Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Asiatische Finanzmärkte: Die Stimmung bleibt fragil

Die neuen Zollbelastungen für Chinas Exporte in die USA werden zwangsläufig auch Rückwirkungen auf andere Länder Asiens haben, denn diese sind meist eng in die Produktionsketten mit China eingebunden. Sie werden somit von den zollbedingten Nachfrageausfällen als „Mitproduzenten“ der chinesischen Exportgüter entsprechend ihrer geleisteten Wertschöpfungsbeiträge indirekt miterfasst. Daher ist es keine Überraschung, dass die Aktienkurse an den asiatischen Märkten seit Ende Januar unter Druck stehen. Nicht nur in China fielen die Kurse für Dividendenpapiere, auch in anderen asiatischen Ländern wie Taiwan, Südkorea, Malaysia oder Thailand ging es deutlich bergab. Die Abhängigkeit der großen asiatischen Unternehmen vom direkten US-Geschäft ist recht gering, allerdings wirken Zweitrundeneffekte negativ. Auch gibt es in den Sektoren Elektronik, Industrie, Automobilteile und Textilien direkte Abhängigkeiten – Unternehmen dieser Branchen sind viel stärker betroffen als der breite Markt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele US-Unternehmen zukünftig die Zölle Chinas umgehen werden und direkt in den kleineren asiatischen Ländern…

Allheilmittel Yuan-Schwäche? Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Die Quantifizierung der konjunkturellen Folgen eines eskalierenden Handelsstreits mag weltweit noch diskutiert werden, die Devisenmärkte haben ihr Urteil über den Yuan aber längst gefällt. Die USD-CNY-Bewegung, die zunächst als bloßes Spiegelbild einer globalen USD-Stärke begonnen hatte, hat in den letzten Tagen rapide an Dynamik gewonnen und ist zu einer ausgewachsenen Yuan-Schwäche geworden. Bei den Handelsstreitigkeiten der Historie war der Einsatz des Wechselkurses ein mindestens so probates Mittel wie das Verhängen von Strafzöllen. Gerade für China, das über eine langjährige Tradition bei der staatlichen Alimentierung seiner Exportwirtschaft mittels Wechselkurs verfügt, wirkt eine gezielte Yuan-Schwächung zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit verführerisch. Wer China aber eine leichtfertige Yuan-Abwertungspolitik unterstellt, sollte nicht vergessen, wie kräftezehrend der Kampf gegen die Kapitalflucht vor knapp zwei Jahren war. Eine außer Kontrolle geratene Yuan-Schwäche wäre Gift für die ohnehin schon fragilen Aktienmärkte sowie den maroden Bankensektor. Auch der Vertrauensverlust durch ausländische Investoren sollte nicht unterschätzt werden; schließlich ist…

Trumps Strafzölle schaden nicht nur China, sondern ganz Asien

Bislang kann Chinas Konjunktur den drohenden Belastungen des US-chinesischen Handelskonflikts gut trotzen, das zeigen die jüngsten Daten zum Wirtschaftswachstum. Dies dürfte sich jedoch bald ändern, denn mit der nächsten Eskalationsstufe im Handelsstreit mit den USA könnten chinesische Exporte in Höhe von 250 Mrd. US-Dollar mit höheren Zöllen belastet werden – zwei Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung. Dies ist kein vernachlässigbares Risiko für das Wirtschaftswachstum des Landes mehr. Sicherlich werden die Ausfuhren in die USA durch die Importzölle nicht im vollen Umfang zurückgehen, kräftig einknicken dürften sie aber wohl. Wie stark, das hängt vor allem davon ab, wie empfindlich die US-Verbraucher und -Unternehmen auf die Erhöhung der Preise für Importwaren aus China reagieren. In Anlehnung an zahlreiche empirische Studien unterstellen wir für die sog. Preiselastizität der US-Importnachfrage einen Wert von -2, d. h. bei einer Preiserhöhung um 10 Prozent würde die Nachfrage um 20 Prozent fallen. Danach würden die bereits verhängten 25-prozentigen…

Spanische Wirtschaft trotzt politischen Turbulenzen

Auf den andauernden Katalonienkonflikt folgte im Juni eine Regierungskrise. Der bisherige konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy wurde im Zuge eines weitreichenden Korruptionsskandals durch den Sozialdemokraten Pedro Sanchez in einem konstruktiven Misstrauensvotum ersetzt. Doch statt Neuwahlen auszurufen, versucht sich dieser in seiner Rolle als Ministerpräsident zu profilieren. Viel Gestaltungsfreiheiten hat er dabei nicht. Mit gerade einmal 84 Mandaten – von insgesamt 350 – ist es die kleinste Minderheitsregierung in Europa. Folgen für die konjunkturelle Entwicklung hielten sich bisher durch den Regierungswechsel aber weitestgehend in Grenzen. Darauf weist nicht zuletzt die gute Entwicklung diverser Frühindikatoren hin. Auch eine Vorabschätzung der spanischen Notenbank lässt positiv aufhorchen. Demnach dürfte sich das Wachstum im zweiten Quartal bei hohen +0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal stabilisiert haben. Innenpolitisch wiegt der Katalonienkonflikt weiterhin schwer. Nach dem Wechsel der Zentralregierung Spaniens kündigte der neue Ministerpräsident Pedro Sanchez an, die Lage entspannen zu wollen. Vor kurzem trafen sich erstmals seit zwei…

Fed-Chef bestätigt aktuellen geldpolitischen Kurs

Die gestrige Anhörung des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell im Rahmen des halbjährlichen Berichts zur Geldpolitik vor dem Bankenausschuss des Senats war mit Spannung erwartet worden. In seiner Eröffnungsrede hat sich Powell bezüglich der konjunkturellen Entwicklung optimistisch gezeigt. Das solide Wachstumstempo im bisherigen Jahresverlauf basiere seiner Meinung nach auf mehreren Faktoren: Robuste Jobzuwächse, steigende Einkommen nach Steuern und Optimismus bei den Haushalten. Mit einem starken Arbeitsmarkt, einer Inflation nahe des Zwei-Prozent-Ziels sowie mit ausgeglichenen Risiken für den Wachstumsausblick sei der FOMC-Rat der Ansicht, dass weitere Leitzinserhöhungen der beste geldpolitische Weg seien – zumindest momentan. Dieser Einschub von Powell („for now“) kann dahingehend interpretiert werden, dass das geldpolitische Vorgehen nicht auf Autopilot steht. Leitzinserhöhungen werden demnach nicht zwangsläufig vorgenommen, sondern unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen. Interessanter als die vorbereitete Eröffnungsrede waren die Fragen der Senatoren sowie die Antworten von Powell. Etliche Fragen kamen zu den möglichen Auswirkungen des Handelskonflikts. Diesbezüglich hat der Vorsitzende…

Bärenmarkt in China: Vor allem wegen Trump

Große Sorgen belasten den chinesischen Aktienmarkt: Seit dem Hoch im Januar hat der Shanghai Composite Index über 20% korrigiert. Investoren haben Aktien verkauft, weil Sorgen aufkamen, chinesische Unternehmen würden zukünftig verstärkt unter den Handelsauseinandersetzungen mit den USA leiden. Tatsächlich zielt US-Präsident Trump im Kern seiner protektionistischen Politik auf Importe aus China. Trotz der rückläufigen Kurse seit Jahresbeginn ist der chinesische Aktienmarkt mit einer Marktkapitalisierung der Unternehmen von 6,5 Billionen US-Dollar (vergleiche Deutschland mit 2,3 Bio. US-Dollar) immer noch der zweitgrößte Markt der Welt, wenngleich zum US-Aktienmarkt (31,1 Bio. US-Dollar) ein gewaltiger Rückstand besteht. Weil Anfang November in den USA die Kongresswahlen stattfinden, gehen wir davon aus, dass Präsident Trump seine scharfe Rhetorik zum Handel mit China und der EU bis zu den Wahlen beibehalten wird. Für die chinesischen Aktienindizes bedeutet dies nichts Gutes, die Marktstimmung sollte gedrückt bleiben. Störungen im Welthandel würden den Unternehmen in China zusetzen. Jedoch sollte die…