Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Einer gegen alle – einer für alle

In unserem westlichen Nachbarland gehen die Menschen deutlich häufiger auf die Barrikaden als diesseits des Rheins. Daran haben wir uns nicht erst in den letzten Jahren gewöhnt. Aktuell führt ein großflächiger Streik in Frankreich wieder einmal zu geschlossenen Schulen und einem zusammenbrechenden Nah- und Fernverkehr, vor allem im Großraum Paris. Das ist – insbesondere in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäftes – auch wirtschaftlich eine große Herausforderung. Politisch geht es um die geplante Rentenreform der Regierung. Diese ist dringend notwendig, vor allem angesichts der vergleichsweise hohen Kosten des französischen Rentensystems und des sehr frühen Ruhestands in einigen Berufsgruppen. Doch in Frankreich werden auch Partikularinteressen seit jeher mit großer Militanz verteidigt. Den Protesten schließen sich nicht nur die in der Defensive befindlichen Gewerkschaften, sondern auch die erstarkten Populisten von rechts und links außen an. Präsident Macron steht mit den Seinen relativ allein in der Mitte und muss dem Druck standhalten. Wir alle…

UK-Wahlen: die perfekte blaue Welle

Seit einer guten Stunde ist sicher, was sich bereits gestern Abend in den Exit-Polls abgezeichnet hatte: Die Konservative Partei, unter der Führung von Boris Johnson, hat die Parlamentswahlen mit einer großen Mehrheit gewonnen. Der Partei ist es gelungen, 362 Sitze (plus 66) zu gewinnen und sich damit die größte absolute Mehrheit für die Tories seit 1987, damals unter Margaret Thatcher, zu sichern. Die Labour-Partei musste hingegen herbe Verluste einstecken, ebenso wie die Liberaldemokraten. Jeremy Corbyn hat seinen Rücktritt bereits in Aussicht gestellt, während die Parteichefin der LibDems, Jo Swinson, ihren Wahlkreis sogar verloren hat. Der einzige große Gewinner neben den Konservativen ist die schottische SNP, der es gelungen ist, deutlich zuzulegen. Parteichefin Nicola Sturgeon hat bereits angekündigt, diesen Sieg zu nutzen, um ihre Pläne für die schottische Unabhängigkeit voranzutreiben. Das neue Parlament wird radikal anders aussehen. Während die konservative Fraktion wesentlich homogener werden dürfte und die innerparteilichen Querelen vielleicht nicht…

Großbritannien wählt – Belastungen bleiben

Großbritannien steht heute vor einer Richtungswahl. Sowohl in der Brexit-Frage als auch in der Wirtschaftspolitik klaffen die Vorstellungen der wichtigsten Parteien weit auseinander. Die Konservativen unter Premierminister Boris Johnson wollen Großbritannien Anfang nächsten Jahres zu relativ einschneidenden Konditionen aus der EU führen. Jeremy Corbyns Labour-Partei wirbt stattdessen mit einem zweiten Referendum über einen weicheren Brexit. Gleichzeitig stellt die Partei aber auch radikale wirtschaftliche Umbrüche in Aussicht, einschließlich der Verstaatlichung ganzer Industriezweige. Kleinere Parteien, wie die Liberaldemokraten (LibDems) oder die schottischen Nationalisten (SNP) lehnen den Brexit ganz ab. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen zwar vorn, die absolute Mehrheit wird jedoch zur Zitterpartie. Wird sie erreicht, kann Boris Johnson „durchregieren“, und dem EU-Austritt Großbritanniens Ende Januar 2020 dürfte kaum noch etwas im Wege stehen. Dann allerdings wartet bereits die nächste Hürde im Brexit-Prozess – der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der EU nach einer denkbar kurzen Verhandlungsfrist von lediglich elf Monaten. Ohne Freihandelsabkommen…

Pause bestätigt

Die US-Notenbank hat bei ihrem letzten geldpolitischen Treffen in diesem Jahr den Leitzinskorridor unverändert gelassen und die von uns erwartete Pause im aktuellen Leitzinszyklus bestätigt. Die wirtschaftlichen Aussichten wurden als solide bezeichnet. Insbesondere der Arbeitsmarkt sei robust. Das Fed Pressestatement wurde im Vergleich zur letzten Sitzung – wie üblich – nur wenig verändert. Die Fed gab zu Protokoll, die Aussichten für Wirtschaft und Inflation, einschließlich der globalen Entwicklungen,weiterhin genau zu beobachten. Der Satz, dass es Unsicherheiten über den wirtschaftlichen Ausblick gebe, wurde hingegen gestrichen. Das aktuelle Leitzinsniveau sei angemessen. Das jüngste Statement ist damit leicht optimistischer als das vorangegangene Kommuniqué. Spannend waren erneut die Zinserwartungen der Fed-Mitglieder, die im sogenannten Dot-Plot abgebildet sind. Im September deuteten die Projektionen der einzelnen FOMC-Mitglieder darauf hin, dass die Zinspause bis ins Jahr 2021 anhalten werde und dann eine Straffung der geldpolitischen Zügel auf der Agenda stehe. An dieser Botschaft haben die Währungshüter festgehalten,…

Japans Wirtschaft bleibt gedopt

Wenn man die Kriterien der olympischen Doping-Kommission anlegen würde, könnte man die Wirtschaftszahlen Japans in den nächsten Jahren nicht mehr in die offiziellen Statistiken aufnehmen. Denn Japans Regierung hat die anhaltende Wachstumsflaute zum Anlass genommen, ein neues großes Fiskalpaket anzukündigen. Zahlreiche Details dazu stehen noch aus. Als sicher gilt aber: Es soll ein Volumen von rund 13,2 Bill. Yen (etwa 110 Mrd. Euro) haben; das entspricht knapp 2,4% des japanischen Bruttoinlandsproduktes. Zusätzlich soll ein gleich hohes Volumen über die Beteiligung der Privatwirtschaft und die regionalen Gebietskörperschaften generiert werden, die dafür Kreditanreize erhalten. Dass dabei alle „mitmachen“, ist aber gar nicht sicher. Auch der Erfolg des Pakets bleibt abzuwarten. Zwar rechnet die Regierung mit einem Wachstumsimpuls von rund 1,5 Prozentpunkten über die gesamte Wirkungsdauer des Programms, die auf über zwei Jahre anzusetzen ist. Zweifel an diesen relativ optimistischen Erwartungen sind aber durchaus angebracht, zumal das Paket – wie frühere Fiskalprogramme –…

Für den Yen hat sich einiges verändert

Die niedrigen Zinsen und die global steigende Geldmenge und Verschuldung haben Effekte auf alle Teile des Finanzmarktes. So hat der japanische Yen seine Funktion als sicherer Hafen in Zeiten von erhöhten Risiken fast gänzlich eingebüßt. So ist der Zusammenhang zwischen Aktienmarktentwicklung und der japanischen Währung sehr schwach geworden. Aber auch der Vorteil als Finanzierungswährung ist dahingeschmolzen in Zeiten von global niedrigen Zinsen. Wenn die Unsicherheit an den Finanzmärkten wieder deutlich zunehmen sollte, dürfte der japanische Yen zwar wieder stärker profierten. Aber als Finanzierungswährung dürfte der Yen zunächst ausgedient haben. Plötzliche Aufwertungen des Yen können also weiterhin möglich sein. Jedoch müssen die Schocks wohl sehr ausgeprägt sein. Die Aufwertung sollte aber weniger ausgeprägt sein als in der Vergangenheit, da die Funktion als Finanzierungswährung weitestgehend weggefallen ist und damit die quasi der Turbo für eine Aufwärtsbewegung jetzt fehlt.