Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Zweiteilung zwischen Industrie und Dienstleistern belastet weiter

Die noch immer eingetrübte Stimmungslage in der europäischen Industrie lastet weiter auf dem Wirtschaftsgeschehen im Euro-Raum. Zwar konnte sich der Gesamtindex leicht von 51,5 auf 51,8 Punkte verbessern. Die Messzahl für das verarbeitende Gewerbe bleibt mit 47,0 Zählern trotz einer kleinen Verbesserung aber deutlich unter der neutralen Marke von 50. Das Barometer für den Dienstleistungsbereich liegt mit 53,4 Punkten dagegen komfortabel darüber. Die robuste Entwicklung der Dienstleister verhinderte bisher, dass die ausgeprägte Schwäche in der Industrie die Wirtschaft des Euro-Raums in die Tiefe zieht. Und es gibt kaum Anzeichen für ein Ende der industriellen Talfahrt, denn die Aufträge, die Beschäftigungsabsichten und die Perspektiven werden von den Einkaufsmanagern sehr negativ bewertet. Eine Ausnahme bildet Frankreich. Dort konnte sich nämlich der umfassende Composite-Index im August von 51,9 auf 52,7 Punkte verbessern. Insgesamt festigt sich damit die Stimmung in der französischen Privatwirtschaft. Auf Branchenebene verzeichneten sowohl der Index für die Dienstleister als auch…

Italien steht vor politischen Veränderungen

Nach dem Ende der panpopulistischen Regierung und dem Rücktritt von Premier Conte liegt der Ball nun im Feld des Staatspräsidenten. Laut Verfassung obliegt es ihm, die Möglichkeiten zur Bildung einer neuen Regierung auszuloten. Bereits heute sollen hierzu Gespräche geführt werden. Die einzige, auf Basis der Zusammensetzung des Parlaments mögliche Alternative besteht in einer Zusammenarbeit zwischen Fünf Sterne und der PD (Mitte-links). Denkbar wäre, dass Mattarella eine technokratische Übergangsregierung ins Spiel bringt, die von beiden unterstützt wird. Diese würde den Haushalt 2020 auf den Weg bringen, bevor im Frühjahr kommenden Jahres gewählt würde. Für eine Zusammenarbeit für den Rest der Legislatur bis 2023 fehlt einem solchen Bündnis hingegen die gemeinsame Basis bei wesentlichen Fragen der Europa-, Migrations-, Wirtschafts- und Finanzpolitik. Scheitert der Versuch einer Zusammenarbeit zwischen Fünf Sterne und PD sind baldige Neuwahlen unausweichlich. Laut Verfassung müssen diese in einem Zeit-fenster zwischen 40 und 70 Tagen nach Auflösung des Parlaments stattfinden….

US-Aktien: Zinskurve sendet Rezessionssignal

In den USA übertrifft die Höhe der Leitzinsen die langfristigen Kapitalmarktzinsen. In einigen anderen Industriestaaten zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Diese „invers“ genannte Zinskurve stellt die üblichen Mechanismen im Kreditgeschäft auf den Kopf. Denn üblicherweise sind die Zinsen für einen Kredit umso höher, je länger die vereinbarte Laufzeit des Kredits ist. Kehrt sich dieser Zusammenhang um, d.h. fällt der Zinssatz mit der längeren Laufzeit unter den der kürzeren, kann dies bei Unternehmen zu wirtschaftlichen Problemen führen. So können Banken unter anderem kein Geld mehr verdienen durch die „Fristentransformation“. In dieser werden kurzfristig angelegte Kundeneinlagen zu einem höheren Zins als Kredit verliehen. Erschwert stellt sich die Situation für die Banken innerhalb Europas dar. Hier ist zwar die Zinskurve in den Einzelländern noch nicht invers, jedoch zahlen die Banken Strafzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbanken, welche sie sich in aller Regel nicht von ihren Anlegern zurückholen. Auch ohne diese unmittelbare…

Zukunftsfestigkeit der US Wirtschaft ist am steigen

In den USA ist die Dynamik bei den privaten Investitionen in der ersten Jahreshälfte sichtbar hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Dies ist nicht allzu überraschend, da doch die Senkung der Unternehmenssteuer in 2018 für eine Sonderkonjunktur bei der Investitionstätigkeit gesorgt hatte. Bei den Ausrüstungsinvestitionen hatte sich deshalb im vergangenen Jahr der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2012 gezeigt. Wie geht es weiter und wohin fließen die Gelder? Auch am aktuellen Rand sind die Investitionen in Software und in F&E überdurchschnittlich stark gestiegen, dies zeigen die Daten für Q1 und Q2. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Investitionen in IT-Anlagen und Computer. Bremsende Effekte vom verschärften Handelskonflikt sind nicht auszumachen. Aber wir vermuten auch durch den internationalen Disput einen stützenden Effekt für alle Investitionen, die letztlich für die Unternehmen kostensenkend wirken. Dies betrifft die weitere Automatisierung von Produktionsprozessen für Güter ebenso wie die für Dienstleistungen. Bezüglich der Zukunftsorientierung der US-Wirtschaft stimmt…

Geben und Nehmen

Wie geht es weiter im Handelskonflikt zwischen USA und China? Immer weitere Zolldrohungen von amerikanischer Seite, bis hin zu Einfuhrbeschränkungen. Auf diese Eskalation antwortet die chinesische Seite ihrerseits mit weiteren Handelsbeschränkungen, einer spürbaren Abwertung der Währung und am Ende verkauft die chinesische Zentralbank ihr größtes Pfand, US Staatsanleihen. In Folge geht der Welthandel in eine Rezession und das globale Wirtschaftswachstum schwächt sich spürbar ab. So könnte es kommen, insbesondere getrieben von der amerikanischen Seite. Jedoch erscheint es mir nicht sehr wahrscheinlich. Die US-amerikanische Volkswirtschaft würde in diesem Szenario relativ zu China und anderen exportorientierten Volkswirtschaften zwar weniger Wachstumsverluste verzeichnen, aber auch die US-Wachstumsdynamik würde nachlassen. Dies sollte sich dann auch auf den Arbeitsmarkt und die Aktienmärkte nachhaltig negativ auswirken. Spätestens dann kommt US-Präsident Trump in Erklärungsnot, insbesondere im kommenden Wahljahr. Es ist daher wahrscheinlich, dass wir immer wieder Phasen mit einem positiven Verlauf der Gespräche bekommen, aber auch Phasen, in…

Internationaler Zinssenkungswettlauf

Die Zinsen sinken rund um den Globus. Noch Anfang 2019 sah es so aus, als sollte sich die gerade erst gestartete Normalisierung der Geldpolitik, ausgehend von der US-Notenbank, auch allmählich auf die anderen Zentralbanken der Welt übertragen. Heute stehen die Zeichen dagegen weltweit schon wieder auf Zinssenkung. Nach der jüngsten Leitzinssenkung der Fed haben jedenfalls verschiedene andere Notenbanken ebenfalls einen Schwenk in Richtung expansiver Geldpolitik vollführt. So haben beispielsweise die Währungshüter in Indien, Thailand, Neuseeland, Brasilien oder Peru nachgezogen und den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik erhöht. Die EZB wird wohl im September ein großes Maßnahmenpaket ankündigen. Der politische Druck auf die US-Notenbank dürfte in den kommenden Monaten hoch bleiben. Andere Zentralbanken könnten dann erneut im Schlepptau folgen. Sollte sich dieser vermeintliche Wettlauf um die lockerste Geldpolitik fortsetzen, können die Zentralbanken jedoch nur verlieren. Die Zeiten extrem niedriger Renditen an den Anleihemärkten dürften also weitergehen, die Situation könnte sich sogar noch verschärfen….