Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Aktuelle Entwicklungen am Rohölmarkt: Bleibt der Preis stabil?

Nach vier Monaten auf dem außergewöhnlich stabilen Niveau von 54-57 USD hat der Rohölpreis zuletzt um 10% auf 51 USD nachgegeben. Der Grund für die ausgeprägte Korrekturbewegung ist vor dem Hintergrund steigender US-Rohöllagerbestände zu sehen: Es herrscht eine zunehmende Unsicherheit, wann beziehungsweise ob sich die von der OPEC angestrebte Normalisierung der globalen Rohöllagerbestände einstellt. Tatsächlich haben sich die Lagerbestände nicht abgebaut, was wohl großteils daran liegt, dass es den US-Schieferölunternehmen gelungen ist, ihre Fördermengen zügig wieder hochzufahren. Zudem scheinen die Erwartungen einiger Investoren hinsichtlich der Geschwindigkeit des Lagerabbaus etwas überambitioniert gewesen zu sein. Angesichts der aus OPEC-Sicht (noch) suboptimalen Gemengelage sollten sich die OPEC und ihre NOPEC-Partner im Laufe des 2Q2017 zu einer modifizierten Sechs-Monats-Verlängerung des Produktionsbegrenzungsabkommens durchringen. Auf dem Weg zum OPEC-Beschlussgipfel in Wien (25.05.) wird sich in erster Linie Saudi-Arabien wieder mehrdeutig und nebulös zum Fortgang der Dinge äußern, um die Niveauhöhe und die Form der Rohöl-Terminkurve mittels…

Einkaufsmanager optimistisch: Geschäftserwartungen auf Allzeithoch

Die aktuellen Ergebnisse der Befragung unter den europäischen Einkaufsmanagern fallen so gut aus wie seit Frühjahr 2011 nicht mehr. Ein außerordentlich starkes Auftragsplus, sowohl im Dienstleistungsbereich als auch in der Industrie, befeuerte der Befragung zufolge die Produktion und – aufgrund steigender Kapazitätsauslastung – auch die Beschäftigungsabsichten. Der wegen des relativ schwachen Euros vorhandene Preisdruck auf der Einkaufsseite kann durch Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden. Sehr optimistisch sind auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate, die in der Märzbefragung ein neues Allzeithoch erreichten. Allerdings werden die Geschäftserwartungen erst seit 2012 abgefragt. In Deutschland und Frankreich, den großen Mitgliedsländern der EWU, verbesserte sich die Laune der Einkaufsmanager deutlich. In Deutschland kommt der größte Schub aus der Industrie, während in Frankreich der Service-Sektor den Takt angibt. Der zusammengefasste Composite-Index Produktion für den Euroraum stieg von 56,0 auf 56,7 Indexpunkte – Höchststand seit 71 Monaten. Dabei legten die Stimmungsbarometer sowohl in der…

EZB schlägt weniger expansiven Kurs ein

Die Stimmungsindikatoren in der Eurozone sind in Feierlaune. Sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch die Geschäftsklimaindikatoren deuten darauf hin, dass die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone in den kommenden Monaten zunimmt. Dabei scheint die Erholung nicht nur auf einzelne Länder beschränkt zu sein: Etliche EWU-Mitgliedsländer gaben zuletzt robuste Konjunktursignale. So dürfte der Aufschwung in der Eurozone eine breitere Basis gewinnen. Das Deflationsgespenst, das die Marktteilnehmer und Geldpolitiker noch im letzten Jahr in Atem gehalten hatte, hat mit dem kräftigen Anstieg der europäischen Inflationsraten seinen Schrecken verloren. Der Inflationsdruck ist zwar weiterhin niedrig, aber die jüngsten positiven Entwicklungen hinsichtlich der Konjunktur- und Inflationsentwicklung sorgen für Unruhe bei den Währungshütern. Schon bei der jüngsten Sitzung des EZB-Rates klang Präsident Draghi nicht mehr ganz so pessimistisch wie in der Vergangenheit. In den kommenden Monaten dürfte die Geldpolitik auch in der Wortwahl sukzessive weniger expansiv werden. Auf der Septembersitzung dürfte die Notenbank dann gemäß dem…

Starke Konjunktur spült Geld in öffentliche Kassen

Die Konjunktur in Deutschland entwickelt sich weiterhin sehr robust. Hiervon profitieren sowohl die deutschen Unternehmen, deren gewinne in 2017 spürbar zunehmen sollten. Dies hat auch positive Auswirkungen auf die privaten Haushalte, die von einer weiterhin zunehmenden Beschäftigung und steigenden Löhnen profitieren. Somit steigt das verfügbare Einkommen und das Risiko die Beschäftigung zu verlieren ist gering. Diese positiven Entwicklungen münden in steigende Steuereinnahmen, welche leider nicht immer sinnvoll verwendet werden. Hier können wir sicherlich noch besser werden. Bund, Länder und Kommunen konnten im Februar erneut ein kräftiges Plus verzeichnen. Das Gesamtaufkommen an Steuern (ohne reine Gemeindesteuern) kletterte im Februar nach Angaben des Bundesfinanzministeriums im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,3 Prozent. In den ersten zwei Monaten des Jahres 2017 lag das Plus durchschnittlich bei 6,2 Prozent. Die Steuereinnahmen stiegen auf fast 95,6 Mrd. Euro. Das rangiert weit über dem bisher für das Jahr 2017 insgesamt erwarteten Zuwachs von 2,9 Prozent. Es wird…

Attraktive Renditequelle: DAX-Konzerne schütten Rekord-Dividenden aus

Alle DAX-Unternehmen haben ihre Dividende für das Geschäftsjahr 2016 bekannt gegeben. Die Ausschüttungen fallen erneut großzügig aus: Insgesamt werden die DAX-Konzerne 32,1 Mrd. Euro ausschütten, eine Steigerung um 8,5% gegenüber dem Vorjahr sowie ein neuer Rekordwert. Die HDAX-Unternehmen zahlen in Summe 42,6 Mrd. Euro. Insgesamt haben 75% der Unternehmen die Dividende angehoben, 20% konstant gehalten und nur 5% die Dividende gekürzt. Lediglich 11% der Unternehmen schütten keine Dividende aus. Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate sind in Deutschland rund 3% Dividendenrendite und in Europa sogar 3,5% Dividendenrendite zu erwarten. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die absehbaren Dividendenrenditen aufgrund der gestiegenen Kurse rund 15% unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegen. Relativ zu deutschen Bundesanleihen ist dies jedoch weiterhin ein attraktiver Wert. Gerade für längerfristig orientierte Investoren, denen kurzfristige Schwankungen durch die Vielzahl politischer Störfeuer nichts ausmachen, bleiben die Dividenden eine interessante und verlässliche Renditequelle.  

Deutsche Landwirte profitieren von Fleischskandal in Brasilien

In Brasilien ist bei einer landesweiten Razzia der Bundespolizei Ende letzter Woche ein Skandal in der Fleischindustrie aufgeflogen. Betroffen sind unter anderem die beiden größten Fleischexporteure JBS (Rindfleisch) und BRF (Geflügel) Brasiliens. Zudem wurden Lebensmittelkontrolleure bestochen, sodass nicht auszuschließen ist, dass kontaminiertes Fleisch über die Exportkanäle abgesetzt wurde. Angesichts des Skandals erwarten wir im weiteren Jahresverlauf, dass rückläufige brasilianische Fleischexporte eine Lücke in das weltweite Fleischangebot reißen. Die anziehenden europäischen und US-amerikanischen Exporte könnten diese Lücke, zumindest was Rindfleisch und Geflügel betrifft, zum Teil schließen. Von dieser Tendenz würden sowohl die europäischen als auch die US-amerikanischen Fleischexporteure profitieren – und nicht zuletzt die deutschen Landwirte. Denn fallen Teile des brasilianischen Angebots auf dem Weltmarkt aus, kann Europa voraussichtlich seine Marktanteile bei Geflügel (12%) und Rindfleisch (3%) im Laufe des Jahres leicht erhöhen. Deutschland stellt bei Rindfleisch einen mit 22% deutlich höheren Anteil der gesamten EU-Ausfuhren als bei Geflügel (3%). Somit…