Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Schadet die AfD Deutschland?

Mit der AfD ist es zum ersten Mal seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland einer rechtsextremen und teilweise rechtsradikalen Partei der Einzug in den Bundestag gelungen. Ich wurde in den letzten Wochen oft gefragt, ob die AfD dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden könne. Hier konnte ich immer mit einem klaren Nein antworten. Der Wohlstand Deutschlands beruht auf der hohen Innovationsfähigkeit, den leistungsfähigen Unternehmern, einer stabilen Infrastruktur, hohem sozialen Frieden und einer offenen Gesellschaft, um nur die wichtigsten Gründe zu nennen. Die AfD wird diese Faktoren kaum ändern und daher dem Standort Deutschland kaum schaden können. Vielmehr dürfte die AfD mangels Themen und Inhaltlichkeit in den kommenden 4 Jahren sichtlich an Bedeutung verlieren. Die wachsende Popularität der Parteien im Rechtsaußenspektrum der Parteien ist aber auch der Ausdruck über die zunehmenden Sorgen vieler Menschen über die hohe Veränderungsgeschwindigkeit der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, sowie die Sorge über den Verlust ihres Lebensstandards. Die hohe…

Was bedeutet das Wahlergebnis für die nächste Bundesregierung und Deutschland

Deutschland hat gewählt. Wie zu erwarten stellt die CDU/CSU die größte Fraktion, gefolgt von der SPD. Die AfD ist die drittstärkste Partei.  Damit gehören dem neuen Bundestag 7 Parteien an. Die Regierungsbildung dürfte sehr schwierig werden. Um eine Mehrheit im Bundestag zu erreichen bleiben nur 2 Koalitionsalternativen: das Jamaika-Bündnis (Union+FDP+Grüne) und die Fortsetzung der großen Koalition. Die SPD hat eine historisch niedrige Zustimmung bekommen und somit eigentlich keinen belastbaren Regierungsauftrag erhalten. Die SPD aus meiner Sicht die Oppositionsrolle annehmen um die kommenden vier Jahre für den Neuaufbau zu nutzen. Beim Jamaika-Bündnis sind die rhetorisch abgesteckten Schnittmengen der Parteien in den letzten Wochen immer kleiner geworden. Somit wäre hier eine mögliche Koalitionsregierung nur möglich, wenn sich die Parteien gegenseitig starke Zugeständnisse machen und damit ihre eigentlichen Positionen teils bis zur Unkenntlichkeit verwässern. Zudem wäre eine direkte Regierungsverantwortung für die FDP eine große organisatorische Herausforderung, da der notwenige Unterbau als Regierungspartei eigentlich…

Goldilock im Euroraum – stabiles Wachstum bei moderater Inflation

Die positiven Wachstumsaussichten halten an. Dies gilt für Deutschland wie für den gesamten Euroraum. Erfreulich ist die gute Entwicklung in Frankreich. Hier scheint sich die gute Stimmung nach den Präsidentschaftswahlen langsam in den realwirtschaftlichen Indikatoren widerzuspiegeln. Zudem macht Frankreich auch bei der Reform der Arbeitsmärkte vorschritte, ohne das es zu massiven Streiks oder Protesten gekommen ist. Dies sollte auch in den kommenden Quartelen sich positiv auf die realwirtschaftliche Entwicklung auswirken. Die gute realwirtschaftliche Entwicklung geht weiterhin einher mit einer sehr moderaten Preisentwicklung. Die Inflationsraten sind weiterhin relativ niedrig. Dies gibt der EZB genügend Spielraum die Zinsen auch weiterhin auf dem sehr niedrigem Niveau zu belassen. Was an den Finanz und Immobilenmärkten sicherlich mit Freude registriert werden dürfte.

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum steigen unbeeindruckt weiter

Die europäischen Einkaufsmanagerindizes signalisieren für das dritte Quartal weiterhin eine gute wirtschaftliche Lage im Euro-Raum. Nach etwas schwächeren Stimmungswerten bei den Dienstleistern in den Vormonaten, waren die Serviceanbieter im September wieder zuversichtlicher. Die Industrie zeigt sich ungebrochen kräftig und übernimmt immer mehr die Rolle des konjunkturellen Zugpferds. Der höhere Außenwert des Euro spielt hier scheinbar keine Rolle. Im Quartalsmittel fällt die Beurteilung der Einkaufsmanager – gemessen am Composite-Index – zwar leicht niedriger aus als im Vorquartal, trotzdem stehen die Zeichen gemäß der Umfrage weiterhin sehr deutlich auf Wachstum. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum stieg von 55,7 auf 56,7 Indexpunkte, das ist der höchste Stand seit vier Monaten. Dabei legten sowohl das Stimmungsbarometer für den Dienstleistungsbereich als auch der Index für die Industrie zu. In der Industrie wurde sogar der höchste Wert seit 77 Monaten erreicht. Auftragslage, Produktion und Beschäftigungsabsichten werden durchweg sehr günstig bewertet. Der kräftigen Konjunkturerholung steht damit…

Fed bleibt auf Kurs

Die US-Währungshüter werden im Oktober damit beginnen, ihr 4.500 Mrd. US-Dollar großes Portfolio langsam zu reduzieren und damit die außergewöhnlichen Maßnahmen zurückzudrehen, die nach der schweren Finanzmarktkrise implementiert wurden. Außerdem prognostizieren die FOMC-Mitglieder eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. Als Begründung gaben sie an, dass die Sturmschäden durch die schweren Hurrikans nur vorübergehende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden. So könnte das Wirtschaftswachstum aufgrund der sturmbedingen Schäden zwar kurzfristig niedriger ausfallen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten jedoch, dass der Kurs der Volkswirtschaft mittelfristig kaum wesentlich beeinflusst werde. Insgesamt war das jüngste Treffen des geldpolitischen Rats der US-Notenbank deutlich hawkisher als von den Marktteilnehmern erwartet und es scheint als bleibe die Fed auf Kurs. Nichtsdestotrotz gewinnt man dabei den Eindruck, dass bei der Fed-Chefin eher der Wille vorherrscht, so weit wie möglich im Normalisierungsprozess der Geldpolitik voranzuschreiten. Auf der Pressekonferenz gab Fed-Chefin Yellen zu Protokoll, dass die Bilanz kein Instrument sei,…

Niedrigerer Inflationsausblick für die USA und den Euro-Raum, trotz kräftiger Konjunktur

Der seit Jahresbeginn gestiegene Wechselkurs des Euro zum US-Dollar hat für reichlich Diskussion gesorgt. Für die aktuell kräftige konjunkturelle Entwicklung in der EWU sehen wir darin bislang keine große Gefahr. Für die Teuerungsrate der Verbraucherpreise dürfte das höhere Wechselkursniveau jedoch Folgen haben. Der stärkere Euro dürfte bei den Konsumgütern, die aus Ländern von außerhalb des Euro-Raums eingeführt werden, zu geringeren Preissteigerungen führen als wir es bislang in unserer Prognose unterstellt haben. Zudem verbilligen sich in Euro gerechnet die Rohölimporte und damit der Verbrauch von Benzin und Heizöl. Kompensierende Effekte, wie etwa eine durch höhere Löhne angefeuerte Verbrauchernachfrage, erwarten wir dagegen kaum, trotz der aktuell kräftigen konjunkturellen Erholung. Wir haben daher die EWU-Inflationsprognose, gemessen am europaweit harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), für das kommende Jahr angepasst. Für den Durschnitt des Euro-Raums gehen wir jetzt von einer Inflationsrate von 1,3 Prozent für das Jahr 2018 aus. Unsere bisherige Prognose lag bei 1,5 Prozent. Für…