Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Kreditvergabe: Banken vorsichtiger bei Firmenkrediten

Der Januar-Umfrage des Bank Lending Survey (BLS) zufolge haben die befragten Geldinstitute ihre Richtlinien zur Vergabe von Unternehmenskrediten im vierten Quartal des vergangenen Jahres verschärft. Dies ist die erste Netto-Verschärfung seit dem vierten Quartal 2013. Der Nettosaldo der befragten Banken lag bei 3% (Vorquartal 0%). Dieser Saldo ergibt sich aus der Differenz zwischen dem prozentualen Anteil der Banken, welche eine Straffung der Kreditvergabebedingungen gemeldet und demjenigen Anteil an Banken, welche über eine Lockerung der Vergabebedingungen berichtet haben. Ein positiver Wert bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein größerer Anteil der Banken die Richtlinien verschärft hat. Eine abnehmende Risikobereitschaft der Geldinstitute, sei dem BLS zufolge Ursache für die Verschärfung der Kreditvergabebedingungen für Unternehmenskredite. Die Kreditvergabestandards für Immobilienkredite an private Haushalte blieben weitestgehend unverändert. Der Nettosaldo der befragten Banken lag in diesem Bereich bei 1% im Vergleich zu -4% im Vorquartal. Für das erste Quartal 2017 erwarten die befragten Geldinstitute eine Lockerung der…

Brexit: May bezieht Position

In einer mit Spannung erwarteten Rede bezog die britische Premierministerin May Stellung zu ihrer weiteren Vorgehensweise mit Blick auf den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Nicht mehr und nicht weniger als ein konkreter Plan, eine Verhandlungsstrategie wurden von ihr erwartet. Tatsächlich stellte May zwölf Punkte vor, die in den Augen der Regierung Priorität haben werden. Besonderen Stellenwert haben unter anderem die üblichen Verdächtigen, die Rückgewinnung der Kontrolle über Gesetzgebung und Zuwanderung. In Sicherheitsfragen will Großbritannien auch weiterhin mit der EU zusammenarbeiten, ebenso beim Thema Wissenschaft und Forschung. Deutlich komplexer wird es bei den künftigen Handelsbeziehungen mit den europäischen Nachbarn. May will den gemeinsamen Binnenmarkt „ohne Wenn und Aber“ verlassen und hat sich stattdessen für ein Freihandelsabkommen ausgesprochen. Zudem ist es Ziel der britischen Regierung, eine Übergangsphase im Nachgang zu den zweijährigen Verhandlungen zu ermöglichen. Theresa May nutzte die jüngste Pressekonferenz aber nicht nur, um ihren Standpunkt in einigen…

„Hard Brexit“-Sorgen sind zurück

Die britische Premierministerin Theresa May scheint von einem „sanften Brexit“ nach wie vor nicht viel zu halten – zumindest dann nicht, wenn Großbritannien dafür auf eine nationale Einwanderungskontrolle verzichten muss. Britische Medien berichten, dass die Regierungschefin in einer Rede am morgigen Dienstag Eckpunkte ihrer Brexit-Strategie erläutern will und dass sie dabei wohl an ihrer harten Haltung gegenüber der EU, die sie bereits auf dem Parteitag der Tories Anfang Oktober an den Tag gelegt hat, festhalten wird. Spekulationen über „Soft-Brexit“-Modelle à la Norwegen oder Schweiz, die noch vor einigen Wochen Rückenwind erhielten – nicht zuletzt durch kompromissbereitere Töne einiger Kabinettskollegen Mays –, würde damit das Wasser abgegraben, denn diese Länder müssen für den Zugang zum EU-Binnenmarkt auch die innerhalb der EU geltende Personenfreizügigkeit akzeptieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen „harten Brexit“ steigt also wieder, das Pendel schlägt zurück. Unstrittig ist sicherlich nach wie vor, dass ein „harter Brexit“, also der vollständige Verlust…

Italien: Abstieg aus „Serie A“

Die kanadische Ratingagentur DBRS hat am Freitag bekannt gegeben, dass sie das Rating von Italien von A (low) auf BBB (high), Ausblick stabil herabgesetzt hat. Die erste Marktreaktion zeigt heute Morgen eine gewisse Schwäche italienischer Anleihen, aber auch anderer Peripherietitel, da die Ratingänderung durch DBRS nicht von allen Marktteilnehmern so erwartet wurde. DBRS begründet den Schritt zum einen mit wachsenden Zweifeln, ob es Italien nach der gescheiterten Senatsreform gelingen werde, weiterhin strukturelle Reformen voranzutreiben. Zwar werde die neue Übergangsregierung von den Koalitionsparteien zu einem gewissen Grad unterstützt, die Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Neuwahlen sei aber hoch und nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts zum Wahlrecht, das ab Ende Januar erwartet werde, könnte der Fokus der Parteien primär auf Wahlkampf ausgerichtet sein. Der eigentliche Neuwahltermin könne sich, so DBRS, aber bis in den Herbst dieses Jahres hinziehen. Zum anderen nennt die DBRS die Schwäche des italienischen Bankensektors aufgrund des hohen Anteils notleidender Kredite infolge…

Lebhafte Konsumausgaben sorgen 2016 in Deutschland für robustes Wachstum

Die deutsche Wirtschaft ist auch 2016 auf ihrem robusten Wachstumskurs geblieben. Mit einem realen Plus von 1,9 Prozent erzielte die Wirtschaftsleistung sogar das stärkste Wachstum seit 2011. Die privaten und staatlichen Konsumausgaben wurden – ähnlich wie schon 2015 – kräftig ausgeweitet und legten damit die Basis für das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Gestützt wurde die Konsumfreude der privaten Haushalte auch 2016 vor allem von einer günstigen Arbeitsmarktentwicklung. Die Erwerbstätigkeit ist kräftig gestiegen und liegt auf einem neuen Rekordniveau, gleichzeitig markierte die Arbeitslosenquote 2016 mit 6,1 Prozent einen neuen Tiefststand. Das ließ die Einkommen der Beschäftigten wie schon in den letzten Jahren kräftig zulegen. In realer Rechnung sind die privaten Konsumausgaben 2016 mit +2,0 Prozent ebenso stark angestiegen wie 2015. Dabei haben auch im abgelaufenen Jahr zwei „Sondereffekte“ den privaten und staatlichen Konsumausgaben auf die Sprünge geholfen. Der niedrige Ölpreis hat die Energieausgaben und die Teuerungsrate insgesamt gebremst und Raum für andere Verwendungszwecke…