EZB-Ratssitzung: Leitzinsphantasie auf dem Rückzug?

Wie von uns erwartet hat die EZB auf ihrer gestrigen Ratssitzung den Leitzins unverändert bei 1,25% gelassen. Wie ebenfalls erwartet verwendete Jean-Claude Trichet die Wendung „starke Wachsamkeit“ (strong vigilance), die auf eine Erhöhung im Juni hingedeutet hätte, nicht.

Die Renten- und Währungsmärkte haben umgehend reagiert. So sind die Renditen deutlich gesunken, wobei der Rückgang bei den kurzen Laufzeiten besonders ausgeprägt. war. Enttäuscht vom Fehlen der besagten Schlagwörter hat auch der Euro im gestrigen Handelsverlauf deutlich nachgegeben. Im Tief hat er sich bei etwa 1,4530 USD gezeigt (nach rund 1,49 USD am Donnerstagmorgen). Bemerkenswert ist, wie deutlich Trichet die US-Politik des starken Dollars betont hat. Und dies nicht nur durch einen kurzen Hinweis, wie wir es sonst von ihm gewohnt sind, sondern sogar das wörtliche und ausführlichere Zitieren von Finanzminister Geithner UND Notenbankchef Bernanke. Es liegt nahe, zu unterstellen, dass die jüngste Euro-Rally ein wichtiger Aspekt war, der die EZB zu der für Juni anvisierten Zinspause motiviert hat.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Die EZB hält an ihrem Kurs der graduellen Zinserhöhungen fest. Schritte von 25 Basispunkten im Abstand von drei Monaten erscheinen uns weiterhin als die wahrscheinlichste Variante. Der relative Zinsausblick EZB vs. Fed spricht mittel- und langfristig weiter für den Euro; die derzeitige Korrektur ist aber absolut angemessen, da der Euro zu schnell zu weit vorangeprescht war.

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