China als Retter der Eurozone?

In diesen Tagen wird viel über den Hintergrund des Besuchs von Wen Jiabao in der Eurozone spekuliert. Viele hoffen, dass sein offizieller Besuch die Bereitschaft der Chinesen signalisiert, sich stärker in der Eurozone zu engagieren – ein dringend benötigter Vertrauensbeweis seitens des größten Anlegers der Welt.

China hält sich bekanntermaßen sehr bedeckt, wenn es um seine Geldanlagen geht, und veröffentlicht nahezu keine Daten zu den Anlageströmen des Landes. Einziger Anhaltspunkt sind oftmals eine Reihe offizieller und halboffizieller Äußerungen, deren Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen ist, die allerdings schon seit einer Weile darauf hindeuten, dass China nicht nur in EFSF-Papiere, sondern auch in portugiesische und griechische Anleihen investiert haben könnte.

Dieser Verdacht wird weiter bestärkt, schaut man sich das rasante Wachstum von Chinas Devisenreserven relativ zu seinen Käufen von USD-Anlagen an. Die chinesischen Währungsreserven stiegen über einen Zeitraum von 12 Monaten bis Ende April 2011 um beeindruckende 620 Mrd. USD an. Während desselben Zeitraums beliefen sich die chinesischen Käufe langfristiger US-Anlagen dagegen lediglich auf geschätzte 176 Mrd. USD! Während es zwischen 2005-2008 noch eine enge Wechselbeziehung zwischen den Veränderungen der Währungsreserven und den Käufen von USD-Anlagen gab, verschwand diese Korrelation in den Jahren 2009 und 2010 völlig.

Der wachsende Abstand zwischen dem Anstieg der Reserven und den Investitionen in USD-Anlagen ist ein deutliches Zeichen, dass sich China zunehmend in anderen Märkten engagiert. Allein der Umfang der Anlageströme lässt vermuten, dass die Eurozone wahrscheinlich der Hauptprofiteur dieser Entwicklung ist.

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