Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
„Faule Kredite“ bremsen Kreditvergabe und verstopfen geldpolitischen Zinskanal

Die Kreditvergabe im Euroraum hat sich zuletzt insgesamt positiv entwickelt. So wuchsen die Firmenkundenkredite der Banken von Ende Mai 2016 bis Ende Mai 2017 um 2,4 Prozent. Die Erholung der Kreditmärkte verschafft den Eindruck, dass der geldpolitische Zinskanal immer besser in Fluss kommt. Allerdings entwickeln sich die Kredite in sehr unterschiedlichem Tempo: Schrumpfenden Kreditbeständen in einigen südlichen Ländern sowie Irland und den Niederlanden steht ein starkes Kreditwachstum in anderen Ländern gegenüber. Neben konjunkturellen Gründen sind die extrem hohen Bestände „fauler Kredite“ in Griechenland, Zypern, Portugal, Italien und Irland für die Schwäche nationaler Kreditmärkte verantwortlich. Das behindert nicht nur die Investitionen, sondern verstopft auch den Zinskanal in den betroffenen Staaten. Dadurch steht die EZB vor besonderen Herausforderungen: Während die geldpolitische Stimulanz in einigen Ländern kaum greift, ist die Hebelwirkung in anderen regionalen Märkten umso stärker – mit der Gefahr einer Überhitzung vor allem bei Immobilien. Akuter Handlungsbedarf in punkto faule Kredite…

Einkaufsmanager im Euro-Raum: Etwas weniger Konjunkturoptimismus

Zum zweiten Mal in Folge sinkt das Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager im Euro-Raum. Der zusammengesetzte „Composite“-Index, der das Stimmungsbild für die gesamte EWU-Privatwirtschaft zusammenfassen soll, verlor ‑0,5 Zähler und notiert im Juli bei einem Wert von 55,8 Punkten. Damit bleibt der Index aber ohne Frage auf einem hohen Niveau. Hinter dem leichten Rückgang dürften unter anderem Sorgen bezüglich einer möglichen Belastung des Exportsektors durch den erstarkten Euro stecken. Zwar notiert die Einheitswährung im historischen Vergleich weiterhin nicht auf hohem Niveau. Die zuletzt zügige Aufwertung des Euro-Dollar-Kurses verteuert aber den Export von Gütern und Dienstleistungen und könnte so den Absatz im Ausland erschweren. Das Konjunkturbild im Euro-Raum bleibt insgesamt aber auch zum Start in das dritte Quartal 2017 ausgesprochen gut. In den Vormonaten waren die Einkaufsmanagerindizes, aber auch andere wichtige Frühindikatoren, in zum Teil schwindelerregende Höhen geschnellt. Zwar hat sich das konjunkturelle Wachstumsbild im Euro-Raum graduell auch verbessert und weiter gefestigt. Die überschäumende konjunkturelle…

EZB: Wenig Konkretes – Mehr im Herbst

Im aktuellen Pressestatement der EZB gab es keine Änderung bezüglich der geldpolitischen Ausrichtung, im Juni waren die Risikoeinschätzung für die Konjunktur angepasst und eine Änderung der Forward Guidance zur Leitzinserwartung beschlossen worden. Im Vorfeld der aktuellen Sitzung gab es Spekulationen, die Notenbank würde den Passus streichen, dass die Anleihekäufe nochmals ausgeweitet werden könnten. Das wäre ein weiteres restriktives Signal gewesen, aber die Währungshüter konnten sich nicht zu dieser Maßnahme durchringen. Dennoch bleibt dieser Schritt eine Option, eine Ausstiegsstrategie zu kommunizieren. Den Marktteilnehmern und auch der EZB ist bewusst, dass das Kaufprogramm unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen Anfang des kommenden Jahres an seine Grenzen stößt. Draghi verteidigte den expansiven geldpolitischen Kurs mit Verweis auf die anhaltend niedrige Inflation. Solange sich der bessere Wirtschaftsausblick nicht in höheren Inflationsraten widerspiegele, sei die expansive Geldpolitik angebracht. Die niedrigen Inflationszahlen bereiten den Währungshütern anhaltend Kopfzerbrechen, da es noch keine Anzeichen für einen überzeugenden Aufwärtstrend gibt. Die…

China hält auch in Q2 das erhöhte Wachstumstempo

Chinas Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal dieses Jahres um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und hat damit das leicht beschleunigte Wachstumstempo vom Jahresauftakt halten können. Die monatlichen Konjunkturzahlen vom April und Mai hatten noch einen leichten Tempoverlust im zurückliegenden Quartal nahegelegt, im Juni scheint die Konjunktur aber wieder deutlich an Schwung gewonnen zu haben. Dies sind gute Vorzeichen für die zweite Jahreshälfte, in der das Wachstum erhöht bleiben dürfte. Im Vorfeld des im Herbst anstehenden Parteitages der Kommunistischen Partei (KP), der nur alle fünf Jahre stattfindet, ist „Stabilität“ ein zentrales Anliegen der Führung in Peking. Sie wird im Ernstfall auch mit kurzfristigen Wachstumsspritzen für ein günstiges konjunkturelles Umfeld sorgen. Profitieren kann die chinesische Wirtschaft derzeit aber auch von der besseren Weltkonjunktur. Der Außenhandel hat das Wachstum in den letzten Monaten gestützt. Wir halten vor diesem Hintergrund an unserer Wachstumsprognose von 6,8 Prozent für das Gesamtjahr 2017 fest. Erneut…

Der Euro-Raum macht beeindruckende Fortschritte

In den letzten Jahren dominierten vor allem negative Meldungen über den Euro-Raum die Schlagzeilen. Hier ging es um die fehlende Einigkeit unter den Politikern aus Nord- und Südeuropa oder um die schlechte Wirtschaftslage in vielen EWU-Ländern. Bei letzterem hat sich das Bild zuletzt gewandelt. Und es gibt zunehmend Positives zu vermelden. Die Konjunktur im Euro-Raum erholt sich. Und zwar nicht  nur in den stabilen Ländern wie Deutschland, Österreich oder den Niederlanden, sondern auch in den vormaligen Krisenländern Südeuropas. Der konjunkturelle Aufschwung ist  im Euroraum überall spürbar. So zeigte die aktuelle Umfrage unter den Einkaufsmanagern im Industriebereich, dass der Sektor zuletzt so stark gewachsen ist wie seit rund sechs Jahren nicht mehr. Besonders beeindruckend dabei ist nicht nur, wie positiv die Konjunkturaussichten von den befragten Managern beurteilt werden, sondern dass sich in allen teilnehmenden Ländern eine positive Entwicklung abzeichnet. Dabei überzeugen etwa Spanien und Irland bereits seit rund drei Jahren mit…