Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Keine Aufbruchstimmung unter den Einkaufsmanagern im Euro-Raum

Ein schwungvoller Start in das zweite Quartal sieht anders aus. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euro-Raum ist im April leicht von 51,6 auf 51,3 Indexpunkte gesunken. Dabei gab das Stimmungsbarometer für den Dienstleistungsbereich etwas nach. Das Pendant für das verarbeitende Gewerbe stieg um 0,3 Punkte, blieb aber mit 47,8 Zählern unter der Wachstumsschwelle. Die Dienstleister in Deutschland und in Frankreich zeigten sich optimistischer, während das verarbeitende Gewerbe noch immer mit Nachfrageproblemen zu kämpfen hat. Dies dämpft den Optimismus. Die Bedenken konzentrierten sich gemäß den befragten Einkaufsmanagern auf die zunehmende politische Unsicherheit einschließlich Brexit, Handelskriege und Protektionismus. Auch der Automobilsektor wurde erneut häufig als Problembereich genannt. In der Summe hat sich an den Belastungsfaktoren in der europäischen Privatwirtschaft im April nichts geändert. Auf Basis der vorliegenden Befragungsindikatoren dürfte damit keine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums im Euro-Raum zu erwarten sein, zumal sich im Rest des Währungsgebiets die Stimmungslage zuletzt wohl schlechter entwickelt hat…

Deutsche Industrie spürt den Gegenwind

Das letzte halbe Jahr war nicht einfach für den erfolgsverwöhnten Industriesektor in Deutschland: Die Weltkonjunktur schwächt sich ab, der Handelsstreit zwischen den USA und China hat auch die nicht direkt beteiligten deutschen Unternehmen empfindlich in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kamen einige hausgemachte Probleme, insbesondere im Automobilsektor. Die Auftragslage, vor etwa einem Jahr noch geradezu überschäumend, hat sich rapide verschlechtert. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auch auf die heimische Konjunktur. Zwar ist der Arbeitsmarkt nach wie vor stabil und die Bauwirtschaft boomt. Der Dienstleistungssektor zeigt sich bislang ebenfalls kaum beeinflusst von der internationalen Abkühlung. Dennoch dämpft der stotternde Industrieoutput auch das Wachstum. Schließlich ist das gesamtwirtschaftliche Gewicht des deutschen Industriesektors mit mehr als 23 Prozent unter den Industrieländern eines der höchsten. Wirtschaftsminister Altmaier möchte den Anteil der Industrie an der Wertschöpfung gerne noch weiter erhöhen, und zwar mittels industriepolitischer Maßnahmen. Allerdings hat die langfristige Entwicklung gezeigt, dass die Industrieunternehmen in Deutschland bisher…

Europäische Politik gewinnt an Bedeutung

Es ist noch nicht lange her, da war die Europawahl kein nennenswertes Ereignis, und Brüssel war für viele Politiker (freiwillig oder nicht) eine bequeme Endstation ihrer Karriere. Dies hat sich deutlich gewandelt. Das Europa-Parlament und die Europäische Kommission haben sich zu wichtigen Elementen der europäischen, aber auch nationalen Politik entwickelt. Viele politische Impulse kommen zwischenzeitlich aus Brüssel, und die Weiterentwicklung der EU wird hier in Zusammenarbeit mit den Regierungschefs orchestriert. Umso wichtiger wird sein, die demokratische Legitimation zu stärken und den Einfluss von nationalen Interessen in geordneten Bahnen zu halten. Vor diesem Hintergrund wäre ein Initiativrecht des EU-Parlaments eine wichtige Weiterentwicklung. Jedoch wird dies wohl noch einige Zeit dauern. Wir erleben in den letzten Wahlen eine zunehmende Spreizung der politischen Meinung. Parteien an den Rändern des politischen Spektrums werden gestärkt, zulasten des politischen Mainstreams. Ein gemeinsamer Faktor dürfte die steigende Zukunftsangst der Menschen sein. Über die hohe Veränderungsgeschwindigkeit in den…

Apple und Qualcomm schließen Frieden

Die beiden Technologieunternehmen Apple und Qualcomm haben ihren seit Jahren andauernden Patenstreit beigelegt – nur wenige Stunden, nachdem in den USA die Gerichtsverhandlung über den Disput begonnen hatte. Der „iPhone“-Hersteller warf Qualcomm vor, zu hohe Lizenzgebühren für Smartphone-Patente zu verlangen und wies deshalb seine Auftragsfertiger an, keine Lizenzzahlungen an den Chipentwickler zu leisten. Qualcomm verklagte Apple daraufhin wegen der Nutzung von Patenten ohne damit einhergehenden Zahlungen. Die nun getroffene Vereinbarung gilt rückwirkend ab dem 01. April 2019 und beendet alle weltweit laufenden Gerichtsverfahren: sowohl zwischen den beiden Unternehmen als auch zwischen Apples Auftragsfertigern und Qualcomm. Die Konzerne haben sich auf ein sechs Jahre laufendes Lizenzabkommen verständigt, mit der Option, dieses um zwei Jahre zu verlängern. Apple wird während dieser Zeit Lizenzzahlungen an Qualcomm leisten. Darüber hinaus hat sich Apple zu einer Einmalzahlung in ungenannter Höhe verpflichtet, um Qualcomm für die entgangenen Lizenzzahlungen zu entschädigen. Ferner wurde ein mehrjähriges Abkommen geschlossen,…

Wirtschaftsminister senkt Prognose auf 0,5 Prozent – warum?

Wie bereits vermutet hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier seine Prognose für das Wirtschaftswachstum 2019 abermals gesenkt – von 1,0 auf 0,5 Prozent. Damit positioniert sich die Bundesregierung also skeptischer im Hinblick auf die konjunkturellen Perspektiven als die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute in ihrer vor knapp zwei Wochen veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose. Denn im vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten erwarten die Institute für das laufende Jahr in Deutschland eine Wachstumsrate von 0,8 Prozent. Die deutliche Abweichung von der geballten und eigens beauftragten Expertenkompetenz überrascht etwas. Die Gründe dahinter mögen politischer Natur sein, auch wenn sich Minister Altmaier bei der Vorstellung der Prognose ausdrücklich gegen ein staatliches Konjunkturprogramm ausgesprochen hat. Die ökonomische Ratio der neuen Prognose erschließt sich jedenfalls nicht ohne Weiteres. Das für die Prognose des Gesamtjahres sehr wichtige erste Quartal liegt hinter uns, die Wachstumsrate in Q1 wird jedoch erst in etwa vier Wochen veröffentlicht. Die Institute gehen in ihrem Gutachten von einem Wachstum…

China: Konjunkturmaßnahmen zeigen erste Wirkung

Chinas Konjunktur scheint sich gefangen zu haben. Das Wirtschaftswachstum hat sich zu Jahresbeginn bei 6,4% stabilisiert. Das ist eine positive Überraschung. Vor allem die sehr dynamische Beschleunigung der Industrieproduktion im März um drei Prozentpunkte auf 8,5% zeigt, dass die Konjunkturmaßnahmen wirken, welche die chinesische Regierung in den letzten Wochen angestoßen hat. Auch die staatliche Investitionstätigkeit und die Investitionen in die Infrastruktur haben weiter angezogen. Nicht unproblematisch ist sicherlich, dass es sich dabei zum wiederholten Male um die „alten“ Anschubhilfen mit den typischen längerfristigen Risiken für die Finanzstabilität und das Potenzialwachstum handelt. Davor hat die OECD Peking gerade erst gewarnt. Zu begrüßen ist dagegen der Schub für den privaten Konsum durch die Mehrwertsteuersenkung von 16 auf 13%. Er dürfte auch der stark gesunkenen Automobilnachfrage „unter die Arme greifen“. Sichtbare Effekte stehen hier allerdings noch aus. Noch ist es sicherlich zu früh, bereits die Kehrtwende für Chinas Konjunktur auszurufen. In den kommenden…