Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Italien: Salvini, das Zünglein an der Urne

Italien befindet sich inmitten der heißen Phase des Wahlkampfes. Der Ausgang des Urnengangs könnte kaum knapper sein. Zwar liegt die rechte Allianz rund um Forza Italia (FI) und Lega Nord (LN) laut Umfragen in Front, eine absolute Mehrheit könnte die Allianz aber verfehlen und wäre damit auf Koalitionspartner angewiesen. Außerdem ist die Allianz der rechten Parteien keineswegs so stabil, wie die Parteigranden zu Beginn des Schulterschlusses noch bekundeten. Während sich die Forza Italia vor allem als verlässlich und staatstragend gibt, fischt die Lega Nord am rechten Rand des Wählerspektrums und inszeniert sich als klassisch rechtspopulistische Partei. So kokettiert LN-Chef Salvini wiederholt öffentlich mit einem Euro-Austritt des Landes und prangert die EU in ihrer jetzigen Form an: Italien dürfe nicht länger der Sklave Berlins oder Brüssels sein. Berlusconi, der selbst einen Italexit eine „Katastrophe“ nennt, kommt die verbale Verschärfung seitens der LN keineswegs zupass. Beide Partner ließen jüngst sogar in letzter…

EZB-Accounts: Anpassung der Forward Guidance verfrüht

Aus den heute veröffentlichten EZB-Accounts geht hervor, dass sich einige Notenbanker bereits zur Januar-Sitzung für eine Adjustierung der Forward Guidance für das Anleiheankaufprogramm (PSPP) ausgesprochen haben. Die Befürworter eines solchen Schritts verwiesen unter anderem auf die wachsende Zuversicht, dass sich die Teuerungsrate mittelfristig in Richtung des EZB-Inflationsziels entwickeln werde. Daher wurde im Rahmen der Januar-Sitzung darüber diskutiert, auf die Möglichkeit einer erneuten Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe zu verzichten. Letztlich haben sich die Notenbank-Oberen aber darauf verständigt, dass es (eventuell die Italien-Wahlen im Blick?) verfrüht sei, auf diese Handlungsoption zu verzichten. Den jüngsten Renditeanstieg sah man aber noch nicht als restriktiv wirkend an. Die EZB-Vertreter stimmen dennoch darüber überein, dass die Forward Guidance in den kommenden Monaten im Einklang mit den Aussichten für die Teuerungsentwicklung angepasst werden solle. Besondere Aufmerksamkeit wollen die EZB-Vertreter hierbei auch der Entwicklung des Euro-Wechselkurses zukommen lassen. So sei dessen Volatilität ein Unsicherheitsfaktor für den mittelfristigen Inflationsausblick….

US-Renditen sind stark gestiegen – Potential für einen weiteren Anstieg aber begrenzt

Die zuletzt zunehmenden Sorgen über eine höhere Inflationsdynamik und stärker steigende Notenbankzinsen haben einen spürbaren Renditeanstieg am US-Staatsanleihemarkt ausgelöst. Schon lange wurde befürchtet, dass die zehnjährigen US-Renditen vor dem Hintergrund einer restriktiveren Geldpolitik, die sowohl mit Leitzinsanhebungen als auch mit einer Reduktion der US-Notenbankbilanz einhergeht, eigentlich hätten steigen müssen. Die jüngste Bewegung könnte nun die Sorge bestätigen, dass sich ein neuer Trend hin zu deutlich höheren Zehnjahresrenditen herausbilden wird. Dabei gab es in der Vergangenheit zahlreiche Argumente, die für den lediglich moderaten Anstieg der Kapitalmarktrenditen trotz Leitzinserhöhungen der US-Notenbank angeführt wurden. Insbesondere die Markterwartung, dass die US-Notenbank die Fed Funds Target Rate nicht schnell und mit Verve erhöhen wird, wurde als Grund für die maßvollen Kursverluste in den zurückliegenden Jahren genannt. Außerdem dürfte die anhaltend hohe Nachfrage nach US-Staatsanleihen sowohl von inländischen als auch von ausländischen Investoren einen potenziellen Anstieg der US-Kapitalmarktrenditen begrenzt haben. Nicht zuletzt hält die US-Notenbank weiterhin…

Griechenland erhält besseres Rating

Moody’s hat gestern Abend für einen Paukenschlag gesorgt. Entgegen des üblichen Turnus hat Moody’s das griechische Rating außerordentlich um zwei Stufen auf „B3“ angehoben – der Ausblick bleibt positiv. Die Heraufstufung als solche wundert weniger als der gewählte Zeitpunkt. Die reguläre Überprüfung der Bonitätsnote Griechenlands hätte für den 30. März angestanden. Im Falle außerordentlicher Umstände ist es den Agenturen jedoch gestattet, von dem zuvor veröffentlichten Terminplan abzuweichen. Überwiegend nutzten die Agenturen diese Ausnahmemöglichkeit bis dato für außerordentliche Herabstufungen. Dass Moody’s sich veranlasst sah, Hellas vorzeitig heraufzustufen, dürfte die Regierung in Athen umso mehr freuen. Inhaltlich führt Moody’s drei wesentliche Gründe für die Entscheidung an. Griechenland habe sowohl substantielle fiskalische als auch institutionelle Fortschritte vollzogen. Diese würden zu einer Erholung der Wirtschaft sowie auch des Bankensektors beitragen. Konkret nennt Moody’s den Anstieg des Primärüberschusses auf mehr als 2% des BIP. Die Schuldenstandsquote des Landes würde voraussichtlich auf 174% im kommenden Jahr…

Deutsche Unternehmen überweisen 47 Mrd. Euro Dividende an Aktionäre

– In Deutschland beginnt die Dividendensaison, Aktionäre bekommen Rekordsumme von 47 Mrd. Euro (+9% gegenüber Vorjahr) überwiesen – Die Ausschüttungen sind durch die operative Entwicklung der Unternehmen finanziert und somit sehr solide – „Dividendenaristokraten“ bleiben für uns Trumpf Der Blick auf den Kontoauszug lässt viele Aktionäre dieser Tage wieder erfreuen, denn mit Siemens hat der erste große DAX-Konzern den Ausschüttungsregen 2018 eröffnet. Rund um den Globus befindet sich die Konjunktur im Aufwind, daher verwundert es nicht, dass Investoren in diesem Jahr eine Rekorddividende erwarten können. Die großen deutschen Konzerne werden knapp 47 Mrd. Euro und damit über 9% mehr als im Vorjahr an die Aktionäre ausschütten. Die Korrektur an den Aktienmärkten hat dazu geführt, dass die Dividendenrenditen wieder etwas gestiegen sind. Der DAX bietet eine Dividendenrendite von 3,2%, was dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre entspricht und in einem Umfeld steigender Gewinne und Dividenden attraktiv erscheint. Auch relativ zu Anleihen…

Deutscher Wohnungsmarkt: Steht eine umfassende Zäsur bevor?

Die Stimmung in der deutschen Immobilienwirtschaft ist bestens, Betongold verkauft sich hierzulande „wie geschnitten Brot“. Und das gilt nicht nur für Wohnungen und Häuser. Mindestens genauso groß ist die Nachfrage nach Büroobjekten, Einkaufs- und Fachmarktzentren, Logistikhallen oder auch Hotels und Mikroapartments. Das sorgt für durchweg hohe und steigende Kaufpreise, während die Mietrenditen auf nicht gekannte Tiefstände gesunken sind. Wenn ein solcher Boom von anfänglichen Übertreibungen zur ausgewachsenen Immobilienblase übergeht, droht Gefahr für die Volkswirtschaft und das Finanzsystem. Soweit ist es aber noch nicht gekommen. Das sagen sowohl die Bundesbank als auch der Rat der Immobilienweisen im Rahmen ihrer jüngst veröffentlichten Analyseergebnisse; erstere im Monatsbericht des Instituts, letztere im jährlichen Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft. Mahnende Worte, die das Bewusstsein für die Risiken der schon bestehenden Übertreibungen am Immobilienmarkt schärfen, können dennoch nicht schaden. Für Aufmerksamkeit und eine breite Presseresonanz hat vor allem das Frühjahrsgutachten gesorgt. Dort werden nicht nur die schon bekannten Preisübertreibungen…