückgetreten. Damit erspart Zuma sich und seiner Partei eine Abwahl im Rahmen eines Misstrauensvotums im Parlament. Zuma hat solche Voten zwar mehrfach überstanden, in diesem Fall schienen sich Opposition und regierender ANC aber einig, den Präsidenten abzuwählen. Damit wird Vizepräsident Cyril Ramaphosa, der seit Dezember 2017 auch der Vorsitzende des ANC ist, der neue Präsident des Landes. Innerhalb von 30 Tagen muss das Parlament dies bestätigen, was angesichts der ANC-Mehrheit aber sehr wahrscheinlich ist. In der Abstimmung dürfte sich zeigen, wie stark der Rückhalt Ramaphosas in seiner Partei ist. Welche Vorteile bietet dieser zügige und vergleichsweise reibungslose Machtwechsel? Cyril Ramaphosa kann nun früher damit beginnen, seine politische Agenda, die auf Wachstum durch verbesserte Rahmenbedingungen für Unternehmen, stärkere Bildungsförderung und Anti-Korruptionsmaßnahmen setzt, in die Tat umzusetzen. Dies dürfte die Zuversicht im Land sowie bei externen Investoren stärken und damit die dringend…