China ist immun gegen die Verlockungen des US-Dollars

Auch wenn der EU-Gipfel zur Rettung der Eurozone vieles überschattet, wollen wir an dieser Stelle den Blick nicht vor einem anderen Problemfeld verschließen: wie steht es um die Finanzierbarkeit des US-Außendefizits?

Aufschlussreich sind die jüngsten US-Kapitalflussdaten für den Berichtsmonat August. Diese erklären, wieso sich der US-Dollar trotz der Ratingaktion von S&P in diesem Monat so gut geschlagen hat. Ausländische Investoren haben im August im Angesicht der weltweiten Finanzmarktturbulenzen US-Staatsanleihen in Höhe von 60,1 Mrd. USD gekauft, und zwar sowohl private als auch offizielle Anleger. Vom globalen Trend der Flucht in den US-Dollar abgehoben hat sich allerdings China, das sein Engagements in US-Wertpapieren um 36,5 Mrd. USD verringert hat (Verkauf von längerlaufenden T-Notes in Höhe von 40,1 Mrd. USD und Kauf von kürzerlaufenden T-Bills in Höhe von 3,6 Mrd.) Der bisherige Minus-Rekord lag bei einem Verkauf von 21,2 Mrd. USD im Juni 2010. China scheint also im Unterschied zum Rest der Welt immun zu sein gegen die Verlockung der vermeintlichen Sicherheit des US-Dollars.

Wohin also mit dem Geld? Daraus macht China leider ein großes Geheimnis, und auch die europäischen Statistiken geben dazu nichts her. Dass sich mit China der größte ausländische US-Gläubiger aus den USA zurückzieht und das frei werdende Kapital stattdessen in großem Umfang proaktiv zur Rettung Europas einsetzt, halten wir allerdings für zweifelhaft. Sobald die europäische Politik ihre Schlagkraft bewiesen hat und die Stabilisierung der Eurozone zu greifen beginnt, dürfen wir sicher wieder auf EWU-weites Kaufinteresse aus China hoffen. Bis dahin dürfte es bestenfalls um die ohnehin gefragten Sicheren Häfen wie deutsche Bundesanleihen gegangen sein, wenn Geld nach Europa fließt. (So gab es im August einen Zufluss von 24,3 Mrd. EUR in deutsche Bonds und 10,6 Mrd. EUR in deutsche Geldmarktpapiere aus dem Ausland.)

Diverse chinesische Offizielle haben inzwischen wiederholt betont, dass die Lösung der Euro-Krise in Europa gelingen muss, und man nicht aktiv als Retter in der Not auftreten will. Mangels ausreichender Alternativen wird mittelfristig für China aber kein Weg an einem höheren Engagement in der Eurozone vorbeiführen.

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