Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Der Staat ist kein guter Unternehmer

Das Kabinett hat diese Woche das Kurzarbeitergeld verlängert. Damit möchte die Bundesregierung an den bislang erfolgreichen Einsatz dieser Maßnahme anknüpfen und im Wahljahr hiervon profitieren. Das Kurzarbeitergeld hat sich sicherlich in früheren, relativ kurzen Rezessionen als sehr probates Krisenbewältigungsinstrument bewährt. Jedoch werden die Nebenwirkungen mit der Dauer der Anwendung größer, dies gilt aktuell in Kombination mit Insolvenzschutz und wachsenden Staatsbeteiligungen umso mehr. Das Kurzarbeitergeld bewahrt Strukturen und verhindert notwendige Anpassungen. Dringend gesuchte Fachkräfte bleiben in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle vielfach nicht mehr existieren oder stark angeschlagen sind. Damit werden die notwendigen Erneuerungsprozesse zunehmend außer Kraft gesetzt. Und es wächst die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft im Zuge der Corona-Krise weiter an Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit verliert. Die Bundesregierung hat zu Beginn der Krise vieles richtiggemacht und konnte damit die deutsche Wirtschaft vor einer tiefen und langen Krise bewahren. Jedoch hat sich die Lage im Zeitablauf verändert. Es wird immer offensichtlicher, dass wir…

Erneute Infektionswelle ist eine Gefahr für die wirtschaftliche Erholung in Frankreich

Nach einem kräftigen Minus im ersten Quartal ist Frankreichs Wirtschaft im zweiten Vierteljahr um 13,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal regelrecht abgestürzt. Ein so starker Rückgang wurde bislang noch nicht gemessen. Grund dafür waren die strengen und andauernden Corona-Schutzmaßnahmen. Nach Berechnungen der Banque de France wurde das wirtschaftliche Aktivitätsniveau durch den Lockdown im März um rund 30 Prozent und im April um 27 Prozent im Vergleich zu einer „normalen“ Woche gedrückt. Inzwischen hat die Volkswirtschaft aber schon wieder mehr als 90 Prozent des Normalniveaus erreicht. Das zunächst schnelle Anspringen des Wirtschaftsmotors zeigte sich an den gängigen Konjunkturindikatoren. Die Industrie hat schon wieder ein gutes Stück des Produktionsrückgangs aufarbeiten können. Auch die Auftragseingänge haben schon zugelegt. Zudem ist die Ausgabenfreude der Konsumenten zurückgekehrt. Insgesamt erholt sich die französische Wirtschaft, aber die Dynamik scheint aktuell etwas an Schwung zu verlieren. Was Kopfzerbrechen bereitet, ist das inzwischen deutlich beschleunigte Infektions-geschehen in Frankreich. Angesichts der…

Wie die EZB: Fed nun auch mit einer Nullzinspolitik „Forever“

Insgesamt zeigten das Fed-Statement, die Projektionen sowie die Pressekonferenz der US-Notenbank, dass die Geldpolitik in den kommenden Jahren ultra-expansiv ausgerichtet bleiben wird. Powell versicherte, dass die Währungshüter alle zur Verfügung stehenden geldpolitischen Instrumente ausnutzen werden, je nachdem wie sich die Wirtschaft entwickeln werde. Außerdem betonte er mehrfach und nahezu dogmatisch, dass die neue Forward Guidance ein kraftvolles und mächtiges Konzept sei, die Erwartungen der Marktteilnehmer zu steuern. Die Zusage, die Leitzinsen erst dann zu erhöhen, wenn die Inflationsrate im Durchschnitt die Marke von 2% erreicht habe, ist unseres Erachtens sowohl weitreichend als auch bedingungslos. Insbesondere muss diese Zusage vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Währungshüter in ihren Projektionen auch im Jahr 2023 gerade mal eine Inflationsrate von 2% erwarten. Eine erste Leitzinserhöhung dürfte gemäß der neuen Forward Guidance frühestens im Jahre 2025 vorgenommen werden. Unsere Einschätzung: Wait-and-See bis Präsidentschaftswahl Powell hat sich alle Türen offengelassen, die geldpolitische Ausrichtung je…

Japan hat einen neuen Regierungschef, es ist Yoshihide Suga

Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Japans Premierminister Shinzo Abe hat seine LDP-Partei nun seinen Nachfolger bestimmt. Es ist Yoshihide Suga, der langjährige Kabinettschefsekretär und enge Vertraute von Abe, der nun auch im Parlament als neuer Regierungschef bestätigt worden ist. Wir erwarten, dass er in der Restzeit der laufenden Legislaturperiode, die regulär noch ein volles Jahr dauert, an den Grundzügen der bisherigen expansiven Wirtschaftspolitik der „Abenomics“, deren Co-Architekt er schließlich ist, festhalten wird. Finanzminister Aso dürfte im Amt bleiben und so für finanzpolitische Kontinuität sorgen. Auch die Zusammenarbeit und wirtschaftspolitische Koordination mit der Notenbank dürfte ungefährdet bleiben und Notenbankchef Kuroda weiter im Amt bleiben. Die Regierungskoalition aus liberaldemokratischer LDP und ihrem Juniorpartner Komeito hat im Unterhaus eine Zweidrittelmehrheit. Von daher dürften für den weiteren Vollzug der Regierungsarbeit kaum Probleme entstehen. Die Opposition ist noch immer sehr zerstritten und spielt politisch derzeit kaum eine Rolle. Für die neue Regierung unter Suga bestehen…

Italienische Regierung vor Bewährungsproben

Italien kommt politisch nicht zur Ruhe. In den kommenden Wochen stehen Wahlen und einige Entscheidung an. Die eigentlichen Probleme, wie die hohe Verschuldung und die geringe Effizienz werden darüber wohl nicht nachhaltig angegangen. Die Abhängigkeit von der EZB und der EU werden also weiterhin bestehen bleiben. Am 20. und 21. September finden in sieben italienischen Regionen Wahlen der jeweiligen Parlamente und Präsidenten statt. Trotz hoher persönlicher Zustimmungswerte für Ministerpräsident Conte schwächeln die Regierungsparteien PD in den Wahlumfragen. Kassiert die PD, die im Gegensatz zum rechten Lager nicht in einem Bündnis mit der M5S antreten wird, tatsächlich eine oder mehrere Niederlagen, dürfte dies zu einer Bewährungsprobe der Regierung in Rom werden. Der Chef der PD, Zingaretti, äußerte sich jüngst zur Zukunft der Koalition wie folgt: Die PD werde in der Regierung bleiben, solange diese einen Nutzen für Italien liefere. Eine verlässliche politische Basis ist dies nicht. Seit Wochen herrscht zwischen Koalitionären…

US Notenbank – Erstes Treffen mit neuer Strategie

Zwar werden auf der kommenden Sitzung des FOMC wahrscheinlich keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen in die Wege geleitet, doch gibt die derzeitige Ausrichtung genügend Anlass zur Diskussion. Bei der Frage, was die Fed noch machen kann, um die Geldpolitik zu lockern, scheiden sich die Geister auch innerhalb des FOMC. Negative Leitzinsen oder eine sogenannte „yield curve control“ wurden zuletzt mehrheitlich abgelehnt. Einige Währungshüter wollen die Forward Guidance schärfen und den Marktteilnehmern mehr Klarheit über die zukünftige geldpolitische Ausrichtung geben. Unseres Erachtens dürfte die Fed im Pressestatement nun betonen, dass die Leitzinsen erst dann angehoben werden, wenn das durchschnittliche Inflationsziel von 2% „nachhaltig“ erreicht wurde. Damit würde die Fed die Forward Guidance konkretisieren und ein längerfristig niedriges Leitzinsniveau verankern. Die Währungshüter werden aber keine exakten Angaben machen, wie lange die Inflation tatsächlich höher ausfallen soll. Turnusgemäß werden im Nachgang der FOMC-Sitzung aktualisierte Projektionen veröffentlicht, wobei die Erwartungen für das Jahr 2023 neu…