Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Tristesse im September

Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euro-Raum hat gemäß der Septemberumfrage 1,5 Zähler verloren und liegt mit 50,4 Punkten (75-Monats-Tief) nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten. Ausschlaggebend sind deutliche Nachfragerückgänge bei den Dienstleistern und in der Industrie. Gerade die Talfahrt der Industrie hat sich wieder beschleunigt, und es scheint immer mehr der Fall zu sein, dass der bislang robuste Dienstleistungsbereich mit nach unten gezogen wird. Nach Angaben von IHS Markit fielen die Stimmungsbarometer im gesamten Währungsgebiet so niedrig aus wie seit 2013 nicht mehr. Im Zentrum der wirtschaftlichen Schwäche scheint immer mehr die deutsche Volkswirtschaft und dabei insbesondere die deutsche Industrie zu stehen. Und gemäß den Geschäftserwartungen ist hier keine Wende zum Besseren in Sicht. Zum Ende des dritten Quartals trüben sich die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum auf Basis der Umfrageergebnisse ein. Der deutsche Composite-Index verlor 2,6 Zähler und rutschte mit 49,1 Punkten nicht nur unter die neutrale…

EZB drängt Investoren aus dem Markt

Anleihekaufprogramme von Zentralbanken stellen massive Markteingriffe dar, die sich nachhaltig auf Angebot und Nachfrage auswirken. So hatte auch die ersten QE-Programms der EZB, das im Frühjahr 2015 startete spürbare Auswirkungen auf die Kapitalbilanz der EWU. Im Jahr 2014 hatten ausländische Investoren 114 Mrd. EUR an EWU-Anleihen gekauft. 2015 reduzierte sich diese Summe dann aber auf 30 Mrd. EUR. In den darauffolgenden drei Jahren drehte sich die Situation um und ausländische Investoren verkauften stolze 470 Mrd. Euro an EWU-Anleihen. Auch inländische Investoren blieben nicht unberührt von der massiven Intervention der EZB: sie flüchteten sich en masse in ausländische Anleihen und Aktien (1.500 Mrd. EUR in den Jahren 2015-2018). Mit der Beendigung des Programms im Dezember 2018 wendete sich das Blatt jedoch wieder. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres beliefen sich die Käufe von EWU-Anleihen aus den Ausland auf durchaus beachtliche 213 Mrd. EUR. Vor allem französische, italienische und deutsche Anleihen…

Wohnen zum Nulltarif

Vom Mieterparadies Deutschland ist nicht viel übriggeblieben. Gute Angebote an günstigen Wohnungen sind von hohen Mieten und langen Wartelisten abgelöst worden. Selbst solide verdienende Familien stoßen an ihre Belastungsgrenze. Die Politik steht unter Druck, doch die Regulierungsmaßnahmen lösen die Probleme nicht, weil sich am viel zu knappen Wohnungsangebot so schnell nichts ändern lässt. Dazu kommt, dass viele Mieterhaushalte über kaum Vermögen verfügen. Unsere europäischen Nachbarn, die im Gegensatz zu den Deutschen meist im Eigenheim wohnen, stehen besser da. Sie haben höhere Vermögen und sind besser vor Mieterhöhungen geschützt. Die niedrigen Zinsen von unter einem Prozent sind jedoch eine Chance, auch hierzulande die Verbreitung von Wohneigentum zu steigern. Aber vermutlich verhelfen auch die niedrigen Zinsen den Deutschen nicht allen zum Eigenheim. Die Angst vor hohen Schulden und langfristigen Verpflichtungen stehen dem oft im Wege. Auf der politischen Agenda für den Wohnungsmarkt steht Mietregulierung ganz oben. Die Eigenheimförderung dürfte dagegen mit dem…

Unternehmensgewinne folgen der Konjunkturdynamik

Die Konjunktur im Euro-Raum hat sich in den letzten Monaten spürbar abgekühlt. Die Verlangsamung der Wachstumsdynamik verläuft dabei nicht gleichmäßig in den einzelnen Ländern. Vielmehr werden die unterschiedlichen Wachstumsmodelle der Länder hier klar sichtbar. Die schwächere Konjunkturdynamik wird maßgeblich von einem niedrigeren Wachstum des Welthandels getrieben, was sich hauptsächlich in nachlassenden Außenhandelsüberschüssen widerspiegelt, insbesondere sichtbar ist eine schwächere Nachfrage nach Investitionsgütern. Die binnenwirtschaftliche Entwicklung ist dagegen noch relativ stabil. Dies ist sicherlich auch einer weiterhin hohen Beschäftigung und stabilen verfügbaren Einkommen zu verdanken. Die Folge dieser Entwicklung ist eine fallende Kapazitätsauslastung und fallende Produktivität. Letzteres sollte die internationale Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig schwächen. Die Inflationsraten bleiben dabei relativ niedrig. Damit sind die Preisüberwälzungsspielräume für die Unternehmen limitiert. Kostensteigerungen können also nur sehr schwer weitergegeben werden. Diese für die Unternehmen ungünstige Entwicklung macht sich nun auch langsam bei den Gewinnerwartungen der börsengehandelten Unternehmen bemerkbar. Die Gewinnerwartungen fallen nun schon seit einiger Zeit und…

Schweden auf dem Weg zu einer expansiven Fiskalpolitik

Auch Schweden schließt sich der Reihe von Staaten an, die eine expansivere Fiskalpolitik angekündigt haben. Im Budgetplan für 2020 sind Reformvorhaben von etwa 2,8 Mrd. Euro vorgesehen, die nur zum Teil durch neue Steuern gegenfinanziert werden. Darunter finden sich insbesondere Steuersenkungen für Besserverdienende und Rentner. Darüber hinaus soll es mehr Geld für Förderprogramme am Arbeitsmarkt geben, um die Beschäftigungssituation zu verbessern. Auch in das Bildungswesen und die Infrastruktur wird wohl weiter investiert. Insgesamt macht die Regierung damit einen Schritt in die richtige Richtung. Ihr Vorgehen könnte sich angesichts der globalen Konjunktureintrübung, die auch Schweden nicht unberührt lässt, aber als zu vorsichtig erweisen. Im ersten Halbjahr 2019 zeigte die Wirtschaft des nordeuropäischen Landes kaum Wachstum, und auch für die kommenden Monate zeichnet sich keine deutliche konjunkturelle Beschleunigung ab. Einen spürbaren Wachstumsimpuls könnte die schwedische Wirtschaft daher gut gebrauchen. Regierungsvertreter und ranghohe Mitglieder der liberalen Parteien, welche die Minderheitsregierung des Sozialdemokraten Stefan…

US Notenbank senkt Zinsen

Die US Notenbank folgte den Erwartungen und senkte mit ihrer jüngsten geldpolitischen Entscheidung den Leitzinskorridor auf 1,75% bis 2,0%. Erneut wurde diese Entscheidung nicht einstimmig getroffen. Der Zins für Überschussreserven (IOER) wurde um insgesamt 30 Basispunkte gesenkt. Diese geldpolitische Anpassung dürfte den jüngsten Verspannungen am Geldmarkt geschuldet sein. Insgesamt lässt sich jedoch schon seit geraumer Zeit feststellen, dass die IOER Aufwärtsdynamik entwickelt hat, weil die Marktteilnehmer ihre Liquidität in anderen Anlageformen parken (z.B. US-Bills) und nicht dem Geldmarkt zur Verfügung stellen. Auf der Pressekonferenz klang Fed-Chef Powell erneut recht optimistisch hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung. Insgesamt legt sich die Fed nicht fest. Die weitere Zinspolitik wird hauptsächlich von der Entwicklung der konjunkturellen Daten abhängen. Die Geschwindigkeit der Zinssenkungen ist also noch nicht festgelegt, sondern hängt von der Abwärtsdynamik der Daten ab.