Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Der Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK, Stefan Bielmeier, kommentiert die konjunkturelle Entwicklung in Europa, den USA und den Emerging Markets, bewertet die Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Stellung zu Politik und Wirtschaftspolitik – kurz, prägnant und auf den Punkt gebracht.

Unterstützt wird Stefan Bielmeier in seinem Blog von den Konjunktur- und Finanzmarktexperten des DZ BANK Research. Lesen Sie in Bielmeiers Blog, mit welchen Themen sich das DZ BANK Research aktuell befasst, worauf die Experten ihren Fokus richten und wie sie die gesamte Entwicklung bewerten.
Es bleibt dabei: Der Weg in eine Europäische Einlagensicherung ist lang und steinig

Die Diskussion um eine gemeinsame Europäische Einlagensicherung nimmt wieder Fahrt auf. Im Februar forderte EZB-Präsident Mario Draghi, die Errichtung von EDIS (European Deposit Insurance Scheme) nicht länger aufzuschieben. Passend hierzu hat sein Institut im April eine Studie veröffentlicht. Darin kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass EDIS in der Lage wäre, die Abdeckung von Einlegerschäden auch bei erheblichen Bankenkrisen zu gewährleisten. Zuletzt hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen mit Emmanuel Macron zu Wort gemeldet. Sie erklärte die Bereitschaft Deutschlands, an einer gemeinsamen Einlagensicherung mitzuwirken. Allerdings sieht sie die Realisierung des Projekts nicht in der unmittelbaren, aber in einer ferneren Zukunft. Tatsächlich gilt es auf dem Weg zu einer Europäischen Einlagensicherung noch gewaltige Herausforderungen zu meistern. Hierzu zählt der Abbau hoher Risiken, die in den Bilanzen zahlreicher Banken schlummern. Das zeigen die „faulen Kredite“, die sich laut European Banking Authority Ende 2017 auf über 813 Mrd. Euro in Europa…

Wachstumserwartung dämpfen Aktienmarktausblick

» Das DZ BANK Research hat die Prognosen für das weltwirtschaftliche Wachstum 2018 und 2019 jüngst von 3,9% auf 3,6% gesenkt. » Der Euro Stoxx und der DAX sollten infolge der geringeren Wachstumsaussichten weniger stark ansteigen. Die neuen Prognosen per Jahresende lauten: Euro Stoxx 50 3.600 (vorher 4.000) Punkte, DAX 13.300 (vorher 14.000) Punkte. » Die Bewertung der beiden Indizes bleibt attraktiv, das Potenzial ordentlich. Es gibt unverändert gute Kaufmöglichkeiten. Die geopolitischen Risiken sind 2018 gestiegen, wenngleich sich die Lage in den vergangenen Tagen etwas beruhigt hat. Zahlreiche Gefahrenstellen (Handelskrieg USA/China, Syrienkonflikt, Iran/Saudi-Arabien) sind belebt worden, nicht zuletzt wegen US-Präsident Trump, der sich stärker denn je der Einflussnahme seiner Berater zu entziehen scheint. Die drohenden Gefahren machen zukünftig eine Zurückhaltung bei der Investitionstätigkeit von Unternehmen und Staaten wahrscheinlich, auch der Welthandel sollte schwächer wachsen. Deshalb haben wir jüngst unsere BIP-Prognosen 2018/19 für nahezu alle wichtigen Staaten zurückgenommen. Diese Reduktion hat…

Stimmungsrückgang unter den Einkaufsmanagern im Euro-Raum erstmal gestoppt

Der Rückgang der Stimmungsbarometer unter den europäischen Einkaufsmanagern ist im April nach zuletzt zwei Rückgängen in Folge erstmal gestoppt worden. Das weiterhin hohe Niveau lässt darauf schließen, dass sich das Wirtschaftswachstum auch im zweiten Quartal weiter fortsetzen wird, aber mit einem etwas geringeren Tempo. Ein Rückgang im verarbeitenden Gewerbe wurde durch bessere Ergebnisse bei den Dienstleistern ausgeglichen. Der Composite-Index, der die Einschätzungen aus beiden Bereichen komprimiert, blieb deshalb mit 55,2 Punkten gegenüber dem Vormonat unverändert. Die jüngsten Befragungsergebnisse decken sich mit unserer Einschätzung. Die Korrektur der Stimmungsindikatoren in den letzten Monaten, aber auch die Zunahme der politischen Spannungen weltweit, dürfte die Unternehmenswelt verunsichert haben. Vor diesem Hintergrund dürfte das Wirtschaftswachstum in den ersten beiden Quartalen 2018 moderater ausfallen, verglichen mit den recht kräftigen Vorquartalen. Die Länderangaben von IHS Markit zeigen, dass sich die Composite-Indikatoren in Deutschland und Frankreich auf hohem Niveau sich leicht bewegte bewegten. Demnach dürfte das Sentiment im…

Deutsche Bank, Credit Suisse und UBS: was verbindet, was trennt

Die Deutsche Bank, Credit Suisse und UBS erzielen als global agierende Universalbanken große Teile ihrer Erträge außerhalb ihres angestammten Heimatmarktes, so dass neben der konjunkturellen Entwicklung des Heimatlandes die Entwicklung der Weltwirtschaft und der globalen Vermögen den wirtschaftlichen Rahmen für ihre Aktivitäten bilden. Die konjunkturelle Lage ist derzeit weltweit insgesamt freundlich und wird dies auch auf Sicht der kommenden zwei Jahre bleiben. UBS konnte in den vergangenen Jahren konstantere und höhere Erträge als Credit Suisse und die Deutsche Bank erzielen. Dies zeigt, dass ihre Aktivitäten nach weitgehend vollendeter Umstrukturierung bereits besser an das veränderte ökonomische Umfeld und die höheren regulatorischen Anforderungen angepasst sind. Credit Suisse ist derzeit mit der Umsetzung der strategischen Ausrichtung, die die Vermögensverwaltung und dessen weiteres Wachstum in den Vordergrund stellt, sowie dem Altlastenabbau beschäftigt. Trotz erheblicher Fortschritte liegen jedoch noch weiterer finanzieller und organisatorischer Aufwand sowie Umsetzungsrisiken vor ihr, die die Ertragskraft und das Risikoprofil der…

SNB hakt Kapitel „EUR-CHF-Wechselkursuntergrenze“ ab

Drei Jahre, drei Monate und vier Tage nachdem die Schweizerische Nationalbank ihre Untergrenze in Euro-Franken aufgegeben hat, ist es passiert. Erstmals seit dem 15. Januar 2015 ist das Währungspaar gestern Abend wieder über die Marke von 1,2000 CHF geklettert. Selbst die für ihre Zurückhaltung bekannten Schweizer dürften dieses Ereignis mit einer gewissen Euphorie aufgenommen haben, können sie doch damit das schwierige und umstrittene Kapitel „Wechselkursuntergrenze“ als endgültig abgehakt ansehen. Interessanterweise waren es vorrangig Faktoren außerhalb der Schweiz, die zu der Euro-Franken-Bewegung seit dem zweiten Quartal 2017 beigetragen haben. (Zur Erinnerung: vor rund einem Jahr lag das Währungspaar noch bei Kursen um 1,0650 CHF.) Insbesondere der mit dem Sieg von Emmanuel Macron aus EWU-Sicht erfreuliche Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen und die Aussicht auf ein Ende der ultra-expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gaben dem Euro gegenüber dem Franken Auftrieb. Auslöser des jüngsten Anstiegs des Währungspaares dürften hingegen die von den USA erlassenen…

Datenschutz und Social Media: Hier kommt zusammen, was bislang nicht zusammen passt.

Die letzten Wochen waren für Facebook turbulent. So musste Facebook einräumen, dass persönliche Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern des Sozialen Netzwerkes „Facebook“ von einem ehemaligen Psychologie-Professor im Rahmen einer Meinungsumfrage unbefugt an das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica verkauft wurden. Diese steht im Verdacht, die erworbenen Datensätze u.a. für Wahlkampagnen des US-Präsidenten Donald Trump verwendet zu haben. Die Alphabet-Tochter Google geriet 2017 in die Kritik, als das Videoportal „YouTube“ Werbung renommierter Unternehmen im Umfeld von extremistischen und rassistischen Inhalten platzierte. Die beiden „Online-Giganten“ haben in den letzten Jahren mit der Sammlung und der Auswertung von persönlichen Daten – dem „Gold des 21. Jahrhunderts“ – für die Bereitstellung von zielgruppenspezifischer Online-Werbung enorme Erfolge erzielt. Zwischen 2012 und 2017 wuchs der Umsatz bei Facebook im Durchschnitt über 40% pro Jahr; bei Alphabet betrug der Wert rund 15%. Einige Dienste der Unternehmen werden zum Teil von mehr als einer Milliarde Menschen genutzt. Dabei…