Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
USA: Weiter schwindende Fiskaldisziplin ermöglicht „Budget-Deal“

Kurz vor Ende eines Countdowns, für den die so genannte Schuldenobergrenze verantwortlich war, konnte sich die Politik in den Vereinigten Staaten auf einen Ausgaben-Deal einigen. Dabei sichert jetzt vor allem das weitere Dahinschwinden der Fiskaldisziplin die Zahlungsfähigkeit der US-Regierung bis Ende Juli 2021, also bis deutlich nach den nächsten Kongress- und Präsidentschaftswahlen. Der „Budget Control Act“ aus dem Jahr 2011 ist damit jetzt wohl endgültig Geschichte, das jährliche Defizit im Bundeshaushalt dürfte Schätzungen zu Folge auf rund 1 Billion US-Dollar steigen. Eigentlich soll die Schuldenobergrenze (debt ceiling) als gesetzliche Höchstgrenze den Gesamtbetrag an Schulden im Zaum halten, den der Staat aufsammeln darf. In den letzten Wochen waren Schätzungen bekannt geworden, dass die Mittel des Finanzministers wohl doch nicht bis Oktober reichen, wie zunächst angenommen wurde. Jetzt hat im Kongress die letzte Sitzungswoche vor der Sommerpause begonnen und es wurde offensichtlich eine Einigung über die Staatsfinanzen erreicht. Der erreichte Kompromiss beinhaltet…

Deutschland: Konjunktureintrübung schlägt sich zunehmend im Kreditgeschäft nieder

Die konjunkturelle Eintrübung, von der vor allem auch die exportorientierte deutsche Industrie betroffen ist, schlägt sich zunehmend im Geschäft der Banken in Deutschland nieder. Wie aus der Juli-Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) hervorgeht, haben die befragten Banken zum zweiten Mal in Folge über Verschärfungen ihrer Kreditrichtlinien für Unternehmen berichtet. So wurden vermehrt Kreditanträge abgelehnt und die Margen für risikoreichere Kredite ausgeweitet. Betroffen waren stärker große Unternehmen. Gründe sind eine verschlechterte Lage verschiedener Firmen bzw. Branchen mit der Folge einer sinkenden Kreditwürdigkeit. Die Umfrageergebnisse stützen unsere Einschätzung, dass sich das äußerst dynamische Wachstum der Kreditmärkte in Deutschland in diesem Jahr spürbar abschwächt. Zuletzt stiegen die Firmenkundenkreditbestände um 6,1 Prozent (Ende Q1/2019) und die privaten Wohnungsbaukredite um 4,9 Prozent. Im Firmenkundenkreditgeschäft sind für die nächsten drei Monate zunächst keine weiteren Verschärfungen der Kreditrichtlinien geplant. Allerdings erwarten die Banken mehrheitlich eine sinkende Kreditnachfrage der Großunternehmen. Stütze des Kreditgeschäfts bleiben die…

Italien steuert auf erneute Regierungskrise zu

Die panpopulistische Regierung in Italien steckt einmal mehr in der Krise – in ihrer womöglich schwersten. Am Freitag kamen Medienberichten zufolge Innenminister und Lega-Chef Salvini sowie Staatspräsident Mattarella zusammen, um über die Zukunft der Koalition zu beraten. Während Mattarella Salvini zu einer schnellen Entscheidung drängt, plant dieser wohl für heute ein Zusammentreffen mit Fünf-Sterne-Chef di Maio. Neben der Option von Neuwahlen im Herbst könnte auch eine Ablösung Contes als Regierungschef sowie von Finanzminister Tria diskutiert werden. Auslöser des aktuellen Streits waren Berichte über mutmaßliche Parteispenden aus Russland, die die Lega erhalten haben soll. Auch in der Europapolitik spricht die Regierung in Rom nicht mit einer Stimme. Während Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) eigenen Angaben zufolge für die Kandidatin für den Posten EU-Kommissionspräsidentin, von der Leyen, gestimmt haben, haben Lega-Vertreter ihre Zustimmung für die Christdemokratin verweigert. Beides hat der Lega politisch bis dato nicht geschadet, die in den Wahlumfragen immer mehr zulasten…

Oberhauswahlen in Japan: Abe verpasst die Zweidrittelmehrheit

Japans Premier Shinzo Abe und seine liberaldemokratische LDP haben ihr Ziel verpasst, bei den Wahlen zum Oberhaus, der zweiten Kammer des japanischen Parlaments, zusammen mit ihrem Koalitionsparter Komeito eine Zweidrittelmehrheit zu erzielen. Die Regierung verfügt einschließlich der Sitze, die diesmal nicht zur Neuwahl standen, nun über 141 der 245 Sitze. Selbst mit den Stimmen der konservativen „Erneuerungspartei“, die nun auf 16 Sitze kommt, wäre die Zweidrittelmehrheit von 164 verfehlt. Damit muss sich Abe von seinem lange gehegten Plan, eine Änderung der pazifistischen Verfassung herbeizuführen, wohl verabschieden. Nach den Statuten seiner Partei muss Abe in zwei Jahren den LDP-Vorsitz und damit auch das Amt des Regierungschefs abgeben. Vielleicht ist das Ergebnis der jüngsten Oberhauswahl ja auch die Chance dafür, dass der Zeit bis 2021 die außenpolitischen Themen und die Diskussion über den Charakter der japanischen Streitkräfte nicht an Übergewicht in der Regierungsarbeit gewinnen, zu Lasten wichtiger Wirtschaftsthemen. Immerhin ist das Reformprojekt…

Währungskrieg – Ausdruck der geldpolitischen Ausweglosigkeit

Die Hemmungen für eine politische Beeinflussung der Geldpolitik sind offenbar nicht nur in Ländern mit entsprechend schlechtem Ruf gefallen. Der Schritt zur nächsten Grenzübertretung liegt nahe: die Aktivierung der Währungspolitik; nicht mehr nur unterschwellig durch den politischen Versuch, die Geldpolitik von der Notwendigkeit einer noch stärkeren Expansion zu überzeugen, sondern durch eine gezielte Abwertungspolitik der heimischen Währung. Nicht umsonst überschlagen sich seit einigen Monaten nicht nur die Zinssenkungsspekulationen. Auch die leidliche Debatte über einen globalen Währungskrieg nimmt wieder an Fahrt auf. Auch wenn die Diskussion vertraut klingen mag, hat sie aktuell eine neue Komponente. Die Finanzmärkte erkennen die Grenzen der klassischen Geldpolitik und die (gefühlte) Ausweglosigkeit der Notenbanken inzwischen so sehr an, dass sie sogar Spekulationen über Devisenmarktinterventionen Raum geben. Und dies nicht nur bei den üblichen Verdächtigen (China, Schweiz), sondern erstmals seit weit über zwei Jahrzehnten auch wieder in den USA. Ebenso bereitwillig unterstellt man den anderen Währungsoffiziellen weltweit,…

USA: Moderate Inflation – trotz robuster Konjunktur

Ein insgesamt moderater Ausblick für die Inflation hatte der US-amerikanischen Notenbank den Spielraum gegeben, bereits mit dem vergangenen Jahreswechsel ihren geldpolitischen Normalisierungskurs zu beenden. Dafür ist vor allem der verhaltene Lohnanstieg verantwortlich, der trotz einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit verzeichnet wird. Auch Fed-Chef Jerome Powell hat jüngst darauf hingewiesen, dass sich der Zusammenhang zwischen einer guten Beschäftigungslage und den Steigerungsraten bei den Löhnen gelockert hat. Damit fällt auch der daraus resultierende Auftrieb bei den Verbraucherpreisen niedriger aus als in früheren konjunkturellen Erholungsphasen. Dennoch dürften die Inflationsraten in den kommenden Monaten etwas anziehen. 2019 rechnen wir im Durchschnitt mit einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent, 2020 sollte die Inflation bei 2,4 Prozent liegen. Beim Ausblick für das kommende Jahr schlagen sich neben den wieder leicht anziehenden Lohnforderungen auch ein Basiseffekt und die bestehenden Strafzölle auf Importe aus China bei den Verbraucherpreisen nieder. Der Ölpreis wird hingegen wohl eher inflationsdämpfend wirken. Nach unserer Einschätzung…