Deutsche Konjunktur bremst scharf ab, aber steht nicht vor einer Rezession

Die Phase kräftigen Wachstums, mit der sich die deutsche Wirtschaft nach der tiefen Krise 2008/2009 selbstbewusst zurückgemeldet hat, ist in diesem Herbst fast schlagartig zu Ende gegangen. Die internationale Staatsschuldenkrise und die dadurch ausgelösten Verwerfungen an den Finanzmärkten werden auch hierzulande ihre konjunkturellen Spuren hinterlassen. Klar zu erkennen ist dies bereits in den rückläufigen Stimmungsindikatoren wie etwa dem ifo-Geschäftsklimaindex oder der Messzahl für das Verbrauchervertrauen, und es wird sich in den kommenden Monaten auch in den „harten“ Wirtschaftszahlen niederschlagen.

Die heute vorgelegte Gemeinschaftsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im laufenden vierten Quartal leicht sinken wird und sich im Jahresverlauf 2012 wieder allmählich erholen kann. Eine ausgewachsene Rezession mit zwei Negativquartalen in Folge erwarten die Institute also nicht, doch soll die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts 2012 nur noch bei 0,8 Prozent liegen, nach 2,9 Prozent in diesem Jahr.

Damit entspricht der von den Forschungsinstituten prognostizierte Konjunkturverlauf auch in etwa dem von uns erwarteten: Wir gehen für Deutschland von einem Nullwachstum im laufenden Quartal aus, gefolgt von einer Erholung im Verlaufe von 2012. Wir denken allerdings, dass diese Erholung etwas dynamischer ausfallen könnte als derzeit vielfach unterstellt. Denn die Weltkonjunktur zeigt sich immer noch recht robust, vor allem in den Emerging Markets, die nicht direkt von der Schuldenkrise betroffen sind. Und auch die Aussichten für die Binnennachfrage in Deutschland, etwa beim Wohnungsbau und beim privaten Konsum, sind durchaus positiv. Wir gehen daher für das kommende Jahr von einer Wachstumsrate von 1,4 Prozent aus. Diese ist allerdings nur dann erreichbar, wenn es in den kommenden Monaten gelingt, die Schuldenkrise einzudämmen, indem eine tragfähige Lösung für Griechenland und die anderen hochdefizitären Euro-Länder gefunden wird.

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