Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Zolldrohungen der USA schweben wie ein Damoklesschwert über der deutschen Autoindustrie

Am 25. Juli des vergangenen Jahres konnte EU-Kommissionspräsident Juncker den US-Präsidenten Trump noch von der Einführung von Strafzöllen auf Autos abbringen. Zuletzt sind die Sorgen über amerikanische Strafzölle für europäische Autos aber wieder gewachsen. Das US-Handelsministerium könnte den Import von Autos und Autoteilen als Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit des Landes einschätzen und damit aus amerikanischer Sicht die Grundlage für die Einführung von Strafzöllen schaffen. Die deutsche Autoindustrie entwickelte sich in den vergangenen Jahren insgesamt durchaus erfreulich. Daran änderten auch der Dieselskandal und die drohenden Einfahrverbote in einige deutsche Großstädte zunächst nur wenig. Mittlerweile zeigt die Automobilkonjunktur aber Bremsspuren: 2018 haben die Aufträge aus dem Euro-Ausland um über 7 Prozent nachgegeben. Im Inland sieht es mit einem Rückgang von über 4 Prozent kaum besser aus. Lediglich aus dem Nicht-Euro-Ausland sind die Auftragseingänge für die deutsche Autoindustrie noch gestiegen (+2,4 Prozent). Angesichts dieser Entwicklung kämen Strafzölle der Vereinigten Staaten zu einer denkbar…

Brexit: Finanzmärkte erwarten weiterhin einen glimpflichen Ausgang

Die britische Premierministerin erlitt letzte Woche eine weitere Niederlage im Unterhaus und es ist derzeit unklar, wie es nun weitergeht. Was wir wissen, ist, dass das Parlament am 27. Februar eine weitere Abstimmung abhalten wird. Noch unklar ist, ob es sich dabei lediglich um eine Abstimmung über einen weiteren Regierungsantrag handelt, oder um die sogenannte „meaningful vote“, also die Abstimmung über das EU-Austrittsabkommen. Ersteres erscheint uns derzeit wahrscheinlicher. Zwar hindert Premierministerin May theoretisch nichts daran, ihren Deal immer wieder vor das Parlament zu bringen, sie wird jedoch alles daransetzen, eine erneute Niederlage zu vermeiden. May dürfte ihren Deal also erst dann wieder vorlegen, wenn eine realistische Chance besteht, die Zustimmung des Parlaments zu bekommen. Dies ist nur unter zwei Bedingungen denkbar: Entweder a) die EU macht die Zugeständnisse, die das britische Parlament fordert, oder b) das Parlament sieht keine andere Möglichkeit mehr, einen No-Deal-Brexit zu verhindern. Ersteres scheint derzeit unwahrscheinlich,…

USA: Einigung beim Bundeshaushalt, aber Trump treibt die politische Eskalation weiter voran

Vor wenigen Tagen haben sich die beiden Parteiblöcke und der US-Präsident kurz vor Fristende beim Budgetstreit geeinigt. Die erneute Schließung von zahlreichen Bundesbehörden wurde dadurch verhindert – das war eine gute Nachricht von der US-Politik. Unmittelbar nach dem erzielten Kompromiss rief Präsident Trump jedoch den nationalen Notstand aus, um vollumfänglich an die von ihm geforderten Gelder für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko zu gelangen. Damit ist nicht nur die erhoffte innenpolitische Entspannung ausgeblieben, sondern die Konfrontation ist stattdessen weiter eskaliert. Die demokratische Partei und auch einzelne Bundesstaaten haben bereits erklärt, politisch und auch juristisch dagegen vorzugehen. Trump hat den Notstand nur ausgerufen hat, um die Budgethoheit des Kongresses zu umgehen. Damit schafft er einen Präzedenzfall in der amerikanischen Geschichte. So viele Befugnisse der amerikanische Präsident auch bei der Außenpolitik hat, innenpolitisch ist er meist auf die Zustimmung des Senats und des Repräsentantenhauses angewiesen. Mithilfe des vermeintlichen…

Spanien steht vor Neuwahlen

In Spanien hat das Unterhaus bereits am Mittwoch den Haushaltsentwurf von Premier Sánchez mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die separatistischen Parteien Kataloniens, auf deren Unterstützung die Minderheitsregierung von Sánchez angewiesen ist, stimmten mit den Konservativen und den Liberalen gegen das Budget. Sánchez hatte zuvor die Forderungen der Unabhängigkeitsparteien abgelehnt, sich unter anderem gegen das Gerichtsverfahren gegen die Separatistenführer wegen des katalanischen Unabhängigkeitsreferendums im Oktober 2017 auszusprechen. Damit sind Neuwahlen sehr wahrscheinlich – schon wieder! Sánchez möchte dazu heute nach einem Kabinettstreffen Stellung nehmen. Mögliche Wahltermine sind der 14. oder 28. April oder der 26. Mai, wenn die Spanier auch für die Europa- sowie die Regional- und Kommunalwahlen an die Urnen treten. Auf Basis der aktuellen Umfragen würden die Sozialisten die stärkste Fraktion im Parlament stellen. Die parlamentarische Mehrheit bliebe aber in weiter Ferne. Selbst eine potenzielle Koalition mit der linkspopulistischen Unidos Podemos bringt es aktuell nur auf rund 40%. Es ist…

Japans Konjunktur erholt sich am Jahresende 2018 nur leicht

Die japanische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2018 einer ersten amtlichen Schätzung zufolge um 0,3% gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Sie hat sich damit von dem durch Naturereignisse (Erdbeben, heftige Taifunsaison) bedingten Einbruch von 0,7% im dritten Quartal etwas erholt, wenn auch nicht im ursprünglich erhofften Ausmaß. Für das Gesamtjahr 2018 ergibt sich nun eine Wachstumsrate von 0,7%. Der private Konsum in Japan als wichtigste Nachfragekomponente hat sich gegen Jahresende insgesamt gut entwickelt und konnte mit einem Plus von 0,6% den Rückgang aus dem Vorquartal mehr als ausgleichen. Auch die Investitionsaktivitäten der Unternehmen, die im Spätsommer von erdbebenbedingten Unterbrechungen der Lieferketten und Produktionsstopps besonders stark betroffen waren, sind zuletzt wieder angestiegen. Das Plus von 1,5% gegenüber dem dritten Quartal hat bei ihnen aber nicht ausgereicht, die negative Rate des Vorquartals zu kompensieren. Dasselbe gilt für die Exporte. Diese leiden offenbar nun stärker unter der schwächeren Nachfragedynamik in China. Dessen Handelskonflikt mit…

Die zwei Seelen der EZB

In den zurückliegenden Wochen haben sich Spekulationen belebt, wonach die EZB eine neue Liquiditätsspritze für europäische Banken auf den Weg bringen könnte. Neue Langfristtender würden es den Währungshütern grundsätzlich ermöglichen, sicherzustellen, dass die Finanzierungsbedingungen auch nach Fälligkeit der derzeit ausstehenden TLTRO-II-Operationen weiterhin günstig bleiben. Bemerkenswert ist, dass über diese Thematik bereits heute debattiert wird. Der erste TLTRO-II-Tender wird allerdings erst im Juni 2020 fällig. Die zeitliche Brisanz resultiert aus bankregulatorischen Anforderungen. Sinkt die Restlaufzeit von Fundingmitteln unter ein Jahr, können diese für gewisse Kennzahlen (Net Stable Funding Ratio / Liquidity Coverage Ratio) nicht mehr herangezogen werden. Insbesondere Banken in der europäischen Peripherie – insbesondere italienische und spanische Banken – könnten vor diesem Hintergrund gezwungen sein, ihre Bilanzen zu reduzieren, um die erforderlichen Quoten einzuhalten. Eine eingeschränkte und teurere Kreditvergabe wäre eine mögliche unerwünschte Folge hiervon. Zudem wäre es auch vorstellbar, dass die Banken ihren Staatsanleihebestand abbauen. Höhere Risikoaufschläge wären eine…