Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Was uns auf dem Arbeitsmarkt noch bevorsteht

Die heute veröffentlichten Daten für die Entwicklung der Arbeitslosenzahl im März waren auf den ersten Blick beruhigend. Saisonbereinigt ist die Anzahl der Arbeitslosen um gerade einmal 1.000 angestiegen. Allerdings sind in dieser Statistik nur die Anträge auf Arbeitslosengeld enthalten, die bis zum 12. März eingegangen sind. Der Großteil des Corona-Effektes ist in diesen Daten also noch nicht enthalten. Aufschlussreicher war dagegen die etwas später veröffentlichte Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit, die bei der Bundesagentur für Arbeit bis zum 27. März eingegangen sind. Diese Anzeigen sind im abgelaufenen Monat (auf Personenbasis) auf über eine Million angestiegen. Selbst zum Höhepunkt der Finanzkrise im Februar 2009 war die Zahl der Kurzarbeiter „nur“ auf etwas über 700.000 gestiegen. Das zeigt, dass in der aktuellen Krise deutlich mehr Betriebe und Branchen betroffen sind als damals. Deshalb ist auch von einem deutlich stärkeren Effekt der Rezession auf den deutschen Arbeitsmarkt auszugehen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Prognose für die US-Wirtschaft deutlich gesenkt

Auch in den Vereinigten Staaten gilt inzwischen quasi landesweit eine Ausgangssperre, der US-Präsident hat diese jüngst bis Ende April verlängert. Im zweiten Quartal dürfte deshalb die US-Wirtschaft einen deutlich tieferen Einbruch erleiden als zunächst angenommen. Vor allem beim privaten Konsum rechnen wir in Q2 mit einem beispiellosen Einbruch. Dies trifft vor allem den haushaltsnahen Dienstleistungssektor, aber auch in vielen anderen Wirtschaftsbereichen herrscht inzwischen Stillstand. Die Arbeitslosigkeit ist deshalb bereits in die Höhe geschnellt und wird auch noch weiter steigen. Wenn die privaten Haushalte hiervon (noch) nicht selbst betroffen sind, so werden sie allein aufgrund einer großen Verunsicherung die Konsumausgaben auf das nötigste beschränken. Letztlich erwarten wir für das Bruttoinlandsprodukt in Q2 einen auf das Jahr hoch gerechneten Rückgang um rund 30 Prozent. Das vor wenigen Tagen vom Kongress beschlossene umfangreiche Stützungspaket kann diesen Einbruch nicht verhindern. Schätzungen zu Folge wird es 3 bis 4 Wochen dauern, bis erste finanziellen Hilfen…

Hoffnungswerte aus China? – Nicht überinterpretieren!

Als Ursprungsland der Pandemie ist China als erste Volkswirtschaft in die Corona-Krise gestürzt. Der Shutdown im Februar führte zu einem beispiellosen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität. Nun kann das Land erste Wachstumserfolge melden. Die (staatlichen) Einkaufsmanagerindizes haben sich im März deutlich von ihren Allzeittiefs des Vormonats erholt, sie konnten sogar wider Erwarten die Wachstumsschwelle von 50 Punkten überwinden. In der Industrie stieg der Umfragewert von zuvor 35,7 auf 52 Punkte, im Dienstleistungssektor von 29,6 auf 52,3 Zähler. Grundsätzlich deckt sich die Verbesserung der Stimmungsindikatoren mit zahlreichen Berichten aus China, wonach sich das Wirtschaftsleben des Landes in den vergangenen Wochen allmählich von der vorangegangenen Schockstarre erholt. Dabei ist allerdings viel Propaganda. Dass die nun veröffentlichten Indikatoren politisch aufgebessert wurden, um das „Narrativ“ der erfolgreichen Krisenüberwindung zu untermauern, kann sicherlich nicht ausgeschlossen werden. Der privat erhobene Umfragewert von IHS Markit, der morgen erscheint, könnte das Bild hier bereits relativieren. Auf keinen Fall sollten…

Zurzeit gibt es keine sicheren Häfen

Die anhaltende Corona-Krise hat die Finanzmärkte hart getroffen. Die Aktienmärkte wurden besonders hart getroffen, und obwohl die letzten Tage ermutigend waren, befürchten wir, dass das Schlimmste noch nicht hinter uns liegt. Während die Aktienmärkte eingebrochen sind und die Kreditspreads sich ausgeweitet haben, hatten die Devisenmärkte zeitweise Schwierigkeiten, klare Richtung zu finden. Dies ist kaum überraschend: Währungen sind per Definition ein relativer Handel. Die ziemlich einfache „Sell, sell, sell“-Mentalität des Aktienmarktes lässt sich hier nicht übersetzen. Es geht darum, sowohl Gewinner als auch Verlierer zu identifizieren. Letzteres ist ziemlich einfach, Ersteres deutlich schwieriger. Selbst die traditionellen sicheren Häfen haben sich nicht so verhalten, wie wir es in einer „normalen“ Krise erwartet hätten. Während der Schweizer Franken unter einem ziemlich beständigen Aufwärtsdruck stand (dem durch die Intervention der Schweitzer Notenbank entgegengewirkt wurde), hat sich der japanische Yen und der US Dollar eher erratisch bewegt. Ähnliches gilt auch für die entsprechenden Anleihemärkte. Kurzgesagt,…

Weltwirtschaft in der Krise, Politik kann derzeit wenig ausrichten

Die Weltwirtschaft steckt in der Rezession. Die Corona-Infektionswelle rund um den Globus hat die Konjunktur in Rekordtempo in die Krise gestürzt. Dabei handelt es sich um einen sehr steilen und zweifellos auch sehr tiefen wirtschaftlichen Einbruch, aber nicht um einen typischen Abschwung. Das macht es nicht zuletzt für die Finanzmärkte so schwierig, die Lage zu interpretieren und eine angemessene Reaktion zu finden. Die Bewegungen der letzten Tage an den Finanzmärkten waren extrem. Auf einen fast beispiellosen Kursverfall an den Aktienmärkten in der vergangenen Woche folgten in den letzten Tagen ebenso rekordverdächtige Kursgewinne. Auch die Renditen zeigen keineswegs das typische Muster, das man aus konjunkturellen Zyklen kennt. Es fehlt an Orientierung, weil derzeit niemand in der Lage ist, auch nur eine halbwegs verlässliche Prognose für die kommenden Wochen zu erstellen. Eines ist jedoch relativ klar: Die Wirtschaftspolitik, die derzeit versucht mit allen verfügbaren Mitteln gegen die Krise anzukämpfen, ist in der…

Weltwirtschaft im Alarmmodus

Die Corona-Pandemie wird die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen. Wenn der aktuelle Zustand sich innerhalb der kommenden Wochen wieder lockert, dann sollten die massiven Fiskalprogramme die notwendigen Impulse für eine kräftige Erholung geben. Der Wachstumsverlauf in diesem Jahr hängt hauptsächlich von der Ausbreitung des Coronavirus ab. Während die Wirtschaft in China bereits wieder erste Lebenszeichen von sich gibt, fangen die wirtschaftlichen Belastungen in den USA erst an.   Die Inflation bleibt zunächst sehr niedrig. Ausnahme könnten die Lebensmittelpreise sein, die von der Versorgungslage abhängen und entsprechend auch deutlich schwanken können. Die Notenbanken haben ihr Pulver weitestgehend verbraucht. Nennenswerte Impulse kann man von den Instituten eigentlich nicht mehr erwarten.