Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
25 Jahre Jumbo Pfandbrief

 Vor 25 Jahren legte die Frankfurter Hypothekenbank einen Pfandbrief mit einem Emissionsvolumen von damals sensationellen 500 Mio. D-Mark auf. Daraus entwickelte sich zuerst der Jumbo-Pfandbriefmarkt und später ein globaler Markt für Euro-Benchmark-Covered-Bonds. Großvolumige Pfandbrief-Neuemissionen sind momentan rar. Die günstigen Refinanzierungsangebote der Europäischen Zentralbank (EZB), die wiederum eine Reaktion auf die Corona-Krise sind, führen zur aktuellen Emissionsflaute. Die fehlenden Impulse vom Primärmarkt und die fortlaufenden EZB-Käufe unter CBPP3 verschlimmern die Illiquidität im Sekundärmarkt. Das Markenzeichen des Jumbo-Pfandbriefs war neben seiner hohen Bonität auch immer der Anspruch auf möglichst transparente Preise und ein hohes Maß an Liquidität für Investoren. Wir wünschen dem Jumbo-Pfandbrief zum 25. Geburtstag bezüglich der Liquidität stets eine „handbreit Wasser unter dem Kiel“. Aus Investorensicht wären Pfandbriefneuemissionen momentan wünschenswert. Aus Sicht der Emittenten ist es aber verständlich, dass sie die attraktiven Refinanzierungsangebote der EZB nutzen. Damit lässt sich viel Geld sparen. Es bleibt zu hoffen, dass die Banken…

Deutsche Unternehmen schöpfen wieder etwas Hoffnung

 Die deutschen Unternehmen schöpfen wieder Hoffnung. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben sich im Mai nach dem Absturz in März und April deutlich verbessert. Die beginnenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen verbessern offensichtlich für viele Unternehmen wieder die Perspektiven. Eine Entwarnung ist das aber noch nicht. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hat sich im Mai noch weiter verschlechtert. Noch ist die Krise also bei weitem nicht überwunden. Aber immerhin zeigen sich im gebeutelten Dienstleistungsgewerbe und beim Einzelhandel erste Hoffnungsschimmer. Unterdessen ist für das zweite Quartal mit einem tiefen Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Leistung zu rechnen. Bereits in den ersten drei Monaten 2020 war das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent eingebrochen. Und das, obwohl die Corona-Pandemie die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar noch nicht wesentlich beeinträchtigte, und die schwersten Einschränkungen erst ab Mitte März wirkten. Die privaten Konsumausgaben waren nach den aktuellen Meldungen in Q1 bereinigt um 3,2 Prozent niedriger als im Vorquartal….

Schulden sind nicht die Lösung für alles

Die Welt durchläuft die tiefste Krise in der Nachkriegsgeschichte. Doch der Gaube, dass man mit Geld oder mit Schulden alle Probleme lösen kann, hat sich offenbar festgesetzt. So scheint es vielfach kaum noch Hemmungen und kein Überlegen mehr zu geben. Alle Probleme sollen mit schuldenfinanzierten Ausgaben gelöst werden. Diese Überzeugung spiegelt sich auch im neuen Plan von Merkel und Macron wider. Die beiden Regierungschefs wollen der EU-Kommission die Möglichkeit eröffnen, 500 Mrd. Euro am Finanzmarkt aufzunehmen. Die Anleihen werden von den EU-Mitgliedsländern garantiert und sollen aus EU-Haushaltsmittel zurückgezahlt werden. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung einer gemeinsamen Finanzpolitik. Vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes sicherlich ein konsequenter Schritt. Aber gerade in Deutschland sollte man solche politischen Entscheidungen gut erklären und die Menschen mitnehmen. Ansonsten könnten die falschen politischen Kräfte aus der wachsenden Unzufriedenheit Kapital schlagen. So richtig diese Initiative im EU-Kontext sein mag, sie zeigt deutlich, dass man…

Einkaufsmanagerindizes in der EWU: Abschwung verlangsamt, mehr auch nicht

Die Volkswirtschaft des Euro-Raums befindet sich im Mai noch immer in der Rezession, da die Beschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung der globalen Coronavirus-Pandemie die Wirtschaft weiterhin belasteten. Zwar verbesserte sich die Stimmungslage unter den Einkaufsmanagern in Folge der schrittweisen Lockerungen etwas, eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität ist nicht in Sicht. Denn der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Stimmungslage in der Industrie und bei den Dienstleistern liegt mit 30,5 nach 13,6 Punkten im Vormonat noch immer weit unter der neutralen Marke von 50 Indexpunkten. Beide Teilbereiche – Industrie und Dienstleistungen – trugen gemäß IHS Markit zu dem Anstieg bei. Bei den von den Ausgangsbeschränkungen besonders betroffenen Dienstleistern fiel die Verbesserung im Mai etwas stärker aus. Dies zeigt sich auch in den Umfrageergebnissen unter den deutschen und französischen Einkaufsmanagern. Insgesamt ist die Verbesserung auf äußerst niedrigem Niveau ein erster Lichtblick. Trotzdem wird die Volkswirtschaft des Euro-Raums im zweiten Quartal nochmal schrumpfen, und zwar stärker…

Der Merkel-Macron-Plan: Der erste Schritt auf dem Weg zur Transferunion

Es kommt Bewegung in die Diskussion um einen EU-Wiederaufbaufonds. Auf Basis des deutsch-französischen Vorschlags soll der Fonds ein Volumen von 500 Mrd. Euro haben, von der EU verwaltet werden und bereits in einigen Monaten an den Start gehen. Brüssel würde auch allein über die Verwendung der Gelder entscheiden, die sich aber daran orientieren soll, wie stark die Empfängerstaaten von der Krise betroffen sind. Anders als zunächst von Berlin gefordert, würde der Fonds Zuschüsse und keine Kredite gewähren und konzeptionell den Kohäsionsfonds der EU ähneln. Dies erklärt auch, weshalb er kleiner als bislang diskutiert ausfallen soll. Zur Finanzierung der Gelder würde die EU zunächst Anleihen am Finanzmarkt begeben. Hierzu müssten die Parlamente der Nationalstaaten noch ihre Zustimmung geben. Die Verschuldung der EU soll aber durch höhere finanzielle Zuwendungen der Nationalstaaten an die EU über die kommenden Jahre sukzessive abgetragen werden. Legen wir für Deutschland einen Anteil der Zahlungen an die EU…

Schwellenländer im Corona-Stress

Für die Schwellenländer ist die COVID-19 Krise eine große Herausforderung. Die Wachstumsdynamik der Länder leidet sichtlich und gleichzeitig nimmt die Risikobereitschaft der Investoren nimmt ab. Kapitalabzug und geringere Investitionen sind die Folge. Für die türkische Wirtschaft ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung, da diese noch von den Folgen der letzten Währungskrise von vor zwei Jahren geschwächt ist. In der Türkei sind mit der Exportindustrie und dem Tourismussektor zwei wichtige Branchen schwer getroffen. Anders als in der Währungskrise vor zwei Jahren fallen sie nun als Stütze völlig weg. Die türkische Wirtschaft dürfte daher im laufenden Jahr einen größeren Schaden erleiden als in der Währungskrise 2018 und in der Finanzkrise 2009. Die türkische Wirtschaft dürfte in 2020 um 8%gegenüber dem Vorjahr sinken. Die Entwicklung der Währungen spiegeln die waschsenden Sorgen der Investoren wider. So hat die türkische Lira deutlich an Wert verloren. Aber auch der brasilianische Real und andere EM-Währungen haben zuletzt…