Erholungsbewegung mit Enttäuschungspotenzial

Die von der Schuldenkrise gebeutelten Aktienmärkte starteten in dieser Woche eine Erholungsbewegung. Herrschte noch in der Vorwoche ein großes Maß an Skepsis des Kapitalmarktes bezüglich der Fähigkeit und des Willens der politisch Verantwortlichen, die Krise sachorientiert und geschlossen anzugehen, so wandelte sich dies nach Tagung von IWF und Weltbank in Washington. Investoren schöpfen ganz offensichtlich Hoffnung, dass die Zusammenkunft in der US-amerikanischen Hauptstadt vielen Entscheidungsträgern die Dringlichkeit des Handelns beziehungsweise die möglichen Folgen eines fortgesetzten Zögerns vor Augen geführt hat. So gehörten insbesondere Finanztitel, die besonders unter den erneut aufgetretenen und an die Post-Lehman-Zeit erinnernden Friktionen an den Geldmärkten leiden, zu den größten Wochengewinnern.

Für den Gesamtmarkt rechnen wir noch nicht mit einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung, auch weil die Gewinnschätzungen aus unserer Sicht noch vor weiteren Abwärtsrevisionen stehen. Bereits Anfang August hatten wir die Erwartung geäußert, dass insbesondere die Konsensschätzungen für die Geschäftsjahre 2012 und 2013 zu optimistisch und somit revisionsbedürftig waren. In den letzten Wochen fanden tatsächlich deutliche Prognoserevisionen statt. Die Schätzungen für die DAX-Unternehmensgewinne fielen um jeweils rund 8% für die Jahre 2012 und 2013 und bestätigten damit unsere vorsichtige Haltung.

Wir bleiben weiterhin skeptisch und glauben nicht, dass sich die aus der Schuldenkrise resultierenden Risiken bereits deutlich verringert haben. Sollten den Absichtserklärungen und dem spürbaren Problembewusstsein auf politischer Ebene nun nicht umgehend Taten folgen, so besteht nach unserer Einschätzung auch schnell das Risiko einer erneuten Enttäuschung. Daher raten wir trotz der günstigen Bewertung der Aktienmärkte derzeit noch nicht zu Aufstockungen in breitem Maße, sondern bevorzugen weiterhin ausgesuchte Substanzwerte und defensive Sektoren wie beispielsweise Versorger und Healthcare, welche im Falle eines deutlicheren Rückgangs der Wachstumsdynamik infolge der Schuldenkrise besser geschützt sind als zyklische Unternehmen.

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