Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
US-Wirtschaft wächst vor Präsidentschaftswahl kräftig, Ankündigungen der Bewerber müssen Taten folgen

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl meldet das Bureau of Economic Analysis ein überaus kräftiges Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal: Zwischen Juli und September ist das Bruttoinlandsprodukt der USA mit einer annualisierten Rate von mehr als 33 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen! Die starken Nachholeffekte nach der Lockerung von Corona-Restriktionen und die staatlichen Stützungsmaßnahmen haben für einen ordentlichen Schub gesorgt. So trieb vor allem die rege Konsumtätigkeit die Wirtschaft an. Den enormen Coronabedingen Konjunktureinbruch im ersten Halbjahr hat die Wirtschaft damit zwar noch nicht ausgeglichen. Das BIP liegt noch 3,5 Prozent niedriger als vor der Corona-Rezession – im vierten Quartal 2019. Die jüngsten Wachstumszahlen zeigen aber, dass sich die Wirtschaft eigentlich auf einem sehr guten Weg befindet. Doch der weitere Erholungspfad ist mit vielen Steinen gesät: Zum einen steigen auch in den USA die Corona-Neuinfektionen rasant an und erhöhen das Risiko neuer Eindämmungsmaßnahmen. Wichtige Handelspartner begeben sich bereits wieder in einen…

Die EZB wartet noch

Die heutige EZB-Ratssitzung wurde mit Spannung erwartet. Angesichtes stark steigender Neuinfektionszahlen und einer sukzessiven Verschärfung der Restriktionsmaßnahmen in Europa stiegen die Erwartungen im Vorfeld der Sitzung, dass es schon heute neue Lockerungsmaßnahmen verkündet werden könnten. Diese blieben zwar aus, allerdings wurde die Tür für weitere Lockerungen weit aufgestoßen. In der Pressekonferenz betonte Frau Lagarde, dass die stark steigende Zahl der Neuinfektionszahlen sowie die Maßnahmen zur Eindämmung dieser Entwicklung auf dem kurzfristigen Ausblick lasten würden. Die Risiken für den weiteren Ausblick seien klar abwärtsgerichtet. Daher sei es auch erforderlich, dass die Unterstützung der Wirtschaft durch die Fiskalpolitik auf nationaler und europäischer Ebene entschlossen fortgesetzt werde. Der Fokus richtet sich nun auf die Sitzung am 10. Dezember. Dann werden die Notenbanker ihre neuen Projektionen für Wachstum und Inflation vorlegen. Diese dürften für das vierte Quartal und auch für den Beginn des kommenden Jahres deutlich niedriger als bisher ausfallen. Frau Lagarde betonte, dass die…

Trends im deutschen Einzelhandel

  Im August stand für den deutschen Einzelhandel ein Plus in Höhe von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu Buche. Sicherlich hat der seit Juni geltende niedrigere Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent seinen Anteil an dieser Entwicklung, aber auch schon in der ersten Jahreshälfte konnte der Sektor wachsen. Der Internethandel profitierte dabei bisher mit weitem Abstand am meisten von der Corona-Krise. Aber auch die Umsätze im Lebensmittelhandel und in Apotheken legten zu, ebenso wie in Baumärkten und zuletzt auch wieder in Möbelhäusern. Warenhäuser und Bekleidungshandel sehen sich dagegen mit starken Umsatzeinbußen konfrontiert.    

Weltspartag 2020: Geldanlagestau verstärkt sich

Die Ersparnis der privaten Haushalte in Deutschland hat sich in den letzten sechs Jahren kräftig erhöht. Zuletzt ist die Sparquote als Folge der Corona-Krise noch einmal nach oben geschossen. Allerdings erschweren extrem niedrige Zinsen in Kombination mit der traditionellen Risikoaversion deutscher Privatanleger sowie eine ausufernde Regulierung zur Anlageberatung eine ausgewogene Geldanlage. Hinzu kommen hohe Immobilienpreise und restriktive Bauvorschriften, die den Immobilienerwerb als Alternative zur Geldanlage zunehmend erschweren. In der Folge bildete sich ein wachsender Anlagestau und der Anteil nicht investierter Mittel in Form von Sichteinlagen und Bargeld wächst immer weiter. Dass die privaten Haushalte in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres trotz Corona-Krise nicht in Panikverkäufe bei Wertpapieren verfallen sind und stattdessen mehr Mittel in Form von Aktien angelegt haben, stimmt zwar zuversichtlich. Allerdings betrifft das nur einen kleinen Teil der privaten Haushalte und um dem wachsenden Geldanlagestau wirklich etwas entgegenzusetzen, war der Effekt zu schwach. Eine Politik, die…

EWU-Einkaufsmanager: Zweite Welle drückt auf die Stimmung der Dienstleister – Industrie zeigt sich robust

Bei den europäischen Dienstleistern steigt angesichts zunehmender Infektionszahlen im Oktober die Unsicherheit. Die Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen lässt den Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich deutlich sinken. In einigen Ländern sind die Gastronomie und der Beherbergungsbereich spürbar eingeschränkt. Zudem gibt es teilweise nächtliche Ausgangsperren. Mit Irland und den Niederlanden befinden sich zwei Länder sogar schon wieder in einer Art Lockdown. Dies hinterlässt Spuren und drückt die bei den Dienstleistern auf das Sentiment. In der Industrie können die Stimmungsmesszahlen dagegen sogar noch zulegen und für die Gesamtbetrachtung Schlimmeres verhindern. Der umfassende Composite-Index aus beiden Bereichen geht im Oktober gemäß IHS Markit von 50,4 auf 49,4 Punkte zurück. Zu Beginn des vierten Quartals verschlechtern sich damit die Wachstumsaussichten des Euro-Raums. Da bei den steigenden Infektionszahlen derzeit noch kein Ende in Sicht ist, sind weitere Verschärfungen bei der Virus-Bekämpfung nicht auszuschließen. Die Stimmungslage der deutschen Einkaufsmanager ist im Oktober zweigeteilt. Die Messzahl für die Industrie kann…

Die zweite Welle schwappt hoch

Das Infektionsgeschehen verschlimmert sich aktuell in den meisten europäischen Ländern von Tag zu Tag. In kleineren Ländern wie Belgien und Tschechien ist die Entwicklung besonders dramatisch, aber auch die großen Länder geraten in immer größere Schwierigkeiten. In Deutschland steht man zwar – verglichen mit Frankreich oder Spanien – noch etwas besser da, doch auch hierzulande weist der Trend in eine besorgniserregende Richtung. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden in den meisten Ländern sukzessive verschärft. In Frankreich und Spanien gibt es bereits regionale Lockdowns, und Irland ist das erste EU-Land, das einen zweiten landesweiten Lockdown ausgerufen hat. Ob es den Regierungen gelingt, den Trend im Infektionsgeschehen zu brechen, bevor es wie im Frühjahr zu einer Überforderung im Gesundheitswesen kommt, ist ungewiss. Bereits die aktuellen Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität werden die Dynamik der Erholung sichtlich dämpfen. Wir haben unsere Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2020 in den vergangenen Tagen für…