Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
„Hard Brexit“-Sorgen sind zurück

Die britische Premierministerin Theresa May scheint von einem „sanften Brexit“ nach wie vor nicht viel zu halten – zumindest dann nicht, wenn Großbritannien dafür auf eine nationale Einwanderungskontrolle verzichten muss. Britische Medien berichten, dass die Regierungschefin in einer Rede am morgigen Dienstag Eckpunkte ihrer Brexit-Strategie erläutern will und dass sie dabei wohl an ihrer harten Haltung gegenüber der EU, die sie bereits auf dem Parteitag der Tories Anfang Oktober an den Tag gelegt hat, festhalten wird. Spekulationen über „Soft-Brexit“-Modelle à la Norwegen oder Schweiz, die noch vor einigen Wochen Rückenwind erhielten – nicht zuletzt durch kompromissbereitere Töne einiger Kabinettskollegen Mays –, würde damit das Wasser abgegraben, denn diese Länder müssen für den Zugang zum EU-Binnenmarkt auch die innerhalb der EU geltende Personenfreizügigkeit akzeptieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen „harten Brexit“ steigt also wieder, das Pendel schlägt zurück. Unstrittig ist sicherlich nach wie vor, dass ein „harter Brexit“, also der vollständige Verlust…

Italien: Abstieg aus „Serie A“

Die kanadische Ratingagentur DBRS hat am Freitag bekannt gegeben, dass sie das Rating von Italien von A (low) auf BBB (high), Ausblick stabil herabgesetzt hat. Die erste Marktreaktion zeigt heute Morgen eine gewisse Schwäche italienischer Anleihen, aber auch anderer Peripherietitel, da die Ratingänderung durch DBRS nicht von allen Marktteilnehmern so erwartet wurde. DBRS begründet den Schritt zum einen mit wachsenden Zweifeln, ob es Italien nach der gescheiterten Senatsreform gelingen werde, weiterhin strukturelle Reformen voranzutreiben. Zwar werde die neue Übergangsregierung von den Koalitionsparteien zu einem gewissen Grad unterstützt, die Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Neuwahlen sei aber hoch und nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts zum Wahlrecht, das ab Ende Januar erwartet werde, könnte der Fokus der Parteien primär auf Wahlkampf ausgerichtet sein. Der eigentliche Neuwahltermin könne sich, so DBRS, aber bis in den Herbst dieses Jahres hinziehen. Zum anderen nennt die DBRS die Schwäche des italienischen Bankensektors aufgrund des hohen Anteils notleidender Kredite infolge…

Lebhafte Konsumausgaben sorgen 2016 in Deutschland für robustes Wachstum

Die deutsche Wirtschaft ist auch 2016 auf ihrem robusten Wachstumskurs geblieben. Mit einem realen Plus von 1,9 Prozent erzielte die Wirtschaftsleistung sogar das stärkste Wachstum seit 2011. Die privaten und staatlichen Konsumausgaben wurden – ähnlich wie schon 2015 – kräftig ausgeweitet und legten damit die Basis für das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Gestützt wurde die Konsumfreude der privaten Haushalte auch 2016 vor allem von einer günstigen Arbeitsmarktentwicklung. Die Erwerbstätigkeit ist kräftig gestiegen und liegt auf einem neuen Rekordniveau, gleichzeitig markierte die Arbeitslosenquote 2016 mit 6,1 Prozent einen neuen Tiefststand. Das ließ die Einkommen der Beschäftigten wie schon in den letzten Jahren kräftig zulegen. In realer Rechnung sind die privaten Konsumausgaben 2016 mit +2,0 Prozent ebenso stark angestiegen wie 2015. Dabei haben auch im abgelaufenen Jahr zwei „Sondereffekte“ den privaten und staatlichen Konsumausgaben auf die Sprünge geholfen. Der niedrige Ölpreis hat die Energieausgaben und die Teuerungsrate insgesamt gebremst und Raum für andere Verwendungszwecke…

Österreich: Im Kern keine Agenda 2010

Der österreichische Bundeskanzler Kern hat gestern in einer mit Spannung erwarteten ersten Grundsatzrede seinen „Plan A“ für Österreich vorgestellt. Das Programm für „Wohlstand, Sicherheit & gute Laune“ versteht Kern als ambitionierten, sozialdemokratischen und längerfristigen Plan, der Österreichs Strukturprobleme, vor allem die gestiegene Arbeitslosigkeit, angehen soll. Im Vorfeld war viel davon zu lesen, dass Kern ein visionäres Programm vorstellen wolle, dass beträchtliche Anleihe an der deutschen Agenda 2010, die der damalige sozialdemokratische Bundeskanzler Schröder in den Jahren 2003 bis 2005 durchgesetzt hatte, nehmen wolle. Gemessen an dem kolportierten hohen Anspruch greift die Kern-Botschaft viel kürzer. Inhaltlich versucht Kern den Spagat zwischen wirtschaftsorientierten Reformen und sozialer Wohlfühlpolitik zu wagen. Konkret spricht sich der Bundeskanzler im Rahmen des Programms für Entlastungen der Wirtschaft durch die Senkung der Lohnnebenkosten aus, gleichzeitig will er sich für eine Beschäftigungsgarantie für über 50-Jährige und einen Mindestlohn von 1500 Euro pro Monat einsetzen. Österreichische Arbeitnehmer sollen vor der…

Globale Konjunktur 2017: Erholung mit Risiken

In ihrem aktuellen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung zeigt sich die Weltbank recht optimistisch für das kommende Jahr. Sie erwartet nach dem schwachen Jahr 2016 eine Erholung der Konjunktur in den Industrieländern, vor allem aber eine Verbesserung in den Schwellenländern. Dort war das abgelaufene Jahr teilweise von anhaltenden Krisen gekennzeichnet, etwa in Brasilien, Argentinien und Russland. Für 2017 wird für diese Länder mit einer – wenn auch eher zögerlichen – Erholung gerechnet. Und während sich in China die allmähliche Wachstumsverlangsamung auch 2017 fortsetzen dürfte, ist in Indien nach den wirtschaftspolitisch bedingten Problemen im Jahresverlauf wieder mit einer Beschleunigung zu rechnen. Die Ökonomen der Weltbank betonen aber auch die Risiken für den Ausblick, die sich vor allem im Bereich der Wirtschaftspolitik zeigen. So haben das Brexit-Votum und die Entscheidung der US-Präsidentschaftswahlen zwar noch keine realwirtschaftlichen Folgen gehabt und sind von den Finanzmärkten nach anfänglicher Irritation gut aufgenommen worden. Sie haben jedoch…