Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Rom will es wissen

Nachdem Rom am Dienstag einen „überarbeiteten Budgetentwurf“ in Brüssel eingereicht hat, liegt der Ball nun wieder bei der EU-Kommission. Diese wird die lediglich kosmetisch veränderten Fiskalpläne Italiens weiterhin nicht akzeptieren können, da das veranschlagte Defizit und die Wachstumsprognosen zu optimistisch bleiben. Doch die Überzeugungskraft der Mittel, mit Hilfe derer Brüssel Druck auf die pan-populistische Exekutive im Stiefelstaat ausüben könnte, sind recht begrenzt. Zunächst kann der Europäische Rat auf Vorschlag der EU-Kommission mit qualifizierter Mehrheit ein Verfahren wegen übermäßigen Defizits etwa Anfang nächsten Jahres einleiten. Das wäre der erste Akt eines EU-Eskalationsdramas, den schon viele Euroländer erfahren haben. In Folge dessen würden Italien wirtschaftspolitische Maßnahmen oder Reformen auferlegt, die innerhalb von drei bis sechs Monaten zu erfüllen wären. Bei Nicht-Einhaltung der Forderungen könnten am Ende Sanktionen in Form von Geldbußen (0,2% des BIP, rund 4 Mrd. Euro) stehen. Die Ende Mai 2019 anstehenden Europa-Wahlen dürften die Handlungsfähigkeit der EU-Kommission jedoch behindern…

Brexit: Ein Schritt nach vorne, zwei Schritte nach hinten

Fünf Stunden hat es gedauert, bis Premierministerin May den Vollzug vermelden konnte. Nach einer „emotionalen“ Debatte konnte sie ihr Kabinett gestern Abend auf eine gemeinsame Linie vereinen und sich der Zustimmung ihrer Minister für die Backstop-Lösung sichern. Erneut, so schien es zumindest gestern Abend, hatte May ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, auch im größten Sturm Ruhe zu bewahren und sich von dem Getöse um sie herum nicht verunsichern zu lassen. Am heutigen Morgen droht jedoch bereits neues Ungemach: Mays Brexit-Minister Dominic Raab und Arbeitsministerin Esther McVey haben ihren Rücktritt angekündigt, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass im Tagesverlauf weitere Minister ihrem Beispiel folgen werden. Alles hängt nun davon ab, ob es May gelingt, ihre Regierung vor dem Kollaps zu bewahren und selbst im Amt bleiben zu können. Zunächst wird May ihr Kabinett neu sortieren und die vakanten Plätze neu besetzen müssen. Im Idealfall wird sie sich dadurch neue Rückendeckung sichern…

Rohöl – Preissturz auf 65 US-Dollar nach der übertriebenen Party

Ein Barrel Brent-Rohöl kostet nur noch rund 65 US-Dollar – vor sechs Wochen stand der Preis noch bei 85 USD. Es wurde damals sogar spekuliert, er könne möglicherweise schon in Kürze die 100-USD-Marke erreichen. In volatilen Marktphasen können sechs Wochen eine lange Zeit sein. Ausschließlich fundamental ist der 24%ige Preissturz des Nordsee-Rohöls aber nicht zu erklären. Die vergangenen drei Monate waren eine Phase von Über- und Untertreibungen. Im August war das Preisumfeld ausgesprochen „bullish“: Von den USA waren gerade die ersten Sanktionen gegen Teheran verhängt worden. Iranischen Rohöl-Kunden wurde nahegelegt, ihre Einfuhren auf null zu reduzieren, um scharfen Sekundärsanktionen zu entgehen. In diesem Kontext begann der Markt, iranische Export-Verluste von 1,5-2,0 Mio. Barrel pro Tag (mbd) einzupreisen. Zeitgleich sorgten innenpolitische Probleme in Libyen dafür, dass die Produktion von 1,0 mbd auf 0,6 mbd zurückfiel. Überdies nahm das US-Energieministerium (DOE) unter Verweis auf Pipeline-Probleme im Schiefergas-Premium-Gebiet Permian seine Produktionserwartungen zurück. Schließlich…

Japans Wirtschaft im dritten Quartal geschrumpft

Japans Wirtschaftsleistung ist im dritten Quartal vorläufigen Schätzungen zufolge um 0,3 Prozent zurückgefallen. Im Vorquartal war noch ein Quartalsanstieg von 0,7 Prozent gemeldet worden. Besonders die Investitionen und auch die Exporte zeigten im dritten Quartal stärkere Einbußen. Die Konsumnachfrage, die noch im Frühjahr starken Auftrieb gezeigt hatte, ist leicht gesunken. Positiv wirkte am Ende nur der Staatsverbrauch mit seinem Plus von 0,2 Prozent. Die Rückgänge haben klare Gründe: Nach der Jahresmitte gab es in Japan eine Reihe von Erdbeben, die den Verkehr bzw. die Logistik und die Produktionstätigkeit der Unternehmen zeitweise beeinträchtigten, und auch die sonstigen Wetterbedingungen waren sehr schlecht. Eine heftige und länger als sonst andauernde Taifun-Saison hat nachteilige Wirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit gehabt. Mit Blick auf die Konsumtätigkeit sind hier sicher die Nachfrageausfälle bei Saisonwaren und vor allem im Fremdenverkehr zu berücksichtigen. Besonders die Besucher aus China, die in den letzten Jahren zahlenmäßig besonders stark zugenommen hatten und…

Herbstliche Konjunktur in Deutschland

Die Inflationsrate ist im Oktober 2018 auf den höchsten Stand seit zehn Jahren angestiegen, und das bei einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung im abgelaufenen dritten Quartal. Eine ziemlich unangenehme Kombination –  nach den vielen Erfolgsmeldungen zur deutschen Konjunktur in den letzten Jahren. Doch so schlecht, wie es diese Meldungen auf den ersten Blick aussehen lassen, ist die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland auch nicht. Die relativ hohe Inflationsrate von 2,5% geht zu einem guten Teil auf die Verteuerung von Heizöl und Benzin zurück. Ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte hätte die Teuerungsrate nur bei 1,7 % gelegen, und damit im Trend des letzten Jahres. Auf dem Spotmarkt ist der Ölpreis aber seit seinem Hoch Anfang Oktober schon wieder um rund 20% gefallen. Das dürfte sich bald auch an den Tankstellen niederschlagen, zumindest sobald die aktuellen Transportprobleme überwunden sind. Auch beim Wachstum dürfte die schwache Zahl aus dem dritten Quartal (-0,2 % Q/Q) ein Ausreißer gewesen…

Bitcoin in „stabiler Seitenlage“, aber noch lange nicht tot

Ende Oktober 2008 erlebte Bitcoin offiziell seine Geburtsstunde, und trotz der seither zweifelsfrei geschriebenen Erfolgsschichte dürfte sich das Urgestein der Kryptowährungen seinen zehnten Geburtstag sicherlich etwas anders vorgestellt haben – gerade vor dem Hintergrund der Euphorie, die in der zweiten Hälfte letzten Jahres aufgekommen war. Ausgehend von knapp 20.000 USD Mitte Dezember 2017 erreichte der Bitcoin-Kurs Ende Juni sein bisheriges Jahrestief knapp unter 5.800 USD. Nicht nur für Bitcoin, sondern für das gesamte Segment war das Jahr 2018 bislang eher eine Enttäuschung. Ursachen für den Einbruch der Kurse von Bitcoin & Co. gibt es einige. Zunächst dürfte die vorübergehend aufgekeimte Erwartung eines zeitnah bevorstehenden Siegeszuges von Kryptowährungen gegenüber traditionellem Geld übertrieben gewesen sein. Selbiges gilt für die Hoffnung, dass etablierte Investoren und Finanzhäuser in großem Stil in das Segment einsteigen würden. Das derzeitige, von diversen globalen Unruhequellen und einer restriktiver werdenden US-Geldpolitik geprägte Finanzmarktumfeld macht es den Kryptowährungen darüber hinaus…