Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Die Wahlen in Frankreich und der Euro

Die Sorge um den Ausgang der Präsidentenwahl in Frankreich nimmt zu. So hat der Euro hat in den vergangenen Wochen erneut Federn lassen müssen. Die latente Schwäche der Gemeinschaftswährung ist nicht zuletzt der wachsenden Sorge gegenüber den politischen Entwicklungen in Frankreich geschuldet. Auch wenn ein Wahlsieg Le Pens weiterhin sehr unwahrscheinlich erscheint, der Markt ist nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres dünnhäutig geworden. Rein rational betrachtet sollten Investoren nichts zu befürchten haben. Die Umfragewerte sind eindeutig:  Le Pens Chancen die Wahlen zu gewinnen sind gering. Zwar ist davon auszugehen, dass sie den ersten Wahlgang, der am 23. April stattfindet, erfolgreich bestreitet. Kritischer wird es aber in der zweiten Wahlrunde am 7. Mai. Wie Le Pen dann abschneidet, wird u.a. maßgeblich davon abhängen, wer ihr Gegenkandidat ist. Die schlechtesten Chancen hätte sie nach heutigem Stand gegenüber Macron oder Fillon, aber auch gegen Hamon stehen ihre Siegeschancen nur 40:60 . Insgesamt ist…

Rohöl: Kürzende OPEC und steigende Lagerbestände – ein Paradoxon?

So mancher Marktteilnehmer reibt sich beim Blick auf die derzeit über die Ticker laufenden Rohöl-Nachrichten schon etwas verwundert die Augen. So sind die im Investorenfokus stehenden Rohöllagerbestände in den USA seit dem Jahresbeginn – ergo: dem Startzeitpunkt des viel beschriebenen OPEC-/NOPEC-Produktionskürzungs-Deals – in sechs (jeweils positiven) Wochenschritten um 40 Mio. Barrel (+8%) gestiegen. Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich auch in der westeuropäischen „ARA-Speicherregion“ (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen), wo die Rohöllagerbestände im gleichen Zeitraum um 8 Mio. Barrel (+14%) anzogen. Aber wieso anzogen? Hatten die zehn „kürzungsgebundenen“ OPEC- und die elf „kürzungswilligen“ NOPEC-Staaten nicht für die Zeit vom 1. Januar bis zum 30. Juni eine kumulierte Produktionsabsenkung von insgesamt 1,8 Mio. Barrel pro Tag (OPEC-10: 1,2 mbd und NOPEC-11: 0,6 mbd) versprochen, um die seit dem 3Q2014 geradezu aufgequollenen globalen Rohöllagerbestände wieder auf das Normalmaß des 5-Jahresdurchschnittswertes abzuschmelzen? Und stand nicht zuletzt in nahezu jeder Wirtschaftszeitung zu lesen, dass insbesondere die OPEC ihr…

Deutsche Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie seit über fünf Jahren nicht

Nach einem etwas holprigen Jahresstart hat sich der ifo Geschäftsklimaindex im Februar wieder verbessert. Er stieg von 109,9 Punkten im Januar auf 111,0 Punkten. Damit wurde der Vormonatsrückgang erst einmal wieder egalisiert. Dabei bewerteten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage nochmals merklich besser als ihre ohnehin bereits gute Einschätzung vom Januar. Sie stieg von 116,9 Punkten auf 118,4 Punkte und dementsprechend auf den höchsten Stand seit August 2011. Zum Vergleich: Der langjährige Durchschnitt für die aktuelle Lage liegt bei einem Indexwert von 103,5 und damit weit unterhalb des aktuellen Niveaus. Auch die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate fielen etwas optimistischer aus als im Januar. Sie verbesserten sich immerhin von 103,2 Punkten auf 104,0 Punkte. Die Sorgen zum Jahresbeginn scheinen bei den Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland damit trotz gestiegener Ölpreise, des bevorstehenden Brexit und möglicher US-Strafzölle vorerst verflogen zu sein. Allerdings reichte dieser leichte Anstieg nicht aus, um den…

Die sehr gute Stimmung unter den EWU-Einkaufsmanagern reißt nicht ab

Ein außerordentlich optimistisches Stimmungsbild zeigt die Vorabveröffentlichung der Einkaufsmanagerbefragung in der EWU für den Februar. Von einem kräftigen Stellenaufbau wie seit mehr als neun Jahren nicht mehr, von größeren Auftragszuwächsen und von steigenden Geschäftsaussichten berichteten die befragten Einkaufsmanager. Allerdings kann der steigende Preisdruck nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euroraum stieg von 54,4 auf 56,0 Indexpunkte. Das ist der höchste Stand seit 70 Monaten. Dabei legten die Stimmungsbarometer sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungsbereich zu. Erfreulich ist zudem, dass sich nach Angaben von Markit die gute Stimmungslage auch auf Volkswirtschaften jenseits der beiden großen Mitgliedländer der Währungsunion, Deutschland und Frankreich, erstreckt. Die deutschen Einkaufsmanager zeigen sich im Februar äußerst optimistisch. Hier stieg das Stimmungsbarometer für die Industrie von 56,4 auf 57,0 Indexpunkte an und markiert damit den höchsten Stand seit 69 Monaten. Demnach steht die deutsche Industrie ordentlich unter Dampf. Bei…

Beschleunigtes Wachstum der Kreditmärkte in Deutschland zu erwarten

Im letzten Jahr hat sich der bereits Ende 2015 einsetzende Wachstumsschub auf den Kreditmärkten in Deutschland stabilisiert und verstärkt. So wuchsen die Bankschulden der Unternehmen und privaten Haushalte um 2,7 Prozent auf 2.372,3 Mrd. Euro. Damit konnte die meist lahmende Entwicklung der vergangenen Jahre endlich überwunden werden. Wachstumstreiber waren erneut die privaten Immobilienfinanzierungen. Bei verstärkten Neubauaktivitäten sowie zunehmender Nachfrage und steigenden Preisen auf den Immobilienmärkten wuchs der Kreditbedarf spürbar. Die Nachfrage wurde zudem von extrem günstigen Finanzierungsbedingungen beflügelt. Ein noch dynamischeres Wachstum verhinderte lediglich die deutsche Umsetzung der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die vor allem für Senioren und junge Familien zu verschärften Kreditvergaberichtlinien führte. Auch die Entwicklung der Unternehmenskredite war erfreulich. Von 2013 bis 2015 verzeichnete dieses Marktsegment noch schwache, meist negative Veränderungsraten. 2016 stiegen die entsprechenden Kreditbestände dann um knapp zwei Prozent. Im angelaufenen Jahr dürften sich die Trends fortsetzen. Darauf deuten u. a. die Baugenehmigungen hin, die stark gestiegen sind. Allerdings…

Rückkehr der Inflation – Ohne Aktien geht es nicht

Seit einigen Monaten zieht weltweit die Inflation wieder an. So betrug der Preisauftrieb in den USA jüngst 2,5%, der höchste Wert seit dem Jahr 2012. In Deutschland stiegen die Preise per Ende Januar 1,9% – ein Wert, der zuletzt 2013 erreicht wurde. So überrascht es nicht, dass das Stichwort der „Reflation“, also eine Rückkehr der Inflation, ausgelöst durch eine expansivere Gangart bei der Geld- und Fiskalpolitik und steigende Rohstoffpreise, wieder die Runde macht. Speziell deutsche Bürger sind dieser Angst überproportional ausgesetzt, nicht zuletzt aufgrund negativer Berichte über die Hyperinflation im eigenen Land vor knapp 100 Jahren. Lange Zeit hatten Dividendenpapiere einen Ruf als inflationsgeschützte Investition. Würde die Eignung von Aktien als Absicherung gegen Inflation zutreffen, müssten Aktien in Zeiten hoher Teuerungsraten eine entsprechend bessere Kursentwicklung aufweisen. Eine Fehleinschätzung, wie unsere Untersuchungen zum U.S.-amerikanischen Aktienmarkt für den Zeitraum 1871 bis 2008 zeigen. Die Resistenz von Aktien zeigt sich in Zeiten gemäßigter…