Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Erdogans Feldzug in Syrien hat Folgen

Überraschend kommt die vergangene Woche begonnene Offensive der türkischen Armee im Norden Syriens nicht. Seit Monaten hat Präsident Erdogan angekündigt, eine Pufferzone an der türkischen Grenze auf syrischem Gebiet etablieren zu wollen. Bislang wird das Terrain von kurdischen Milizen, den Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) kontrolliert. In den Augen der Türkei handelt es sich bei dieser Gruppierung um eine terroristische Vereinigung. Möglich wurde der Einmarsch türkischer Truppen erst durch den Rückzug des wichtigsten Verbündeten der SDF. So hatte US-Präsident Trump jüngst überraschend den Rückzug der verbliebenen Militärangehörigen seines Landes aus dem Norden Syriens bekanntgegeben. Nicht nur die Kurden werteten diese Ankündigung als Dolchstoß, selbst in den USA wurde viel Kritik gegenüber dem Vorgehen Trumps laut. Für Präsident Erdogan dürften nicht zuletzt innenpolitische Motive eine Rolle für den Feldzug spielen. Nach dem schlechten Abschneiden seiner AKP bei den Kommunalwahlen vom Frühjahr sowie der weiterhin angeschlagenen wirtschaftlichen Situation seines Landes kann das Staatsoberhaupt…

Libra – Großangriff auf die Zentralbanken dieser Welt?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht einer oder mehrere Vertreter vonseiten der Politik, der Finanzaufsicht und von Zentralbanken zu der von einem Konsortium um den Tech-Giganten Facebook geplanten Kryptowährung Libra äußern. Und zumeist sind es lautstarke Kritik oder zumindest mahnende Worte, die zu vernehmen sind. Dies zeigt vor allem eines: Auch wenn sich das Libra-Projekt in einem vorläufigen Stadium befindet, wird die private weltweite Einheitswährung von vielen als ernst zu nehmende Konkurrenz für das etablierte Geld- und Finanzsystem wahrgenommen. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der großen Nutzerbasis und der Finanzkraft der beteiligten Unternehmen. Die von den Initiatoren ausgegebenen Ziele sind es sicherlich nicht, die den Kritikern Furcht einflößen. Wer könnte schon etwas dagegen haben, insbesondere denjenigen Menschen auf der Welt einen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu eröffnen, die bislang ausgeschlossen sind – sofern sie nur über ein Smartphone und Internetzugriff verfügen? Auch ist die Idee, Finanztransaktionen…

Wachstumsinseln verschwinden

Die Konjunkturdynamik verliert an Schwung. Nicht nur in Deutschland, in allen Ländern kann man diese Entwicklung beobachten. Selbst Wachstumsinseln, wie Polen, können sich hiervon nicht abkoppeln. Die internationale Verflechtung ist viel zu groß geworden, als dass sich Länder nachhaltig diesem globalen Trend entziehen können. Die Synchronisierung der Weltwirtschaft wird durch den gleichzeitigen Einsatz fiskalpolitischer Instrumente weiter verstärkt. So laufen nun Geld- und Fiskalpolitik zunehmend im Gleichschritt. Deutschland spielt hier eine besondere Rolle. In Deutschland überlagern sich zwei Entwicklungen. Zum einen der zyklische Konjunkturabschwung und zum anderen die Strukturkrise in der Automobilindustrie. Hier gilt es nun darauf zu achten, dass die Strukturkrise sich nicht verfestigt und zu einer nachhaltigen Konjunkturkrise führt. Dies erfordert von den Unternehmen nun zum Teil mutige Entscheidungen hinsichtlich der zukünftigen Aufstellung. Das politische Umfeld ist hierfür jedoch wenig hilfreich, da man kaum noch verlässliche Rahmenbedingungen vorfindet. Mit Libra, der digitalen Währung von Facebook, zeigt sich einmal mehr,…

Die Welt in drei Grafiken

Die Wachstumsdynamik lässt nach und der Ausblick verspricht keine schnelle Besserung der wirtschaftlichen Situation. Die Inflation ist dabei in fast allen Ländern relativ niedrig und in einigen Zentralbanken macht man sich zunehmend Sorgen über den mittelfristigen Inflationsausblick und der Verankerung der Inflationserwartungen. Entsprechend sind die Notenbankzinsen bereits jetzt sehr niedrig, sollten aber noch weiter fallen. Zudem werden alternative Zentralbankinstrumente genutzt, um das geldpolitische Umfeld weiter zu lockern.

US Konjunktur verliert an Fahrt

Die US Konjunktur ist nicht völlig immun gegenüber den anhaltenden politischen Belastungsfaktoren. Insbesondere der kein Ende findende Handelsstreit mit China schein sich zu einer zunehmenden Belastung für die Industrie zu entwickeln. Dabei dürften weniger die direkten Effekte eine Rolle spielen, sondern die Erwartung von höheren Preisen (durch Zölle) und damit sinkende Gewinnmargen dürften hier eine wichtige Rolle spielen. Die Stimmung in der Industrie ist zuletzt deutlich gefallen. Laut den Umfragen durch das ISM Institut hat sich das Klima in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt. Im September ist der Indikator unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gesunken. Der US-Arbeitsmarkt scheint sich dagegen noch robust zu entwickeln, wenn auch nicht ohne Makel. So wächst die Zahl der Industriebeschäftigten bereits seit Jahresbeginn kaum noch. Der im Vergleich zum Vorjahr sichtbar verlangsamte Beschäftigungsaufbau ist teilweise der Knappheit von qualifizierten Arbeitskräften geschuldet. Bedenken an der Robustheit des Arbeitsmarkts und auch an der gesamten US Konjunktur…

Geldmarkt in USA trocknet aus, US-Notenbank steuert nun dagegen

Die Liquiditätsprobleme am US-Geldmarkt bestehen bereits einige Zeit und haben sich in den letzten Monaten stetig verstärkt. Mitte September hat die US-Notenbank dann zum ersten Mal seit über einer Dekade wieder Liquidität in den Geldmarkt gepumpt. Die Maßnahme wurde notwendig, nachdem die Effective-Fed-Funds-Rate (EFFR), also der Zinssatz zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen, deutlich angestiegen war. Auslöser für diese Zuspitzung war eine Verkettung von Ereignissen – wie die vierteljährlich anstehenden Zahlungen der Unternehmenssteuer oder die Zahlungen für neue T-Bill-Emissionen seitens der Banken –, die alle zu einer weiteren Verknappung der bereits engen Liquidität beigetragen haben. In der Folge stieg der US-Overnight-Repo-Satz stark an (intraday: 10%!). Die Fed musste mit mehreren Liquiditätsspritzen in Höhe von insgesamt rund 75 Mrd. US-Dollar intervenieren, wodurch die Geldmarktsätze wieder sanken. Danach war eigentlich klar, dass die die US-Notenbank etwas unternehmen wird, um eine weitere Austrocknung des Interbanken-Marktes in den USA zu verhindern. Nun…