Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Geben und Nehmen

Wie geht es weiter im Handelskonflikt zwischen USA und China? Immer weitere Zolldrohungen von amerikanischer Seite, bis hin zu Einfuhrbeschränkungen. Auf diese Eskalation antwortet die chinesische Seite ihrerseits mit weiteren Handelsbeschränkungen, einer spürbaren Abwertung der Währung und am Ende verkauft die chinesische Zentralbank ihr größtes Pfand, US Staatsanleihen. In Folge geht der Welthandel in eine Rezession und das globale Wirtschaftswachstum schwächt sich spürbar ab. So könnte es kommen, insbesondere getrieben von der amerikanischen Seite. Jedoch erscheint es mir nicht sehr wahrscheinlich. Die US-amerikanische Volkswirtschaft würde in diesem Szenario relativ zu China und anderen exportorientierten Volkswirtschaften zwar weniger Wachstumsverluste verzeichnen, aber auch die US-Wachstumsdynamik würde nachlassen. Dies sollte sich dann auch auf den Arbeitsmarkt und die Aktienmärkte nachhaltig negativ auswirken. Spätestens dann kommt US-Präsident Trump in Erklärungsnot, insbesondere im kommenden Wahljahr. Es ist daher wahrscheinlich, dass wir immer wieder Phasen mit einem positiven Verlauf der Gespräche bekommen, aber auch Phasen, in…

Internationaler Zinssenkungswettlauf

Die Zinsen sinken rund um den Globus. Noch Anfang 2019 sah es so aus, als sollte sich die gerade erst gestartete Normalisierung der Geldpolitik, ausgehend von der US-Notenbank, auch allmählich auf die anderen Zentralbanken der Welt übertragen. Heute stehen die Zeichen dagegen weltweit schon wieder auf Zinssenkung. Nach der jüngsten Leitzinssenkung der Fed haben jedenfalls verschiedene andere Notenbanken ebenfalls einen Schwenk in Richtung expansiver Geldpolitik vollführt. So haben beispielsweise die Währungshüter in Indien, Thailand, Neuseeland, Brasilien oder Peru nachgezogen und den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik erhöht. Die EZB wird wohl im September ein großes Maßnahmenpaket ankündigen. Der politische Druck auf die US-Notenbank dürfte in den kommenden Monaten hoch bleiben. Andere Zentralbanken könnten dann erneut im Schlepptau folgen. Sollte sich dieser vermeintliche Wettlauf um die lockerste Geldpolitik fortsetzen, können die Zentralbanken jedoch nur verlieren. Die Zeiten extrem niedriger Renditen an den Anleihemärkten dürften also weitergehen, die Situation könnte sich sogar noch verschärfen….

Deutsche Konjunktur unter Druck

Die Konjunktur in Deutschland ist im Frühjahr 2019 vom Wachstumskurs abgekommen. Die Wirtschaftsleistung ist zwischen April und Juni leicht um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken. Zu Jahresbeginn stand noch ein Plus von 0,4 Prozent zu Buche. Ausschlaggebend waren die internationalen Belastungen, die vor allem der deutschen Industrie zu schaffen machen. So meldete das Statistische Bundesamt, dass die deutschen Exporte im abgelaufenen Quartal stärker sanken als die Importe, was die Konjunktur gebremst hat. Außerdem waren die Bauinvestitionen rückläufig, was aber vor allem auf einen statistischen Sondereffekt zurückzuführen ist. Insgesamt läuft die Baukonjunktur weiter gut und stützt die wirtschaftliche Entwicklung. Positive Impulse kamen im abgelaufenen Quartal von den privaten Konsumausgaben, die weiter zulegten. Das Umfeld für den Konsum ist mit hoher Beschäftigung und steigenden Einkommen auch weiterhin günstig. Auch der Staat hat seine Konsumausgaben erhöht. Die Unternehmen haben – trotz der unsicheren Weltlage – ihre Investitionsausgaben gesteigert. Das zeigt, dass…

Unbeständigkeit braucht Gelassenheit

Die US-Handelspolitik scheint von Stimmungen und wahltaktischen Erwägungen bestimmt zu sein und zeichnet sich durch eine hohe Unbeständigkeit aus. Innerhalb weniger Tage hat US-Präsident Trump Zölle in Höhe von 10% auf ein Volumen von 300 Mrd. US Dollar verkündet und diese dann wieder teilweise verschoben. Erschwerend kommt hinzu, dass es für beide Aktionen eigentlich keine belastbare Begründung gab. Sie erscheinen dem Beobachter als völlig willkürliche Aktionen der US-Regierung oder des Präsidenten selbst. Die Finanzmärkte, insbesondere die Aktienmärkte, haben auf beide Ankündigungen heftig reagiert. Jedoch sollte man in diese Bewegungen nichts hineininterpretieren. Die wirtschaftlichen Aussichten werden durch diese erratischen Aktionen nicht nachhaltig verändert. Allerdings dürfte sich die Investitionszurückhaltung der Unternehmen noch weiter verstärken, da die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Handelskonflikts sich noch vertiefen sollte. Die schwachen Investitionen und der stagnierende Welthandel sind aber die wichtigsten Gründe für die nachlassende Wachstumsdynamik. Beides wird sich durch die jüngsten Entwicklungen kaum bessern….

Deutscher Wohnungsmarkt: Landesweit steigen Preise rapide, in Metropolen bremst das hohe Niveau

Die Preise am deutschen Wohnungsmarkt steigen munter weiter. Seit Ende 2017 verteuert sich Wohneigentum deutschlandweit um rund 7% im Jahr. In dieser Größenordnung ist das Preisplus auch zur Jahresmitte 2019 ausgefallen. So wies der gerade veröffentlichte Preisindex vom Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zum Ende des zweiten Quartals eine Wachstumsrate von 7,3% gegenüber dem Vorjahresquartal aus. Damit ist die erwartete Verlangsamung des Preisauftriebs ausgeblieben. Die Prognose aus dem vergangenen Jahr fußte allerdings auf der sich damals abzeichnenden Zinswende. Stattdessen sind die Hypothekenzinsen weiter gefallen – als Folge der abgekühlten Konjunktur in Europa und der schwachen Inflationsentwicklung. Der von der Bundesbank errechnete Durchschnittszins für Wohnungsbaukredite im Neugeschäft sank auf 1,57%, den bislang niedrigsten Stand. Damit bleibt der Kauf einer Wohnimmobilie trotz kräftig steigender Preise erschwinglich. Während steigende Mieten das Wohnen verteuern, federn die rückläufigen Zinsen den Anstieg der Kreditraten ab. Das treibt die Preise vor allem dort in die Höhe, wo sie…

In Deutschland wird mehr gespart

Das Umfeld für die Geldanlage der privaten Haushalte in Deutschland bleibt schwierig. Hatte die Ankündigung der EZB im September letzten Jahres, ihre Netto-Anleihekäufe stufenweise zu beenden, noch Hoffnungen auf ein Abklingen der Niedrigzinsphase geweckt, verflüchtigten sich diese bereits wieder ab der Jahreswende. Mit der Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Deutschland und Europa sowie der Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China rückte eine geldpolitische Normalisierung wieder in die Ferne. Die durchschnittliche Umlaufsrendite festverzinslicher Wertpapiere verzeichnet seit Monaten eine sinkende Tendenz – seit Juni mit negativem Vorzeichen. Für die Aktienmärkte ergeben sich gegensätzliche Signale: Während expansive Geldpolitik und niedrige Zinsen die Aktiennachfrage als Anlagealternative anschieben, lasten Handelsstreitigkeiten und eingetrübte Konjunkturaussichten auf den Umsatz- und Gewinnperspektiven börsennotierter Unternehmen. Das begrenzt das Kurspotenzial und verstärkt die Volatilität. Im ersten Quartal des laufenden Jahres legten die privaten Haushalte erneut einen höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Damit setzt sich ein seit…