Es war einmal… der Dollar als sicherer Hafen

Die Fronten in der US-Politik sind derzeit so verhärtet, dass es schwer fällt, sich eine dauerhafte und langfristig tragbare Einigung im Schuldenstreit vorzustellen. Wir hoffen weiterhin auf eine Last-Minute-Lösung für die Schuldengrenze, aber der langfristige Schaden ist so oder so eingetreten. Das Investorenvertrauen in den einst unantastbaren Dollar ist schwer beschädigt, und die Wahrscheinlichkeit einer Ratingherabstufung nimmt täglich zu. Dennoch rechnen wir nicht mit einem panikartigen Dollar-Ausverkauf oder gar einer Zahlungsbilanzkrise.

Der Schlüssel für die (relative) Stabilität des Dollars ist der Mangel an Alternativen. Kein anderer Staatsanleihenmarkt der Welt ist in Größe und Liquidität mit dem der USA zu vergleichen, auch wenn Währungen wie Franken und Yen, aber auch Austral- und Neuseeland-Dollar derzeit neue Anhänger finden.

Eine kurzfristige Erholung des Dollars ist durchaus möglich – allerdings tun wir uns schwer mit der immer wieder zu hörenden Interpretation, dass die seit Mittwoch zu beobachtenden Euro-Dollar-Kursverluste auf die Flucht in den sicheren Hafen USA zurückzuführen seien. Es stimmt zwar, dass der Dollar auch in der Phase nach dem Lehman-Kollaps als sicherer Hafen gefragt war, obwohl das Epizentrum der Krise in den USA lag. Aber damals war es die Flucht in die Liquidität und Sicherheit der US-T-Bills, die den Dollar stark gemacht hat. Und gerade diese Sicherheit steht ja derzeit zur Disposition.

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