Staatsanleihekäufe der EZB die einzige Lösung?

Die Finanzmärkte werden seit einigen Tagen von einer erneuten Welle der Risikoscheu erfasst. Die Marktteilnehmer verkaufen so gut wie alle Wertpapiere, die auch nur ein geringfügiges Kreditrisiko aufweisen. Nicht nur die schwächer gerateten Länder (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien) haben in den vergangenen Tagen kräftige Spreadausweitungen erfahren. Auch die Risikoprämien von AAA eingestuften Ländern wie beispielsweise Frankreich sind angestiegen. Der Bund/Swapspread hat sich ebenfalls dramatisch ausgeweitet. Diese Ausweitung ist zurückzuführen auf die extreme Risikoscheu, die typisch ist für solche Krisen. Die Bundesanleihen haben als Hort der Sicherheit von dieser Situation profitiert. Momentan wird nur den Bunds das zugebilligt, was alle suchen: die beste Bonität und allerhöchste Liquidität.

Die Rendite zehnjähriger Bundrenditen ist in den vergangenen Tagen daher um über 50 Basispunkte gefallen. Unseres Erachtens dürfte es sehr schwierig sein, dass sich die Marktstimmung von allein wieder verbessert. Wenn in den kommenden Tagen nichts passiert, dürfte die Unsicherheit an den Finanzmärkten noch weiter zunehmen. Insbesondere die Peripheriestaaten stecken fest in einem Teufelskreis. Steigen die Risikoprämien weiter, wird das die Schuldenreduktion zusätzlich erschweren, was die Ratingagenturen wiederum veranlassen wird, das Rating zu senken, was weitere Spreadausweitungen bedingt. Unseres Erachtens gibt es nur einen Weg, den aktuellen Teufelskreis zu durchbrechen: Ein starkes Commitment der EZB.

Staatsanleihekäufe der EZB könnten geeignet sein, Spekulationen auf höhere Zinsen im Keim zu ersticken und zumindest zu einer Stabilisierung am Markt für EWU-Staatsanleihen zu führen. Die Zentralbank kann ohne Verzögerung am Sekundärmarkt aktiv werden, und letztlich stehen der Notenbank für die Käufe unbegrenzt Gelder zur Verfügung. Von der Politik ist hingegen wenig zu erwarten. So dürfte der politische Entscheidungsprozess viel zu lange dauern. Die EFSF ist derzeit (noch) nicht in der Lage, Staatsanleihen zu kaufen, da die Entscheidung von den nationalen Parlamenten genehmigt werden muss. Erst dann kann die EFSF mit der Begebung von Anleihen zur Finanzierung eines Kaufprogramms beginnen. Bei einer weiteren Eskalation der Situation ist nur die EZB in der Lage, weiteren Schaden von den Finanzmärkten in kurzer Zeit abzuwenden.

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