Die Quadratur des griechischen Kreises

Alle Vorschläge zur Rettung Griechenlands laufen letztlich auf drei Handlungsalternativen hinaus: Zinssubvention, Laufzeitenverlängerung oder Kapitalschnitt. Dabei können diese drei Alternativen danach unterteilt werden können, ob sie auf freiwilliger Basis erfolgen oder ob (ein gewisser) Druck auf die Marktakteure ausgeübt wird. Jeder Weg – Laufzeitenverlängerung, Zinssubvention und Schuldenschnitt – wird für sich alleine genommen kaum ausreichen, das griechische Schuldenproblem zu lösen. Es erscheint sinnvoll, ein Gesamtpaket Kombination aus Zinssubvention, Laufzeitenverlängerung und Kapitalschnitt zur Anwendung zu bringen.

Hierunter müssen ein weiteres Hilfspaket fallen sowie die Maßnahme, alte griechische Staatsanleihen auf freiwilliger Basis innerhalb einer bestimmten Frist entweder mit einem Abschlag zurückzugeben (was dann einer Beteiligung der privaten Gläubiger entspräche) oder in andere, gegebenenfalls besser ausgestattete Anleihen zu tauschen (dies käme einer Laufzeitenverlängerung unter Beteiligung privater Gläubiger und / oder einem Kapitalschnitt bei privaten Investoren gleich). Praktisch umsetzbar ist dieses Gesamtkonzept, indem eine bestimmte Zeitspanne genannt wird, in der ein Umtausch/Rückgabe stattfinden kann. Zusätzliche Kredite sollten mit einem deutlich geringeren Zinssatz gegeben werden. Nur alle drei Maßnahmen zusammengenommen haben das Potenzial, vergleichsweise schnell und im ausreichenden Maße das griechische Problem in Angriff zu nehmen. Daneben bedarf es einer Fortsetzung begonnener Privatisierungs- und Sparmaßnahmen. Flankiert werden können diese Gesamtmaßnahmen mit einem konjunkturellen Hilfspaket wie im Falle der Wiener Initiative.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

2 Kommentare

Im gleichen Atemzug mit der faktisch finanziellen Pleite der Volkswirtschaft Griechenlands wird durchweg auch Irland genannt.
Meines Wissens liegen aber zwischen der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Irlands und Griechenlands die sprichwörtlichen Welten. Irland wird im World Competitiveness Ranking der Schweizer IMD Business School unter den 59 beurteilten Volkswirtschaften auf Platz 24 gesetzt; Griechenland auf Platz 56. Irland scheint in der Lage zu sein, Steuern effizient zu erheben; die Schattenwirtschaft macht nach Angaben der Financial Times von vor kurzem einen prozentualen Anteil am BIP aus (ca.12 %), der geringer ist, als der für Deutschland errechnete (ca 14 %).

Auch in der Entstehung der Finanzkrisen beider Staaten scheint es m.E. qualitative Unterschiede zu geben. Irland geriet an den Abgrund durch „Rettung“ seiner Banken, die aber zumindest zum Teil Vermögenswerte verkaufen, Gläubiger von Nachranganleihen an der Sanierung „beteiligen“, Kapitalerhöhungen vornehmen und nach und nach vielleicht sogar in der Lage sind, die Rettungsgelder an den irischen Staat zurück zu zahlen.
Griechenland geriet durch jahrelang aufgestaute Fehlallokation der Ausgaben des Staatshaushaltes in eine sich jetzt bahnbrechende Misere.

Wird Irland um die von Ihnen für Griechenland verordnete Arznei Kombination aus Zinssubvention, Laufzeitenverlängerung und Kapitalschnitt herumkommen?

DZ BANK Research

Gemeinsam ist Irland und Griechenland, dass beide Länder ihr laufendes Defizit durch einen strikten Konsolidierungskurs reduzieren müssen. Sie haben völlig Recht, sowohl, was die Ursache der momentanen fiskalpolitischen Probleme betrifft als auch was den weiteren Verlauf der Krise angeht. Aus fundamentalen Gesichtspunkten (Wettbewerbsfähigkeit, steuerliche Effizienz etc.) steht Irland deutlich besser da als Griechenland. Die Finanzindustrie in Irland hat in den vergangenen anderthalb Jahren schon Milliardenhilfen erhalten. Kommen von dieser Seite keine weiteren Belastungen auf die Regierung zu, dürfte Irland es eigener Kraft schaffen, die finanziellenSchwierigkeiten ohne die für Griechenland verordnete Medizin zu meistern. Trotz der hier dargestellten recht positiven Aussichten, möchte ich jedoch anmerken, dass eine sehr hohe Staatsverschuldung die Wachstumsdynamik nachhaltig hemmen kann. Und: Irland kann sich bis auf weiteres am Kapitalmarkt nicht refinanzieren und bleibt daher zunächst auf zinsvergünstigte Kredite angewiesen.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *