Griechenland und Portugal brauchen einen langen Atem

Die Schuldenkrise im Euro-Raum hat die hochverschuldeten Länder der Peripherie unter einen enormen Handlungs- und Anpassungsdruck gesetzt. Besonders im Fokus der Aufmerksamkeit stehen Griechenland, Portugal und Irland, die zunächst einmal die sehr hohen laufenden Defizite in ihren Haushalten abbauen und die Konsolidierung ihrer Staatsfinanzen vorantreiben müssen. In Bezug auf den strukturellen Reformbedarf mit mittel- bis langfristigem Horizont sind die Voraussetzungen in diesen drei Ländern recht unterschiedlich.

Die überproportionalen Einkommenssteigerungen in den letzten zehn Jahren haben vor allem in Griechenland und Portugal zu einem erheblichen Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit geführt. Die beiden Länder müssen nun den schweren Weg der „internen Abwertung“ gehen, also eine nachhaltige Senkung des heimischen Kostenniveaus erreichen. Wie die jüngsten Statistiken zu den Arbeitskosten zeigen hat der notwendige Korrekturprozess zumindest begonnen.

Dass die Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit ein langer Weg sein wird, machen die Lohn- und Einkommensdifferenzen mit den osteuropäischen EU-Nachbarn deutlich. Eine Zeitspanne von etwa acht bis zehn Jahren erscheint für Portugal und Griechenland realistisch, um durch strukturelle Reformen auch lohnkostenmäßig wieder konkurrenzfähig zu werden. Eine deutlich schnellere Genesung der beiden Patienten darf man angesichts der Problemlage wohl kaum erwarten.

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