Keine Entwarnung im Reich der Mitte

In China bleibt die Inflation hoch: Sie hat im April nur leicht auf 5,3 Prozent nachgegeben, weit weniger als saisonüblich. Der Preisanstieg bei den Agrarrohstoffen heizt die Nahrungsmittelinflation an – die Rate ist hier seit Monaten zweistellig und trägt mehr als die Hälfte zur hohen Gesamtinflation bei. Angesichts der aktuellen Preissituation an den Agrarmärkten ist vorerst auch kein sichtbarer Rückgang der Inflation in China zu erwarten, sondern allenfalls in der zweiten Jahreshälfte.

Natürlich kann die People’s Bank of China versuchen, die Inflation mit weiteren Zins- und Mindestreservesatzerhöhungen einzudämmen – und das wird sie unseres Erachtens auch tun. Weit effektiver wäre aber eine deutliche Aufwertung des Yuan. Dies scheint in Peking allmählich auch anzukommen. Die Regierung ließ durchklingen, dass sie währungspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation nicht mehr ausschließt. Immerhin hat der Yuan allein seit Ostern um mehr als 0,5 Prozent aufgewertet – für Peking ist das viel.

So oder so – die chinesische Wirtschaft wird in den kommenden Quartalen an Schwung verlieren. Hinzu kommen die kurzfristigen Auswirkungen des Produktionseinbruchs in Japan, ab Jahresmitte sind aber auch positive Nachholeffekte möglich. Eine sichtbare Abkühlung erwarten wir für den Bausektor, der früher oder später auf die erheblich verschärften Kreditkonditionen reagieren wird. Natürlich besteht das Risiko, dass die Korrektur zu drastisch ausfällt und damit auch die Weltwirtschaft erheblich belastet würde. Dieses Risiko halten wir aber für gering, denn Peking agiert wirtschaftspolitisch sehr vorsichtig und nimmt eher eine Überhitzung in Kauf, als einen Einbruch zu riskieren.

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