Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Privatanleger kaufen wieder Aktien – leider mit dem Trend

Im vergangenen Jahr ist in Deutschland die Zahl der Aktionäre laut DAI (Deutsches Aktieninstitut) gestiegen, und gestern wurde in Deutschland der Tag der Aktien gefeiert. Das sind erfreuliche Nachrichten. Allerdings erfolgte der Aufbau der Bestände wieder einmal in einer Hausse. An der Börse gelten andere Regeln als im Alltag: Locken große Einzelhändler an Aktionstagen mit Rabattverkäufen, greifen Käufer beherzt zu. Am Aktienmarkt hingegen kaufen die Anleger, wenn die Preise steigen, und es wird verkauft, wenn die Kurse sinken. Woran liegt das? – Geht es bergauf, möchten Anleger nicht beiseitetreten, sondern am Erfolg teilhaben. „Jeder macht es“ (oder englisch „social proof“) ist das Gebot der Stunde. Der Verkauf zu fallenden Kursen hingegen wird wohl durch den Fluchtreflex verursacht, der seit der Schöpfung im menschlichen Verhalten verankert ist. Unsicherheit an den Märkten signalisiert dem Anleger: „Das ist nicht schön – lass uns lieber flüchten“. Nun steht vor der Börse kein anlegerfressendes Mammut…

Immobilienpreise steigen in einigen Ländern langsamer

Die Hauspreise sind an den internationalen Immobilienmärkten im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Der von uns für 20 Länder berechnete Hauspreisindex zeigt aber auch, dass die Preisdynamik trotz des verbreitet niedrigen Zinsniveaus nachgelassen hat. Dahinter verbirgt sich allerdings kein genereller Trend, sondern zunehmend gegenläufige Entwicklungen. Denn während die Häusermärkte in einigen Ländern wie Deutschland, den Niederlanden oder Portugal kräftig auf die Tube gedrückt haben, sind die Hauspreise insbesondere dort, wo es über viele Jahre fast kontinuierlich bergauf ging, unter Druck geraten. In Australien und Schweden sanken die Preise sogar etwas. Aufgrund der voraussichtlich auch weiterhin niedrigen Hypothekenzinsen dürften die Preise an den meisten internationalen Immobilienmärkten weiter steigen. Die Zeit für besonders kräftige Preiszuwächse scheint aber vorüber. Makroprudentielle Instrumente erschweren die Immobilienfinanzierung, hohe Kaufpreise belasten die Erschwinglichkeit und die international schwächere konjunkturelle Entwicklung schiebt die Märkte weniger stark an. Dazu kommt, dass der Wohnungsbau in einer ganzen Reihe von Ländern zugenommen hat…

Wie wahrscheinlich ist der „Ooops-Brexit“?

Am übernächsten Freitag ist es soweit: Der 29. März 2019 ist der offizielle Austrittstermin, an dem die Briten, so ist es im britischen und europäischen Gesetz fest verankert, die EU verlassen werden. Wenngleich das britische Parlament einen No-Deal-Brexit erst vergangene Woche klar abgelehnt hat, bleibt er das Default-Szenario, solange es der EU und Großbritannien nicht gelingt, sich auf eine alternative Lösung zu einigen. Und derzeit liegen den Verhandlungspartnern gleich mehrere große Stolpersteine im Weg. Zunächst wäre das britische Parlament zu nennen, dessen beharrliche Weigerung, den Brexit mitzutragen, der Premierministerin bereits mehrere herbe Niederlagen eingebracht hat. Ob Theresa May es bereits am Mittwoch wagen wird, ihren Austrittsvertrag erneut zur Abstimmung vorzulegen, hängt derzeit vor allem von der nordirischen DUP ab. Ist sie willens, dem Vertrag zuzustimmen (die Tatsache, dass Gespräche mit der DUP bereits seit mehreren Tagen laufen, stimmt viele Kommentatoren hoffnungsvoll), dürfte May das Risiko eingehen. Lehnt das Parlament den…

China: Die Gründe für den unheimlichen Kursaufschwung

In China steigen die Börsen wie in den besten Tagen. Mit dem katapultartigen Anstieg der Kurse 2019 wurde eine Einigung der amerikanisch-chinesischen Zollverhandlungen vorweggenommen. Auch der langfristige Ausblick spricht für China: Die chinesische Wirtschaft dürfte in diesem Jahr rund viermal so schnell wachsen wie die deutsche Wirtschaft. Darüber hinaus wird das „alte China“ langfristig durch das „neue China“ in der Industrie- und Dienstleistungslandschaft ersetzt. Das „alte China“ wird an der Börse repräsentiert von Unternehmen aus den Bereichen wie Immobilien, Grundstoffe oder Finanzen. Diese wachsen langsamer oder kämpfen mit Problemen wie Überkapazitäten oder notleidenden Kredite. Dies ist einer der Gründe, warum diese Aktien im ohnehin schwachen Marktumfeld im Dezember 2018 mit besonders hohen Abschlägen zur Bewertung des Gesamtmarktes gehandelt wurden. Diese Unterbewertung wurde durch den Kursanstieg 2019 wieder ausgeglichen. Dennoch sind die Anleger immer noch auf der Suche nach Wachstumsstories jenseits defensiver Aktien (obwohl dies auch gute Anlagemöglichkeiten sein können). Diese…

Deutscher Wohnungsmarkt: Genehmigungen 2018 leicht rückläufig, zunehmende Regulierung könnte dies noch verschlimmern

Das zu knappe Wohnungsangebot ist ein wesentlicher Grund für kräftig steigende Immobilienpreise und Mieten. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Denn die Zahl der Baugenehmigungen ist im vergangenen Jahr sogar minimal um 0,2% auf 347.300 Wohnungen zurückgegangen. Das ist auf den ersten Blick weniger gravierend, schließlich ist die Genehmigungszahl nicht einmal um 1.000 Einheiten gesunken. Abwärts ging es zudem vor allem bei Wohnheimen. Dagegen ist die Zahl der genehmigten Häuser und Wohnungen um 3.000 auf 332.600 Stück gestiegen. Problematischer ist, dass der Bau neuer Wohnungen nicht hinterherkommt: Es stockt bei den Fertigstellungen. Im vergangenen Jahr dürften rund 300.000 gebaut worden sein, rund 100.000 Einheiten unter dem geschätzten jährlichen Neubaubedarf. Ein größerer Zuwachs ist angesichts der weitgehend ausgelasteten Bauwirtschaft kaum möglich. Für wesentlich mehr Fertigstellungen benötigt der arbeitsintensive Bausektor mehr Mitarbeiter, die zwar händeringend gesucht werden, angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt aber kaum verfügbar sind. Gebremst wird der…

Brexit-Abkommen: nein, nein – und nochmals nein?

Am Mittwochabend haben sich die Abgeordneten des britischen Unterhauses mehrheitlich dafür ausgesprochen, einen EU-Austritt ohne Abkommen grundsätzlich auszuschließen. Zwei Erkenntnisse lassen sich aus dem Abstimmungsergebnis ziehen: Zum einen hat Premierministerin May im Parlament eine weitere Niederlage erlitten, wollte sie den No-Deal-Brexit doch lediglich für Ende März und nicht generell ausschließen. Ihr Versuch, eine Ablehnung dieses Änderungsantrags mithilfe des Fraktionszwangs unter den Konservativen durchzusetzen, schlug offensichtlich fehl. Selbst einige Vertreter aus den Reihen der Regierung votierten gegen Mays Willen oder enthielten sich zumindest. Zum anderen nutzte May ihre Redezeit im Nachgang zur Abstimmung, um völlig zu recht darauf hinzuweisen, dass ohne neue Weichenstellungen das Land auch weiterhin Ende des Monats ohne Abkommen aus der Staatengemeinschaft ausscheiden wird. Rechtlich verbindlich ist das Abstimmungsergebnis schließlich nicht. Außerdem – und das wird in London gerne vergessen – hat die Europäische Union auch noch ein Wörtchen mitzureden. Sehr viel ist aktuell vom Machtverlust der Premierministerin…