Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Goldilock im Euroraum – stabiles Wachstum bei moderater Inflation

Die positiven Wachstumsaussichten halten an. Dies gilt für Deutschland wie für den gesamten Euroraum. Erfreulich ist die gute Entwicklung in Frankreich. Hier scheint sich die gute Stimmung nach den Präsidentschaftswahlen langsam in den realwirtschaftlichen Indikatoren widerzuspiegeln. Zudem macht Frankreich auch bei der Reform der Arbeitsmärkte vorschritte, ohne das es zu massiven Streiks oder Protesten gekommen ist. Dies sollte auch in den kommenden Quartelen sich positiv auf die realwirtschaftliche Entwicklung auswirken. Die gute realwirtschaftliche Entwicklung geht weiterhin einher mit einer sehr moderaten Preisentwicklung. Die Inflationsraten sind weiterhin relativ niedrig. Dies gibt der EZB genügend Spielraum die Zinsen auch weiterhin auf dem sehr niedrigem Niveau zu belassen. Was an den Finanz und Immobilenmärkten sicherlich mit Freude registriert werden dürfte.

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum steigen unbeeindruckt weiter

Die europäischen Einkaufsmanagerindizes signalisieren für das dritte Quartal weiterhin eine gute wirtschaftliche Lage im Euro-Raum. Nach etwas schwächeren Stimmungswerten bei den Dienstleistern in den Vormonaten, waren die Serviceanbieter im September wieder zuversichtlicher. Die Industrie zeigt sich ungebrochen kräftig und übernimmt immer mehr die Rolle des konjunkturellen Zugpferds. Der höhere Außenwert des Euro spielt hier scheinbar keine Rolle. Im Quartalsmittel fällt die Beurteilung der Einkaufsmanager – gemessen am Composite-Index – zwar leicht niedriger aus als im Vorquartal, trotzdem stehen die Zeichen gemäß der Umfrage weiterhin sehr deutlich auf Wachstum. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum stieg von 55,7 auf 56,7 Indexpunkte, das ist der höchste Stand seit vier Monaten. Dabei legten sowohl das Stimmungsbarometer für den Dienstleistungsbereich als auch der Index für die Industrie zu. In der Industrie wurde sogar der höchste Wert seit 77 Monaten erreicht. Auftragslage, Produktion und Beschäftigungsabsichten werden durchweg sehr günstig bewertet. Der kräftigen Konjunkturerholung steht damit…

Fed bleibt auf Kurs

Die US-Währungshüter werden im Oktober damit beginnen, ihr 4.500 Mrd. US-Dollar großes Portfolio langsam zu reduzieren und damit die außergewöhnlichen Maßnahmen zurückzudrehen, die nach der schweren Finanzmarktkrise implementiert wurden. Außerdem prognostizieren die FOMC-Mitglieder eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. Als Begründung gaben sie an, dass die Sturmschäden durch die schweren Hurrikans nur vorübergehende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden. So könnte das Wirtschaftswachstum aufgrund der sturmbedingen Schäden zwar kurzfristig niedriger ausfallen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten jedoch, dass der Kurs der Volkswirtschaft mittelfristig kaum wesentlich beeinflusst werde. Insgesamt war das jüngste Treffen des geldpolitischen Rats der US-Notenbank deutlich hawkisher als von den Marktteilnehmern erwartet und es scheint als bleibe die Fed auf Kurs. Nichtsdestotrotz gewinnt man dabei den Eindruck, dass bei der Fed-Chefin eher der Wille vorherrscht, so weit wie möglich im Normalisierungsprozess der Geldpolitik voranzuschreiten. Auf der Pressekonferenz gab Fed-Chefin Yellen zu Protokoll, dass die Bilanz kein Instrument sei,…

Niedrigerer Inflationsausblick für die USA und den Euro-Raum, trotz kräftiger Konjunktur

Der seit Jahresbeginn gestiegene Wechselkurs des Euro zum US-Dollar hat für reichlich Diskussion gesorgt. Für die aktuell kräftige konjunkturelle Entwicklung in der EWU sehen wir darin bislang keine große Gefahr. Für die Teuerungsrate der Verbraucherpreise dürfte das höhere Wechselkursniveau jedoch Folgen haben. Der stärkere Euro dürfte bei den Konsumgütern, die aus Ländern von außerhalb des Euro-Raums eingeführt werden, zu geringeren Preissteigerungen führen als wir es bislang in unserer Prognose unterstellt haben. Zudem verbilligen sich in Euro gerechnet die Rohölimporte und damit der Verbrauch von Benzin und Heizöl. Kompensierende Effekte, wie etwa eine durch höhere Löhne angefeuerte Verbrauchernachfrage, erwarten wir dagegen kaum, trotz der aktuell kräftigen konjunkturellen Erholung. Wir haben daher die EWU-Inflationsprognose, gemessen am europaweit harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), für das kommende Jahr angepasst. Für den Durschnitt des Euro-Raums gehen wir jetzt von einer Inflationsrate von 1,3 Prozent für das Jahr 2018 aus. Unsere bisherige Prognose lag bei 1,5 Prozent. Für…

Unternehmerisch denken bei der Regierungsbildung

Nach aktuellen Prognosen werden im neuen Bundestag 7 Parteien vertreten sein, soviel wie seit den 1950ern nicht mehr. Die AfD scheint derzeit nicht koalitionsfähig. Somit bleiben bei der zu erwarteten Parteienkonstellation nur 2 mögliche Koalitionsalternativen: das Jamaika-Bündnis (Union+FDP+Grüne) und die Fortsetzung der großen Koalition. Die SPD dürfte dabei ein historisch niedriges Ergebnis aufweisen und somit eigentlich keinen belastbaren Regierungsauftrag erhalten. Beim Jamaika-Bündnis sind die rhetorisch abgesteckten Schnittmengen der Parteien in den letzten Wochen immer kleiner geworden. Somit wäre hier eine mögliche Koalitionsregierung nur möglich, wenn sich die Parteien gegenseitig starke Zugeständnisse machen und damit ihre eigentlichen Positionen teils bis zur Unkenntlichkeit verwässern. Somit wären beide Koalitionsalternativen von Beginn an bestens dafür geeignet, die Politikverdrossenheit in Deutschland noch weiter zu steigern, mit entsprechenden ungünstigen Effekten für die Parteiendemokratie in Deutschland. Aus Staatsräson werden sich die Parteien trotz der möglichen Nachteile und Risiken wohl auf eine der oben beschriebenen Alternativen einigen. Auch…

E-Mobilität löst Kupferphantasie aus

Am Samstag öffnete die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt ihre Tore für die breite Öffentlichkeit. Der in Deutschland durch Dieselskandal und Spekulationen über unlautere Absprachen gebeutelte Automobilsektor, setzt auf der IAA besonders auf Elektromobilität. Ohne Zweifel wird die deutsche Automobilindustrie in den nächsten Jahren mit neuen Modellen eine E-Offensive starten. Der ausgeprägte Zukunftstrend zur E-Mobilität treibt die Nachfrage nach den Industriemetallen in den nächsten Dekaden deutlich an. Neben den Metallen, wie Lithium, Cobalt und Nickel, die für die Herstellung von Akkumulatoren verwendet werden, sollte insbesondere Kupfer langfristig profitieren. In einem Elektrofahrzeug beispielsweise sind je nach Reichweite bis zu 140 Kilogramm Kupfer verbaut. In einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor sind hingegen lediglich durchschnittlich 23 Kilogramm verbaut. Aber auch bei dem Ausbau der noch als limitierender Faktor gesehenen Lade-Infrastruktur wird Kupfer benötigt. Für jede Ladestation werden etwa 25 Kilogramm Kupfer benötigt. Damit liegt die These nahe, dass sich Kupfer langfristig vom Infrastruktur-…