Ratingagenturen in der Zwickmühle

Der Vorwurf an die Ratingagenturen, sie seien für die Euro-Schuldenkrise mit verantwortlich, tut diesen Unrecht. Sie sind nur Überbringer von schlechten Nachrichten, die oft sowieso schon vorher bekannt waren. Die nun herabgestuften Länder stehen mit ihrer Schuldendienstfähigkeit ja tatsächlich schlecht da. Dennoch ist die Rolle der Agenturen nicht unproblematisch.

Ihre Aussagen können Bewertungsänderungen auslösen, die ganze Bankensysteme ins Wanken bringen. Diese Macht, die ihnen von den Bankenregulatoren verliehen wurde, ist in normalen Zeiten gut für das Geschäft, stellt sie aber in Zeiten wie den jetzigen vor schwierige Entscheidungen und belastet ihre Reputation.

In der Vergangenheit glaubten die Agenturen, ihrer Verantwortung am besten gerecht zu werden, wenn sie Ratingänderungen nur selten und in kleinen Schritten vornahmen, und das meist auch erst, wenn eine Bonitätsverschlechterung längst kein Geheimnis mehr war. Damit zogen sie sich den Vorwurf zu, zur Unterschätzung von Kreditrisiken beigetragen zu haben.

In der Euro-Schuldenkrise entschieden sich die Agenturen lange fürs Stillhalten, was sich durchaus auch begründen ließ, denn die Aussagen der Politik, man werde kein Euro-Mitgliedsland in den Konkurs gehen lassen, waren recht einhellig. In den letzten Wochen aber sind sie aus ihrer Lethargie erwacht und geradezu in Hyperaktivität verfallen. Welche neuen Fakten hinter den aktuellen Herabstufungen von Euro-Ländern durch die wichtigen Ratingagenturen stehen, ist nicht immer recht zu erkennen. Aber insgesamt betrachtet spiegeln sie in den allermeisten Fällen doch die ökonomische Wirklichkeit wider. Wichtig bleibt ein klar nachvollziehbarer Prozess hinter den Rating-Entscheidungen, um die Glaubwürdigkeit der Agenturen zu bewahren und zu festigen.

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