Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen. Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist. Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor…

China: Wachstum in Q3 verlangsamt – Investitionen bremsen, Handelsbelastungen stehen noch aus

Chinas Wirtschaft hat im abgelaufenen Quartal weiter an Schwung verloren. Mit einem Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent war die Abschwächung sogar etwas stärker als erwartet. Angesichts des über den Sommer eskalierten Handelsstreits steht die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft momentan zweifellos unter besonderer Beobachtung. Bremseffekte im Handel mit den Vereinigten Staaten dürften für die Konjunkturabkühlung bislang aber kaum verantwortlich sein. Sie werden im Moment noch durch Vorzieheffekte überlagert und durch die Abwertung des Yuan abgefedert. Vielmehr hat die Investitionszurückhaltung Pekings das Wachstum gedämpft. Bereits im laufenden Quartal könnten die Belastungen aus dem Außenhandel aber schon deutlicher spürbar werden. Wir sehen uns in unserer vorsichtigen Wachstumsprognose für dieses Jahr von 6,5 Prozent bestätigt. Eine auffällige Schwäche haben die monatlichen Exportzahlen in den vergangenen Monaten, in denen die US-Zölle sukzessive ausgeweitet wurden, nicht gezeigt. Fast schon im Gegenteil: Im September haben sie sogar deutlich angezogen. Auch das Wachstum der Exporte in die Vereinigten Staaten…

US-Wahl – zahlt sich die Strategie „America first“ aus?

Die in weniger als drei Wochen stattfindenden Zwischenwahlen für den US-Kongress gelten als Stimmungstest für die Politik von Donald Trump. Der entscheidende Aspekt ist die Frage, ob die republikanische Partei in beiden Kammern die Mehrheit der Sitze behält oder ob Trump einen großen Teil seiner Handlungsfähigkeit einbüßt. Der republikanischen Partei und auch dem Präsidenten wird sicher bekannt sein, dass die Präsidentenpartei bei den „midterms“ in der Regel Sitze im Kongress verliert. Für das Wahlergebnis wird es eine große Rolle spielen, welcher der Parteiblöcke besser seine Wählerschaft mobilisieren kann. Laut einer Umfrage sind die US-Konsumenten mit der Wirtschaftspolitik der Regierung so zufrieden wie zuletzt vor 15 Jahren. Vor allem bei einem zentralen Wahlversprechen, der Stärkung der US-Industrie, kann der Präsident Erfolge vorweisen. Ein sichtbar erholtes Industrieklima geht einher mit steigender Beschäftigung. Zum Schutz der heimischen Industrie war ja auch die Aufkündigung des NAFTA-Handelsabkommens mit Kanada und Mexiko eine von Trump‘s ersten…

Brexit-Verhandlungen: Druck auf May wächst

Der EU-Gipfel im Oktober, der laut dem ursprünglichen Zeitplan den großen Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen bringen sollte, endet zwar erst am heutigen Nachmittag, aber bereits gestern Abend wurde klar, dass sich Hoffnungen auf signifikante Fortschritte zerschlagen würden. Theresa Mays 15-minütige Ansprache brachte keine neuen Erkenntnisse; stattdessen rief die Premierministerin die EU auf, kreative und innovative Ideen zu liefern. Was vor einigen Monaten oder sogar Wochen vielleicht noch als Verhandlungspoker hätte durchgehen können, ist nun bitterer Ernst. Die Zeit rennt davon, und nach wie vor ist eine konstruktive Lösung des Irland-Problems nicht in Sicht. Zankapfel bleibt die sogenannte „backstop solution“: sollten die Briten keiner Zollunion mit der EU zustimmen und keine andere „technische“ Lösung gefunden werden, würde die EU Nordirland weiterhin als Teil des Binnenmarktes behandeln. Der damit unweigerlich einhergehende Sonderstatus Nordirlands ist aber weder für die britische Regierung noch für die nordirische DUP akzeptabel. Mays jüngster Vorstoß, die Briten zumindest…

Warum sich der DAX 2019 wieder erholen wird

Weil die Gewinnentwicklung 2018 vielfach von Sondereffekten bei den DAX-Unternehmen geprägt war, gehen wir davon aus, dass sich die Gewinnlage 2019 wieder verbessert. Die aktuellen Analystenschätzungen, die für 2019 im DAX einen Gewinnanstieg von (wiederholt) zehn Prozent fortschreiben, dürften jedoch erneut zu optimistisch geschätzt sein. Eine Größenordnung um fünf Prozent Gewinnanstieg im DAX erscheint realistischer, auch für den Euro Stoxx 50. Zwar gehen wir davon aus, dass es nicht zu einer Eskalation bei den Verhandlungen rund um den Brexit und Italien kommen wird, jedoch dürfte das teils unstete konjunkturelle und politische Umfeld, welches schon 2018 prägend war (u.a. Wachstumsabschwächung in Europa und Störungen im Welthandel) uns auch noch zu Beginn des Jahres 2019 erhalten bleiben. Für die Aktienmärkte bleiben wir mit Blick auf 2019 positiv gestimmt, zum einen weil wichtige Eckvariablen wie eine gut laufende Konjunktur (u.a. Rückenwind aus den USA) und eine günstige Aktienmarktbewertung weiterhin wirken und zum anderen,…

Rohölpreise von über 100 USD sind möglich, … aber sehr unwahrscheinlich

Der Brent-Rohölpreis ist in den vergangenen Wochen vor dem Hintergrund der immer näher rückenden US-Energiesanktionen gegen den Iran beständig angestiegen. Im Rahmen dieses jüngsten Versorgungsangst getriebenen Aufwärtsimpulses kletterte der Preis für einen Barrel „Nordsee-Rohöl“ Anfang Oktober sogar erstmals seit 2014 wieder über die Marke von 86 USD. Neuerliche saudische Zusicherungen etwaige Iran-Ausfälle kompensieren zu können, der Mitte Oktober publizierte „Weltkonjunktur-Mahnbescheid“ des Internationalen Währungsfonds sowie die unlängst reduzierten Nachfragewachstumsschätzungen von DOE, IEA und OPEC sorgten zuletzt aber wieder für eine spürbare Preisberuhigung in den Bereich von 81 USD. Angesichts der wieder normalisierten OECD-Lagerbestände, der strukturellen Output-Verluste in Venezuela, der volatilen Produktionsentwicklungen in Libyen und Nigeria sowie der produktionswachstumshemmenden Infrastrukturprobleme im Permian-Becken mehren sich die Stimmen, die die Fähigkeit der OPEC+ zur vollumfänglichen Kompensation der sanktionsbedingten Produktionsverluste im Iran anzweifeln und den Rohölmarkt in den kommenden Monaten in ein veritables Angebotsdefizit abrutschen sehen. Vor diesem Hintergrund sind die OPEC+-Reservekapazitäten und die geschätzen…