Tritt Griechenland aus der Währungsunion aus?

In den zurückliegenden Tagen hat Griechenland erneut für Schlagzeilen gesorgt. Eine Voraussetzung für die Gewährung der Hilfsgelder durch die internationale Staatengemeinschaft war, dass Griechenland die Schuldenlast in den Griff bekommt. Sollte der IWF das bei seiner turnusmäßigen Überprüfung der griechischen Staatsverschuldung im Juni in Zweifel ziehen, dürfte eine Umschuldung schon vor dem Auslaufen des Hilfspaketes Mitte 2013 wahrscheinlich werden. 

Im Moment werden ernsthaft drei Szenarien diskutiert: Zusätzliche Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds, eine freiwillige Verlängerung der Laufzeiten griechischer Verbindlichkeiten oder eine Restrukturierung der griechischen Schulden.

Auch ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wird derzeit thematisiert. Wenn das geschähe, würde mit Sicherheit auch das griechische Bankensystem kollabieren. Ein noch viel größeres Problem wären die Ansteckungsgefahren für Irland und Portugal und anschließend für Spanien und Italien, so dass wir diese Option für wenig realistisch halten.

Anfang nächster Woche werden sich die Finanzminister der Euroländer erneut treffen, um über die Notwendigkeit weiterer Hilfen zu diskutieren. Auch der Wunsch der Griechen, mehr Zeit für die Restrukturierung zu bekommen, wird geprüft werden.

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4 Kommentare

Alexander Steinmetz

Ist abzusehen, welche genauen Auswirkung ein sicher unwahrscheinlicher Austritt Griechenlands aus der Währungsunion auf einen zukünftigen Aussenwert des Euros haben könnte?

DZ BANK Research

Im – aus unserer Sicht sehr unwahrscheinlichen – Falle eines Austritts Griechenlands aus der EWU würden wohl auch Länder wie Portugal und Irland noch stärker unter Druck geraten. Das würde Diskussionen über ein Ende des Euros provozieren, so dass der Euro auf kurze und mittlere Sicht wohl gegenüber dem Dollars abwerten würde.

Alexander Steinmetz

Ja, einverstanden, nur müsste bei einem solchen Szenario langfristig nicht der Euro aufwerten, da die vermeindlich schwachen Länder aus dem Währungskorb draussen sind?

DZ BANK Research

Würde die „neue“ Währungsunion nur nach der Summe der Stärke der teilnehmenden Volkswirtschaften beurteilt, müsste der Euro in der Tat aufwerten. Damit rechnen wir allerdings nicht.

Vielmehr glauben wir, dass in dem – um es nochmal zu betonen – für uns unwahrscheinlichen Fall eines EWU-Austritts die Grundidee einer Währungsunion nachhaltig beschädigt wäre. Dieser Vertrauensverlust dürfte kaum wieder gut zu machen sein, auch dann nicht, wenn sich nur strukturell starke Länder den neuen Euro teilen würden. Wie sollte die Politik uns denn glaubhaft versichern, dass nicht auch aus diesem verkleinerten Teilnehmerkreis weitere Austritte drohen, beispielsweise falls eines der Länder in eine Wirtschaftskrise gerät oder mit der gemeinsamen EZB-Zinspolitik nicht einverstanden wäre? Der Spekulation auf den nächsten Exit-Kandidaten wären Tür und Tor geöffnet; der Startschuss zur Rückkehr zu nationalen europäischen Währungen wäre gegeben.

Wir glauben, dass der Reputationsverlust des Euro für eine Abwertung sprechen würde. Insbesondere internationale Investoren, die den Euro als potentielle Alternative zum US-Dollar als Weltleitwährung sehen, würden durch einen hypothetischen Austritt Griechenlands von Investitionen im Euroraum abgeschreckt. Auch wenn wir den freiwilligen Austritt Griechenlands für töricht halten und nicht damit rechnen, ist dennoch zu befürchten, dass die Spekulation über eben diesen Austritt auch weiter auf dem Euro lasten wird.

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