Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Das Bild trübt sich ein

Die protektionistische Politik der USA zeigt sich immer deutlicher in der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Dabei sind exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und China natürlich stärker betroffen als binnenwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsmodelle. Aber dies ist genau der Zweck dieser Politik. Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Zollspirale zerschlagen sich immer mehr und selbst wenn es zu einer Einigung kommen sollte, dürfte sich der Status quo nicht ändern. Wegen der starken internationalen Verflechtungen gibt es am Ende kaum ein Land, das nicht auf irgendeine Weise von diesem Konflikt betroffen ist. Die Folge ist ein stagnierender Welthandel, der zu weiterer Schwäche neigt. Dieses weltwirtschaftliche Bild haben wir nun stärker berücksichtigt und unsere Wachstumsprognosen gesenkt. Wir rechnen aber auch damit, dass die Regierungen auf das schwächere Wachstum mit einer höheren Ausgabendynamik reagieren und dass die schwächere Nachfrage nach Öl zu einem niedrigeren Ölpreis führt. Insgesamt trübt sich also der Wachstumsausblick ein, die Staatsverschuldung steigt und die…

Anlagemöglichkeiten im Niedrigzinsumfeld

Für Sparer sind die niedrigen Zinsen ein Graus. Auf dem Konto wird das Geld Jahr für Jahr weniger, weil die Gebühren die geringen Zinsen meist übersteigen. Und nach Abzug der Inflation ist der reale Wertverlust noch größer. Was also tun, um wenigstens den Wert zu erhalten? Bundesanleihen gelten mit einer Laufzeit von zehn Jahren europaweit als Referenzanlage unter den festverzinslichen Wertpapieren. Derzeit notieren sie mit einer leicht negativen Rendite. Zieht man die moderate Inflation ab, ergibt sich eine negative Realverzinsung von 1,4%. Hochgerechnet auf zehn Jahre, vernichten Sparer so rund 14% ihres Kapitalstocks. Doch nicht nur der deutsche Anleihemarkt weist eine negative Realrendite auf. Unter den größten 30 Staatsanleihemärkten der Welt verlieren Anleger derzeit auf rund der Hälfte der Märkte nach Kaufkraftverlust Geld. Bei Unternehmensanleihen sieht es nicht besser aus. Wer eine auskömmliche Rendite sucht, wird an den Anleihemärkten kaum noch fündig. Mit Ausnahme der USA: Dort rentieren Staatsanleihen mit…

Aktienmärkte mit Kursrisiken im zweiten Halbjahr – Prognosen gesenkt

Aktienanleger können sich mit der Kursentwicklung der vergangenen Jahre wohlfühlen. Die Unternehmensgewinne sind weltweit gestiegen, und die Investoren haben eine hohe Rendite auf ihr Kapital erhalten. Aber die unmittelbare Zukunft, insbesondere die kommenden zwölf bis 18 Monate, könnte rauer werden, als es die Anleger in den vergangenen Jahren gewöhnt waren. Der Hauptgrund hierfür ist, dass die Konjunktur in den USA stärker an Fahrt verlieren dürfte. In Europa und Deutschland läuft die wirtschaftliche Entwicklung ohnehin schon seit längerem nicht mehr auf vollen Touren. Auch wenn die US-Notenbank voraussichtlich 2019 mit Zinssenkungen auf den Konjunkturabschwung reagieren wird, ist es bereits heute absehbar, dass unsere Konjunkturprognosen für das US-Wachstum, die EU und China infolge der zunehmenden Handelsbelastungen nicht mehr haltbar sind. In unserer neuen Prognose wird die bisher von uns erwartete Erholung der Gewinne der DAX-Unternehmen Vergangenheit. Die Beschaffungs- und Lieferketten inländischer Industrieunternehmen sind eng mit dem globalen Warenfluss verflochten, sodass Bremswirkungen durch…

Der Euro ist keine Leitwährung – er wird auch keine sein

Der US Dollar ist global die dominante Währung und zementiert damit auch die wirtschaftliche Vorherrschaft der USA. Die US Administration nutzt diese Dominanz zunehmend aus. Die US Sanktionen gegen den Iran sind auch deswegen so erfolgreich, weil die USA die Abwicklung des internationalen Zahlungsverkehrs über Swift kontrollieren können. Damit lässt sich die von den Vereinigten Staaten beschlossene Sanktionspolitik auch Unternehmen aus Ländern aufzwingen, die sich dieser Art der Politik eigentlich nicht anschließen wollen, wie Europa im Falle der Iran-Sanktionen. Denn mit der Kontrolle des Zahlungsverkehrs kann die US Regierung nicht nur den Zugang zum wichtigen US Markt kontrollieren, sondern auch den US Dollar als international anerkanntes Zahlungsmittel. Die Dominanz des US Dollars ist natürlich nicht grundlos entstanden. Die USA sind die weltgrößte Volkswirtschaft und der wichtigste Exportmarkt für fast alle Länder dieser Welt. Damit lässt sich auch die heimische Währung als Zahlungsmittel aufzwingen. Gleichzeitig hat die USA mit den US…

Der unsichtbare Anstieg des Risikos

Der globale Notenbankzinszyklus deutet nach unten. Dies hat Folgen für die Renditen der Staatsanleihen, die weltweit fallen. Die Bundesanleihen rentieren auch für lange Laufzeiten im negativen Bereich. Damit wird der globale Anlagenotstand immer größer. So erreicht der alle Anleihearten mit negativer Rendite umfassende Index „Bloomberg Barclays Global Aggregate Negative Yielding Debt Market Value Index“ fast schon wieder die Hochstände aus dem Jahr 2016. Unabhängig davon, ob die Renditerückgänge durch die zunehmende Risikoaversion der Marktteilnehmer oder in Erwartung geldpolitischer Lockerungen durch die Notenbanken zustande kommen, erhöht dies die relative Attraktivität von Anleihen mit einer auskömmlichen positiven Rendite. Da mit Hilfe von Staatsanleihen, bis auf die sehr langen Laufzeiten, kaum mehr positive Renditen erzielbar sind, dürfte der Blick von Investoren zunehmend auf Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating fallen. Unter den 1.515 Unternehmensanleihen im iBoxx Euro Non-Financials Senior, dem Benchmarkindex für Corporate-Bonds mit Investment-Grade-Rating, rentieren 93,1% im positiven Bereich. Zwar stammt die überwiegende Zahl…

Mittelstand kann sich globaler Konjunkturabkühlung nicht ganz entziehen

Die Stimmung der mittelständischen Unternehmen hat sich in diesem Frühjahr erneut leicht verschlechtert. Dies zeigen die Ergebnisse der neuen Mittelstandsstudie der DZ BANK und des BVR. Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage gab es sogar den zweiten Rückgang in Folge: Der Saldo aus positiven und negativen Antworten sank gegenüber unserer Herbstumfrage von 79,3 auf 73,6 Punkte. In einer globalisierten Welt können sich auch die am Heimatmarkt orientierten Mittelständler den Auswirkungen gestiegener internationaler Risiken nicht ganz entziehen. Im langjährigen Vergleich fällt das derzeitige Geschäftslageniveau aber immer noch gut aus. Zudem rechnen die Mittelständler nicht mit einer anhaltenden Schwächephase. Nach einer deutlichen Verringerung im letzten Herbst blicken sie bereits wieder etwas optimistischer in die Zukunft: Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt von 21,1 auf 24,1 Punkte. In den vergangenen Jahren hat sich immer mehr gezeigt, dass der Fachkräftemangel zu einem allgemeinen Problem der deutschen Wirtschaft wird. Im Mittelstand hat er mittlerweile Unternehmen aller…