Rückschlag am US-Arbeitsmarkt

Nach den deutlich besser als erwarteten Arbeitsmarktzahlen der Jobvermittungsfirma ADP, die für Juni 157 Tsd. neue Beschäftigungsverhältnisse im Privaten Sektor meldete, waren die Erwartungen auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der USA hoch gespannt. Vielerorts wurde sogar schon die langersehnte „Wende“ am US-Arbeitsmarkt prophezeit, mit diesmal deutlich mehr als 100 Tsd. neuen Stellen. Die nun veröffentlichten offiziellen Juni-Zahlen haben die hohen Erwartungen nicht erfüllen können, ja müssen sogar als „garstige“ Negativ-Überraschung gelten: Nur +18 Tsd. neue Non-Farm Payrolls! Zwar gab es 57 Tsd. neue Stellen im Privaten Sektor, aber auch weiteren Arbeitsplatzabbau im Bausektor und, besonders gravierend, beim Staat, der zuletzt immerhin 39 Tsd. Bedienstete freisetzte.

Die nun veröffentlichten Zahlen sind eine Warnung, dass es bis zur Gesundung des US-Arbeitsmarkts und damit auch des privaten Konsums noch ein sehr, sehr weiter Weg ist. Überhaupt fällt bei den Zahlen der letzten Monate auf, dass die gute Arbeitsmarktdynamik vom Jahresbeginn nun wiederholt unterschritten wurde. Im Durchschnitt wurden von April bis Juni nur 87 Tsd. Stellen pro Monat geschaffen. Dabei wäre es allein aus demographischen Gründen, d.h. um das jährlich wachsende Angebot an Arbeitskräften (Labour Force) aufzufangen, notwendig, Monat für Monat mindestens 120 Tsd. zusätzliche Jobs zu schaffen.

Die Arbeitslosenquote ist nun sogar wieder angestiegen und liegt bei 9,2%. Das ist noch nicht einmal ein voller Prozentpunkt unter dem letzten „Peak“ vom Oktober 2009, als sie 10,1% Prozent markierte. Die Quote wird erst dann deutlich sinken können, wenn sich der Beschäftigungsaufbau nicht nur für einzelne Monate beschleunigt, sondern von nun ab konstant überdurchschnittliche Werte zeigt. Wenn man etwa unterstellt, dass ab der Jahresmitte sich die durchschnittliche Beschäftigungsdynamik auf etwa 200 Tsd. Stellen pro Monat beschleunigt, dann würde sich die Arbeitslosenquote bei konstanter Partizipationsrate in einem Jahr noch immer auf rund 8 ½ Prozent belaufen. Dies wäre keine sehr dramatische Verbesserung! Es wird mithin wohl noch Jahre dauern, bis die US-Wirtschaft ihren „Krisenmodus“ endgültig überwinden kann. Die kurzfristigen Konjunkturaussichten haben sich durch die jüngsten Arbeitsmarktzahlen jedenfalls nicht verbessert. Eine eher vorsichtige Wachstumsprognose bleibt weiterhin angebracht.

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