Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Einkaufsmanager im Euro-Raum: Industrieklima trotzt Corona-Sorgen

Der befürchtete Sentiment-Rückgang in der europäischen Privatwirtschaft ist erst einmal ausgeblieben. Laut den Ergebnissen der Einkaufsmanagerbefragungen im Februar konnte sich die Stimmung sowohl im Dienstleistungssektor (von 52,5 auf 52,8 Zähler) als auch der Industrie verbessern. Letztere überrascht sogar mit einer merklich nachlassenden Skepsis. Trotz der Sorge vor einer Ausbreitung des Corona-Virus stieg der Index für das verarbeitende Gewerbe gegenüber dem Vormonat um kräftige 1,2 auf 49,1 Zähler an. Damit hat sich der Abstand zur „Wachstumsschwelle“ von 50 Punkten, ab der ein Produktionszuwachs signalisiert wird, deutlich verringert. Bereits seit mehreren Monaten leidet die europäische Industrie unter dem abflauenden Welthandel. Mit dem Corona-Virus war zuletzt ein neues Großrisiko hinzugekommen. Für den Moment dürften die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Sars-CoV-2 genannten Erregers aber vor allem auf den südostasiatischen Raum konzentriert bleiben. Zwar wurden auch in Europa erste Lieferengpässe gemeldet. Die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum sollten aus jetziger Sicht jedoch…

Das Virus und seine Ausbreitung

Der weitere Verlauf der Corona-Epidemie ist auch für die medizinischen Experten nicht wirklich vorherzusehen. Auf der einen Seite sorgten in den letzten Tagen sinkende Fallzahlen von Neuinfektionen in China zeitweise für eine gewisse Erleichterung, auch wenn der Einfluss der unterschiedlichen Diagnosemethoden schwer zu durchschauen ist. Auf der anderen Seite scheint in Südkorea nun der erste größere Corona-Ausbruch außerhalb Chinas registriert worden zu sein, was die Nervosität wieder verstärken könnte. Klar ist, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie erheblich sein werden. Das gilt selbst dann, wenn sich die Krankheit nun tatsächlich auf dem Rückzug befindet und noch im ersten Quartal weitgehende Entwarnung gegeben werden kann. Denn die wirtschaftlichen Schäden durch den Produktionsausfall in Fabriken, durch die Störung von Lieferketten, durch eingeschränkte Konsummöglichkeiten und durch die Ausfälle im Reiseverkehr sind vor allem für China und die asiatischen Anrainerstaaten schon jetzt beträchtlich. Leider ist auch nicht auszuschließen, dass sich die Infektion über die…

China: Die Wirtschaft in Zeiten des Corona-Virus

Es ist momentan sicher eine der drängendsten konjunkturellen Fragen, wie stark das chinesische Wirtschaftswachstum von der Corona-Krise gedrosselt wird. In China herrscht weiter Ausnahmezustand. Das öffentliche Leben liegt in weiten Teilen des Landes immer noch brach, der Produktionsstart in der Industrie ist nach der verlängerten Neujahrspause nur äußerst schleppend angelaufen. Viele Wanderarbeiter kehren nur mühsam aus dem chinesischen Hinterland in die Produktionsstätten an der Ostküste zurück und wenn sie dort ankommen, droht ihnen zumeist erst einmal eine zweiwöchige Quarantäne. Es gibt aktuell kaum belastbare Konjunkturzahlen, mit denen sich das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden zuverlässig beziffern ließe. Die wenigen Indikatoren, die zur Verfügung stehen (tägliche Fahrgastzahlen, Wohnungsverkäufe oder der wöchentliche Kohleverbrauch), legen jedoch nahe, das der Riesentanker China aktuell allenfalls mit halber Kraft unterwegs ist. Zwangsläufig hängt die Tiefe des Wachstumseinbruchs hauptsächlich davon ab, wie lange sich die Epidemie noch hinziehen wird. Die deutlich rückläufigen Neuinfektionszahlen geben hier etwas Hoffnung, für…

Wohnen ist teurer als (statistisch) gedacht!

Die Inflationsrate im Euro-Raum hat seit Jahren trotz der extrem expansiven Ausrichtung der Geldpolitik das Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent verfehlt. Ein Grund dafür dürfte auch in den nur unzureichend erfassten Kosten für das Wohnen im harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euro-Raum liegen. Gemäß verschiedener Verbrauchererhebungen wenden die privaten Haushalte den größten Anteil ihres verfügbaren Einkommens für den Bereich Wohnen auf. Zu diesen Kosten zählen neben den gezahlten Mieten auch Zinsen und Tilgungen auf Hypotheken für den selbstgenutzten Wohnraum. In den HVPI für den Euro-Raum gehen tatsächlich gezahlte Mieten nur mit einem Gewicht von 6,5 Prozent ein. Der gesamte Bereich der Kosten für selbstgenutzte Wohnimmobilien wird dagegen gar nicht berücksichtigt. Gemäß der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung belief sich der Anteil der gezahlten Wohnungsmieten und der unterstellten Mieten an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte 2018 im Euro-Raum aber auf zusammen 17 Prozent. Lässt man die Kosten für den selbstgenutzten Wohnraum anhand…

Zankapfel EU-Haushalt: Blockade statt Fortschritt

Im Streit um den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU soll nun endlich eine Einigung erzielt werden. Diese ist längst überfällig, denn der aktuelle MFR läuft zum Ende dieses Jahres aus. Der amtierende Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, hat nun die Notbremse gezogen und für den 20. Februar einen Sondergipfel einberufen. Angesichts etlicher Streitpunkte der Mitgliedsstaaten ist eine schnelle Einigung nicht abzusehen. Durch den Brexit entsteht auf der Einnahmenseite eine Milliardenlücke. Über die Höhe des künftigen EU-Budgets bestehen daher massive Meinungsverschiedenheiten. Aber auch bei der geplanten Verwendung der Gelder liegen die Positionen weit auseinander: Während die Nettozahler der EU Mehrausgaben verhindern wollen, sperren sich die Nettoempfänger gegen Kürzungen bei Agrar- und Strukturhilfen. Dabei sind die Herausforderungen auf der Ausgabenseite vor allem durch die zunehmende Digitalisierung und die hohen Investitionen für den Klimaschutz so groß wie nie. Die Hoffnung auf einen modernen Haushalt ohne höhere Ausgaben wird sich kaum erfüllen….

Corona Fall-out

Die Dynamik der Ansteckungen durch das Coronavirus hat zeitweise etwas nachgelassen, was zu einer Entspannung an den Finanzmärkten beigetragen hat. Jedoch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Grippe-Welle in China noch nicht abschätzbar. Da überrascht es nicht, dass die Zentralbanken sich und die Märkte auf eine wirtschaftliche Abkühlung in Q1 2020 vorbereiten. Die wirtschaftliche Entwicklung in Q1 dürfte schwach verlaufen. Sowohl die Frühindikatoren, als auch die realwirtschaftlichen Daten in den Industrieländern sollten von den ausgedehnten Neujahrsferien in China negativ beeinflusst sein. Nach bisherigem Stand sollten die globalen Lieferketten zwar in Mitleidenschaft gezogen worden sein, jedoch sind keine langfristigen Auswirkungen zu befürchten. Damit ist eine wirtschaftliche Erholung ab Q2 2020 weiterhin wahrscheinlich. Je länger die Grippe-Welle China aber im Griff hat, umso größer das Risiko, dass die ungünstigen wirtschaftlichen Folgen sich weit in das Jahr 2020 ziehen. Entsprechend vorsichtig werden die Zentralbanken in den kommenden Wochen agieren. Die Finanzmärkte werden zumindest latent…