Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Gewerbeimmobilien an den Top-Standorten: Büros sind knapp und gefragt, während das Online-Shopping dem Einzelhandel das Leben schwer macht

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Gewerbeimmobilien könnten an den Top-Standorten kaum besser ausfallen. In den sieben größten deutschen Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart wachsen Beschäftigung, Bevölkerung und meist auch der Tourismus. Daraus resultiert eine hohe Nachfrage nach Büroflächen, die mittlerweile genauso knapp wie Wohnungen sind. Im Einzelhandel wird die Flächennachfrage jedoch durch das Online Shopping gedämpft. Unter dem Strich ist das Interesse der Anleger an der letztlich sehr begrenzten Zahl an erstklassigen Objekten, die hier zum Verkauf stehen, ungebrochen hoch. Doch das große Anlegerinteresse hat die anfängliche Mietrendite kräftig gedrückt. Waren vor 10 Jahren noch rund 5 Prozent erzielbar, sind es heute zum Teil weniger als 3 Prozent. Weil die Anleiherenditen noch schneller sanken, hat sich der Abstand ausgeweitet. 2008 lag der Renditevorteil gegenüber 10-jährigen Bundesanleihen bei etwa 100 Basispunkten, aktuell sind fast 270 Basispunkte. Das ist allerdings schon spürbar weniger als 2015 und 2016, als der…

Rom setzt in Kenntnis

Nach Wochen der Diskussionen hat sich das italienische Kabinett auf einen Haushaltsentwurf einigen können. Dieser konnte gerade noch fristgerecht der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Im Rahmen des Entwurfs bestätigte die Regierung in Rom nochmals die bereits bekannten Neuverschuldungskennziffern von 2,4% des BIP in 2019, 2,1% in 2020 und 1,8% in 2021. Den Ertragsverlust aus der Aussetzung einer eingeplanten Mehrwertsteuererhöhung taxiert das italienische Finanzministerium auf 0,68% des BIP. Die Senkung des Renteneintrittsalters sowie das Bürgereinkommen fallen ausgabenseitig mit jeweils 0,37% des BIP ins Gewicht. Auf Basis der Annahmen des Budgetentwurfs beziffern sich die drei Posten in absoluten Größen auf 25,9 Mrd. Euro. Zwar liegt die Gesamtgröße für die fiskalische Agenda in etwa in dem Bereich, der bereits bekannt geworden war, allerdings zeigen sich Abweichungen mit Blick auf die Einzelposten. Die makroökonomischen Prognosen des Entwurfs erscheinen recht optimistisch. Die Summe aus realem BIP-Wachstum und BIP-Deflator wurde so hoch eingeschätzt, dass das Nominalwachstum…

Währungsmanipulation in Theorie und Praxis

In Kürze stellt das US-Finanzministerium seinen halbjährlichen Bericht zur Währungsmanipulation vor. Darin wird geprüft, inwiefern sich die wichtigsten Handelspartner der USA durch unlautere Beeinflussung ihrer Währungen einen Vorteil verschafft haben. Dieser Bericht erfährt angesichts des aktuellen Handelsstreits eine noch höhere Aufmerksamkeit als sonst. Wenn bereits die unspezifische Angst vor einer weiteren Eskalation am letzten Mittwoch für starke Kurseinbußen an den US-Börsen gesorgt hat, welche Sprengkraft hätte dann denn wohl die ultimative Kampfansage gegen China in Sachen Währung? Präsident Trump macht keinen Hehl aus seiner Haltung gegenüber China; ginge es alleine nach ihm, wäre die offizielle Brandmarkung längst erfolgt. Allerdings liegt die Hoheit über FX-Fragen, und somit dieser Bericht, in den Händen des Finanzministeriums, das einen klar definierten, quantitativen Kriterienkatalog hat, bei dem es nicht um „gefühlte“ Benachteiligung geht, sondern um eindeutig messbare Aspekte. Geprüft wird, ob ein Land: » einen „signifikanten“ bilateralen Handelsbilanzüberschuss mit den USA hat, wobei „signifikant“ als…

US Aktienmärkte: Anhaltend positive Entwicklung bei den Unternehmensgewinnen

Die US-Berichtssaison zum 3. Quartal 2018 wird in dieser Woche an Fahrt aufnehmen. Unsere Indikatoren deuten auf eine sehr positive Entwicklung bei den Unternehmen hin. Für das nun abgelaufene dritte Quartal geht der Markt von einem Gewinnwachstum von 19,3% aus. Die Konzerne des S&P 500 konnten bereits im ersten und zweiten Quartal 2018 ein Gewinnwachstum von über 20% zeigen. Im dritten Quartal dürften in allen elf Sektoren des S&P 500 ein Gewinnwachstum erfolgt sein, bei sieben davon sogar ein zweistelliges. Der Markt erwartet einen Umsatzzuwachs von 6,9%, das bis auf den Finanzsektor von allen Sektoren mit positiven Beiträgen gespeist wird. Für die Robustheit der US-Gewinne steht zudem, dass im Vorfeld der Veröffentlichungen die Analystenschätzungen geringer als im historischen Vergleich reduziert wurden. Auf Sektor-Ebene wird das stärkste Wachstum bei den Energie-Unternehmen (+90%) erwartet. Der Ölpreis ist im Laufe des letzten Jahres immer höher geklettert und liegt im Durchschnitt 44% über dem…

Italiens Woche der Wahrheit

Die nächste Woche könnte sich für Italien als richtungsweisend herausstellen. Bis Montag muss die Regierung in Rom der EU-Kommission den vollständigen Haushaltsentwurf für 2019 vorlegen. Bislang sind nur Teile der Planung, vor allem die Defizitzahlen für die kommenden drei Jahre und die zugrundliegenden BIP-Prognosen, bekannt. Insbesondere die über den Konsensschätzungen liegenden Wachstumsannahmen hatten nach Bekanntwerden bereits Fragen aufgeworfen. Erst mit Veröffentlichung aller geplanten Maßnahmen einschließlich Mehrausgaben / Mindereinnahmen ist aber mit einem abschließenden Votum durch Brüssel, Investoren und Ratingagenturen zu rechnen. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass die EU-Kommission Italiens Plan ohne Nachverhandlungen akzeptieren wird. Selbst wenn das für 2019 geplante Defizit in Höhe von 2,4% des BIP realistisch erscheinen würde, läge es deutlich über dem zwischen der Vorgängerregierung und Brüssel ausgehandelten Pfad, der zu einem Abbau der Schuldenstandsquote führen soll. Für Investoren wird aber vielmehr entscheidend sein, ob Brüssel den Vorschlag zumindest als Verhandlungsgrundlage ansieht und ein Kompromiss…

Aktien nach Kursrutsch attraktiv

Der US-Aktienmarkt hatte sich im bisherigen Jahresverlauf erheblich vom „Rest der Welt“ abgekoppelt. Während verschiedene größere Aktienmärkte wie Deutschland, Südkorea und China seitwärts oder sogar deutlich negativ tendierten, profitierten US-Aktien von mehrheitlich auf die USA begrenzten Impulsen. Die Gewinner können innerhalb der USA sogar noch stärker auf einige wenige Technologieaktien eingegrenzt werden. Die nun beobachtbare Korrektur geht folgerichtig auch in erster Linie von diesen Technologieaktien aus, macht aber weder vor Aktien anderer Branchen noch anderer Länder halt. Grundsätzlich war diese Korrektur erwartet worden und höhere Volatilität an den Märkten ist nach unserem Dafürhalten für die letzte Phase eines Aktienmarktzyklus auch nichts Ungewöhnliches. Zusätzlich ist die Zahl der Krisen in den letzten Monaten gestiegen. Insbesondere der wachsende Protektionismus hat das Potenzial, den Wachstumszyklus nachhaltig zu schwächen. Die laufende Korrekturbewegung hat den DAX binnen einer Woche um rund sieben Prozent nachgeben lassen, Technologieaktien in den USA (Nasdaq 100) verloren sogar rund zehn…