Bielmeiers Blog

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Die Suche der EZB nach Gründen für eine lockere Geldpolitik

Die Europäische Zentralbank hat mit einem Forschungsbeitrag der Diskussion um die Bedeutung der Produktionslücke für die Wirtschaftspolitik – und insbesondere für die Geldpolitik – neuen Schwung verliehen. Demnach gibt es gute Gründe, von einer wesentlich größeren Produktionslücke (bzw. einer stärkeren Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten) auszugehen als bislang angenommen. Für die EZB-Ökonomen folgt daraus, dass auch eine erheblich expansivere Geld- und Fiskalpolitik angemessen sein könnte. Die Schlussfolgerungen der Autoren sind im Einzelnen allerdings nicht immer nachzuvollziehen, da bislang nur eine Vorab-Version der Veröffentlichung vorliegt. Offensichtlich möchte die EZB mit dieser Publikation in der wirtschaftspolitischen Debatte um die Bedeutung der Produktionslücke aktuell Position beziehen, und zwar für eine aktivistische, antizyklische Politik, selbst wenn die methodischen Grundlagen dafür nach allgemeiner Einschätzung eher wacklig sind. Eine hohe negative Produktionslücke könnte die extrem expansive Geldpolitik argumentativ stützen in einer Phase, in der die zentralen gesamtwirtschaftlichen Daten als Begründung allmählich wegzufallen drohen. So liegt die EWU-Wachstumsrate…

Jüngste Zloty-Gewinne stehen auf wackeligen Beinen

Nachdem sich Euro-Zloty in den vergangenen Monaten in einer Range zwischen rund 4,3500 PLN und 4,4500 PLN eingependelt hatte, geriet die Gemeinschaftswährung Anfang August unter deutlichen Abgabedruck und fiel hierbei jüngst auf den niedrigsten Stand seit Anfang April 2016. Der Auslöser für diese Abwärtsbewegung ist auf polnischer Seite zu suchen. Konkret war es die Bekanntgabe, dass die polnische Regierung, anders als bislang erwartet, auf einen Zwangsumtausch der ausstehenden Frankenkredite verzichten wird. Stattdessen sollen Anreize gesetzt werden, damit die Geschäftsbanken einen möglichst großen Teil dieser Fremdwährungshypotheken quasi freiwillig umwandeln. Wenngleich wir der polnischen Landeswährung die aktuelle Erholung gönnen, so dürfte sie unserer Ansicht nach nicht von Dauer sein. Vielmehr sollten bald wieder andere Größen das Ruder übernehmen und dafür sorgen, dass der Gegenwind für den Zloty bereits auf Sicht von drei Monaten zunehmen wird. Anlass für diese Einschätzung geben uns die sich durch das Brexit-Votum eingetrübten Wachstumsaussichten der E(W)U, welche sich…

Japan: Wirtschaft ohne Schwung im zweiten Quartal

Die japanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal kaum mehr als stagniert und ist nur noch um 0,2 Prozent (Q/Q, annualisiert) gewachsen. Dieser Rückschlag ist angesichts der überraschend starken Zahl vom ersten Quartal, für das weiterhin ein gesamtwirtschaftlicher Zuwachs von 2,0 Prozent (ebenfalls Q/Q, annualisiert) zu Buche steht, nicht völlig überraschend, die jüngste Zahl lag aber dennoch unter den Markterwartungen. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum hat sich Japans Wirtschaft gleichwohl wieder in positives Terrain geschoben, das Wachstum betrug hier +0,4 Prozent (J/J), nach zwei negativen Vorquartalen. Maßgeblich beigetragen zur schwachen Entwicklung im Frühjahresquartal haben zum einen äußere Einflüsse wie die Produktionsunterbrechungen im April im Zuge des Erdbebens auf der Südinsel Kyushu, wo viele Unternehmen der exportintensiven Auto- und IT-Industrie Produktionsanlagen unterhalten. Die Exportentwicklung war im zweiten Quartal denn auch stark rückläufig (-1,5 % Q/Q, einfache Rate). Aber auch vom Lagerabbau (-0,2 % Q/Q) ging ein negativer Wachstumsimpuls aus. Die Importe gingen ebenfalls…

Konjunktur im Frühjahr überraschend stark, aber eine Abschwächung in H2 zu erwarten

Der Anstieg der deutschen Wirtschaftsleistung im Frühjahr um 0,4 Prozent liegt zwar niedriger als in Q1 (+0,7 Prozent), überrascht aber trotzdem positiv. Obwohl die Investitionen rückläufig waren, haben Konsum und Außenhandel weiter für ein gutes Wachstum gesorgt. Vor dem Hintergrund der leicht rückläufigen Einzelhandelsumsätze weist der Zuwachs der gesamten Konsumausgaben einmal mehr auf die wachsende Bedeutung der Dienstleistungen hin. Aufgrund des Mangels an geeigneten Wirtschaftsstatistiken lässt sich das jedoch nur schwer im Detail nachvollziehen. Außerdem haben sich die staatlichen Ausgaben für die Versorgung der Flüchtlinge wohl ebenfalls positiv niedergeschlagen. Das Plus im Außenhandel beruht nicht nur auf stabilen Exporten, sondern auch auf rückläufigen Importen, was eher auf eine Schwäche der Binnenkonjunktur hindeutet. Insgesamt erwarten wir für die kommenden Quartale eine weitere Abflachung des Wachstumstrends in Deutschland. Die Schwierigkeiten im internationalen Umfeld werden derzeit eher mehr als weniger, vor allem die Folgen des Brexit-Votums werden sich in den kommenden Monaten wohl…

Der deutsche Wohnungsmarkt ist in Rekordlaune

Bei den deutschen Olympioniken in Rio läuft es noch nicht richtig rund. Mit einem zweistelligen Rang im Medaillenspiegel ist Deutschland bislang ein gutes Stück von den sportlichen Erfolgen der Vergangenheit entfernt. Dagegen ist der viele Jahre dahinsiechende heimische Immobilienmarkt in Rekordlaune. Das zeigt der vom Verband der Pfandbriefbanken für das zweite Quartal veröffentlichte Preisindex. Danach stieg der Preis für Wohneigentum mit einem Jahresplus von 6,3 Prozent so kräftig wie noch nie seit der Indexauflegung im Jahr 2003. Eigentumswohnungen verteuerten sich mit 7,3 Prozent noch schneller, bei Einfamilienhäusern ging es mit 5,9 Prozent geringfügig langsamer aufwärts. Damit liegt der Preisanstieg deutlich oberhalb der Werte aus der jüngeren Vergangenheit: Seit 2014 bewegte sich der Preisanstieg in einer Spanne von etwa 4 bis 5 Prozent. Durch die aktuell hohe Preisdynamik für Wohneigentum ist der Abstand zum gewerblichen Teil des Wohnungsmarktes, der in den vergangenen beiden Jahren Preisanstiege von 7 bis 8 Prozent aufwies,…