SNB führt die Märkte vor, doch der Härtetest steht noch aus

Spannend wie ein Krimi, dessen Ende man schon zu kennen glaubt, ging es vergangene Woche in Euro-Franken zu. Doch: der Mörder war gar nicht der Gärtner. Die Idee, den Franken temporär an den Euro zu koppeln, um der ungebremsten Franken-Aufwertung Einhalt zu gebieten, gefiel den Märkten. Die von der SNB unausgesprochene Drohung, dass auch eine solche extreme Maßnahme denkbar sei, verfehlte ihre Wirkung nicht. Fast alle Devisenmarktakteure hatten einen solchen Schritt fest eingepreist, der Franken gab im Vorfeld der für Mittwoch erwarteten Ankündigung bereits deutlich nach – nur die besagte Euro-Ankoppelung blieb aus. Stattdessen versucht es die SNB auch weiterhin mit zinssenkenden Liquiditätsmaßnahmen. Was für eine Enttäuschung! Angesichts der Beruhigung der Finanzmarktturbulenzen von Anfang August wäre der Franken vermutlich auch ohne Zutun der Währungshüter unter Druck gekommen. Insofern haben die Spekulationen über die Euro-Anbindung nur als Katalysator gewirkt.

Doch der echte Härtetest steht noch aus. Derzeit ist die noch letzte Woche so greifbare Parität (Euro-Franken bei 1,00 CHF) in die Ferne gerückt. Doch wie reagiert die SNB, wenn es erneut zur Flucht in den Sicheren Hafen kommen sollte? Lässt sie die Märkte wieder gewähren? Oder ist alleine die Androhung einer fixen Franken-Untergrenze so glaubhaft, dass es der tatsächlichen Einführung gar nicht bedarf? Bei einer erneuten Eskalation mag der Franken weniger dynamisch als vor wenigen Wochen aufwerten; wir sind aber skeptisch, dass sich eine von Panik getriebene Fluchtbewegung aufhalten lassen kann, wenn die SNB ihren Worten nicht endlich auch Taten folgen lassen würde. Vorerst bleibt der Franken-Markt äußerst nervös und reagiert hektisch auf Gerüchte, wie etwa, die SNB sei am Markt aktiv oder plane eine Pressekonferenz mit weitreichenden Ankündigungen.

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