Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Italiens Woche der Wahrheit

Die nächste Woche könnte sich für Italien als richtungsweisend herausstellen. Bis Montag muss die Regierung in Rom der EU-Kommission den vollständigen Haushaltsentwurf für 2019 vorlegen. Bislang sind nur Teile der Planung, vor allem die Defizitzahlen für die kommenden drei Jahre und die zugrundliegenden BIP-Prognosen, bekannt. Insbesondere die über den Konsensschätzungen liegenden Wachstumsannahmen hatten nach Bekanntwerden bereits Fragen aufgeworfen. Erst mit Veröffentlichung aller geplanten Maßnahmen einschließlich Mehrausgaben / Mindereinnahmen ist aber mit einem abschließenden Votum durch Brüssel, Investoren und Ratingagenturen zu rechnen. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass die EU-Kommission Italiens Plan ohne Nachverhandlungen akzeptieren wird. Selbst wenn das für 2019 geplante Defizit in Höhe von 2,4% des BIP realistisch erscheinen würde, läge es deutlich über dem zwischen der Vorgängerregierung und Brüssel ausgehandelten Pfad, der zu einem Abbau der Schuldenstandsquote führen soll. Für Investoren wird aber vielmehr entscheidend sein, ob Brüssel den Vorschlag zumindest als Verhandlungsgrundlage ansieht und ein Kompromiss…

Aktien nach Kursrutsch attraktiv

Der US-Aktienmarkt hatte sich im bisherigen Jahresverlauf erheblich vom „Rest der Welt“ abgekoppelt. Während verschiedene größere Aktienmärkte wie Deutschland, Südkorea und China seitwärts oder sogar deutlich negativ tendierten, profitierten US-Aktien von mehrheitlich auf die USA begrenzten Impulsen. Die Gewinner können innerhalb der USA sogar noch stärker auf einige wenige Technologieaktien eingegrenzt werden. Die nun beobachtbare Korrektur geht folgerichtig auch in erster Linie von diesen Technologieaktien aus, macht aber weder vor Aktien anderer Branchen noch anderer Länder halt. Grundsätzlich war diese Korrektur erwartet worden und höhere Volatilität an den Märkten ist nach unserem Dafürhalten für die letzte Phase eines Aktienmarktzyklus auch nichts Ungewöhnliches. Zusätzlich ist die Zahl der Krisen in den letzten Monaten gestiegen. Insbesondere der wachsende Protektionismus hat das Potenzial, den Wachstumszyklus nachhaltig zu schwächen. Die laufende Korrekturbewegung hat den DAX binnen einer Woche um rund sieben Prozent nachgeben lassen, Technologieaktien in den USA (Nasdaq 100) verloren sogar rund zehn…

Dr. Kupfer stellt nicht immer die richtige Diagnose

Der Kupferpreis ist in den letzten Monaten deutlich unter Druck geraten. Im Vergleich zu seinem Sommerhoch stürzte er um etwa 16% auf aktuell 6.200 USD je Tonne ab. Da Kupfer in ganz unterschiedlichen Branchen, wie etwa der Elektrotechnik, Bauwirtschaft und Telekommunikation eingesetzt wird, gilt „Doktor Kupfer“ als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Daher findet ein solcher Preissturz auch eine hohe Beachtung unter den Anlegern. Dr. Kupfer funktioniert durchaus als Frühindikator, allerdings haben wir aktuell Zweifel, ob die Diagnose des weltwirtschaftlichen Gesundheitszustandes korrekt ist. Die spürbare Preiskorrektur ist nämlich aus unserer Sicht überwiegend auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China zurückzuführen. Die dadurch entstandenen Unsicherheiten schürten Ängste, dass sich die chinesische Kupfernachfrage womöglich deutlich abschwächen könnte. Da China mehr als 50% der globalen Nachfrage stellt, kann nicht verwundern, dass sich daraufhin insbesondere die spekulativen Großanleger von Kupfer trennten und den Preis damit drückten. Allerdings hat sich diese Nachfrageschwäche in China…

EZB-Protokolle: Handelsstreit bereitet Währungshütern Sorge

Aus den EZB-Accounts zur September-Ratssitzung geht hervor, dass die Währungshüter unter anderem über die möglichen Auswirkungen des zunehmenden Protektionismus im Welthandel diskutiert haben. Einzelne Notenbank-Vertreter haben ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, wonach ein eskalierender Handelsstreit die Wachstumsaussichten für die Eurozone nachhaltiger eintrüben könnte. Demgegenüber wurde aber angemerkt, dass die Widerstandsfähigkeit der europäischen Binnenwirtschaft zugenommen habe. Letztlich sind die EZB-Vertreter darin übereingekommen, an ihrer Einschätzung, wonach die Risiken für den Konjunkturausblick weitestgehend ausgeglichen sind, festzuhalten. Wir gehen davon aus, dass die Währungshüter diesen Punkt zur Oktober-Ratssitzung erneut kontrovers diskutieren werden. So hat jüngst der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Hinsichtlich der Inflation zeigt sich die EZB zuversichtlich, dass sich die Teuerungsrate in die gewünschte Richtung entwickeln werde. Nach Einschätzung der Währungshüter habe die Unsicherheit über die zukünftige Preisentwicklung abgenommen. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang unter anderem auf die höhere Kapazitätsauslastung der europäischen Wirtschaft. Darüber hinaus sind angesichts der…

Bolsonaro: nur noch ein Schritt zu Brasiliens Präsidentenamt

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien erreichte Jair Bolsonaro 46,0% der gültigen Stimmen und verpasste damit die absolute Mehrheit. Als zweitplatzierter ging der Kandidat der Arbeiterpartei PT Haddad mit 29,3% über die Ziellinie. Beide müssen damit am 28. Oktober in einer Stichwahl um das Amt antreten. Zwar dürfte Haddad in der zweiten Runde einen großen Teil der Stimmen des drittplatzierten Gomes (12,5%) zu sich ziehen, der Rückstand zu Bolsonaro erscheint aber zu groß, als dass er noch aufgeholt werden könnte. Bei der Wahl zwischen einer harten Sicherheitspolitik mit einem eher wirtschaftsfreundlichen Kurs und einer Rückkehr der in Korruptionsskandale verstrickten PT mit ihrem Kandidaten Haddad, fiel die Wahl zugunsten Bolsonaros aus. In großen Teilen des bürgerlichen Lagers konnten damit die offen rassistischen und frauenfeindlichen Aussagen Bolsonaros sowie seine Unterstützung für die Militärdiktatur in Brasilien (1962 bis 1985) nicht abschrecken. Neben den Präsidentschaftswahlen fanden auch Wahlen für das Abgeordnetenhaus statt…

US-Amerikanische Staatsanleihen: Steigendes Angebot und bisher kein Käuferstreik

Ende 2017 wurde eine Steuerreform in den USA verabschiedet, die eine Steuersenkung für Privatpersonen und Unternehmen vorsah. Dementsprechend sind die US-Steuereinnahmen im Haushaltsjahr 2017/2018 zurückgegangen. Gleichzeitig blieben die Staatsausgaben hoch. Das Haushaltsdefizit hat sich daher ausgeweitet und beläuft sich nach den ersten neun Monaten des Fiskaljahrs auf 607 Mrd. US-Dollar; im Fiskaljahr 2016/2017 lag es zum selben Zeitpunkt bei 521 Mrd. bzw. im Fiskaljahr davor bei 417 Mrd. US-Dollar. Der Haushaltsfehlbetrag hat sich von 3,6% im Kalenderjahr 2017 auf rund 4,5% im Jahr 2018 erhöht. Ein steigendes Budgetdefizit, was gleichzeitig mehr Verkäufe amerikanischer Staatsanleihen bedeutet, wäre ein Faktor, der die US-Anleiherenditen in die Höhe treiben kann. In Folge dessen dürfte die Nachfrage nach US-Bonds sinken, da die Furcht der Anleger vor einem übermäßigen Schuldenniveau in den USA die Oberhand gewinnen könnte. Seit etwa einem Jahr steigt das Emissionsvolumen von US-Staatsanleihen (festverzinsliche Papiere) über alle Laufzeiten hinweg an. Insbesondere in zweijährigen…