IWF löst Kapitalkontroverse aus

Für Aufsehen sorgte die IWF-Chefin Lagarde, die forderte, dass die europäischen Banken eine schnelle und verpflichtende Stärkung ihrer Kapitaldecke benötigen, um sie so gegen die Risiken aus der Staatsschuldenkrise und aus einem schwachen Wirtschaftswachstum zu wappnen. Hierin sieht sie auch einen entscheidenden Schlüssel, Ansteckungseffekte zu verhindern und die Liquiditätskrise einzudämmen.

Die Kapitalmaßnahme sollte, so Lagarde, zunächst über private Investoren angegangen werden. Nur wenn dies nicht zum gewünschten Erfolg führe, käme auch der Staat als Kapitalgeber ins Spiel. Um zu verhindern, dass die Lasten die ohnehin angeschlagenen Länder überfordern, bringt der IWF als Option den EFSF oder andere europaweite Refinanzierungsquellen ins Gespräch. Ähnliche Vorschläge gibt es zwischenzeitlich auch von der europäischen Bankenaufsicht EBA. EZB-Präsident Trichet hat dagegen unlängst mitgeteilt, dass er diese Maßnahmen nicht für notwendig hält.

Diese Vorschläge und die darin zum Ausdruck kommende Uneinigkeit zwischen Lagarde und Trichet treffen auf einen von Nervosität und großer Unsicherheit geprägten Markt. Die Banken haben in den vergangenen Monaten ihre Kapitalquoten mit den verschiedensten Maßnahmen gestärkt, um nicht nur die höheren regulatorischen Anforderungen, sondern vor allem auch die höheren Anforderungen der Marktteilnehmer zu erfüllen. Doch scheint das, zumindest für einige Banken, nicht ausreichend zu sein. So kann vor allem ein Dilemma nicht gelöst werden: Die Marktakteure befürchten, dass die Finanzinstitute im Fall einer Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise, beispielsweise bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion, nicht über ausreichend Kapital verfügen. Für manche Institute mag es hilfreich sein, ihre Kapitalquoten mittels privater oder staatlicher Mittel auf ein höheres Niveau anzuheben. Anderen Banken würde eine zwangsweise angeordnete Kapitalstärkung möglicherweise nicht helfen, da sie vermutlich unabhängig von der konkreten Höhe ihrer Kapitalquoten aufgrund ihres Sitzstaates keinen Zugang zu Refinanzierungsmärkten haben. Damit diese Banken wieder einen Zugang erhalten, ist schnell eine glaubwürdige Lösungsperspektive für die Staatsschuldenkrise zu finden.

Die EBA hat als eine Option die EFSF erwähnt, wenn es die einzelnen Länder wegen ihrer wahrgenommenen Finanzverfassung selbst nicht schultern können. Die Marktteilnehmer wüssten dann, dass im Notfall ein leistungsfähiger „Retter“ für jede europäische Bank bereit stünde. Neben offenen technische Fragen, beispielsweise ob der EFSF heute über die notwendigen Mittel und Rechte verfügt, um im Notfall schnell handeln zu können, bleiben aber auch grundsätzliche: Nach welchen Kriterien entscheidet der EFSF, welches Institut mit wie viel Kapital gestützt wird?

Wir gehen nicht davon aus, dass eine Kapitalisierung der Banken über den EFSF auf absehbare Zeit von Erfolg gekrönt sein wird. So unterschiedlich sind schon jetzt die Auffassungen der verschiedenen Mitgliedsländer über den Rettungsschirm der Eurozone. Vor diesem Hintergrund wird der EZB kaum eine andere Wahl bleiben, als das Banksystem auch weiterhin mit ausreichend  Liquidität zu versorgen, obwohl die EZB damit die nicht ausreichenden Sanierungsbemühungen der Länder abfedert.

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