Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Deutscher Herbst 2018: Konjunktur mit Enttäuschungen

Die Inflationsrate ist im Oktober 2018 auf den höchsten Stand seit zehn Jahren angestiegen, und das bei einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung im abgelaufenen dritten Quartal. Eine ziemlich unangenehme Kombination –  nach den vielen Erfolgsmeldungen zur deutschen Konjunktur in den letzten Jahren. Doch so schlecht, wie es diese Meldungen auf den ersten Blick aussehen lassen, ist die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland auch nicht. Die relativ hohe Inflationsrate von 2,5% geht zu einem guten Teil auf die Verteuerung von Heizöl und Benzin zurück. Ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte hätte die Teuerungsrate nur bei 1,7 % gelegen, und damit im Trend des letzten Jahres. Auf dem Spotmarkt ist der Ölpreis aber seit seinem Hoch Anfang Oktober schon wieder um rund 20% gefallen. Das dürfte sich bald auch an den Tankstellen niederschlagen, zumindest sobald die aktuellen Transportprobleme überwunden sind. Auch beim Wachstum dürfte die schwache Zahl aus dem dritten Quartal (-0,2 % Q/Q) ein Ausreißer gewesen…

Bitcoin in „stabiler Seitenlage“, aber noch lange nicht tot

Ende Oktober 2008 erlebte Bitcoin offiziell seine Geburtsstunde, und trotz der seither zweifelsfrei geschriebenen Erfolgsschichte dürfte sich das Urgestein der Kryptowährungen seinen zehnten Geburtstag sicherlich etwas anders vorgestellt haben – gerade vor dem Hintergrund der Euphorie, die in der zweiten Hälfte letzten Jahres aufgekommen war. Ausgehend von knapp 20.000 USD Mitte Dezember 2017 erreichte der Bitcoin-Kurs Ende Juni sein bisheriges Jahrestief knapp unter 5.800 USD. Nicht nur für Bitcoin, sondern für das gesamte Segment war das Jahr 2018 bislang eher eine Enttäuschung. Ursachen für den Einbruch der Kurse von Bitcoin & Co. gibt es einige. Zunächst dürfte die vorübergehend aufgekeimte Erwartung eines zeitnah bevorstehenden Siegeszuges von Kryptowährungen gegenüber traditionellem Geld übertrieben gewesen sein. Selbiges gilt für die Hoffnung, dass etablierte Investoren und Finanzhäuser in großem Stil in das Segment einsteigen würden. Das derzeitige, von diversen globalen Unruhequellen und einer restriktiver werdenden US-Geldpolitik geprägte Finanzmarktumfeld macht es den Kryptowährungen darüber hinaus…

Der Brexit-Adventskalender

Es ist ein Hauen und Stechen. Egal wie oft die eine oder andere Seite bereits verlauten lies, dass eine Einigung kurz bevorstehe: was die kritischen Fragen betrifft, sind sich die Unterhändler in Brüssel weiterhin uneins. Erschwert wird ihre Aufgabe durch die andauernden innenpolitischen Querelen in Westminster, wo sich Brexit-Hardliner und Befürworter eines moderateren Kurses unversöhnlich gegenüberstehen. Trotz langwieriger Sitzungen ist es der Premierministerin bislang noch nicht einmal gelungen, ihr Kabinett auf eine Linie zu bringen – ganz zu schweigen vom Parlament. Der Brexit-Zeitplan sieht vor diesem Hintergrund zunehmend ambitioniert aus. Nachdem der ursprünglich angedachte November-Sondergipfel nun wohl endgültig vom Tisch zu sein scheint, steht der Dezember-Gipfel (13/14.) im Fokus. Spätestens dann muss eine Einigung erreicht werden und bereits wenige Tage später, so plant es die Premierministerin, soll das britische Parlament den Vertrag vorgelegt bekommen. Gelingt es May die Mehrheit zu erreichen, würde der Ratifizierungsprozess dann ab Anfang Januar weiterlaufen: das…

Großbritannien: Kräftiges Wachstum im Sommer nur ein Strohfeuer

Die britische Wirtschaft hat erneut mit einem soliden Wachstum überrascht. Im zurückliegenden dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen – der höchste vierteljährliche Zuwachs seit fast zwei Jahren. Im Jahresverlauf hat sich das Wirtschaftswachstum damit sichtbar beschleunigt. Übergroßer Optimismus, dass die Wachstumsrisiken durch die Brexit-Unsicherheit vernachlässigt werden können, ist jetzt allerdings fehl am Platz. Der Wachstumsschub ist primär auf zwei Sondereffekte zurückzuführen: Die günstige Witterung während der Sommermonate, die die Bautätigkeit beflügelt hat, und kräftige Exporte, die von Vorzieheffekten profitiert haben. Mit Blick auf das hohe Risiko eines „No deal“-Brexits, der den britischen Außenhandel im kommenden Frühjahr drastisch ausbremsen würde, beginnen sich die Handelspartner der Briten augenscheinlich, mit unverzichtbaren Produkten aus Großbritannien einzudecken. Damit dürfte das BIP-Wachstum in diesem Jahr wohl etwas höher ausfallen als bislang geschätzt. An unserem vorsichtigen Konjunkturausblick halten wir dennoch unverändert fest. Im laufenden vierten Quartal rechnen wir nur noch…

Fed: Zins (noch) unverändert

Beim jüngsten Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurde der Leitzinskorridor wie allgemein erwartet unverändert gelassen. Schon im letzten Statement hatten sich die Währungshüter sehr optimistisch bezüglich des Wirtschaftswachstums geäußert. An diesem positiven Tenor hielten die Fed-Oberen fest. So haben die Währungshüter bestätigt, dass die Binnenkonjunktur sehr stark ausfalle. Die Arbeitslosenquote wird nun als „fallend“ und nicht mehr als „tief“ betrachtet. Nur die Unternehmensinvestitionen fielen im Vergleich zum kräftigen Anstieg zu Beginn des Jahres moderater aus. Die Inflationserwartungen seien unverändert. Insgesamt gaben die FOMC-Mitglieder zu Protokoll, dass die wirtschaftlichen Risiken ausgeglichen seien. Vor diesem Hintergrund seien weitere, graduelle Zinserhöhungen angebracht. Eine Leitzinserhöhung im Dezember dürfte daher höchstwahrscheinlich sein. So steht zu befürchten, dass ein starkes Wirtschaftswachstum, höhere Zölle und steigende Löhne zu einem zunehmenden Inflationsdruck führen. Die geldpolitische Ausrichtung wurde wie in den vergangenen Monaten einstimmig beschlossen. Unveränderte Leitzinsen sowie ein nahezu gleichgebliebenes FOMC-Statement waren im Vorfeld der geldpolitischen Ratssitzung der…

Dürre verknappt Milchaufkommen

Seit März 2017 liegen die den Molkereien angelieferten Milchmengen recht spürbar über den entsprechenden Vorjahresniveaus. Damit reagieren die Milchviehhalter auf die positiven Margen im vergangenen Jahr, die aus einer Kombination von hohen Milchpreisen und begrenzten Futtermittelkosten resultierten. Im bisherigen Jahresverlauf wurden in Europa mit 107,4 Mio. Tonnen 1,3% mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum. Die deutschen Anlieferungen veränderten sich auf EU-Datenbasis hingegen kaum (+0,6% J/J). Das steigende Milchaufkommen konnte nicht vollumfänglich von der heimischen Nachfrage und den Exporten kompensiert werden. Als Folge ist der vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (ife) erhobene Milchpreis im bisherigen Jahresverlauf um 22% gefallen. Allerdings sind die Daten der Europäischen Union zeitlich stark verzögert. Somit ist die langanhaltende sommerliche Dürre- und Trockenperiode nicht vollständig reflektiert. Wegen der Hitze ist es erstens zu einer erheblichen Verknappung bei der Grundversorgung von Futtermitteln gekommen. Zweitens legten sogar die Schlachtungen von Milchkühen und Färsen (ungekalbte Kuh) zu. Daher ist in…