Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Spanische Wirtschaft trotzt politischen Turbulenzen

Auf den andauernden Katalonienkonflikt folgte im Juni eine Regierungskrise. Der bisherige konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy wurde im Zuge eines weitreichenden Korruptionsskandals durch den Sozialdemokraten Pedro Sanchez in einem konstruktiven Misstrauensvotum ersetzt. Doch statt Neuwahlen auszurufen, versucht sich dieser in seiner Rolle als Ministerpräsident zu profilieren. Viel Gestaltungsfreiheiten hat er dabei nicht. Mit gerade einmal 84 Mandaten – von insgesamt 350 – ist es die kleinste Minderheitsregierung in Europa. Folgen für die konjunkturelle Entwicklung hielten sich bisher durch den Regierungswechsel aber weitestgehend in Grenzen. Darauf weist nicht zuletzt die gute Entwicklung diverser Frühindikatoren hin. Auch eine Vorabschätzung der spanischen Notenbank lässt positiv aufhorchen. Demnach dürfte sich das Wachstum im zweiten Quartal bei hohen +0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal stabilisiert haben. Innenpolitisch wiegt der Katalonienkonflikt weiterhin schwer. Nach dem Wechsel der Zentralregierung Spaniens kündigte der neue Ministerpräsident Pedro Sanchez an, die Lage entspannen zu wollen. Vor kurzem trafen sich erstmals seit zwei…

Fed-Chef bestätigt aktuellen geldpolitischen Kurs

Die gestrige Anhörung des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell im Rahmen des halbjährlichen Berichts zur Geldpolitik vor dem Bankenausschuss des Senats war mit Spannung erwartet worden. In seiner Eröffnungsrede hat sich Powell bezüglich der konjunkturellen Entwicklung optimistisch gezeigt. Das solide Wachstumstempo im bisherigen Jahresverlauf basiere seiner Meinung nach auf mehreren Faktoren: Robuste Jobzuwächse, steigende Einkommen nach Steuern und Optimismus bei den Haushalten. Mit einem starken Arbeitsmarkt, einer Inflation nahe des Zwei-Prozent-Ziels sowie mit ausgeglichenen Risiken für den Wachstumsausblick sei der FOMC-Rat der Ansicht, dass weitere Leitzinserhöhungen der beste geldpolitische Weg seien – zumindest momentan. Dieser Einschub von Powell („for now“) kann dahingehend interpretiert werden, dass das geldpolitische Vorgehen nicht auf Autopilot steht. Leitzinserhöhungen werden demnach nicht zwangsläufig vorgenommen, sondern unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen. Interessanter als die vorbereitete Eröffnungsrede waren die Fragen der Senatoren sowie die Antworten von Powell. Etliche Fragen kamen zu den möglichen Auswirkungen des Handelskonflikts. Diesbezüglich hat der Vorsitzende…

Bärenmarkt in China: Vor allem wegen Trump

Große Sorgen belasten den chinesischen Aktienmarkt: Seit dem Hoch im Januar hat der Shanghai Composite Index über 20% korrigiert. Investoren haben Aktien verkauft, weil Sorgen aufkamen, chinesische Unternehmen würden zukünftig verstärkt unter den Handelsauseinandersetzungen mit den USA leiden. Tatsächlich zielt US-Präsident Trump im Kern seiner protektionistischen Politik auf Importe aus China. Trotz der rückläufigen Kurse seit Jahresbeginn ist der chinesische Aktienmarkt mit einer Marktkapitalisierung der Unternehmen von 6,5 Billionen US-Dollar (vergleiche Deutschland mit 2,3 Bio. US-Dollar) immer noch der zweitgrößte Markt der Welt, wenngleich zum US-Aktienmarkt (31,1 Bio. US-Dollar) ein gewaltiger Rückstand besteht. Weil Anfang November in den USA die Kongresswahlen stattfinden, gehen wir davon aus, dass Präsident Trump seine scharfe Rhetorik zum Handel mit China und der EU bis zu den Wahlen beibehalten wird. Für die chinesischen Aktienindizes bedeutet dies nichts Gutes, die Marktstimmung sollte gedrückt bleiben. Störungen im Welthandel würden den Unternehmen in China zusetzen. Jedoch sollte die…

Italien: Stimmung nach der Regierungsbildung gemischt

Schon im Vorfeld der tatsächlichen Regierungsbildung hatten die Vorhaben der Lega und der 5-Sterne-Bewegung mit der Rücknahme von Strukturreformen und den kaum finanzierbaren Steuer- und Ausgabenplänen an den Finanzmärkten für eine deutliche Verunsicherung gesorgt. Sichtbar war dies beispielweise an dem schnellen und deutlichen Anstieg der Renditedifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen. Das Signal war eindeutig: Deutliche Skepsis gegenüber der neuen Regierung. Nach der Regierungsbildung liegen nun auch erste umfragebasierte Konjunkturindikatoren für Italien vor. Sowohl das Wirtschaftsvertrauen als auch die Einkaufsmanagerindizes konnten sich dabei verbessern. In den Unterkomponenten des Wirtschaftsvertrauens zeigt sich, dass die privaten Haushalte optimistischer sind bezüglich der zukünftigen finanziellen und wirtschaftlichen Situation. Auch der Einzelhandel und Teile des Dienstleistungsbereichs erwarten zukünftig bessere Geschäftsmöglichkeiten. Die Aussetzung der eigentlich fest eingeplanten Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr könnte sich hier positiv auf die Erwartungen ausgewirkt haben. Trotz Stimmungsverbesserungen bei den Einkaufsmanagern insgesamt gaben die Geschäftserwartungen sowohl in der Industrie als auch bei…

Chinas Wirtschaft trotzt dem Handelsstreit – noch

Die chinesische Wirtschaft hat im zurückliegenden zweiten Quartal kaum an Schwung verloren und das, obwohl sich der Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten während der Frühjahrsmonate massiv zugespitzt hat. Mit einer jährlichen Rate von 6,7 Prozent ist das Wirtschaftswachstum zuletzt zwar auf ein Zwei-Jahres-Tief zurückgefallen, lag damit aber nur „einen Tick“ unter dem Wachstumsergebnis des Vorquartals von 6,8 Prozent. Der heute Morgen veröffentlichte Wert lag im Rahmen der Erwartungen. An den chinesischen Finanzmärkten, die in den vergangenen Wochen merklich unter Druck geraten sind, hielt sich die Erleichterung darüber jedoch in Grenzen. Dass die Eskalation im Handelsdisput mit den USA noch keine Spuren in den „harten“ Konjunkturdaten hinterlassen würde, war absehbar. Nicht nur, dass die Schutzzölle auf 34 Mrd. der Importe des jeweils anderen Handelspartners erst seit Anfang dieses Monates gelten – Zölle auf weitere 16 Mrd. sollen in den kommenden Wochen in Kraft treten. Die Zahlen zur Entwicklung der…

Das Brexit „White Paper“: Eine Sackgasse

Das lang erwartete Brexit „White Paper“ wurde am gestrigen Nachmittag veröffentlicht und in der anschließenden Parlamentsdebatte prompt in der Luft zerrissen. Der Regierung ist es weder gelungen, die Brexit-Hardliner zufriedenzustellen, noch die Befürworter eines „soft Brexits“ für ihren Vorschlag zu gewinnen. Aus Sicht der Hardliner ist der Deal zu „soft“, aus Sicht der Remainer ist er zu „hart“. Nachdem es am Anfang der Woche noch Hoffnung gab, dass der Rücktritt der Brexit-Hardliner Davis und Johnson sowie der neue Vorstoß der Regierung endlich die langersehnte Einigung innerhalb der britischen Regierung herbeiführen könnte, ist von Einigkeit heute nichts mehr zu spüren. Die EU hat sich bislang nicht zu dem Vorschlag der Regierung geäußert, wir vermuten jedoch, dass auch sie viele (kritische) Fragen haben wird. Zwar ist der grundsätzliche Ansatz der Regierung, zumindest so wie er vergangenen Freitag in Chequers angedeutet wurde, aus unserer Sicht nicht verkehrt. So wie er nun umgesetzt wurde,…