Neubewertung der Risiken

Der Finanzmarkt ist mitten in der Neubewertung des Risikos eines möglichen Zerfalls der Eurozone. Gestern sind die Renditen für Bundesanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit auf ein neues Allzeittief von 1,87% gefallen. Gleichzeitig sind die Renditen italienischer Anleihen mit derselben Laufzeit auf 5,6% gestiegen, trotz weiterer Anleihekäufe der EZB.

Überraschend ist die Entwicklung nicht. Das Sparprogramm in Italien, das eigentlich wieder Vertrauen aufbauen sollte, wurde nach den ersten Anleihekäufen der EZB, die die Renditen italienischer Anleihen um mehr als 100 Basispunkte gesenkt hatten, wieder verwässert. In Griechenland kommt man den zugesagten Verpflichtungen nicht nach, und die Neuverschuldung wird das angestrebte Konsolidierungsziel deutlich verfehlen. Dies ist ein Indiz, dass ein Teil der europäischen Politik den Ernst der Schuldenproblematik und die damit verbundenen Marktverwerfungen noch nicht vollständig erfasst hat. Wenn aber die Konsolidierungsbemühungen nicht ernsthaft fortgesetzt werden, dürfte der Aktienmarkt wie auch die Anleihemärkte weiterhin entsprechend reagieren, das heißt die derzeit sichtbaren Trends werden sich in diesem Fall wohl fortsetzten, bis eine glaubhafte Lösung der Schuldenproblematik erkennbar wird.

Länder wie Spanien, Portugal und Irland, die den Weg einer ernsthaften Konsolidierung eingeschlagen haben, können sich zurzeit nicht von den allgemeinen negativen Entwicklungen am Finanzmarkt abkoppeln und ihre sichtbaren Erfolge werden entsprechend nicht vollständig gewürdigt.

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