Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Bei den Notenbanken geht es sehr geordnet zu

Im Vergleich zur Realpolitik verlaufen bei bedeutendsten Notenbanken die Entwicklungen in ruhigen Bahnen und dies wird sich in den kommenden Monaten auch kaum ändern. Die europäischen Währungshüter haben jüngst die Weichen für den weiteren Fortgang der Geldpolitik neu gestellt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Leitzins unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen bis über den Sommer nächsten Jahres unverändert bleiben soll. Damit befindet sich die Geldpolitik der EZB derzeit im Autopilot-Modus. Einzig das Thema „Target2“ wird zuletzt wieder kontrovers debattiert. Jedoch liegen die Schwerpunkte bei der Diskussion falsch. Weniger die Haftungsrisiken sollten im Vordergrund der Debatte stehen, als vielmehr die Frage, wie das Vertrauen in die Peripheriestaaten wieder gestärkt werden kann. Auf der anderen Seite des Atlantiks sollte das geldpolitische Vorgehen der Fed ebenfalls weiterhin in sehr geordneten Bahnen verlaufen. Die US-Währungshüter sind derzeit bemüht eine weiche Landung der US-Wirtschaft hinzubekommen und straffen daher nach und nach die Zinszügel. Für das…

Krisen gefährden DAX-Aufschwung

Die Eskalation der Türkei-Krise zeigt, wie schnell Donald Trump außerhalb der USA für Unruhe sorgen kann. Bis zu den Kongresswahlen in den USA im November könnte der US-Präsident verstärkt versuchen, sein Wohl im Angriff auf vermeintliche Gegner zu suchen, auch um von seinen persönlichen Affären abzulenken. Anleger können sich zwar damit trösten, dass die Trump´sche Rhetorik und seine Taten nicht immer übereinstimmen. Aber gerade diese Unberechenbarkeit sorgt dafür, dass Unternehmen und Investoren zunehmend nervöser werden. Betraf die erste Stufe der Eskalation „nur“ einen Teil der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China, drohen nun eine Vielzahl neuer Baustellen, u.a. im Iran und der Türkei. Die US-Unternehmen leiden bisher kaum unter den Belastungen, weil die heimische Wirtschaft so stark wächst wie seit langer Zeit nicht mehr. Ein Crash am US-Aktienmarkt wird an den Märkten nicht diskutiert. So notierte das Volatilitätsbarometer VIX bis vor wenigen Tagen noch auf den tiefsten Stand seit Januar…

Türkei-Krise erreicht Rom

Die hausgemachte Krise der Türkei hat auf den ersten Blick wenig mit Italien zu tun. Nichtsdestotrotz hat ausgerechnet der Absturz der Lira auch den italienischen Staatsanleihen deutlich zugesetzt. Seit Mitte Juli weiteten sich Risikoaufschläge italienischer Schuldtitel gegenüber Bundesanleihen zunächst aus Sorge vor einer Zunahme der Neuverschuldung Italiens sowie einer möglichen Eskalation im Streit mit der EU-Kommission bereits aus. Die jüngste Zunahme der Risikoprämien geht allerdings primär auf die verschärfte Krise in der Türkei zurück. Erst heute Morgen erholten sich erstmals seit Tagen die Kurse italienischer Staatstitel wieder, als auch die türkische Lira ebenfalls leichte Gewinne verzeichnen konnte. Wenngleich der ökonomische Vordenker der Lega, Borghi, Pressemeldungen zufolge jedwede Ausstrahlungseffekte der Türkei-Krise in Richtung Italien für unlogisch erachtet, dürften zwei wesentliche Gründe die Bewegung erklären: Zum einen steigt die Sorge, dass eine Pleitewelle in der Türkei auch europäischen Banken schaden könnte. Nach spanischen und französischen sind italienische Banken die am stärksten in…

Türkei-Risiken beherrschbar für europäische Banken

Der massive Verfall der türkischen Lira – die Währung hat gegenüber dem US-Dollar seit Anfang April mittlerweile über 70% an Wert verloren -, der sich insbesondere in der vergangenen Woche noch einmal beschleunigt hat, hat die wirtschaftlichen Probleme der Türkei in den Vordergrund und das Bewusstsein der Marktakteure gerückt. Wenig überraschend sind in diesem Umfeld insbesondere die Aktien und Anleihen türkischer Banken unter Druck geraten, doch viele Marktbeobachter sprechen von einem Pulverfass und fürchten mögliche Ansteckungseffekte auf andere Entwicklungsländer und andere Bankensysteme. Und so gerieten auch einige europäische Banken immer stärker in den Blick der Marktteilnehmer – spätestens, nachdem die Financial Times (FT) am Freitag in einem Artikel schrieb, dass sich die EZB-Bankenaufsicht mit Blick auf den Verfall der türkischen Währung zunehmend um Institute mit starkem Engagement in dem Land sorge. Vor allem die Großbanken BBVA, BNP Paribas und UniCredit stünden, so die Zeitung weiter, unter besonderer Beobachtung, die Lage…

Türkei: In der Wahrnehmungsfalle

Ein speziell für die Türkei enorm wichtiges Fundament hat tiefe Risse bekommen: Das Vertrauen der internationalen Märkte. Der erhebliche externe Finanzbedarf des Landes – beispielsweise zur Finanzierung des chronischen Leistungsbilanzdefizits – erfordert regelmäßig den Rückgriff auf den globalen Kapitalmarkt. Sollte sich die Wahrnehmung der Märkte in Bezug auf die Türkei eintrüben, wird diese Fremdfinanzierung schwieriger oder zumindest kostspieliger. Dabei ist die Liste der Faktoren, welche die Risikowahrnehmung belastet haben, lang: Der Umbau des Landes hin zu einem System mit hoher präsidialer Machtfülle, die Aussagen von Präsident Erdogan, die Geldpolitik nun stärker mitgestalten zu wollen sowie die Ablösung erfahrener und angesehener Wirtschaftspolitiker sind Beispiele. Eine Reihe außenpolitischer Konfrontationen war auch nicht hilfreich. Der jüngste Streit mit Washington ist vielleicht der eine Konflikt zu viel – zumal im Weißen Haus auch nicht mit diplomatischem Florett gefochten wird. Welche Auswege gibt es? Es bleibt der Eindruck, dass Ankara mindestens eine bittere Pille schlucken…

Deutsche Konjunktur: Runter von der Überholspur

Das Wachstumstempo in Deutschland hat sich normalisiert. Die Wirtschaftsleistung ist im 2. Quartal um 0,5 Prozent gewachsen, nach 0,4 Prozent im 1. Quartal. Die deutsche Konjunktur hat damit nach dem sehr dynamischen Jahr 2017 die Überholspur wieder verlassen, läuft aber weiter robust. Die Verlangsamung im Vergleich zum letzten Jahr geht auf die Eintrübung des internationalen Umfelds zurück. Die Exporte haben zwar im Vergleich zum schwachen Vorquartal wieder in die Wachstumsspur zurückgefunden, doch der Schwung des Vorjahres ist beim Außenhandel in Anbetracht der schwelenden Handelskonflikte definitiv vorbei. Die Unternehmen stellen sich darauf ein und passen auch ihre Investitionsplanung entsprechend an. Angetrieben wird das Wachstum weiterhin durch die robuste Binnenkonjunktur. Der Arbeitsmarkt ist in sehr guter Verfassung, die Arbeitslosenzahl sinkt und die Beschäftigung steigt kräftig. Damit sind die Voraussetzungen für einen weiterhin lebhaften privaten Konsum gegeben. Die ausgesprochen dynamische Baukonjunktur ist ein weiterer Stützpfeiler der Konjunktur. Für das Gesamtjahr 2018 gehen wir von…