Zinssenkungen in China vorerst kein Thema

Der Inflationsdruck in China baut sich nur äußerst zögerlich ab: Auch im September lag die Teuerungsrate noch über 6 Prozent, bis zum Jahreswechsel dürfte sie sich unserer Ansicht nach zwar bis auf etwa 5 Prozent ermäßigen, übertrifft das Inflationsziel Pekings von 4 Prozent damit aber immer noch wesentlich. Erst im Verlauf des kommenden Jahres ist mit zielkonformen Werten zu rechnen. Angesichts des mittlerweile deutlich kräftigeren Lohnwachstums dürfte die Teuerung aber auch weiterhin erhöht bleiben.

Die People’s Bank of China hat daher wenig Spielraum, die Geldpolitik nun schon wieder zu lockern: Die Erwartung, dass China, ähnlich wie andere Schwellenländer (z. B. Indonesien oder Brasilien) schon bald die Zinswende einleiten könnte, halten wir daher für überzogen. Die Notenbank würde auch einen gefährlichen Pfad beschreiten, wenn sie die Kreditvergabe erneut mit Zinssenkungen befeuern würde. Nicht nur, dass sie in den vergangenen eineinhalb Jahren mit deutlichen Erhöhungen der Mindestreserveanforderungen versucht hat, die Liquiditätsflut der Krisenjahre zu drosseln. Die Erfolge der Währungshüter halten sich außerdem in Grenzen: Auf den ersten Blick mögen die chinesischen Banken die Vergabe neuer Kredite gegenüber den Vorjahren verringert haben. Deutlich zugenommen haben in derselben Zeit aber außerbilanzielle Transaktionen (z. B. durch Verbriefungen) oder Transaktionen über alternative Finanzierungskanäle – laut Angaben der People’s Bank of China mit einem Volumen, das im vergangenen Jahr etwa halb so hoch war wie die offiziell ausgewiesene Neukreditvergabe. Die Kreditexpansion hat sich demzufolge kaum verlangsamt – sie hat sich nur andere Kanäle gesucht. Und die Notenbank ist sich darüber durchaus im Klaren.

Sicherlich haben sich auch für die chinesische Konjunktur die Risiken in den vergangenen Monaten deutlich erhöht: Als mittlerweile größte Exportnation der Welt bekommt China schon jetzt die Abschwächung der globalen Konjunktur durchaus zu spüren – die Exportdynamik hat sich über die Sommermonate verlangsamt, der Handelsüberschuss ist gesunken. Die Einkaufsmanagerindizes weisen ebenfalls schon seit Monaten auf eine deutlich langsamere Gangart der chinesischen Wirtschaft hin. Gleichzeitig boomt die Bauwirtschaft unverändert auf deutlich überhöhtem Niveau und wird dadurch umso anfälliger für eine gefährliche Korrektur. Käme es zu einem deutlichen Einbruch der Bauinvestitionen oder auch der Exportkonjunktur würde die People’s Bank of China vermutlich nicht lange zögern, um einer solchen Krise recht schnell mit Zinssenkungen zu begegnen. Solange sich die chinesische Konjunktur aber weiterhin nur moderat abkühlt, wird die Notenbank wohl eher eine abwartende Haltung einnehmen, um eine „sanfte Landung“ zu begünstigen. Wir rechnen daher im kommenden Jahr auch nur noch mit einem Wachstum von gut 8 Prozent.

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