Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Stimmung in der Industrie dämpft die Wachstumsaussichten

Während im September die Dienstleister im Euro-Raum in vergleichsweise guter Stimmung sind, verdunkelt sich die Lage in der Industrie. Schwache Produktionszahlen und so gut wie keine Zuwächse der Exportbestellungen mehr, das sind keine guten Vorgaben. Im Durchschnitt des dritten Quartals liegen die Umfragewerte so niedrig wie seit Ende 2016 nicht mehr. Auf Basis der Einkaufsmanagerbefragung dürfte das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum kaum das Ergebnis des zweiten Quartals erreichen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man auch bei der Betrachtung der Befragung der EU-Kommission zum Wirtschaftsvertrauen. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum ging im September gemäß den vorläufigen Zahlen von 54,5 auf 54,2 Indexpunkte zurück. Dahinter steht eine leicht verbesserte Einschätzung bei den Dienstleistern, während das Sentiment in der Industrie kräftig zurückging. Nach Angaben der befragten Einkaufsmanager trugen ein kaum mehr steigender Auftragseingang, und dabei vor allem eine Stagnation der Exportbestellungen dazu bei. Auch die Bestände an nicht-bearbeiteten Aufträgen gaben zum ersten Mal…

Brexit: Ein zweites Referendum als Notlösung?

Die Staats- und Regierungschefs der EU treffen sich derzeit in Salzburg und unternehmen einen erneuten Versuch, eine Einigung über den Austrittsvertag herbeizuführen. Nach wie vor gestalten sich die Verhandlungen jedoch schwierig. Vor allem die irische Grenzfrage stellt ein schier unüberwindbares Hindernis dar. Auf der Suche nach Lösungen scheint eine Mehrheit der EU-Staatsoberhäupter nun ein zweites EU-Referendums zu favorisieren. Dabei geht man offensichtlich davon aus, dass ein erneuter Volksentscheid im Sinne der EU ausfallen würde und der Brexit abgesagt werden könnte. So verlockend dies jedoch auch erscheinen mag, aus rein praktischen Gesichtspunkten dürfte es fast unmöglich sein, ein solches Referendum abzuhalten – schon gar nicht vor dem offiziellen Austritt der Briten am 29. März 2019. So kann ein Referendum nur mit Zustimmung des Parlaments abgehalten werden, wofür ein Gesetz, eine sogenannte „Referendum Bill“, verabschiedet werden muss. Die letzte „Referendum Bill“ brauchte geschlagene sieben Monate, um den dafür notwendigen und äußerst komplizierten…

Kapitalmarktrenditen dies und jenseits des Atlantiks dürften auf Jahressicht moderat höher tendieren

Die europäischen Währungshüter sind zwischenzeitlich wieder aus der Sommerpause zurückgekehrt und haben ihren eingeschlagenen geldpolitischen Kurs bestätigt. Ab Oktober werden die monatlichen Anleihekäufe im Rahmen des EZB-Ankaufprogramms (APP) auf 15 Mrd. Euro verringert. Perspektivisch sollen die Nettoneukäufe dann zum Ende des Jahres gänzlich beendet werden. Auch wenn die Währungshüter damit einen weiteren kleinen Schritt in Richtung geldpolitischer Normalität unternehmen, bleibt der geldpolitische Stimulus nach wie vor umfassend. So sind angesichts der EZB-Forward Guidance Leitzinserhöhungen zunächst kein Thema. Erst auf Jahressicht halten wir es für vorstellbar, dass die Notenbank-Oberen den Einlagesatz vorsichtig nach oben schleusen. Einen ersten „richtigen“ Zinsschritt halten wir frühestens Ende nächsten Jahres für wahrscheinlich. Während sich die EZB sichtlich schwertut, die Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik ernsthaft anzugehen, treiben die US-Amtskollegen diese zusehends voran. Bis Mitte nächsten Jahres rechnen wir mit insgesamt vier Zinserhöhungen von je 25 Basispunkten. Mit 2,75% bis 3,00% dürfte die US-Notenbank dann ein neutrales…

US-Konjunktur behält Schwung

Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hat durch die Steuersenkungen der Trump Administration einen deutlichen Schub erhalten, der auch bis in das kommende Jahr tragen wird. Vom Handelsstreit erwarten wir hingegen vorerst keinen stärkeren Bremseffekt. Nicht nur, dass die US-Konjunktur auch im neunten Aufschwungsjahr keine Ermüdungserscheinungen zeigt. Mit einem Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent wird für 2018 wohl der stärkste Zuwachs seit drei Jahren zu Buche stehen. Im laufenden und im kommenden Quartal dürfte der konjunkturelle Schwung nur leicht hinter dem kräftigen Frühjahrsquartal zurückbleiben. Dabei wird der Schub durch die Investitionstätigkeit wohl noch stärker ausfallen als wir es zunächst unterstellt hatten. Unsere Wachstumsprognose für das kommende Jahr haben wir deshalb von 2,5 auf 2,7 Prozent angehoben. Die Stimmung in der US-Wirtschaft könnte besser kaum sein, dies zeigen die Umfragen für alle Wirtschaftsbereiche. Das vom ISM-Institut erhobene Industrieklima ist im August auf 61,3 Punkte geklettert, das ist der höchste Wert seit…

Keine Partystimmung am Zuckermarkt

» Im Jahr eins nach der Deregulierung des EU-Zuckermarktes ist die Stimmung wegen des ausgeprägten Zuckerpreisrückgangs stark eingetrübt. » Deutlich gestiegener Angebotsüberhang in Europa kann nur unvollständig über den Exportkanal abfließen. » Einen Hoffnungsschimmer für den Zuckerpreis liefert der prognostizierte Rückgang des globalen Zuckerüberhangs. Am 1. Oktober 2017 wurde der europäische Zuckermarkt neu geordnet. Sowohl die Obergrenzen für die Produktion von Zucker und Isoglukose als auch die Mindestpreise für Rüben wurden abgeschafft. Die Deregulierung führte im Zuckerjahr 2017/18 zu einem deutlichen Produktionsanstieg (+24%). Die EU schätzt, dass der europäische Angebotsüberhang als Folge bei etwa 2 Millionen Tonnen Zucker liegt. Seit Herbst 2017 stürzte der europäische Zuckerpreis somit um 26%. Neben der Abschaffung des Quoten- und Mindestpreissystems wurde auch das Exportlimit aufgehoben. Damit öffnete sich die EU weiter dem Weltmarkt. Schließlich sollte der europäische Zuckerüberhang auf den globalen Markt abfließen. Allerdings war der Weltmarkt 2017/18 selbst aufgrund von deutlich gestiegenen Ausfuhren…

Italienisches Zwei-Wege-Risiko

Die Budgetverhandlungen in Rom gehen auf die Zielgerade zu; bis zum 27. September muss die Regierung dem Parlament einen Haushaltsentwurf vorlegen. Hinter den Kulissen ringen die Beteiligten um einen Kompromiss, wenngleich die Konfliktlinie derzeit vor allem zwischen Finanzminister Tria und Fünf-Sterne-Chef Di Maio verläuft. Tria plädiert weiterhin für ein Haushaltsdefizit, das deutlich unter 3% des BIP liegt und auch den Anforderungen der EU-Kommission entspricht. Di Maio macht sich hingegen vor allem für ein Grundeinkommen stark, das zu einer höheren Neuverschuldung führen würde. Lega-Chef Salvini hielt sich in dem Streit jüngst auffallend zurück, seine Partei liegt in den Wahlumfragen inzwischen sogar an der Spitze und profitiert vor allem von dem harten Kurs der Regierung in der Flüchtlingsfrage. Der Ausgang des Streits ist bislang völlig offen, sowohl eine Einigung der Beteiligten als auch ein Rücktritt Trias oder sogar ein Bruch der Koalition scheinen in den kommenden Tagen möglich zu sein. Die Kapitalmärkte…