Euro leidet weiter unter Schuldenkrise

Der Euro hatte in den vergangenen Wochen deutliche Einbußen hinnehmen müssen, sich aber in den letzten Tagen wieder etwas gefangen. Die europäische Schuldenkrise belastet die Währung allerdings weiterhin, vor allem die andauernden (und leider sehr öffentlichen) Streitigkeiten über die Zukunft Griechenlands. Europa, so erscheint es dieser Tage, entfernt sich immer weiter von einer wahren Union. Die jüngsten Entwicklungen im europäischen Bankensektor lassen zudem befürchten, dass Europas Politiker sich weiterhin von der Angst einer Lehman-ähnlichen Finanzmarktmarkkernschmelze treiben lassen, anstatt vorrausschauende oder sogar visionäre Lösungen zu suchen. Dass ein Schuldenschnitt Griechenlands mittlerweile unausweichlich ist, hat der Markt längst eingepreist, die Frage bleibt also nicht das „Ob“ sondern das „Wann“. Hier muss die Politik eine feine Balance finden: kommt der Schuldenschnitt zu früh, steigt das Risiko einer europaweiten Ansteckung; wartet man zu lange leidet der Euro umso mehr. Denn was die Währung betrifft, so ist die Unsicherheit, und das Gefühl, nicht mehr wirklich vorhersehen zu können, was als nächstes passiert, das größte Übel.

Bisher muss man, trotz des Erreichens von Notierungen gefährlich nahe der $1,30 Marke Anfang der Woche,  festhalten, dass der Euro die Krise überraschend gut gemeistert hat. Auf handelsgewichteter Basis liegt der Euro seit Anfang Mai 2011 gerade mal 6,6% im Minus, nicht viel im Vergleich zu den massiven Schwankungen am Aktienmarkt oder auch am Bondmarkt. Und dies liegt nicht nur an dem (unbestreitbaren) Mangel an Alternativen, es hängt auch mit den Diversifizierungsmöglichkeiten innerhalb der Eurozone zusammen. Denn der Euro vereint nicht nur einige der derzeit unattraktivsten Anlagen (Griechenland), sondern auch einige der derzeit attraktivsten (Bunds). Schaut man sich also die Portfolioinvestitionen der Eurozone insgesamt an, so ist man überrascht ob deren Stärke.

Die EU steht dieser Tage vor wichtigen Entscheidungen, die die Zukunft von EWU und Euro nachhaltig beeinflussen werden. Die Erwartungen des Marktes sind klar: er fordert deutliche, starke Entscheidungen, getroffen von einem vereinten Europa. Ob die EU in der Lage ist zu liefern bleibt momentan fraglich. Solange das Damoklesschwert eines griechischen Schuldenschnitts und Unsicherheit über die Zukunft der EWU über dem Markt hängt, wird der Euro weiterhin unter Druck bleiben. Eine ausgewachsene Währungskrise halten wir allerdings nach wie vor für unwahrscheinlich.

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