Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
EWU-Einkaufsmanager: Zweite Welle drückt auf die Stimmung der Dienstleister – Industrie zeigt sich robust

Bei den europäischen Dienstleistern steigt angesichts zunehmender Infektionszahlen im Oktober die Unsicherheit. Die Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen lässt den Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich deutlich sinken. In einigen Ländern sind die Gastronomie und der Beherbergungsbereich spürbar eingeschränkt. Zudem gibt es teilweise nächtliche Ausgangsperren. Mit Irland und den Niederlanden befinden sich zwei Länder sogar schon wieder in einer Art Lockdown. Dies hinterlässt Spuren und drückt die bei den Dienstleistern auf das Sentiment. In der Industrie können die Stimmungsmesszahlen dagegen sogar noch zulegen und für die Gesamtbetrachtung Schlimmeres verhindern. Der umfassende Composite-Index aus beiden Bereichen geht im Oktober gemäß IHS Markit von 50,4 auf 49,4 Punkte zurück. Zu Beginn des vierten Quartals verschlechtern sich damit die Wachstumsaussichten des Euro-Raums. Da bei den steigenden Infektionszahlen derzeit noch kein Ende in Sicht ist, sind weitere Verschärfungen bei der Virus-Bekämpfung nicht auszuschließen. Die Stimmungslage der deutschen Einkaufsmanager ist im Oktober zweigeteilt. Die Messzahl für die Industrie kann…

Die zweite Welle schwappt hoch

Das Infektionsgeschehen verschlimmert sich aktuell in den meisten europäischen Ländern von Tag zu Tag. In kleineren Ländern wie Belgien und Tschechien ist die Entwicklung besonders dramatisch, aber auch die großen Länder geraten in immer größere Schwierigkeiten. In Deutschland steht man zwar – verglichen mit Frankreich oder Spanien – noch etwas besser da, doch auch hierzulande weist der Trend in eine besorgniserregende Richtung. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden in den meisten Ländern sukzessive verschärft. In Frankreich und Spanien gibt es bereits regionale Lockdowns, und Irland ist das erste EU-Land, das einen zweiten landesweiten Lockdown ausgerufen hat. Ob es den Regierungen gelingt, den Trend im Infektionsgeschehen zu brechen, bevor es wie im Frühjahr zu einer Überforderung im Gesundheitswesen kommt, ist ungewiss. Bereits die aktuellen Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität werden die Dynamik der Erholung sichtlich dämpfen. Wir haben unsere Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2020 in den vergangenen Tagen für…

China findet allmählich zu alter Wachstumsstärke zurück

Nach dem tiefen Corona-Absturz zu Jahresbeginn hat die chinesische Wirtschaft ihre kräftige Erholung über die Sommermonate fortgesetzt. Das jährliche Wirtschaftswachstum beschleunigte sich von 3,2 auf 4,9 Prozent im dritten Quartal und ist damit nicht mehr weit von seinem früheren Wachstumspfad entfernt. Bereits mit dem zweiten Quartal konnte China das Vorkrisenniveau seiner Wirtschaftsleistung wiederherstellen. Für das Gesamtjahr zeichnet sich nun ein Wachstum von rund zwei Prozent gegenüber 2019 ab. Damit zählt China zu den ganz wenigen Ländern, die in diesem Jahr überhaupt eine positive Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr erzielen werden und erweist sich einmal mehr als globale Konjunkturlokomotive. Positiv ist, dass der Schwung der Erholung bis zuletzt angehalten hat. Sowohl die Industrieproduktion als auch der Einzelhandel konnten ihr Wachstum im September deutlich beschleunigen. Das Wirtschaftsklima hat sich zuletzt weiter aufgehellt. Positiv ist auch, dass der Aufschwung zunehmend an Breite gewinnt. Kamen zu Beginn der Erholung noch wesentliche Anschubhilfen von staatlichen Konjunkturstimuli,…

Brexit: It ain’t over till it’s over

Die von Premierminister Johnson gesetzte Deadline am 15. Oktober ist verstrichen. Anstatt jedoch die Gespräche wie angekündigt abzubrechen, wird die Regierung Johnsons in den kommenden Wochen wohl weiter am Verhandlungstisch mit Brüssel sitzen. Erneut setzt sich damit die Erkenntnis der vergangenen Jahre fest, dass es auch dann noch lange nicht vorbei ist, wenn die Lage völlig aussichtslos erscheint. Schon mehrfach standen die Beteiligten kurz vor einem harten Bruch. Und dennoch ist es bislang gelungen, die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens weitgehend ohne Verwerfungen zu beenden, eine Übergangsphase auszuhandeln und über die Ausgestaltung eines anschließenden Freihandelsabkommens zu sprechen – ein Umstand, den die am Prozess beteiligten Unterhändler und politischen Vertreter als Erfolg werten können. Dass der Weg bis hierhin nicht immer gradlinig verlief oder von rational-ökonomischen Aspekten dominiert war, kann dabei nicht überraschen. Es geht schließlich nicht nur darum, einen Kompromiss zu finden. Vielmehr muss dieser auch so vermarktet werden, dass die eigene Bevölkerung…

Herbst 2020 – die Sorgen nehmen zu

Über die Sommermonate lieferten niedrige COVID19-Infektionszahlen und eine zügige wirtschaftliche Erholung in Europa ausreichend Gründe für Zuversicht. Doch der Sommer ist vorüber, die Temperaturen sinken wieder. Die Zahl der Neuinfektionen steigt in den meisten europäischen Ländern schon seit einigen Wochen rapide an. Obwohl die Regierungen und die zuständigen Behörden rund ein halbes Jahr Zeit hatten, sich auf dieses Szenario vorzubereiten, wird ein Rezept, wie die Ausbreitung des Virus ohne einen generellen Lockdown in Grenzen gehalten werden kann, aller Orten noch verzweifelt gesucht. Denn ein neuer Lockdown würde unweigerlich in eine weitere Rezession führen. Und deren Konsequenzen könnten gravierender sein als die bisher absehbaren Folgen der Frühjahrskrise. Auch bei den Brexit-Verhandlungen gab es ausreichend Gelegenheit, zu einer Einigung zu kommen. Allein, es fehlte bislang offensichtlich auf beiden Seiten der Wille dazu. Während man sich auf EU-Seite wohl am längeren Hebel wähnt und auf Maximalforderungen besteht, scheint auf britischer Seite eine grundsätzliche…

Jungendarbeitslosigkeit wird zu einem Problem im Euroraum

Das Corona-Virus hat im ersten Halbjahr harte konjunkturelle Rückschläge in den Volkswirtschaften rund um den Globus bewirkt. Im Euro-Raum konnte mithilfe umfangreicher Maßnahmen immerhin der Arbeitsmarkt vor schwereren Verwerfungen bewahrt werden. Doch läuft es längst nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen gut. Insbesondere in der Gruppe der unter 25-jährigen wurde seit den Lockdownmaßnahmen ab März ein recht zügiger Anstieg in der EWU-Arbeitslosenquote verzeichnet. Einer der Gründe für die rapide Verschlechterung der Jugendarbeitslosigkeit ist der Umstand, dass Unternehmen in Corona-Zeiten aufgrund erhöhter Unsicherheit deutlich weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Das stellt insbesondere all jene vor eine Herausforderung, die nach ihrem Abschluss im Corona-Sommer die Schule verlassen haben und nur schwer oder gar keine Ausbildung finden. Zudem werden befristete Arbeitsverhältnisse in den unsicheren Zeiten kaum verlängert. Die Gefahr dabei ist, dass diese Personen dauerhaft in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Je länger sich eine Person in Arbeitslosigkeit befindet, desto schwierig wird die Integration in den…