Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Zurück in die Zukunft? Die OPEC will ihre Fördermenge wieder begrenzen

Im Rahmen ihres Informellen Meetings in Algier hat die OPEC gestern überraschenderweise die Absicht zur Kürzung ihrer Fördermenge auf 32,5-33,0 Mio. Barrel pro Tag (mbd) bekanntgegeben. Je nach Schätzquelle lag der Kartell-Output im zurückliegenden August bei 33,2-33,7 mbd. Überdies wurde die Rückkehr zum System fester Produktionsquoten in Aussicht gestellt. Bis zum nächsten OPEC-Treffen am 30. November in Wien soll ein ranghohes Komitee die jeweiligen Produktionsniveaus der 14 Mitgliedsstaaten ausverhandeln, auf Basis derer die OPEC dann in neuerliche Kooperations-Verhandlungen mit Russland einsteigen will. Frühestmöglicher Starttermin einer OPEC-Förderkürzung ist somit der kommende Dezember. Da die meisten Marktteilnehmer aufgrund eines äußerst heterogenen „Zitate-Hagels“ im Vorfeld der Algier-Runde davon ausgegangen waren, dass die OPEC maximal eine – überdies weich formulierte – Produktionsbegrenzung in Höhe der aktuellen Output-Niveaus beschließen würde, kletterte der Brent-Rohölpreis infolge der unerwarteten Verlautbarung des „Kürzungs-Projektes“ um über 5% auf 49 USD. Ohne die diplomatische Leistung der OPEC in Algier kleinreden zu…

Italien steht vor einer weiteren schicksalhaften Abstimmung

Gestern hat die italienische Regierung bekanntgegeben, dass das Referendum über die Reform des Senats am 4. Dezember 2016 stattfinden wird. Das Reformgesetz wurde bereits Anfang dieses Jahres von beiden Kammern des Parlaments angenommen. Da es sich aber um ein verfassungsänderndes Gesetz handelt, das keine Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Parlamentskammern erreicht hat, haben sowohl die Regierung selbst, als auch die Opposition eine Volksbefragung initiiert. Gemäß aktuellen Umfragen liegen Befürworter und Gegner der Verfassungsreform ungefähr gleich auf, nachdem in den vergangenen Monaten das Nein-Lager immer mehr an Aufwind erfahren hatte. Aber rund ein Drittel der Italiener zeigt sich bisher noch unentschieden, sodass der Wahlkampf und die Regierungsführung Renzis in den kommenden Wochen für den Wahlausgang entscheidend sein dürften. Aus diesem Grund fährt Renzi einen demonstrativ konfrontativen Kurs gegenüber Brüssel und Berlin, indem er ein Ende der europäischen Austeritätspolitik, erneute fiskalische Flexibilität für Italien sowie eine deutliche Ausweitung des europaweiten Investitionsprogramms fordert. Scheitert die…

Frankreich: EZB sticht Politik

Am 23. April und 07. Mai 2017 treten die französischen Bürger an die Wahlurnen, um den nächsten Präsidenten für die kommende fünfjährige Legislaturperiode zu wählen. Als potenzieller Herausforderer Hollandes innerhalb des sozialistischen Lagers oder als Alternativen im Falle seiner Nicht-Kandidatur gelten der amtierende Ministerpräsident Manuel Valls, der ehemalige Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg oder der unabhängige Emmanuel Macron. Während Montebourg auf jeden Fall und Macron mit hoher Wahrscheinlichkeit bei den Vorwahlen antreten werden, dürfte Valls vor allem dann seinen Hut in den Ring werfen, wenn Hollande auf eine Kandidatur verzichtete. Allerdings haben nach derzeitigem Stand alle bislang gehandelten Kandidaten der Sozialisten schlechte Aussichten, sich in der ersten Wahlrunde gegen die konservativen und rechtspopulistischen Gegner durchzusetzen. Die Republikaner halten ihre Vorwahlen bereits am 20. und 27. November dieses Jahres ab. Es ist davon auszugehen, dass es letztlich zu einem Zweikampf zwischen den beiden aussichtsreichsten Bewerbern, Alain Juppé und Nicolas Sarkozy, kommen wird. Käme…

Aktienmärkte – Volatil aber im Trend wohl weiterhin positiv

Die europäischen Aktienmärkte sind in den letzten Tagen merklich gefallen. Auslöser für den Kursrutsch war schlechte Nachrichten für die beiden deutschen großen Geschäftsbanken. Mangelnde Kapitalausstattung, mögliche hohe Strafzahlungen und zunehmende Diskussionen über die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle waren Auslöser für die Kursrückgänge. Dazu kamen noch wachsende Sorgen über VW und Lufthansa. Insgesamt also eine ungünstige Mischung an Nachrichten, die die Investoren aus den Aktien in den Anleihemarkt getrieben hat. Entsprechend liegen nun die Renditen der 10 jährigen Bundesanleihe bei -0,15%. Die niedrigen Renditen, zusammen mit der hohen und weiter wachsenden Liquidität sind aber auch die Gründe, warum man nicht allzu pessimistisch für die Aktienmärkte werden kann. Denn es gibt kaum Alternativen zum Aktienmarkt, solange die Zentralbanken ihren jetzigen Kurs fortsetzen, was noch einige Zeit der Fall sein dürfte. Auch die Nachrichtenlage aus dem Bankensektor sollte sich stabilisieren. Denn nicht nur aus Deutschland, auch aus Italien glänzten die Banken zuletzt eher mit…

US-Wahl – was ist wirtschaftlich tatsächlich zu erwarten?

Aus der ersten von insgesamt drei Fernsehdebatten ist die demokratische Kandidatin gestärkt hervor gegangen. Wie der nächste Präsident heißen wird und welche Mehrheitsverhältnisse im Kongress herrschen, wird allerdings erst am 9. November feststehen. Zahlreiche Umfragen zeigen, dass sich in der amerikanischen Bevölkerung der Wunsch nach einem politischen Wandel stark ausgebreitet hat. Dies ist wenig überraschend, wenn man die Historie der Präsidentschaftswahlen seit dem zweiten Weltkrieg betrachtet. In der Regel fand mit dem Ende der maximalen Amtszeit des Staatsoberhauptes ein politischer Wechsel statt. Allerdings hat sich inzwischen die Bevölkerungsstruktur deutlich verändert, so dass sich dieses Muster nicht zwangsläufig weiter fortsetzen muss. Der Anteil der weißen Bevölkerung ohne „Hispanics“ ist erheblich gesunken. Anfang November ist aber nicht nur Präsidentschaftswahl, sondern es werden auch beide Kongresskammern neu gewählt. Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress sind die entscheidenden Parameter für die Handlungsfähigkeit des nächsten Amtsinhabers. Momentan gilt es als eher unwahrscheinlich, dass nach der Wahl eine weitgehende…

1.000 Mrd Euro und kaum Fortschritte – Geldmengenentwicklung und Kreditvergabe im Euroraum

Nach Zahlen, die die EZB heute veröffentlicht hat, wuchs die Geldmenge M3 im August mit einer Jahreswachstumsrate von 5,1 Prozent. Damit hat sich die Geldmengenentwicklung im Vergleich zum Juli leicht beschleunigt. Die Kreditvergabe der Geschäftsbanken im Euroraum kommt jedoch nicht recht voran. So verringerte sich das Jahreswachstum der Kundenkredite im August auf 3,7 Prozent nach 3,8 Prozent im Juli. Trotz des leichten Rückgangs klingt das auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Eine differenzierte Betrachtung verdeutlicht jedoch das Problem: Während die Kredite an öffentliche Haushalte um beachtliche 10,9 Prozent zulegten, fiel der Zuwachs bei den Ausleihungen an den privaten Sektor mit gerademal 1,5 Prozent bescheiden aus. Selbst eine von der EZB vorgenommene Bereinigung um Kreditverkäufe, Verbriefungen und fiktive Cash-Pooling-Aktivitäten ergibt einen nur wenig höheren Zuwachs der Buchkredite an den Privatsektor von 1,7 Prozent – das gleiche Wachstum wie bereits im Juli. Die EZB zielt mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik…