Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Aktienmärkte – Der Pessimismus ist zu groß geworden

In den USA steigen die Zinsen nun schon seit 2015 an. Zwar befinden wir uns im flachsten Leitzinsanhebungszyklus seit 50 Jahren, aber die Zinsen steigen. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die mittel- und langfristigen Renditen, die ebenfalls angestiegen sind. Gleichzeitig verknappt die US Notenbank auch die Liquidität und baut ihre Bilanz langsam ab. Diese Entwicklung haben die Finanzmärkte und insbesondere die Aktienmärkte lange ignoriert. Diese Phase scheint nun vorbei zu sein. Die laufende Korrektur wird noch verstärkt durch ein Überdenken der Geschäftsmodelle im Technologiesektor. Die vormals erwarteten Gewinnsteigerungen werden zunehmend kritisch hinterfragt. Dazu kommen noch wachsende Sorgen, dass durch Regulierung im Datenbereich und Überlegungen, die technologischen Oligopole einzugrenzen, die Gewinnaussichten zusätzlich regulatorisch reduziert werden. Jedoch wird aus meiner Sicht nun allmählich zu viel Pessimismus in die Märkte eingepreist. Wir befinden uns zwar in einer späten Phase des Konjunkturzyklus, allerdings gehen wir mindestens in den kommenden beiden Jahren nicht von…

Warum ist Industrie 4.0 so wichtig für Deutschland?

Industrie 4.0 bezeichnet den Eintritt in die vierte Stufe der industriellen Revolution. Diese Stufe ermöglicht eine höhere Flexibilität der Produktion durch die Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette. Die Digitalisierung, die sich in den vergangenen zehn Jahren relativ schnell in unser Alltagsleben eingeschlichen hat, soll damit auch umfassenden Einzug in die gewerblichen Bereiche Deutschlands halten und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie auf lange Sicht erhalten. Der deutschen Industrie fehlt es im internationalen Vergleich aktuell nicht an Wettbewerbsfähigkeit. Die Unternehmen haben sich bereits seit einiger Zeit von der billigen, in Deutschlands nicht konkurrenzfähigen Massenfertigung verabschiedet und diese in kostengünstigere Schwellenländer verlagert. Unter anderem sorgten die Agenda 2010 und die Lohnmoderation der Tarifparteien in den 2000er Jahren zumindest bis zum Ende der Finanzmarktkrise für stabile Lohnstückkosten in Deutschland, während sie in anderen westlichen Industrienationen und in China deutlich anstiegen. Zuletzt haben die Lohnstückkosten zwar auch in Deutschland wieder zugelegt, jedoch nur analog zu den meisten…

Bleibt in den großen Industrienationen die Entwicklung der Industrie hinter den Dienstleistungen zurück?

Nach Finanz- und Euroschuldenkrise hat sich nicht nur die Konjunktur in den westlichen Industriestaaten spürbar erholt. Auch die Arbeitsmärkte haben sich merklich entspannt. In den meisten großen Industrienationen fallen die Arbeitslosenquoten mittlerweile so niedrig aus wie schon seit vielen Jahren nicht. In Deutschland ist die Arbeitslosenquote sogar so niedrig wie noch nie. Auch wenn der Rückgang der Arbeitslosigkeit in anderen Ländern weniger stark ausgefallen ist wie in Deutschland, zeigt sich in den Vereinigten Staaten und in Japan ein ähnlicher Trend. Die Arbeitslosenquote unterschreitet auch in diesen großen Industrienationen inzwischen ihr Vorkrisenniveau, in Japan sogar deutlich. Während die Arbeitsmärkte die Finanzkrise mittlerweile hinter sich gelassen haben, ist das bei anderen Indikatoren zum Teil immer noch nicht der Fall: So sind etwa die Kapazitäten der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe sowohl in Deutschland, als auch in den Vereinigten Staaten und in Japan noch nicht wieder so hoch ausgelastet, wie sie dies vor der…

Eurozonen-Budget braucht man, wenn man den Euro bewahren will

Frankreich und Deutschland haben sich Ende der vergangenen Woche auf die Eckpunkte eines Entwurfs für ein eigenes Eurozonen-Budget verständigt. Ziel ist es, über die Förderung von Investitionen die Konvergenz im Währungsraum zu stärken und Krisen vorzubeugen, was auch die Stabilität des Euro verbessern soll. Nach Monaten des Stillstands in den Gesprächen über die Reform von EU und EWU erhoffen sich die beiden größten Mitgliedsstaaten nun eine neue Dynamik sowohl in der öffentlichen Debatte als auch zwischen den Mitgliedsstaaten. Der Zeitpunkt ist alles andere als zufällig gewählt. Im kommenden Jahr finden Europawahlen statt und die Regierungen sind den Bürgern Europas noch die versprochenen Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen der Gemeinschaft schuldig. Wer auf ein ausgereiftes Konzept gehofft hatte, dürfte jedoch enttäuscht sein. Das zweiseitige Positionspapier beinhaltet vor allem Allgemeinplätze und generelle Absichtserklärungen, ohne wirklich konkrete Maßnahmen und einen finanziellen Umfang zu benennen. Die bremsende Seite der deutsch-französischen Achse dürfte eher in…

Wachsender Margendruck im deutschen Bankensektor

Im Rahmen des Bank Lending Survey der EZB berichten deutsche Banken seit Jahren über immer neue Verengungen der Margen im Geschäft mit Unternehmenskrediten und mit privaten Wohnungsbaukrediten. In beiden Geschäftsfeldern dominiert der intensive Wettbewerb als Begründung für die unbefriedigende Margenentwicklung. Zu den Antriebskräften der Verschärfung des Wettbewerbs im Bankensektor zählen technischer Fortschritt in Form der Digitalisierung sowie extrem niedrige Zinsen. Die wachsende Konkurrenz macht sich vor allem im Firmenkundengeschäft und im Bereich Kontoführung/Zahlungsverkehr bemerkbar, weniger im Einlagengeschäft. Weil im Bankgeschäft nur sehr eingeschränkt Produktdifferenzierungen möglich sind, wird der Wettbewerb hauptsächlich über die Konditionen ausgetragen. Das erhöht den Druck auf die Margen. Für die Anbieter besteht ein Anreiz, engen Margen durch eine Steigerung des Geschäftsvolumens entgegenzuwirken. Bei einem gleichzeitig begrenzten Wachstumspotenzial des Gesamtmarktes verstärkt sich so das Ringen um Marktanteile. Während sich die Anbietergewichte im Einlagengeschäft zuletzt stabilisiert haben, verschieben sich die Größenordnungen im Kreditgeschäft weiterhin zugunsten von Kreditgenossenschaften, Regionalbanken und…

Lateinamerika nach dem Superwahljahr

Der Trend, dass neben der wählenden Bevölkerung auch internationale Anleger bei Wahlen oftmals den Atem anhalten, hat auch vor Lateinamerika nicht haltgemacht. Vor diesem Hintergrund waren die letzten zwölf Monate in der Region äußerst spannend, da in gleich vier Ländern wichtige Urnengänge anstanden – und das in einem Umfeld sinkender Zustimmungswerte hinsichtlich des Funktionierens der Demokratie. In Chile und Kolumbien sind dabei (immerhin) Regierungen aus dem Mitte-Rechts-Lager gewählt worden, die für einen pragmatischen Kurs in der Wirtschaftspolitik stehen. In Mexiko und Brasilien haben sich die Wähler jedoch weiter „an die Ränder gewagt“. Während sich mit Andres López Manuel Obrador – kurz AMLO – in Mexiko ein Bewerber des linken Spektrums durchgesetzt hat, siegte in Brasilien der Rechtsaußen Jair Bolsonaro. Damit herrscht nun zumindest Klarheit darüber, wer die Geschicke des jeweiligen Landes leiten wird. Über den Kurs sowie die Art und Weise des Regierens kann aktuell jedoch nur spekuliert werden. Während…