Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland

In Schleswig-Holstein hat sich die neue Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP darauf geeinigt, neue soziale Absicherungsmodelle zu untersuchen, darunter auch das Grundeinkommen. Besonders die Grünen favorisieren schon länger ein bedingungsloses Grundeinkommen, das in seiner Grundidee jedem Bürger, unabhängig von seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und seinem Alter, eine feste und in der Höhe gleiche staatliche Zuwendung zukommen lässt. Der Transfer, der andere Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente oder Kindergeld ersetzen soll, ist dabei an keine Bedingungen oder Gegenleistungen geknüpft. Während für die einen Ziele wie Entbürokratisierung, Verschlankung und Modernisierung des Sozialstaats im Vordergrund stehen, geht es anderen vor allem um die finanzielle Freiheit durch die Grundabsicherung, die Freiraum für berufliche Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit und Innovationen schaffen soll. Ob es nun um ein bedingungsloses Grundeinkommen oder um das von der FDP vorgeschlagene Bürgergeld geht, die Diskussion wird in den kommenden Jahren sicherlich an Intensität gewinnen. Denn mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst die Gefahr,…

Italien rettet Banken mit Steuermitteln

Es zeichnete sich bereits in den vergangenen Tagen ab, seit Sonntagabend ist es nun offiziell: Die Krisenbanken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza werden liquidiert und nach italienischem Insolvenzrecht abgewickelt. Die EU-Kommission hat dem Plan gestern Abend bereits zugestimmt. Da es sich bei den zwei von der EZB als nicht mehr überlebensfähig eingestuften Instituten um keine systemrelevanten Banken handle, dürfe nach nationalem Insolvenzrecht abgewickelt werden. Die italienische Regierung dürfte die gefundene Lösung vor allem als politischen Erfolg verbuchen. Es wäre einem Desaster für die in den Umfragen strauchelenden Sozialdemokraten gleichgekommen, hätten private Anleger Verluste erlitten. Sowohl Links- als auch Rechtspopulisten hätten dies im anstehenden Wahlkampf für ihre Zwecke nutzen können. Der politische Erfolg hat aber seinen Preis. Das gesamte Rettungspaket entspricht einem Umfang in der Größenordnung von 1,2% des BIP. In Zeiten, in denen Italien ohnehin seine Sparbemühungen bereits zurückführt, lasten die Hilfsgelder wie eine Bürde auf den Staatsfinanzen…

Wirtschaft im Euro-Raum läuft auch in Q2 rund

Die europäischen Einkaufsmanagerindizes sind im Juni zwar etwas gefallen, für das zweite Quartal signalisieren sie für den Euro-Raum jedoch weiterhin eine gute wirtschaftliche Lage. Im Quartalsmittel fällt die Beurteilung der Einkaufsmanager so gut aus wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr. Daran ändert auch die leichte Stimmungseintrübung im Juni kaum etwas. Nach den Verbesserungen der letzten Monate ist die kleine Korrektur am aktuellen Rand nicht überraschend. Insgesamt dürfte das Wirtschaftswachstum damit im zweiten Quartal auf Basis der Umfragedaten wieder recht kräftig ausfallen. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euroraum sank von 56,8 auf 55,7 Indexpunkte, der ist der niedrigste Stand seit 5 Monaten. Dabei büßte das Stimmungsbarometer für den Dienstleistungsbereich etwas ein, während der Index für die Industrie den höchsten Wert seit 73 Monaten erklimmen konnte. Auftragslage und Beschäftigungsabsichten werden durchweg als gut bewertet, der Preisdruck der Unternehmen bleibt begrenzt. Die deutschen Einkaufsmanager zeigen sich im Juni weiterhin zuversichtlich, auch wenn…

Bitcoins: Teufelszeug oder Währung der Zukunft?

Der Kurs der Digitalwährung Bitcoin ist in den letzten Wochen und Monaten rasant angestiegen und bricht nahezu täglich neue Rekorde. Erst vor kurzem hat er die Marke von 2.000 USD überschritten. Die Akzeptanz von Bitcoins steigt und auch die Regulierung von Digitalwährungen schreitet voran. Doch gleichzeitig tauchen Bitcoins immer wieder in negativem Kontext auf: über der Digitalwährung lastet nach wie vor ein Schleier der Illegalität. Dazu kommt ihr stark ideologisch geprägter Hintergrund. Erste Nutzer waren inmitten der Finanzkrise 2008 Libertäre und Anarchisten, die es sich zum Ziel gemacht hatten, das existierende Finanzsystem mit Bitcoins zu stürzen. Auch dass der Entwickler nur unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bekannt ist, sorgt für Misstrauen. Der Kurs der Digitalwährung Bitcoin hat sich in den letzten zwei Monaten dennoch mehr als verdoppeln können. Es gibt bereits mehrere Millionen Bitcoin-Nutzer und die Zahl steigt täglich weiter. Knapp 9.000 Geschäfte weltweit akzeptieren mittlerweile Bitcoins, online sind es…

Macron gewinnt – Frankreich und der Euroraum stehen vor einem Wandel

Die französische Bevölkerung ist konsequent. Nach dem klaren Sieg in der Präsidentschaftswahl gewinnen Macron und seine Partei im Parlament die absolute Mehrheit. Damit hat Emmanuel Macron nun alle Möglichkeiten seine politische Visionen von einem modernen Frankreich politisch umzusetzen. Politisch steht ihm nun nichts mehr im Weg, die Opposition wird auf der Strasse stattfinden in Form von lautstarken Protesten. Jedoch auch hier scheint die Einsicht, dass sich etwas ändern muß in Frankreich langsam zu steigen. Das Risiko ist jedoch auch klar: wenn es den Menschen in fünf Jahren nicht besser geht, wird Macron wohl wieder abgewählt werden und extremen Ideen eine Chance gegeben. Mit dem Sieg Macrons in Frankreich dürfte die Achse Frankreich Deutschland wieder an Kraft und Dynamik gewinnen. Davon sollte der gesamte Euroraum profitieren. Jedoch wird die Diskussion um mehr Vergemeinschaftung im Euroraum an Fahrt gewinnen. Die deutsche Bundesregierung wird diesen Trend kaum noch aufhalten können. Jetzt geht es…

Formelkompromiss in Griechenland – Schuldenproblematik nur verschoben nicht behoben

Mit vielen Monaten Verspätung erhält Griechenland nun seine nächste Kredittranche. Gestern einigten sich die europäischen Finanzminister sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) auf einen Deal, der eine Auszahlung in Höhe von 8,5 Mrd. Euro ermöglicht und somit einen für Juli drohenden Liquiditätsengpass beseitigt. Die Gläubiger konnten das zähe Verhandlungspoker durch einen Formelkompromiss beenden. Der IWF wird sich nun doch pro forma am dritten Hilfspaket beteiligen, erklärt sich jedoch erst dann zu Kreditzahlungen bereit, wenn die EWU-Gläubiger ihre Pläne über die Schuldendiensterleichterungen konkretisieren. Damit hat vor allem Berlin sein Hauptziel erreicht: Der IWF bleibt am Verhandlungstisch und gleichzeitig werden die unpopulären Diskussionen um die Schuldendiensterleichterungen ins kommende Jahr verschoben, also in die Zeit nach der Bundestagswahl. Der sich stetig fortsetzende Konflikt zwischen Hellas und seinen Kreditgebern wurde somit weder gelöst noch entschärft, sondern lediglich wieder in die Zukunft vertagt. Die Tsipras-Regierung dürfte angesichts des Verhandlungsergebnisses sicherlich triumphieren – konnte sie doch den…