SNB sorgt mit Einführung eines Wechselkursziels für Überraschung

Die SNB sorgte am Dienstag mit der Bekanntgabe eines Wechselkursziels in Euro-Franken bei 1,20 CHF für die Sensation der Woche. Zwar hat die SNB bereits im Vorfeld mit Taten und Worten mehr als deutlich gemacht, dass ihr die Frankenstärke mit Blick auf die heimische Konjunktur- und Verbraucherpreisentwicklung sehr missfällt, doch hätte man von ihr, allen Spekulationen zum Trotz, einen solchen Schritt letztendlich nicht erwartet. Gibt sie doch damit einen Teil ihrer Unabhängigkeit auf und stellt ihre Glaubwürdigkeit, mit Blick auf die bislang wenig erfolgreiche Interventionshistorie, auf eine harte Probe.

Für die SNB gilt es nun, diese Marke um jeden Preis zu verteidigen. Bereits 1978, als der Franken in der Ölkrise einen Höhenflug erlebte, koppelte die SNB den Franken an eine Fremdwährung. Damals stellte die D-Mark den Anker dar. Ähnlich wie heute hatte die Schweiz auch Ende der 70er Jahre keine Inflationsprobleme. Angesichts der getätigten Interventionen zur Wahrung des Wechselkursziels hat die SNB damals die heimische Geldmenge jedoch stark ausgeweitet, was Anfang der 80-er Jahre in einer drastisch gestiegenen Inflation mündete. Die SNB dürfte sich auch momentan dieses Risikos bewusst sein, doch angesichts der drohenden Gefahren für die Schweizer Wirtschaft dürfte sie dieses Problem zunächst einmal hinten anstellen.

In der kommenden Woche steht die turnusmäßige SNB-Leitzinssitzung auf der Agenda. Mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik rechnen wir nicht. Man darf jedoch gespannt sein, ob SNB-Chef Hildebrand den jüngsten Paukenschlag noch einmal thematisieren wird.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

2 Kommentare

Sven Rautenberg

Über die historische Stützung des Devisenkurses Ende der 70er Jahre – die in einer Inflation mündete – hatten Sie bereits geschrieben. Das die Inflationssorgen in der Schweiz derzeit bestenfalls nur latent im Hintergrund lauern, gab es auch bereits viel zu lesen. Allerdings bewegt mich die Frage…inwiefern die SNB damals den Ausstieg aus dem Wechselkursziel genommen und wie sich dieses auf die Märkte ausgewirkt hat? Wurden die damals angehäuften Fremdwährungsreserven wieder am Markt verkauft?

DZ BANK Research

Das zur Verteidigung der Untergrenze notwendige Interventionsvolumen hängt maßgeblich von der Glaubwürdigkeit der SNB ab. Im besten Fall genügt zur Abschreckung bereits die reine Androhung, die 1,20er Marke „mit allen Mittels“ zu verteidigen, so dass sich die tatsächlichen Kosten (=Interventionen) auf Null belaufen. Bisher scheint diese Glaubwürdigkeit gegeben, immerhin hat sich Euro-Franken auch unter dem Eindruck der neuen Krisenwelle klar oberhalb von 1,20 CHF gehalten, obwohl Euro-Yen wie ein Stein bis auf ein Zehn-Jahrestief gefallen ist.

Zur Frage nach der Erfahrung aus der Historie 1978: Die SNB gab am 1. Oktober 1978 bekannt, sie werde so lange Devisen am Markt aufkaufen, bis die D-Mark wieder auf deutlich über 80 Franken pro 100 DEM notiere. Beträchtliche unsterilisierte Interventionen in Form von Dollarkäufen der SNB waren in den ersten Oktobertagen erforderlich, um das Wechselkursziel zu erreichen. Insgesamt erwarb die SNB im 4. Quartal 1978 Dollars im Gegenwert von 10,6 Mrd. CHF. Dieser Betrag entsprach 40% der monetären Basis und war mit 6,6% auch verglichen mit dem damaligen Bruttoinlandprodukt hoch. Der exportgewichtete Frankenkurs bildete sich in diesem Zeitraum gegenüber seinem Höchststand um über 10% zurück, und die D-Mark erholte sich auf rund 0.90 CHF. Ein großer Teil des riesigen Geldüberhangs konnte anschließend durch Dollarverkäufe rasch abgebaut werden. Die Notenbankgeldmenge lag Mitte 1979 wieder auf einem normaleren Niveau, das allerdings den Vorjahreswert noch immer um rund 15% übertraf. Obschon ein beträchtlicher Teil des vorhandenen Geldüberhangs in der ersten Jahreshälfte 1979 zügig abgebaut wurde, traten keine neuen Wechselkursturbulenzen auf. (Quelle: SNB)

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *