Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
ifo-Umfrage: Deutsche Wirtschaft verliert an Zuversicht

Die Umfrageergebnisse im Mai sind eine herbe Enttäuschung. Während sich das Klima in den letzten Monaten vor allem im Industriebereich abgekühlt hat, schätzen aktuell nun auch der Handel und der Dienstleistungssektor ihre Geschäftsentwicklung merklich schlechter ein als noch im Vormonat. Dabei ist die Messzahl für die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im Mai fast schon abgestürzt. Und das in den Bereichen, die sich bislang noch relativ stabil gehalten haben. Immerhin war der private Konsum im ersten Quartal der wichtigste Treiber für die Konjunktur. Nur beim Bau läuft es weiter gut, hier hält der Boom an. Unterdessen sind die Geschäftserwartungen der Unternehmen in allen Sektoren für die kommenden Monate immerhin stabil geblieben. Insgesamt sind das keine guten Vorzeichen für das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Denn vom Außenhandel sind im derzeitigen weltwirtschaftlichen Umfeld sicherlich keine Impulse zu erwarten. Wenn sich die Stimmung nun auch in der Binnenwirtschaft weiter eintrüben sollte, drohen die Antriebskräfte…

Einkaufsmanagerindizes im Euroraum: Industrie bremst weiter, vor allem in Deutschland

Insgesamt hat sich die Stimmungslage der europäischen Einkaufsmanager im Mai leicht aufgehellt. Der Composite-Index stieg aber nur marginal von 51,5 auf 51,6 Indexpunkte. Die Messzahl für die Gesamtlage im verarbeitenden Gewerbe konnte sich nicht verbessern und bleibt unter der neutralen Marke von 50 Indexpunkten. Allein ein leichter Anstieg der Produktionskomponente sorgte dafür, dass der Composite-Index etwas zulegen konnte. Denn bei den Dienstleistern musste auch ein leichter Rückgang verzeichnet werden. Ein in der Summe weiter rückläufiges Exportgeschäft drückt auf die Stimmung der Einkaufsmanager. Insgesamt dürfte sich auf Basis dieser Umfrageergebnisse der Aufschwung im Euroraum fortsetzen; die Wachstumsrate im zweiten Quartal dürfte aber die 0,4% aus dem ersten Quartal schwerlich erreichen. Die zunehmende Diskrepanz zwischen Deutschland und Frankreich ist bemerkenswert. Das deutsche Wirtschaftsmodell, das auf industrielle Produktion und Export ausgerichtet ist, kommt im jetzigen Umfeld natürlich an seine Grenzen. Im Gegensatz dazu ist das binnenwirtschaftlich orientierte Modell von Frankreich zurzeit noch relativ…

Politik bestimmt weiterhin das Geschehen an den Devisenmärkten

Die politische Lage in Europa ist insgesamt weiterhin relativ unübersichtlich und im Vergleich zu den USA ein komparativer Nachteil. Zudem macht sich die sehr nach innen gerichtete und auf den Vorteil der USA bedachte Politik von Trump zunehmend an den Devisenmärkten bemerkbar. Eine nachhaltige Aufwertung des US Dollars ist die Folge. Auch der eskalierende Handelsstreit dürfe kurzfristig die US Wirtschaft weit weniger belasten als die restliche Welt, was sich auch hier wieder günstig auswirken sollte. Insgesamt hat US Präsident Trump weiterhin die Trümp(F)e in der Hand, was ihm letztlich auch seinen Politikstil ermöglicht. In den zurückliegenden Wochen prägten in erster Linie geo- und handelspolitische Entwicklungen das Geschehen an den weltweiten Devisenmärkten. Hierbei haben nicht nur wohlbekannte Konflikte wie z.B. der wieder an Schärfe gewonnene bilaterale Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt für Verunsicherung gesorgt. Vielmehr sind u.a. mit der Kriegsgefahr am Persischen Golf auch neue Krisenherde mit ungewissem…

Huawei-Bann kann weltweite Folgen haben

Am 16. Mai hat das US-Wirtschaftsministerium den chinesischen Technologieriesen Huawei mit Sanktionen belegt. US-amerikanische Unternehmen können nur noch unter Einhaltung strenger Auflagen Geschäfte mit Huawei machen. Begründet wurde diese Maßnahme damit, dass der Konzern in „Aktivitäten eingebunden ist, die den nationalen Sicherheitsinteressen der USA“ entgegenstehen. Dabei handelt es sich bei Huawei nicht um irgendeinen chinesischen Technologieanbieter, sondern um einen der führenden Ausrüster für die Telekommunikationsindustrie, einen der weltweit größten Smartphone-Hersteller sowie einen wichtigen Produzenten von Notebooks und Smartwatches. Der Bann richtet sich also gezielt gegen das „Herz des chinesischen Technologiesektors“ und stellt somit eine weitere Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China dar. Nur vier Tage nach der Inkraftsetzung der Sanktionen gewährte die US-Behörde einen Aufschub von 90 Tagen. Offensichtlich hat man erkannt, dass die Aktion nicht nur Huawei, sondern auch zahlreiche US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen und -kunden treffen würde. Viele Betreiber lokaler Breitbandnetze sind nämlich auf Huawei-Produkte angewiesen. Um zu…

Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten. Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt….

Japan: Starkes Wachstum in Q1, Konjunktur bleibt aber schwach

Japans Gesamtwirtschaft ist im ersten Quartal 2019 um 0,5% gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Dieser Anstieg kam für die Marktbeobachter völlig überraschend – erst recht in diesem Ausmaß. Denn nach den zuletzt sehr schlechten Stimmungswerten unter Japans Unternehmen wie auch den Privathaushalten und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des US-chinesischen Handelsstreites, der auch Japans Exporte negativ beeinflusst, war bestenfalls eine Rate um die Null-Linie erwartet worden. Was den Ausschlag für das letztlich doch recht starke Wachstum gegeben hat, waren die Importe, die mit minus 4,6% (Q/Q) noch schneller zurückfielen als die Exporte (minus 2,4%). Damit ist das aktuelle Zahlenwerk keineswegs ein Beleg für eine starke Konjunktur, eher für eine schwächelnde Binnennachfrage. Dies zeigt sich auch daran, dass sowohl die Investitionen als auch die privaten Konsumausgaben in den ersten drei Monaten des Jahres gesunken sind, und zwar um minus 0,3% beziehungsweise minus 0,1%. Selbst der Staatsverbrauch trug – mit minus 0,2% –…