Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
EZB-Geldpolitik bis Sommer 2019 auf Autopilot

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen beschlossen, das Anleiheankaufprogramm (APP) bis zum Ende des Jahres zu verlängern. Sollte sich die Inflation in die von der Notenbank gewünschten Richtung entwickeln, wird das Volumen der monatlichen Anleihekäufe (netto neu) ab Oktober auf 15 Mrd. Euro vermindert. Unter den genannten Voraussetzungen würden die Nettoneukäufe dann Ende Dezember beendet werden. Um unerwünschten Zinserhöhungsspekulationen zu begegnen, hat die EZB ihre Forward Guidance für den Leitzinsausblick grundlegend adjustiert. So gehen die Währungshüter nunmehr davon aus, dass die Leitzinsen zumindest bis über den Sommer 2019 unverändert bleiben werden. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass sich die EZB für einen solch langen Zeitraum festlegt. Dies wurde von den Marktakteuren als „dovishes“ Signal interpretiert und der Bund-Future hat mit Kursgewinnen reagiert. Aus der Forward Guidance selbst lässt sich nicht sicher ableiten, inwieweit die EZB eine Zinserhöhung für Herbst 2019 oder sogar noch zu einem späteren Zeitpunkt erwägen…

Steilerer Zinspfad der Fed nach dem „Trial-and-Error“-Konzept

Die Fed hat gestern Abend den geldpolitischen Kurs der vergangenen Monate fortgesetzt und die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Daneben wurden die Erwartungen über den zukünftigen Zinspfad nach oben angepasst. Die US-Währungshüter gehen im Median davon aus, dass die Fed die Leitzinsen im weiteren Verlauf dieses Jahres noch zweimal anheben wird. Im kommenden Jahr dürften insgesamt drei Zinsanhebungen erfolgen. Damit hat sich der allgemeine Tenor der Fed in Richtung einer leicht restriktiveren Geldpolitik verschoben. Die Wachstums- und Inflationsprojektionen der einzelnen Währungshüter spiegeln eine zuversichtliche Entwicklung der konjunkturellen Dynamik wider, während die Inflationsrate bei nur leicht oberhalb von 2% weiterhin gemäßigt ausfallen sollte. Dieser Entscheid wurde einstimmig getroffen. Im Großen und Ganzen hat die US-Notenbank unsere Meinung bestätigt, dass die Leitzinsen weiterhin in Richtung eines neutralen Niveaus angepasst werden, wenn wir auch bisher von einem vorsichtigeren Kurs ausgegangen waren. Außerdem hat die Fed die Forward Guidance verändert sowie eine technische Anpassung…

Warum die USA die Steuern senkte und Deutschland darunter leidet

Bereits seit einigen Monaten fallen die europäischen Stimmungsindikatoren. Bislang war das noch kein Grund zur Beunruhigung, da das Sentiment in den Unternehmen sich immer noch auf einem hohen Niveau befindet. Doch Vorsicht: Die weltpolitische Lage hinterlässt hier immer deutlicher ihre Spuren.   Der aktuelle Zollstreit und die bereits erhobenen Zölle durch die USA werden den Unternehmen im Euroraum und insbesondere in Deutschland weiter auf den Magen schlagen. Doch tatsächlich sind die bislang beschlossenen Zölle auf Stahl und Aluminium nicht das Problem. Denn der wirtschaftliche Schaden, der aus diesen Zöllen resultiert ist nicht beträchtlich. Anders sähe es bei Zöllen auf Autos und ähnliches aus. Wenn solche Zölle eingeführt werden, hätte dies erhebliche Folgen für die deutsche und europäische Wirtschaft. US Präsident Trump zeigt sehr eigene wirtschaftspolitische Ansichten. So ist scheinbar aus seiner Sicht ein Handelsbilanzdefizit prinzipiell eine offene Rechnung. Damit hätten aus Sicht des US Präsidenten Europa, und hier insbesondere Deutschland,…

Trump und die unfreiwillige Politik des starken USD

» Trotz der diplomatischen Entgleisungen beim G7-Gipfel lässt sich bislang keine nennenswerte Reaktion am Devisenmarkt erkennen. » Marktseitig überwiegt die Wahrnehmung, dass der USD bei einer weiteren Eskalation am besten gewappnet ist (Konjunkturdifferenz, Fed-Schritte, …) » Dass Trumps Kurs damit eine kontraproduktive USD-Stärke als unerwünschte Nebenwirkung haben könnte, wird derzeit nicht thematisiert. Während die öffentliche Meinung über die Ereignisse beim G7-Gipfel noch zwischen Entsetzen, Ernüchterung und stillschweigender Bewunderung schwankt, lässt sich an den Finanzmärkten bislang keine auffällige Bewegung erkennen. Weder das Risiko eines eskalierenden Handelskriegs noch der weltwirtschaftliche Ausblick werden nennenswert anders beurteilt als noch am Freitag. Ob Trumps Vorstellungen von Freihandel umsetzbar sind und sich der Rest der Welt tatsächlich unfair an den USA bereichert, sei dahingestellt. Fakt ist: der US-Präsident will die Situation „seiner“ Exporteure verbessern und das US-Handelsdefizit (als Symptom der unfairen Behandlung der USA) abbauen. Dafür sind neben verbalen Drohkulissen Importzölle sein Mittel der Wahl. Diese…

Brexit-Belastungen für die britische Wirtschaft immer deutlicher

Schlechte Nachrichten aus der britischen Industrie: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im April gegenüber dem Vormonat so stark gesunken, wie seit fünf Jahren nicht mehr – minus 1,4 Prozent stehen zu Buche. Es ist bereits der dritte Rückgang in Folge. In der Gesamtindustrie war das Minus nicht ganz so verheerend, weil die Ölförderung deutlich zulegen konnte. Ebenfalls schwach sind die Exportzahlen ausgefallen. Die Warenausfuhren sanken um fast 6 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegen nun mehr als 7 Prozent unter dem Niveau vom April letzten Jahres. Damit reihen sich auch die britischen Angaben in die Serie schwacher Industrie- und Außenhandelsdaten ein, die momentan aus vielen Ländern der EU für den Start des zweiten Quartals gemeldet werden. Die Exportkonjunktur in ganz Europa stockt. Für die Briten ist dieser Rückschlag jedoch besonders herb. Dank der lebhaften Nachfrage aus dem Ausland, die zudem durch das schwache Pfund befeuert wurde, waren die Belastungen…

EZB debattiert über Ende des Kaufprogramms – Überraschung?

In den letzten beiden Handelstagen zeigten sich offensichtlich einige Marktteilnehmer überrascht von den zunächst internen Quellen in der EZB, die davon sprachen, dass im Rahmen der kommenden Ratssitzung die Debatte über das Ende des Anleihekaufprogramms beginnen würde und sogar mögliche Entscheidungen anstünden. Garniert wurde das Ganze dann noch mit Kommentaren der EZB-Falken Knot und Weidmann, die ein Ende des Programms zum Jahresende für sinnvoll erachten – ein taktisches Manöver vor der Funkstille vor der Ratssitzung. Aber auch der EZB-Chefvolkswirt Praet blies in dasselbe Horn, in dem er die Inflationspfadkriterien der EZB (Konvergenz, Vertrauen, Belastbarkeit) insoweit als erfüllt ansieht, dass der Rat die Diskussion über ein Ende der Anleihekäufe beginnen müsste. Scheinbar waren einige Marktteilnehmer der Ansicht, dass die EZB aufgrund der jüngst deutlich gestiegenen Unsicherheit – ausgehend von Italien und dem Handelsstreit – zumindest zaudern, wenn nicht sogar vor einer Beendigung des Kaufprogramms zurückschrecken würde. Sicherlich praktiziert die Europäische Zentralbank…