Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Aktienmärkte 2017: Hohe Unsicherheit, geringes Risiko. Quote erhöht.

Mit der Wahl Donald Trumps wurde an den Aktienmärkten ein imaginärer Schalter umgelegt, der die US-Indizes in einen ausgeprägten „Alles wird gut“-Modus geführt hat. Diese Welle hat zwischenzeitlich auch die europäischen Aktienmärkte erfasst. Wir erwarten, dass die gute Stimmung am Aktienmarkt anhalten und bis in das Frühjahr hinein tragen wird. De facto wird Anlegern auch 2017 keine andere Wahl bleiben, als an die Aktienmärkte zurückzukehren, um dort die anzustrebende Rendite von Mischportfolios aufzubessern. Anleihen- und Immobilienmärkte sind überhitzt, Rohstoffanlagen keine ernsthaften Alternativen. Die Ausgangslage für die Aktienmärkte 2017 ist vielversprechend: Der Wirtschaftsausblick ist stabil, die Erholung der Emerging Markets gewinnt an Fahrt, die tiefen Zinsen bieten günstige Finanzierungsquellen für Unternehmen. Die stark exportorientierten deutschen Werte profitieren vom schwachen Euro. Der stärkere Ruf nach einer Wiedergeburt der klassischen Staatsnachfrage à la Trump ist ein Joker, der noch in das Spiel kommen könnte. Die niedrigen Kapitalmarktrenditen sprechen dafür, dass ein Großteil der…

EZB: Marathon statt Sprint

Der EZB-Rat beschloss hinsichtlich der außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen heute einige Änderungen. Zwar wird die EZB die Anleihekäufe im Rahmen des Asset Purchase Programms (APP) noch bis März 2017 unverändert fortführen, aber ab April 2017 sollen dann nur noch Anleihen im Wert von 60 Mrd. Euro bis zum Ende des Jahres 2017 oder darüber hinaus gekauft werden. Eine Hintertür ließ sich der EZB-Rat allerdings offen. Sollte sich herausstellen, dass sich der wirtschaftliche Ausblick in den kommenden Monaten verschlechtert und damit das Erreichen des Inflationsziels in weitere Ferne rücken könnte, beabsichtigt die EZB die monatlichen Käufe nach Umfang und/oder Dauer wieder zu erhöhen. Neben den monatlichen Käufen von 60 Mrd. Euro werden ab April zusätzlich die Rückzahlungen fälliger Anleihen, welche bisher im Rahmen des APP erworben wurden, reinvestiert. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, die im Zeichen immer neuer Maßnahmen der EZB standen, dürfte das kommende Jahr 2017 demnach von mehr geldpolitsicher…

Italien: Moody’s senkt den Daumen ebenfalls

Die Ratingagentur Moody’s hat gestern außerordentlich ihren Ausblick für Italien von stabil auf negativ gesenkt, einstweilen hält die Ratingagentur aber am Baa2-Rating fest. Moody’s begründet die Entscheidung ausdrücklich mit dem „Nein“ der Italiener zur Reform des Senats, das den ohnehin langsamen Fortschritt bei den Wirtschafts- und Stukturreformen nun weiter schwächen würde. Zwar habe Italien einige Veränderungen in den vergangenen Jahren unternommen, konkret wird unter anderen die Arbeitsmarktnovelle genannt, diese hätten aber nur geringen positiven Einfluss auf das Wachstum und die öffentlichen Finanzen entfalten können. Als zweiten Grund für die Senkung des Ausblicks nennt Moody’s das Risiko, dass sich der Abbau der hohen staatlichen Gesamtverschuldung im Hinblick auf das geringe Wachstum, die Neuverschuldung sowie Italiens Anfälligkeit für exogene Schocks verlangsamen könnte. Hierbei weist die Ratingagentur darauf hin, dass Italiens Schuldenstandsquote im Kreis der Nationalstaaten im weltweiten Vergleich die dritthöchste nach Japan und Griechenland sei. Für 2017 erwartet Moody’s einen weiteren Anstieg…

DAX: Ausbruch gelungen

Im Zuge günstiger Vorgaben konnte der DAX gestern gleich zu Beginn mit einem „Gap“ (Kurslücke) oberhalb des charttechnischen Widerstands um 10.800 Punkte aufwarten. Dadurch wurde die seit Mitte August dominierende Seitwärts-Handelsspanne nach oben hin verlassen. Auch in der Folge zeigte sich ein weiter gehender Nachfrageüberschuss, der den deutschen Blue Chip-Index bis auf einen Zählerstand um knapp 11.000 Punkte hievte. Im Späthandel brannte dann auch die Wall Street noch einmal ein Kursfeuerwerk ab. Mit dem gestrigen charttechnischen Ausbruchssignal hat sich das wichtigste deutsche Aktienmarktbarometer ein weiteres direktes Anschlusspotenzial bis 11.230 Punkte eröffnet. Dabei handelt es sich um das 161,8%-Fibonacci-Retracement der ehemaligen Seitwärts-Handelsspanne. Da die Bewegung dynamisch und unter anziehenden Handelsvolumina ablief, ist von einem validen Ausbruch auszugehen. Insbesondere in der zweiten Monatshälfte rückt darüber hinaus die „Weihnachtsrally“ auf die Agenda. Getragen von einem günstigen saisonalen Umfeld, dürfte sich der deutsche Blue Chip-Index daher zumindest bis zum Jahreswechsel von seiner freundlichen Seite…

Spanien: Wirtschaftlicher Schwung dank erfolgreicher Reformpolitik

Die spanische Volkswirtschaft setzt bislang ihren kräftigen Erholungskurs nahezu ungebrochen weiter fort. Im dritten Quartal bezifferte das spanische Statistikamt die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal auf 0,7 Prozent. Das ist zwar leicht weniger als in den Vorquartalen, doch unter den Mitgliedsländern des Euro-Raums liegt Spanien damit fast unangefochten an der Spitze. Im Gesamtjahr 2016 dürfte das Wirtschaftswachstum bei etwas mehr als 3 Prozent liegen. Das ist umso überraschender, da das Land lange Zeit nur von einer geschäftsführenden Regierung geführt wurde. Doch diese Zeit ohne Regierung hat dem Land anscheinend nicht geschadet. Vielmehr wurden von der Regierung Rajoy zwischen 2012 und 2015 wichtige Reformen angestoßen und damit die Weichen gestellt, dass die Wirtschaft wieder Fuß fassen konnte. Die Ernte der der davorliegenden Jahre kann jetzt eingefahren werden. Kernbereiche der Reformen umfassten den Arbeitsmarkt, das Steuersystem soweit das Rentensystem. Die mutigen Reformschritte, die die konjunkturelle Erholung befeuerten, haben aber zwischenzeitlich die…

Österreich: Bundespräsident Van der Bellen

Relativ deutlicher Wahlsieg des grünen Kandidaten in Österreich – FPÖ laut Umfragen weiter stärkste Kraft bei kommenden Nationalratswahlen Österreich hat einen neuen Bundespräsidenten gewählt: Der Sieger lautet Alexander Van der Bellen. Nachdem der Urnengang im Mai wegen diverser Verfahrensfehler für ungültig erklärt und der Termin im September auf Grund fehlerhafter Briefwahlbögen verschoben worden war, liegen laut aktuellem Kenntnisstand keine Anzeichen für Anfechtungsgründe vor, sodass das Ergebnis als endgültig erachtet werden kann – bis zum 22. Dezember kann jedoch noch Einspruch eingelegt werden. Mit dem Einzug des des unabhängigen, von den Grünen unterstützten Kandidaten in die Wiener Hofburg hat die jüngste Siegeswelle populistischer Parteien einen leichten Dämpfer erhalten. Van der Bellen konnte laut einer Hochrechnung des ORF – die Auszählung der Briefwahlstimmen erfolgt erst im Laufe des heutigen Tages – 53,3% der Wählerstimmen auf sich vereinen. Damit schlug er den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer im Vergleich zur vorherigen, für ungültig erklärten Stichwahl,…