Politik, Vertrauen und Finanzmärkte

Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten in der letzten Woche, hauptsächlich sichtbar an den Aktienmärkten, deutet auf einen massiven Vertrauensverlust der Investoren in die Politik. Zwar wurden im Vorfeld Wachstumssorgen durch die schwachen US-Wirtschaftsdaten verstärkt, aber der Downgrade der USA durch die Ratingagentur S&P hat vor allem die europäische Schuldenkrise wieder in den Brennpunkt des Interesses gestellt. Die europäische Reaktion ist seit den Beschlüssen vom 21. Juli bekannt, aber eine Vielzahl von darauf folgenden Kommentaren ließ offensichtlich werden, dass der europäischen Politik eine klare Vision fehlt. Insbesondere der Eindruck, dass die Währungsunion in Richtung einer ungesteuerten Transferunion stolpert, anstatt an den dafür notwendigen Regeln zu arbeiten, scheint zu dem Vertrauensverlust beizutragen.

Aus meiner Sicht wird man um die Einführung von Eurobonds nicht herumkommen, wenn man die Währungsunion in der derzeitigen Größe erhalten will. Dabei sollte man jedoch die Nutzung von Eurobonds auf 60% des BIP pro Land begrenzen und an die Einführung einer Schuldenbremse nach deutschem Vorbild koppeln.

Zudem haben die Investoren erkannt, dass die Verschuldungskrise nicht durch eine weitere Schuldenaufnahme der Staaten gelöst werden kann. Sie sehen auch richtig, dass die damit verbunden fiskalischen Einschränkungen das Wirtschaftswachstum dämpfen werden; entsprechend werden nun die Wachstumserwartungen für die wichtigen Volkswirtschaften kritisch überprüft und vermutlich nach unten revidiert.

Die sehr volatilen Aktienmärkte haben aber auch gezeigt, dass bei vielen Investoren vertrauen fehlt. Durch die Interventionen der EZB auf den Rentenmärkten konnte dieses Vertrauen nicht wieder hergestellt werden. Vielmehr braucht es jetzt ein glaubhaftes Vorgehen der betroffenen Länder, um die Staatsverschuldung abzubauen. Nur damit kann diese Vertrauenskrise beendet werden, auch wenn der Wachstumspfad dieser Länder dann etwas niedriger verlaufen dürfte als zuletzt angenommen. Man muss den Ländern aber auch genug Zeit geben, diese Maßnahmen gesellschaftsverträglich umzusetzen.

Die Aktienmärkte sollten in den nächsten Monaten zwar weniger schwankungsanfällig werden, aber große Zuwächse sind vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich.

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