Bielmeiers Blog

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
US-Wirtschaft: Erneut nur schwaches Wachstum, Lagerabbau verhagelt die Quartalsbilanz

Im zweiten Quartal ist die US-Wirtschaft auf das Jahr hoch gerechnet nur um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Dabei lieferte allein der private Konsum einen stattlichen Wachstumsbeitrag von 2,8-Prozentpunkten. Auch der Außenhandel stützte das Wachstum, allerdings lag sein Beitrag nur bei 0,2-Prozentpunkten. Quasi verhagelt wurde die gesamtwirtschaftliche Quartalsbilanz jedoch durch einen kräftigen Lagerabbau, der mit einem Minus von 1,2-Prozentpunkten zu Buche schlug. Ein dämpfender Effekt von der Investitionstätigkeit war hingegen erwartet worden und reduzierte das Wachstum auch nur um 0,5-Prozentpunkte. Die heutigen Daten befeuern erneut die Sorgen um die Robustheit der US-Konjunktur, auch wenn sich das Bild des privaten Konsums als intakter Wachstumsmotor bestätigt hat. Für Verunsicherung dürfte auch die teilweise deutliche Revision der früheren Quartale sorgen. So hat die amerikanische Statistikbehörde BEA – wie in jedem Jahr – mit der Veröffentlichung der Daten zum zweiten Quartal die Revision der früheren Quartalsdaten bekannt gegeben. Dabei wies das BEA darauf…

Euro-Raum: Wirtschaftswachstum lässt in Q2 spürbar nach – Inflationsrate weiterhin nur knapp über Null

Das Wirtschaftswachstum der Europäischen Währungsunion hat sich im zweiten Quartal 2016 gegenüber dem ersten Jahresviertel merklich verlangsamt. Nach einem Plus von +0,6 Prozent hat sich gemäß heutiger Schnellschätzung die Zuwachsrate auf +0,3 Prozent im zweiten Quartal halbiert. Das schwächere Wachstum in der Währungsunion kommt nicht überraschend. Aufgrund von Sondereffekten wie einer milden Witterung war das Wachstum im ersten Quartal wohl leicht überzeichnet. Daher war mit einer gewissen Korrektur zu rechen. Eurostat hat noch keine detaillierte Aufgliederung des Wachstums mitgeliefert. Doch aus den Konjunkturindikatoren und den Informationen aus einigen Mitgliedsländern können Rückschlüsse gezogen werden. Denn die EWU-Industrieproduktion und die Bautätigkeit haben schon eine deutlich langsamere Gangart angedeutet. Zur Mitte des Quartals befinden sich beide Indikatoren jeweils unter ihren Niveaus aus dem ersten Quartal. Der Einzelhandel musste ebenfalls geringere Umsätze verbuchen. Der Außenbeitrag dürfte dagegen positive Wachstumsimpulse geliefert haben, allerdings nur weil die Rückgänge der Warenexporte geringer ausfielen als die der Warenimporte….

Helikopter bleibt am Boden, Yen hebt ab

Seit der Oberhauswahl hatten sich in Japan die Erwartungen an ein groß angelegtes Stimulus-Paket überschlagen. Ein Rundumschlag aus fiskalischen Maßnahmen und breit aufgestellter monetärer Lockerung, am liebsten in Form des höchst umstrittenen Helikoptergeldes, schien ausgemachte Sache. Premierminister Abe hat das von ihm versprochene Konjunkturpaket überraschend zügig vorgestellt – ganz anders die Bank von Japan. Wieder einmal haben wir japanische Geldpolitik in Reinkultur erleben müssen. Nicht, dass es ihre offizielle Maxime wäre, geschweige denn ökonomisch sinnvoll – aber „Enttäuschung der Markterwartungen“ scheint fest zum Instrumentenkasten der Bank von Japan zu gehören. Wir müssen der Bank von Japan zu Gute halten, dass besagte Erwartungen nicht aktiv von ihr selber geschürt worden sind, sondern sich vielmehr Regierung und Finanzmärkte gegenseitig hochgeschaukelt hatten. Diesen beiden Gruppen käme es natürlich sehr entgegen, wenn der geldpolitische Expansionspfad noch weiter eskalieren würde. Stattdessen hat die Bank von Japan sich entschieden, „nur“ den Ankauf von börsengehandelten Fonds aufzustocken,…

DAX: Widerstandszone erreicht

Unverändert setzten sich bei weiterhin deutlich unterdurchschnittlichen Umsätzen die Bullen am deutschen Aktienmarkt durch. Gleich in den ersten Handelsminuten konnte gestern ein Impuls bis zum charttechnischen Widerstandsbereich um den letzten Hochpunkt vom 23. Juni bei 10.340 Punkten etabliert werden. Mit dem gestrigen Kursimpuls konnte dabei sogar schon das Kursziel im Hinblick auf die Konsolidierung von Mitte Juli und dem daraus abzuleitenden 161,8%-Fibonacci Retracement um 10.315 Punkte mehr als ausgeschöpft werden. Charttechnisch betrachtet limitiert darüber hinaus der gesamte Bereich der letzten drei jeweils niedriger liegenden lokalen Hochpunkte von April bis Juni (10.465, 10.365 und 10.340 Pkt.) die weiter gehende Kursfantasie. Insgesamt sehen wir daher die Möglichkeit für einen dynamisch fortgesetzten Kursimpuls, der die gesamte Widerstandszone nachhaltig durchbricht, weiterhin als gering an. Dies wäre jedoch notwendig, um ein Konsolidierungsszenario zu vermeiden. Es ist daher nach wie vor von einer Kursberuhigung auszugehen, die bis in den Bereich der 9.800 Punkte-Marke reichen kann. Widerstand…

FOMC – Wenig Konkretes

Kurzfristige Konjunkturrisiken haben abgenommen Der Offenmarktausschuss der Fed hat gestern Abend die Leitzinsen unverändert gelassen. Das begleitende Pressestatement hat keine konkreten Hinweise auf den möglichen Zeitpunkt des nächsten Zinsschrittes geliefert. Die konjunkturelle Einschätzung ist jedoch deutlich positiver ausgefallen als im letzten Statement. So gibt die Notenbank zu Protokoll, dass die kurzfristigen Risiken für die US-Wirtschaft abgenommen haben. Auch die Beurteilung der Situation am Arbeitsmarkt klingt deutlich positiver. Verschiedene Indikatoren weisen darauf hin, dass die Auslastung am Arbeitsmarkt zugenommen habe. Die Konsumausgaben seien robust und die wirtschaftliche Dynamik falle besser aus. Gleichzeitig wurde der Passus, die Fed beobachte genau die globale Situation, unverändert gelassen. Dies könnte als Hinweis verstanden werden, dass die Folgen des Brexit auf das globale Wirtschaftswachstum sowie auf die US-Konjunktur noch nicht absehbar sind und die Fed vor diesem Hintergrund mit einer Leitzinserhöhung lieber noch warten möchte. Der Entscheid ist nicht einstimmig ausgefallen. Esther George, ein bekennender Falke,…

Aktienmärkte auf Rekordjagd – aber nur in den USA

Wir hatten nach dem Brexit-Referendum die Chance genutzt, um in unserer Asset Allocation die Aktienquote von null auf 35 Prozent heraufzunehmen, weil wir davon ausgegangen waren, dass sich die im Vorfeld der Abstimmung entstandene Nervosität wieder zurückbilden sollte. Dies war für unsere Verhältnisse ein aggressiver Schritt. Wir gingen jedoch davon aus, dass es auf Dauer nicht bei der negativen Stimmung (z.B. stand der VDAX über 37) und den hohen Kursverlusten, die in der Spitze weltweit 5 Bio. US-Dollar betrugen, bleiben würde. Im Gegenzug hatten wir in Anbetracht der gefallenen Renditen europäische Staatsanleihen verkauft und Gewinne realisiert. Tatsächlich hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten wieder beruhigt, die Käufer sind zurückgekehrt, die Kurse sind wieder deutlich angestiegen. Zwischenzeitlich erscheint unter den Aktienmärkten insbesondere der US-Markt wieder überhitzt, mit einem KGV von 17 notiert dieser fast 20% über der historischen Bewertung, sowie deutlich über der Bewertung der europäischen Märkte. Jedoch erscheint die…