Währungen – Beruhigung der EWU-Schuldenkrise wohl nur temporär

Nachdem der Euro angesichts der wieder in den Fokus gerückten europäischen Schuldenkrise auch in der zurückliegenden Woche weiter gegenüber dem US-Dollar unter Abgabedruck gestanden hat, haben die jüngsten europäischen Beschlüsse, Portugal finanziell unter die Arme zu greifen, zu Wochenbeginn zu einer zumindest temporären Beruhigung der Schuldenkrise geführt. Dem Euro sind damit in den letzten Tagen weitere Kursverluste erspart geblieben.

Ausgehend von Kursen im Tief bei etwa 1,4045 USD konnte sich der Euro hingegen jüngst wieder im Bereich zwischen rund 1,4100 USD und 1,4300 USD stabilisieren. Angesichts der Tatsache, dass nach wie vor offen ist, wie mit den griechischen Schulden weiter verfahren wird, bewegt sich der Euro immer noch auf dünnem Eis. Da mit Blick auf den Umgang mit der griechischen Staatsschuld erst bei dem EU-Treffen im Juni mit endgültigen Beschlüssen zu rechnen ist, dürfte dem Markt bis dahin nichts anderes übrig bleiben, als abzuwarten und weiter zu spekulieren. Vor diesem Hintergrund rechnen wir in Euro-Dollar in den kommenden Wochen mit einem unter dem Strich volatilen sowie seitwärtsorientierten Geschehen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

6 Kommentare

Ayhan Güler

In der Vergangenheit war zu beobachten, dass die Währungspaare EUR/CHF und EUR/JPY bei unterschiedlicher Intensität in die gleiche Richtung tendierten. Dies scheint nicht mehr der Fall zu sein. Wie kann man sich dies erklären? Wie sehen Sie die künftige Kursentwicklung EUR/CHF?

DZ BANK Research

Während zuletzt hauptsächlich der Faktor Risiko eine Rolle gespielt hat, scheinen nun auch wieder zusätzlich fundamentale Aspekte und Erwartungen zu greifen. Die Schweiz steht aus fundamentaler Sicht besser da als Japan. Hinzu kommt die Erwartung, dass die SNB gegen Ende des Jahres mit ihrer geldpolitischen Normalisierung beginnen dürfte, während die BoJ die Leitzinsen angesichts der Naturkatastrophe im Land auf absehbare Zeit auf dem derzeit historisch niedrigen Niveau belassen wird. Diese unterschiedlichen Erwartungen mit Blick auf die Leitzinsentwicklung sowie die verschiedenen konjunkturellen Situationen in diesen Ländern sind ein wichtiger Grund, weshalb diese Währungspaare momentan getrennte Wege gehen und damit für einen gegenüber dem Euro vergleichsweise stärkeren Franken sorgen. Auf mittlere Sicht gehen wir davon aus, dass der Euro gegenüber dem Franken wieder an Boden gutmachen kann. So spiegelt sich die momentan bereits ausgeweitete Zinsdifferenz im zweijährigen Bereich im gegenwärtigen Wechselkursniveau nur unzureichend wider. Doch bevor der Euro deutliche Kursgewinne gegenüber dem Franken verbuchen kann, müssen die Sorgen im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise wieder in den Hintergrund rücken.

Alexander Steinmetz

Jetzt sind wir heute schon wieder im Schweizer Franken unter den Kurs von 1,25 gefallen. Wie weit wird denn hier die Reise noch gehen, bis der Euro seine lang erwartete und von vielen erhoffte Erholung starten wird? Gibt es für die SNB bzw. die Schweizer Wirtschaft eine absolute Untergrenze oder ist hier in den nächsten Wochen und Monaten noch jeder Kurs denkbar?

DZ BANK Research

Anhaltende Sorgen um die europäische Schuldenkrise bringen den Euro auf breiter Front unter Abgabedruck. Gegenüber dem Franken hat sich die europäische Einheitswährung bedrohlich dem bisherigen Allzeittief von 1,2400 CHF angenähert. Ein Rutsch unter diese Marke kann in den kommenden Tagen leider nicht ausgeschlossen werden.
Die SNB-Oberen haben bereits ihr Unbehagen gegenüber dem aktuellen Wechselkursniveau kundgetan, ohne allerdings ihre „Schmerzgrenze“ genauer zu spezifizieren. Marktseitig gibt es bereits wieder Spekulationen, wonach die SNB zu Gunsten des Euros am Devisenmarkt intervenieren könnte. Diesbezüglich zeigen wir uns allerdings skeptisch. Haben doch die bisherigen FX-Interventionen der Notenbank erhebliche Verluste beschert.
Grundsätzlich erachten wir das gegenwärtige Wechselkursniveau von EUR-CHF als deutliche Übertreibung. Doch wird der Zinsvorteil, den der Euroraum gegenüber der Schweiz im geldmarktnahen Bereich momentan aufweist, von den Sorgen um die Weiterentwicklung der Schuldenkrise überlagert. Erst wenn diese Ängste in den Hintergrund rücken, ist von deutlich höheren Euro-Franken Notierungen auszugehen. Als richtungweisend dürfte sich unter anderem das EU-Gipfeltreffen Mitte Juni erweisen.

Ayhan Güler

Was hat sich heute Nachmittag getan, dass die Gemeinschaftswährung so stark nachgelassen hat?

DZ BANK Research

Jüngst sind wieder verstärkt Sorgen um die griechischen Finanzen aufgekommen. Anlass hierfür war die Ankündigung von Norwegen, seinen Teil am griechischen EU-Hilfspaket zurückzuhalten. Als Grund hierfür nannte Norwegen, dass getroffene Vereinbarungen nicht eingehalten wurden. Zudem hat Fitch jüngst das Rating von Griechenland gesenkt.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *