Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Rohöl auf höchstem Stand seit 2014 – Ein „letztes Hurra“ des Rohölpreises gewinnt an Wahrscheinlichkeit

Die Rohölnachfrage brummt, der Preis steigt. Die von den Investoren fokussierten OECD-Industrielagerbestände fallen als Folge der Anfang 2017 begonnenen „Produktionsbegrenzungsarbeiten“ von 14 OPEC- und zehn NOPEC-Staaten – nach anfänglicher Stagnationsphase – nun immer weiter. Saudi-Arabien und der Iran zanken sich mit zunehmend aggressiver Rhetorik wieder einmal an mehreren Fronten um die regionale Vorherrschaft im Nahen Osten. Die USA überlegen das Atomabkommen mit dem Iran in Bälde zu verlassen, wenn für den laut Präsident Trump „schlechtesten Deal aller Zeiten“ nicht bis zum 12. Mai eine Nachbesserungs-Agenda installiert wird. Und die vorgenannte OPEC/NOPEC-Koalition denkt trotz baldiger Erreichung des selbst gewählten Lagerbestandsnormalisierungsziels sehr laut über die Verlängerung ihrer Marktsteuerungs-Zusammenarbeit nach. Angesichts dieses prall gefüllten Bündels an „Bullen-Meldungen“ ist es doch nur allzu verständlich, dass der Brent-Rohölpreis in den vergangenen neun Monaten nahezu ungebremst von 45 auf 75 USD angestiegen ist und sich nach Meinung einiger Marktteilnehmer nun anschickt, in Bälde auch die 80-,…

Milch: Alles in Butter!

Knappheit bei Butter führt 2017 zu kräftigem Anstieg des Milchpreises. Verbesserte betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen erhöhen Milchaufkommen in Europa und Deutschland. Weitere Entwicklung des Milchpreises bleibt dank positiver Exportdynamik stabil. Milcherzeugende Betriebe atmeten 2017 nach einer längeren Durststrecke wieder auf. Der Milchpreis stieg 2017 im Jahresmittel kräftig um 35% auf 35,3 Cent je Kilogramm an. Ausgelöst wurde die Preisbewegung überwiegend durch die ausgeprägte Knappheit bei Butter (Fettmarkt). Als Folge ist der Butterpreis sehr stark gestiegen. Bei Magermilchpulver (Eiweißmarkt) hingegen sind die Notierungen wegen einer anhaltenden Überversorgung weiter gefallen. Dies übersetzte sich in eine rekordhohe Preisdifferenz zwischen Butter und Magermilchpulver („Fett-/Eiweiß-Spread“).     Die hohen Milchpreise führen bei gleichzeitig geringen Futtermittelkosten in der EU zu steigenden Bruttomargen der Milchviehhalter. Diese positiven betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen besonders seit September 2017 dazu, dass den Molkereien deutlich mehr Milch angeliefert wird als im Vorjahr. Dabei hat sich in der EU die Anzahl der Milchkühe sogar verringert. Ein…

Neues Momentum im italienischen Regierungsgerangel

„Ich möchte offiziell mitteilen, dass für mich hiermit jedwede Verhandlung mit der Lega [Nord] endet.“ Mit diesen Worten brachte der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) Di Maio neuen Schwung in den festgefahrenen Prozess zur Regierungsbildung in Italien. Di Maios verbale Abfuhr gegenüber der rechtspopulistischen Lega Nord sollte den Weg für eine erste Annäherung mit den Sozialdemokraten (PD) ebnen. Letztere vollzogen über Nacht eine 180-Grad-Wende und zeigten sich dem Angebot gegenüber offen – hatte der PD-Chef Martina in den vergangenen Wochen doch noch mantrahaft den Schritt in die Opposition propagiert. Der Verhandlungserfolg einer Regierungsbildung dürfte derzeit noch in den Sternen stehen. Während PD und M5S große inhaltliche und ideologische Differenzen trennen, dürfte auch der Zwist innerhalb der beiden Lager vorprogrammiert sein. Bei den innerparteilich gespaltenen Sozialdemokraten sind weitere Absplitterungen, vor allem vom linken Flügel, zu befürchten. Auch Di Maio wird unter seinen Anhängern große Überzeugungsarbeit leisten müssen, will er die Zusammenarbeit mit…

Es bleibt dabei: Der Weg in eine Europäische Einlagensicherung ist lang und steinig

Die Diskussion um eine gemeinsame Europäische Einlagensicherung nimmt wieder Fahrt auf. Im Februar forderte EZB-Präsident Mario Draghi, die Errichtung von EDIS (European Deposit Insurance Scheme) nicht länger aufzuschieben. Passend hierzu hat sein Institut im April eine Studie veröffentlicht. Darin kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass EDIS in der Lage wäre, die Abdeckung von Einlegerschäden auch bei erheblichen Bankenkrisen zu gewährleisten. Zuletzt hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen mit Emmanuel Macron zu Wort gemeldet. Sie erklärte die Bereitschaft Deutschlands, an einer gemeinsamen Einlagensicherung mitzuwirken. Allerdings sieht sie die Realisierung des Projekts nicht in der unmittelbaren, aber in einer ferneren Zukunft. Tatsächlich gilt es auf dem Weg zu einer Europäischen Einlagensicherung noch gewaltige Herausforderungen zu meistern. Hierzu zählt der Abbau hoher Risiken, die in den Bilanzen zahlreicher Banken schlummern. Das zeigen die „faulen Kredite“, die sich laut European Banking Authority Ende 2017 auf über 813 Mrd. Euro in Europa…

Wachstumserwartung dämpfen Aktienmarktausblick

» Das DZ BANK Research hat die Prognosen für das weltwirtschaftliche Wachstum 2018 und 2019 jüngst von 3,9% auf 3,6% gesenkt. » Der Euro Stoxx und der DAX sollten infolge der geringeren Wachstumsaussichten weniger stark ansteigen. Die neuen Prognosen per Jahresende lauten: Euro Stoxx 50 3.600 (vorher 4.000) Punkte, DAX 13.300 (vorher 14.000) Punkte. » Die Bewertung der beiden Indizes bleibt attraktiv, das Potenzial ordentlich. Es gibt unverändert gute Kaufmöglichkeiten. Die geopolitischen Risiken sind 2018 gestiegen, wenngleich sich die Lage in den vergangenen Tagen etwas beruhigt hat. Zahlreiche Gefahrenstellen (Handelskrieg USA/China, Syrienkonflikt, Iran/Saudi-Arabien) sind belebt worden, nicht zuletzt wegen US-Präsident Trump, der sich stärker denn je der Einflussnahme seiner Berater zu entziehen scheint. Die drohenden Gefahren machen zukünftig eine Zurückhaltung bei der Investitionstätigkeit von Unternehmen und Staaten wahrscheinlich, auch der Welthandel sollte schwächer wachsen. Deshalb haben wir jüngst unsere BIP-Prognosen 2018/19 für nahezu alle wichtigen Staaten zurückgenommen. Diese Reduktion hat…

Stimmungsrückgang unter den Einkaufsmanagern im Euro-Raum erstmal gestoppt

Der Rückgang der Stimmungsbarometer unter den europäischen Einkaufsmanagern ist im April nach zuletzt zwei Rückgängen in Folge erstmal gestoppt worden. Das weiterhin hohe Niveau lässt darauf schließen, dass sich das Wirtschaftswachstum auch im zweiten Quartal weiter fortsetzen wird, aber mit einem etwas geringeren Tempo. Ein Rückgang im verarbeitenden Gewerbe wurde durch bessere Ergebnisse bei den Dienstleistern ausgeglichen. Der Composite-Index, der die Einschätzungen aus beiden Bereichen komprimiert, blieb deshalb mit 55,2 Punkten gegenüber dem Vormonat unverändert. Die jüngsten Befragungsergebnisse decken sich mit unserer Einschätzung. Die Korrektur der Stimmungsindikatoren in den letzten Monaten, aber auch die Zunahme der politischen Spannungen weltweit, dürfte die Unternehmenswelt verunsichert haben. Vor diesem Hintergrund dürfte das Wirtschaftswachstum in den ersten beiden Quartalen 2018 moderater ausfallen, verglichen mit den recht kräftigen Vorquartalen. Die Länderangaben von IHS Markit zeigen, dass sich die Composite-Indikatoren in Deutschland und Frankreich auf hohem Niveau leicht bewegten. Demnach dürfte das Sentiment im Rest des…