EWU-Schuldenkrise erfasst Italien

Nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien scheint nun auch Italien von der europäischen Schuldenkrise angesteckt worden zu sein. Auslöser für den massiven Anstieg der Zehnjahres-Anleiherenditen Italiens von etwa 5,0% knapp 6% in den letzten fünf Tagen waren zunehmende politische Unsicherheiten in Verbindung mit dem italienischen Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, der als Garant für die italienische Sparpolitik angesehen wird.

Im Unterschied zu den relativ kleinen Ländern Griechenland, Irland und Portugal, die bisher in den Fokus der Finanzmärkte geraten waren und EU-Hilfe in Anspruch nehmen mussten, handelt es sich bei Italien um das nach Deutschland und Frankreich drittgrößte Land in der Europäischen Währungsunion. Größter Belastungsfaktor für Italien ist die Höhe der Staatsschulden. Sie belaufen sich auf rund 1.800 Mrd. Euro und sind damit die höchsten in der EWU, so dass das Gewicht Italiens in den gängigen Indizes für EWU-Staatsanleihen rund 24% ausmacht.

Diese Zahlen zeigen, dass im Falle Italiens eine einfache Vergrößerung des Rettungsschirms nicht weiterhilft, um verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Zudem könnte sich Italien auch nicht an den zusätzlichen Garantien für die schon geschnürten Hilfspakete beteiligen, so dass die Belastung für die verbliebenen Länder, die die Garantien stellen könnten, entsprechend überproportional zunehmen würde. Um das Vertrauen der Finanzmärkte und Investoren wieder dauerhaft zurückzugewinnen, bedarf es vielmehr einer klaren, glaubhaften politischen Garantie für Italien, begleitet von einem umfassenden Konzept zur Stabilisierung des Euroraumes. Am Ende des politischen Prozesses wird es beides wohl geben, jedoch ist die Frage, wie lange man hierfür braucht und wie viel ökonomischer Schaden in der Zwischenzeit entstanden ist.

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