Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Protest der „Gelbwesten“ lässt Einkaufsmanagerindizes in Frankreich abstürzen

Die vorläufige Umfrage unter den europäischen Einkaufsmanagern deutet abermals auf eine schwächere Wirtschaftstätigkeit im Dezember im Euro-Raum hin. Der umfassende Composite-Index sank von 52,7 auf 51,3 Punkte und damit auf das niedrigste Niveau seit mehr als vier Jahren. Insgesamt signalisieren die Einkaufsmanagerindizes eine schwächere konjunkturelle Gangart im Schlussquartal 2018. Besonders in Frankreich trübte sich die Stimmung sehr deutlich ein. Aber auch in Deutschland ging es weiter nach unten. Im Euro-Raum sind die Auftragseingänge fast ins Stocken geraten, und die Exportaufträge sanken wohl den dritten Monat in Folge. Die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen fiel so niedrig aus wie seit zwei Jahren nicht mehr, und die Geschäftserwartungen trübten sich weiter ein. Bedenken über den globalen Handel und das Wachstumsumfeld drückten die Perspektiven genauso wie die zunehmende politische Unsicherheit und die Unklarheit über den Brexit. Die Proteste der „Gelbwesten“ in Frankreich und eine anhaltend schwache Nachfrage nach Automobilen wirkten nach Angaben des britischen…

EZB: Weiter so wie bisher und keine Panik

Wie allgemein erwartet hat der EZB Rat beschlossen, das Nettoanleihekaufprogramm gegen Ende des Jahres zu beenden. Weitergehende Informationen gab es zu den Reinvestitionen. So hat die EZB ihre Forward Guidance dahingehend verändert, dass die Notenbank ihre Reinvestitionspolitik auch dann noch weiterverfolgen wird, wenn die Zinswende schon eingeleitet wurde. Letzten Endes war dies jedoch keine Neuigkeit. Denn kein Marktteilnehmer hatte bislang erwartet, dass die EZB vor der ersten Leitzinserhöhung eine Reduktion der Bilanz in Angriff nehmen wird. Konsens diesbezüglich ist, dass dieses Thema frühestens im Jahr 2021 oder erst 2022 auf die Tagesordnung kommt. Interessanter war dann schon eher, dass die Währungshüter den Passus von unveränderten Leitzinsen bis über den Sommer 2019 aufrechterhalten haben. Ein Großteil der Marktteilnehmer rechnet damit, dass die EZB frühestens im Jahr 2020 die geldpolitischen Zügel straffen wird. Hätte sie jedoch die Wortwahl bezüglich der Zinswende geändert, so wäre dies als sehr pessimistisches Zeichen von den Märkten…

No-confidence vote in the UK – procedure and consequences

For the conservative British politician Jacob Rees-Mogg, the day most likely began with some joyful news: for weeks it looked as though his attempt to overthrow British Prime Minister Theresa May by staging an internal coup had failed. But now her decision to postpone the “Motion on Withdrawal Agreement” vote has played into his hands. And this very evening the vote of no confidence is to be held within the Conservative parliamentary group due to the urgency of the situation. Will May succeed in also fending off this attack? “All” she needs is a simple majority of the votes to achieve this. The Conservatives currently hold 315 seats in parliament. Assuming all MPs take part in the vote, May would therefore need 158 votes to remain in office. Then she would be safe from further attacks from her own ranks for the next twelve months. If she loses, a new…

Misstrauensvotum in UK – Ablauf und Folgen

Für den konservativen britischen Politiker Jacob Rees-Mogg dürfte der Tag mit einer freudigen Nachricht begonnen haben: Wochenlang sah es so aus, als wäre sein Versuch gescheitert, die britische Premierministerin Theresa May durch einen parteiinternen Coup zu stürzen. Nun hat ihre Entscheidung, die Abstimmung über die „Motion on Withdrawal Agreement“ zu verschieben, ihm nun in die Hände gespielt. Und gleich heute Abend soll das Misstrauensvotum innerhalb der Konservativen Fraktion stattfinden, denn die Zeit drängt. Gelingt es May, auch diesen Angriff abzuwehren? Hierfür benötigt sie „nur“ eine einfache Mehrheit der Stimmen. Derzeit halten die Konservativen 315 Sitze im Parlament. In der Annahme, dass alle Abgeordneten an der Abstimmung teilnehmen, bräuchte May also 158 Stimmen, um im Amt zu bleiben. Dann wäre sie für die nächsten zwölf Monate in ihrer eigenen Partei unantastbar. Verliert sie, wird eine neue Parteispitze und damit auch ein neuer Premierminister gewählt werden müssen. Das Procedere zur Wahl eines…

Macron gibt dem Druck nach und macht viele Zugeständnisse

Wir leben in einer Welt voller gesellschaftlicher Krisen. Eine Ausprägung ist der Protest der „Gelbwesten“ in Frankreich, der bereits Wirkung zeigt. Überraschend ist dabei, dass dieser Protest ein Land trifft, das bereits einen hohen Grad an Umverteilung etabliert hat. Doch es scheint genau die Bevölkerungsschicht zu protestieren, die von der Umverteilung betroffen ist – die untere Mittelschicht. In Frankreich zeigen sich zudem die Folgen einer fehlenden Opposition. Präsident Macron hat keinen richtigen Verhandlungspartner, da es sowohl an einer echten politischen Opposition mangelt und selbst die Gewerkschaften sich nicht an dieser gesellschaftlichen Diskussion beteiligen. Damit fehlt die Kanalisierung und Gesprächsbereitschaft – für den demokratischen Prozess ein sehr schwieriges Umfeld. Macron macht es sich zunächst einfach, er verteilt Geld und versucht damit, den Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In seiner Rede am 10. Dezember zeigte er natürlich Verständnis für den Widerstand in der Bevölkerung gegen seine Politik. Nach dieser…

USA: Beschäftigungslage und Wirtschaftsklima geben erfreulichen Ausblick auf 2019

Der jüngste Arbeitsmarktbericht aus den Vereinigten Staaten enthielt wenig Überraschendes, auch wenn der Stellenaufbau leicht unter den Markterwartungen lag. Letztendlich war es ein weiterer Baustein für eine recht positive Jahresbilanz. Dies und das hohe Niveau der Stimmungsindikatoren sprechen für einen anhaltenden Beschäftigungsaufbau auch im kommenden Jahr. Der Schwung dürfte allerdings etwas schwächer ausfallen. Der private Konsum wird deshalb wohl nur wenig von seiner Dynamik einbüßen und auch 2019 einen wesentlichen Antrieb für die Konjunktur liefern. Laut November-Bericht ist die Zahl der Beschäftigten um 155.000 Personen gestiegen, die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,7%. Dieser historisch niedrige Anteil von Arbeitslosen wurde bereits den dritten Monat in Folge ausgewiesen. Aber nicht nur für den US-Arbeitsmarkt, sondern auch für die gesamte Wirtschaft zeigt sich bereits jetzt eine recht erfolgreiche Bilanz. Darauf weisen die für das vierte Quartal vorliegenden realwirtschaftlichen Indikatoren und die nochmals verbesserten Stimmungswerte in der Industrie und bei den Dienstleistern hin. Das…