Bankaktien – Günstig bewertet, aber aus gutem Grund

Der europäische Bankensektor notiert nach dem Kursrückgang mit einem Kurs-Buchwertverhältnis (KBV) von 0,8. Gemessen am historischen Durchschnitt seit 1994 (1,7) ist der Bankensektor damit um rund 50% unterbewertet. Da der Aktienmarkt insgesamt ebenfalls deutlich unterhalb seines historischen Bewertungsdurchschnitts notiert, verzerrt diese Betrachtung das Bild. Relativ zum Gesamtmarkt beträgt die Unterbewertung des Bankensektors derzeit auf KBV-Basis 35%, auf Basis KGV sind es 11%.

Die niedrige Bewertung resultiert im Wesentlichen aus zwei Gründen. Zum Einen herrscht große Unsicherheit über die Auswirkungen der EWU-Schuldenkrise. Zwar würde für die meisten europäischen Banken beispielsweise ein Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen isoliert betrachtet kein größeres Problem darstellen. Allerdings lassen sich mühelos eine Vielzahl weiterer negativer Faktoren identifizieren (nicht jedoch quantifizieren), die zu massiven Problemen auf der Refinanzierungsseite der Banken führen können.
Zum Anderen wird das regulatorische Umfeld insbesondere durch Basel 3 deutlich verschärft. Um die erhöhten Kapitalanforderungen zu erfüllen wird in den nächsten Jahren die Gewinnthesaurierung im Fokus stehen. Damit bleiben Ausschüttungsquoten und Dividendenrenditen bis auf weiteres niedrig.

Vor diesem Hintergrund scheint die aktuelle Bewertung des Bankensektors zwar günstig zu sein, jedoch halten wir eine Normalisierung der Bewertungsrelationen bis auf weiteres für unwahrscheinlich. Fazit: Günstig bewertet, aber aus gutem Grund!

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3 Kommentare

Dr. Walter Krämer

Stimme im Grundsatz zu. Aber es ist bemerkenswert, wie stabil die Kurse insbesondere der Deutschen Bank sich halten trotz des andauernden Trommelfeuers an schlechten Meldungen. Und: muß man sich nicht antizyklisch verhalten, wenn man Gewinne machen will? Die Serie schlechter Meldungen hört auch einmal auf und es ist nicht ausgeschlossen, daß ein intelligentes Obergericht bzw. Oberstgericht dem Treiben der Kläger auf Schadensersatz aus angeblich nicht vollständiger Aufklärung beim Kauf von Derivaten ein wohl begründetes Ende bereitet. Derzeit geht’s nach der Losung: ein Gewinn aus Spekulation bleibt beim Kunden, ein Verlust wird der Bank angelastet. Ich frage auch, welches Berufsethos eigentlich die klagenden Stadtkämmerer besitzen, die derartig Unübersichtliches und doch auf den ersten Blick erkennbar Spekulatives mit dem Geld von Steuerzahlern etc. einkaufen. Fazit: ich verkaufe DB und Cobank derzeit nicht.

Noch dazu: die Idee zu diesem Blog mit den vielen Infos zu Unternehmen und Börse ist glänzend und hilft der Meinungsbildung.

Angesichts der seitens meines Erachtens in allen Bevölkerungsschichten herrschenden „Anti-Banken“-Stimmung und der weiteren politischen Planungen, „das vom Steuerzahler zur Bankenrettung ausgegebene Geld“ (Finanztransaktionssteuer) wieder hereinzuholen, sind deutsche Bank-Aktien „statistisch“ vielleicht unterbewertet – aber noch keineswegs kaufenswert. Ausfälle und Abschreibungen bei ggf. politisch geforderter Beteiligung an der „Rettung“ der überhoch verschuldeten EURO-Staaten sind leider nicht ins Reich der Fabel zu verlegen. Und daraus resultierende Beträge keineswegs peanuts in den sowieso schon angeschlagenen Bankbilanzen.

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Andreas Lange

Gerade bei der Deutschen Bank muss noch ein weiterer Punkt beachtet werden. Durch den Zukauf der Postbank und deren Implementierung ergibt sich ein stabiles und ertragreiches Nebengeschäft. Die zuletzt schwächelnde Beratung der Gutverdiener, als einstiges Stammgeschäft der Deutschen Bank, wird damit mehr als aufgefangen. Natürlich kostet das Geld im ersten Moment, aber die Aussichten sind durchaus optimistisch und das anvisierte Ziel von Herrn Prof. Dr. Ackermann ist als realistisch zu betrachten.

In sofern stimme ich Herrn Dr. Krämer zu, dass die Aussichten zumindest langfristig nicht so dunkel, wie vielfach dargestellt, sind. Die Krise wird irgendwann vorbei sein und es wird neue Regelungen geben, die die Institute am besten erfüllen können, die am meisten Kapital erwirtschaftet haben. Der Cost Average Effekt wird der Schlüssel zum Erfolg sein.

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