Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Chinas Problem mit der afrikanischen Schweinepest

Die afrikanische Schweinepest (ASP) ist unter den schweinehaltenden Betrieben in Deutschland weiterhin eines der brisantesten Themen. Sie rückt mit Eintragungen bei Wildschweinen in Belgien immer näher. Unter den deutschen Schweinehaltern geht es nicht darum, ob die ASP in Deutschland ausbricht, sondern nur, wann. In der Bekämpfung der Schweinepest waren Belgien und Ungarn bisher recht erfolgreich. Trotz des Befalls bei Wildschweinen konnte bislang ein Überspringen des Virus auf das Hausschwein verhindert werden. Selbst die Situation in Polen hat sich zuletzt entspannt. Hier ist es seit Mitte September zu keiner weiteren Eintragung mehr gekommen. In Deutschland gilt es, sich weiter akribisch auf einen möglichen ASP-Ausbruch vorzubereiten. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Früherkennung und das Monitoring des Schwarzwildbestandes gelegt werden. Aber auch Schulungen des landwirtschaftlichen Personals und Proben für den Ernstfall sind hier sicherlich förderlich. Derweil verschärft sich die Lage in China immer weiter. Der erste ASP-Fall wurde Anfang August gemeldet. Seitdem…

Aktien: Gefahren des Mythos „Dividendenstrategie“

Nichts scheint für Kapitalanleger so verlockend zu sein wie hohe Dividendenrenditen und die Reinvestition derselben. „Dividenden sind die neuen Zinsen“ heißt es seit einigen Jahren unter institutionellen Anlegern. Auch Privatanleger haben das Thema für sich entdeckt und bloggen rund um das Thema „Dividende als zweite Einkommensquelle“. Die Zahl der Dividenden-Blogs ist rasant gewachsen. Und auf Webseiten wird häufig nur gekauft, was am meisten auszahlt. Auf eine Fundamentalanalyse der Unternehmen wird vielfach verzichtet. Die breite Streuung auf 50 Titel und mehr soll vor einem Risiko schützen. Vielfach landen auch Spezialitäten (zum Beispiel amerikanische Master Limited Partnerships) oder Titel, die eine steuerbefreite Dividende zahlen, im Portfolio – ohne eine vorhergehende Prüfung. So sehr wir es begrüßen, dass auch die Deutschen im Rahmen der Altersvorsoge nun verstärkt auf Aktien setzen: Aktionäre sollten sich von der Vorstellung lösen, Dividendenzahlungen seien das Allheilmittel in der Kapitalanlage. Folgende Gründe sprechen gegen einen zu starken Fokus ausschließlich…

Fachkräftemangel bedroht Wachstum in Osteuropa

Aus Arbeitnehmersicht ist die Lage auf den Arbeitsmärkten in osteuropäischen Staaten derzeit so gut wie selten zuvor. Die Arbeitslosenquoten sind über die letzten Jahre in Polen, Tschechien und Ungarn stetig zurückgegangen. In Tschechien ist der Arbeitsmarkt mittlerweile regelrecht leergefegt, das Verhältnis von Arbeitslosen zur Erwerbsbevölkerung erreichte zuletzt nicht nur einen historischen Tiefstand. Mit 2,2% weist Tschechien aktuell sogar die niedrigste Arbeitslosenquote in der EU auf. Aber auch in Polen und Ungarn herrscht mit Arbeitslosenquoten von unter 4% nahezu Vollbeschäftigung. Auf der anderen Seite bedeutet dies für Unternehmen, die in Osteuropa tätig sind, dass es für sie zunehmend schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden. Der Fachkräftemangel macht sich breit. Viele Unternehmen beklagen diesen Umstand nicht nur bereits in Umfragen. Der rasante Anstieg der offenen Stellen in allen drei Ländern über die letzten Jahre macht deutlich, dass eine hohe Zahl von Arbeitskräften mittlerweile tatsächlich fehlt. Damit hat sich in vielen Staaten Osteuropas…

Made in China 2025“: Zukunftsstrategie für China – eine Bedrohung für die Industrieländer?

Spätestens seit US-Präsident Donald Trump die Strafzölle auf chinesische Importe auch zur Kampfansage gegen „Made in China 2025“ erklärt hat, ist das chinesische Zukunftsprojekt in aller Munde. Ziel der Strategie ist es, Chinas Industrie grundlegend zu modernisieren und in die Lage zu versetzen, Hightech-Produkte, die das Land bislang importieren muss, selbst zu produzieren. Dies ist grundsätzlich erst einmal ein wichtiger, wenn nicht sogar ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Denn Chinas bisheriges Wachstumsmodell – die billige Massenproduktion relativ einfacher Industriegüter – ist mit dem demografischen Wandel und dem gestiegenen Wohlstandsniveau des Landes in die Jahre gekommen. „Made in China 2025“ ist an das Konzept der „Industrie 4.0“ angelehnt, der Digitalisierung und Vernetzung der industriellen Fertigung. Zehn ausgewählte Schlüsselindustrien in China, darunter Elektromobilität und Robotics, sollen mittels Digitalisierung bis zum Jahr 2025 zum technologischen Niveau der Industrieländer aufschließen. Bis Mitte des Jahrhunderts will China in diesen Bereichen dann die…

Euro-Raum: Konjunkturelle Frühindikatoren noch im Abwärtstrend

Die konjunkturelle Abschwächung im Euro-Raum dürfte sich mindestens bis ins Frühjahr 2019 erstrecken. Das geht aus den aktuellen Daten zum Euro-Indikator der DZ BANK hervor, der sich im November zum zehnten Mal in Folge abgeschwächt hat. Der Euro-Indikator sank zuletzt um 0,2 Prozent auf ein Niveau von 99,3 Punkten und liegt damit nun 2,0 Prozent tiefer als im Vorjahr. Da unser Frühindikator mit hoher Verlässlichkeit den konjunkturellen Trend der kommenden ein bis zwei Quartale prognostizieren kann, ist zumindest bis zum Frühjahr 2019 nicht mit einer konjunkturellen Trendwende im Euro-Raum zu rechnen. Im November tendierten erneut sechs unserer neun Einzelindikatoren schwächer. Anders als in den Vormonaten war es zuletzt allerdings nicht der Industriesektor, von dem die Abwärtsbewegung ausging. Während im Vormonat noch alle drei Kenngrößen aus dem verarbeitenden Gewerbe (Auftragseingang, Produktionserwartungen, Einkaufsmanagerindex) im Minus notierten, gab es im November erste Lichtblicke bei den Aufträgen und den Produktionserwartungen. Beide Indikatoren zeigten eine…

Trotz G20-Gipfel: Gegenwind für Aktien nimmt zu

Den Ergebnissen des G20-Gipfels zum Trotz: Beim volkswirtschaftlichen Wachstum zeigen sich Bremsspuren. Einige Zeit waren die Probleme auf die aufstrebenden Länder begrenzt. Nun zeigt sich auch in einigen Industrieländern, dass der Wachstumszenit überschritten wurde. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, Schwächen in Brasilien, Argentinien und der Türkei, dazu die Unsicherheiten rund um den Brexit und der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU: Für die zyklischen DAX-Unternehmen haben diese Faktoren im zweiten Halbjahr zu zahlreichen Gewinnwarnungen geführt. Ergänzt wurde diese belastende Situation durch strukturelle Herausforderungen in der deutschen Automobilindustrie sowie durch Probleme bei einzelnen Unternehmen, zum Beispiel bei der Deutschen Bank oder Thyssen Krupp. Zwar läuft das Binnengeschäft in Deutschland dank hoher Kauffreude der Bürger und der Staatsausgaben gut. Aber die Belastungen im Außenhandel spiegeln sich wegen der hohen Exportquote von über 70% im DAX wider. Nach Beendigung der Berichtssaison der Zahlen für das dritte Quartal zeigt sich, dass im…