Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft wirken sich auch auf Unternehmen aus

Die beschlossene und erwünschte Energiewende kommt nun auch bei den Unternehmen an. So reagiert nun Siemens auf den Strukturwandel im Bereich fossiler Stromerzeugung und hat eine Restrukturierung angekündigt. Ziel ist es dabei, die Auslastung der Werke zu steigern und die Effizienz durch Ressourcenbündelung auszubauen. Um dies zu erreichen, sollen auch 6900 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon die Hälfte in Deutschland. Hinter dieser Entscheidung steht ein dramatischer Strukturwandel. So ist die Nachfrage nach grossen Gasturbinen (>100 Megawatt) global drastisch gesunken: Schätzungen gehen von ca. 100 Turbinen pro Jahr als normalisiertes Niveau aus, während die Kapazität bei ca. 400 Turbinen liegt. Insgesamt spiegelt sich in dieser Marktentwicklung die Veränderungen in der ökologischen Betrachtung der Stromerzeugung wider. Die neuen Prognosen zu Erderwärmung an der 23. Weltklimagipfel der Vereinten Nationen in Bonn haben einmal gezeigt, dass wir in den nächsten Jahren einen spürbaren Umbau in der Stromerzeugung angehen müssen. Bedauerlich ist, dass diese betriebswirtschaftlichen Notwendigen…

Ifo Geschäftsklima setzt Rekordjagd fort

Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland kann das Rekordniveau vom Vormonat nochmals übertreffen. Das Geschäftsklima erreicht mit 117,5 Punkten ein neues Allzeithoch (Oktober: 116,8 Punkte). Der aktuelle Anstieg ist dabei allein auf verbesserte Geschäftserwartungen zurückzuführen, die Unternehmen blicken optimistischer in die nähere Zukunft. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage trübte sich zwar leicht ein. Sie bleibt dennoch weiterhin auf einem überaus hohen Niveau. Das neue Stimmungshoch beruht insbesondere auf den eher exportorientierten Sektoren. So erklimmt das verarbeitende Gewerbe ebenfalls ein neues Rekordhoch und die Stimmung der Großhändler war nur im Dezember 2010 besser. Das Geschäftsklima der eher inlandsorientierten Einzelhändler und Bauunternehmer hat sich dagegen leicht verschlechtert. Das Stimmungsniveau bleibt aber auch in diesen Sektoren im langjährigen Vergleich sehr hoch. Dank steigender Ausfuhren, zunehmender Ausrüstungsinvestitionen und einer anhaltend soliden Inlandsnachfrage steht der Aufschwung auf einem breiten Fundament. Von dieser Entwicklung kann die große Mehrheit der Unternehmen profitieren. Da die positiven Rahmenbedingungen den…

Stimmung der Einkaufsmanager im Euro-Raum kennt kein Halten

    Die schon in den vergangenen Monaten sehr gute Stimmung unter den europäischen Einkaufsmanagern hat sich im November nochmal verbessert. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungsbereich zogen die jeweiligen Stimmungsbarometer nochmal an. In beiden Sektoren führen gemäß der vorläufigen Ergebnisse Kapazitätsengpässe zu einem verstärkten Beschäftigungsaufbau, der im November so stark ausgefallen ist, wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Damit festigt sich nicht nur der konjunkturelle Aufschwung, er gewinnt mehr und mehr an Breite. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum stieg von 56,0 auf 57,5 Indexpunkte. Das ist der höchste Stand seit 79 Monaten! Auftragslage, Produktion und Beschäftigungsabsichten werden durchweg sehr gut bewertet. Die betrifft vor allem die wirtschaftlichen Schwergewichte Deutschland und Frankreich. In Deutschland dürfte die konjunkturelle Dynamik aufgrund der Befragungsergebnisse auch im Schlussquartal ungebrochen stark bleiben. Die Ampel steht bei Produktion, Auftragslage und Beschäftigung tief im grünen Bereich. In der Industrie stieg das Stimmungsbarometer um…

Euro-Raum: Inlandsnachfrage trägt das Wachstum, Export als wichtiger Impulsgeber

Der wirtschaftliche Aufschwung der Euro-Raum hält nun schon das vierte Jahr in Folge an. Nach dem Überwinden der tiefen Rezession der Finanzkrise im Jahr 2009 und der Rezession der Jahre 2012 und 2013 in Folge der Staatsschuldenkrise erweist sich die derzeitige Erholung als recht kräftig. Für das Jahr 2017 erwarten wir den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen Währungsunion bei +2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum wird sich voraussichtlich auch im kommenden Jahr ähnlich stark fortsetzen und dürfte bei +2,0 Prozent liegen. Ein genaueres Bild über die Wachstumstreiber gibt eine Aufschlüsselung der beiden Größen Außenbeitrag und inländische Verwendung, als maßgebliche Größen der Nachfrageseite. Der Wachstumsbeitrag der Nettoexporte schlägt seit 2014 kaum noch zu Buche, weil die Zuwachsraten der Exporte und Importe ähnlich stark ausfallen und der Nettoeffekt des Außenbeitrags daher fast neutral ausfällt. Innerhalb der inländischen Verwendung kommt der größte Wachstumsbeitrag von den privaten Konsumausgaben, gefolgt von den Investitionen….

Europa droht die politische Zwangspause

Nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche betritt Deutschland politisches Neuland. Aller Voraussicht nach bleibt die alte, nunmehr geschäftsführende Bundesregierung länger im Amt, als es nach früheren Bundestagswahlen je der Fall war. Im juristischen Sinne sind Bundeskanzlerin Merkel und ihr Kabinett weiterhin voll handlungsfähig. Allerdings gehört es zur politischen Etiquette, keine Entscheidungen zu treffen, die nicht auch später eine neue Regierung vornehmen könnte. Wichtige Reform- und Investitionsvorhaben wie der überfällige Ausbau der digitalen Infrastruktur liegen daher erst einmal auf Eis. Ob Bundeskanzlerin Merkel von ihrer Prokura womöglich auf europäischer Ebene Gebrauch macht, wird sich auf dem im Dezember anstehenden EU-Gipfel zeigen. Im Anschluss an das reguläre Zusammenkommen des Europäischen Rates treffen sich die Staats- und Regierungschefs, um über die Reform / Vertiefung der Eurozone zu sprechen. Die vom französischen Präsidenten Macron bereits umrissenen Ideen dürften im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Angesichts des Wahlkampfes und der anschließenden Sondierungen der Parteien kann Deutschland weder…

Nach dem Jamaika-Aus: Deutschlands Vakuum in Europa

Eine Katastrophe sind die gescheiterten Jamaika-Verhandlungen für eine ausgewachsene Demokratie wie Deutschland nicht. Spurlos werden sie am politischen System und an der Stellung des Landes in Europa wohl aber auch nicht vorbeigehen. Eine klare Verliererin ist Bundeskanzlerin Merkel. Ihr fiel die Aufgabe zu, die vor allem in der Umweltpolitik und in Flüchtlingsfragen unterschiedlichen Positionen der vier Parteien zusammenzuführen – ohne Erfolg. Merkels und Deutschlands politische Vormachtstellung in Europa könnten nunmehr bröckeln. Während die Kanzlerin weltweit als politisches Schwergewicht gilt, weist ihre Machtbasis im eigenen Land Risse auf. Bei drängenden politischen Fragen wie der Zukunft der EU oder Ausgestaltung des Brexit bleibt Deutschland solange ohne Stimme, bis nicht eine stabile Regierung gebildet werden kann. Aus europäischer Sicht könnte der Zeitpunkt eines politischen Vakuums in Deutschland kaum schlechter sein – Spanien kämpft mit innenpolitischen Problemen in Katalonien und Italien blickt Wahlen mit ebenfalls unklarem Ausgang im kommenden Frühjahr entgegen. Ausgerechnet Frankreich, das…