Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Hollande gibt Verzicht auf Präsidentschaft bekannt

Der amtierende französische Präsident Hollande hat gestern bekannt gegeben, auf eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen zu verzichten. In der Geschichte der fünften französischen Republik ist es ein bislang einmaliger Vorgang, dass ein Amtsinhaber trotz Wiederwahlmöglichkeit hierauf vorab verzichtet. Hollande zieht damit die Konsequenz aus seinen katastrophal schlechten Zustimmungswerten, die zuletzt im einstelligen Prozentbereich lagen. Die sozialistische Partei hatte ihrerseits bereits vor einiger Zeit angekündigt, Hollande nicht bedingungslos bei einer erneuten Kandidatur zu unterstützen. Vielmehr hätte sich Hollande erst einer Vorwahl seiner Partei stellen müssen. Nachdem die Republikaner ihrerseits ihren Kandidaten Fillon jüngst durch Vorwahlen ermittelt haben, stand Hollande unter Zugzwang, sich hinsichtlich seiner Absichten zu erklären. Mit Hollandes Rückzug verkleinert sich der Kreis der sozialistischen Kandidaten um das Rennen für das höchste Staatsamt. Gute Chancen werden nunmehr Premier Valls eingeräumt, der von Hollande unterstützt werden könnte. Valls wäre ein Präsidentschaftskandidat, der für weite Teile der Sozialisten steht. Sein Gegenspieler auf…

Rohöl: Die OPEC sendet ein Lebenszeichen

Die OPEC hat sich gestern nicht nur auf die erste Förderkürzung seit 2008 verständigt, sondern zugleich das im Jahr 2011 ausgesetzte System individueller Mitgliedsländer-Produktionsquoten wiedereingeführt. Mit der zuletzt von weiten Teilen der Marktteilnehmer angezweifelten OPEC-Einigung hat das Kartell seine Marktrelevanz nachdrücklich unterstrichen. Offizielles Ziel der Kartellmaßnahme ist es, die sich derzeit nur zögerlich vollziehende Resynchronisierung von Angebot und Nachfrage auf dem Rohölmarkt signifikant zu beschleunigen und die global angehäuften „Lager-Überbestände“ solchermaßen forciert zurückzuführen. Gemäß dem gestrigen Beschluss will die OPEC ihre Gesamtfördermenge zunächst von Januar bis Juni 2017 auf 32,5 Mio. Barrel pro Tag (mbd) begrenzen. Nach eigenem Bekunden entspricht dies einer kumulierten OPEC-Output-Kürzung um 1,2 mbd. Über eine Ausdehnung der beschlossenen Output-Selbstbeschränkung um weitere sechs Monate soll im Rahmen des nächsten OPEC-Treffens am 25. Mai 2017 in Wien befunden werden. Mit der gestrigen „Last-Minute-Einigung“ hat die OPEC – zumindest auf dem Papier – das untere Ende der bereits Ende…

Arbeitslosenquote im Euro-Raum erstmals seit über sieben Jahren wieder einstellig

Der europäische Arbeitsmarkt sendet ein psychologisch wichtiges Signal: Mit 9,8 Prozent sank die Quote im Euro-Raum im Oktober auf den tiefsten Stand seit Juli 2009. Aufgrund einer Revision für den Vormonat wurde die Einstelligkeit mit 9,9 Prozent offiziell sogar schon im September erreicht. Die Rate bleibt damit im historischen Vergleich zwar weiterhin hoch, der Erholungstrend ist jedoch unübersehbar intakt. Doch nicht nur mit Blick auf den Euro-Raum als Ganzes hat sich die Lage im Oktober weiter erholt. Mit Ausnahme von Malta weist das Arbeitsmarktbild fast einheitlich in den Euroländern eine Verbesserung auf. So verringerte sich in Deutschland die – EU-harmonisierte – Rate auf 4,1 Prozent. Damit blieb Deutschland nun bereits den 40. Monat in Folge das Euroland mit der niedrigsten Quote. Auch das vielgescholtene Frankreich vermeldete unerwartet positive Daten. Dort rutschte die Rate mit 9,7 Prozent sogar leicht unterhalb die des Euro-Raums. Hält der Positivtrend an, könnte dies dem amtierenden Präsidenten Hollande und seiner…

Q&A zum Referendum in Italien

Worüber stimmt Italien ab? Rund 47 Millionen Italiener sind aufgerufen, im Rahmen eines Referendums darüber abzustimmen, ob die durch die Verfassung des Landes geregelte Kompetenz des Senats, einer von zwei bislang gleichberechtigten Kammern des Parlaments, geändert und im wesentliche auf regionale Kompetenzen reduziert wird.  Warum wird die Entscheidung durch ein Referendum getroffen? Beide Parlamentskammern haben der Reform bereits zugestimmt, allerdings verfehlte die Verfassungsänderung die notwendige Zweidrittelmehrheit. Die italienische Verfassung verlangt deswegen, dass die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Referendums das letzte Wort über das Zustandekommen der Reform haben. Eine Mindestwahlbeteiligung für die Gültigkeit der Abstimmung sieht die Verfassung nicht vor. Wer unterstützt die Reform und wer lehnt sie ab? Unterstützt wird dieses Vorhaben sowohl von der italienischen Regierung sowie der überwiegenden Mehrheit der Regierungsparteien als auch von einigen, eher moderaten Gewerkschaften und wirtschaftsfreundlichen Zeitungen des Landes. Große Teile der Opposition, linke Gewerkschaften sowie etliche konservative als auch linke Medien…

EWU-Inflationsrate steigt moderat – aber mehr als gut ein Prozent ist nächstes Jahr nicht drin

Die Schnellschätzung für die Inflationsrate in der EWU für den November hat heute den Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr auf +0,6 Prozent beziffert. Das ist wieder ein kleines Stück mehr als im Vormonat und zudem der sechste Monat in Folge, im dem die Inflationsrate im positiven Bereich gelegen hat. Maßgeblichen Anteil an der höheren Inflationsrate hat, wie zu erwarten war, die Preisentwicklung im Bereich Energie. Die europäischen Verbraucher mussten für Energie nur noch -1,1 Prozent weniger bezahlen als ein Jahr zuvor. Dieser dämpfende Effekt, der zu großen Teilen auf die Entwicklung des Rohölpreises in den letzten zweieinhalb Jahren zurückzuführen war, verliert zusehends an Stärke. In der Spitze belief sich der Preisrückgang für Energie in diesem Jahr auf -8,7 Prozent. Der Preisauftrieb bei den anderen Komponenten im Warenkorb blieb aber im November wie schon in den Vormonaten moderat. Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich auf Jahresbasis um +0,7 Prozent, industrielle Güter…