Stürzt auch Italien in den Schuldenstrudel?

Italien hat große Probleme – die Wirtschaft wächst seit Jahren kaum noch, der staatliche Schuldenberg wird immer höher. Trotzdem stand das Land bisher nicht im Fokus der Märkte, wenn es um die kritischsten Schuldner im Euro-Raum ging. Die Aufschläge, die der italienische Staat für seine Anleihen zahlen muss, haben sich in den letzten zwölf Monaten kaum verändert, während sie sich für Griechenland, Portugal und Irland vervielfacht haben. Erst die jüngste Rating-Verschlechterung hat neue Besorgnis ausgelöst.

Droht auch Italien der Gang zur europäischen Schuldenberatung und dem Nothelfer EFSF? Das wäre eine Katastrophe, nicht nur für Italien, sondern auch für die EU. Italiens Schulden sind etwa dreimal so hoch wie die von Griechenland, Portugal und Irland zusammen und würden den Rettungsfonds hoffnungslos überfordern. Kann aber sein, was nicht sein darf?

Italien steht in vieler Hinsicht deutlich besser da als die drei Notfallpatienten des EFSF. Die Regierung hat das Budget besser im Griff, das Defizit war 2010 mit 4,6 Prozent zwar zu hoch, aber doch deutlich unter dem EWU-Durchschnitt von 6 Prozent. Zieht man die Zinszahlungen ab, so ist die Primärbilanz ausgeglichen – im Euro-Raum hat das sonst nur Estland geschafft.

Für den versprochenen Schuldenabbau wird das allerdings nicht ausreichen. Außer Anstrengungen zur Produktivitätssteigerung werden in den nächsten Jahren weitere, harte Einschnitte in staatliche Leistungen unumgänglich sein, damit nicht doch noch der Gang zum Konkursrichter droht.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

2 Kommentare

Ayhan Güler

Guten Tag,

wie schätzen Sie die Kursentwicklungen EUR gegen USD, JPY und CHF ein, wenn Italien in den Fokus rücken sollte. Die Kursentwicklung berücksichtigt nicht immer die von Ihnen erwähnten fundamentalen Daten.

Freundliche Grüße
Ayhan Güler

DZ BANK Research

Zu unserem Hauptszenario, das den Prognosen zu allen Währungspaaren zugrunde liegt, gehört ein erneutes, temporäres „Hochkochen“ der EWU-Schuldenkrise mit all ihren Schattenseiten. Ob es dabei um die Umschuldung Griechenlands geht, die innenpolitischen Turbulenzen in Belgien oder eben – wie angesprochen – das wackelnde Rating Italiens, macht für den Devisenmarkt letztlich kaum einen Unterschied. Die Schuldenkrise schwelt weiter und belastet den Euro auf breiter Front. Konkret bedeutet dies für die Euro-Prognosen zum Dollar, Yen und Franken, dass wir uns von unten kommend an die Drei-Monats-Prognose herantasten werden.

Dass sich die tatsächliche Wechselkursentwicklung von den harten Fundamentaldaten (z.B.: EZB-Zinserhöhungen) abkoppelt, ist ein für dieses Marktsegment typisches Phänomen. Doch auch wenn temporär „weiche Faktoren“ wie Marktsentiment oder Risikoaversion die Oberhand gewinnen können, ist es in der Vergangenheit früher oder später immer zu einer Rückkehr zum fairen Wert gekommen.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *