Schuldenkrise – Nun auch in den USA

Auch in den Vereinigten Staaten wird es langsam eng. So sollen die USA nach den bisherigen Berechnungen ab dem 2. August nicht mehr in der Lage sein, alle Rechnungen zu bezahlen, wenn bis dahin nicht die gesetzliche Schuldengrenze von 14,3 Bio USD erhöht worden ist. Die republikanische Partei will sich die notwendige Zustimmung hierzu nur abkaufen lassen, wenn Präsident Obama und seine Demokraten weitreichenden Ausgabensenkungen zustimmen. Angesichts der Ende 2012 anstehenden Präsidentschaftswahlen taktieren beide Seiten gegenwärtig noch – die Fronten scheinen verhärtet. Immer noch ist eine Einigung in letzter Minute das wahrscheinlichste Szenario. Sollte es hierzu nicht kommen, bedeutet das nicht zwingend, dass der befürchtete temporäre Verzug auf Zins- oder Tilgungszahlungen von US-Staattiteln wirklich eintritt. Wahrscheinlicher sind in diesem Zusammenhang Verzögerungen bei der Bezahlung von Staatsbediensteten oder bei der Auszahlung von Sozialleistungen.

Aber auch wenn dieses akute Problem in letzter Minute gelöst wird, bleiben die USA im Fokus der Märkte. So haben die großen Ratingagenturen schon angekündigt, dass sie unabhängig davon überprüfen wollen, ob das AAA-Rating der USA weiterhin angemessen ist. Angesichts der hohen Defizite, eines Schuldenstands in Höhe des jährlichen Bruttoinlandsprodukts sowie der bisher nicht vorhandenen Bereitschaft, eine durchgreifende und nachhaltige Konsolidierung des Staatshaushalts in Angriff zu nehmen, ist das verständlich.

Da nach einer Herabstufung der USA auch Großbritannien und möglicherweise Frankreich ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, kann es sein, dass Deutschland demnächst das einzige große Land mit einem AAA-Rating ist. Mit der Entwicklung, dass ein AAA-Rating bei Industriestaaten nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme sein könnte, würden die Ratingagenturen aus unserer Sicht lediglich die ökonomische Realität nachvollziehen. Hiervon könnten zwar Bundesanleihen kurzfristig profitieren. Auf die längere Sicht ist aber wohl eher damit zu rechnen, dass institutionelle Investoren, beispielsweise in den USA, die bisher zur einer Anlage im AAA-Segment verpflichtet waren, ihre Anforderungen senken und so der Realität anpassen werden.

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