Return of the GFC

Ganze fünf Tage sind vergangen seit den Beschlüssen des EU-Gipfels, die die Vertrauenskrise rund um die Staatsverschuldung („Global Financial Crisis“) eindämmen sollten. Ein erheblicher Vertrauensvorschuss, den die Kapitalmärkte daraufhin gewährten, ließ für kurze Zeit die Hoffnung keimen, dass mittelfristig wieder ökonomische Faktoren in den Vordergrund des Interesses rücken könnten, nachdem die Parameter Bewertung und Gewinnentwicklung in den letzten Monaten nahezu vollständig ausgeblendet waren.

Die Ankündigung des griechischen Premierministers Papandreou, im Parlament die Vertrauensfrage zu stellen und das Sparpaket im Januar dem Volk zur Abstimmung vorzulegen, stellen einen erheblichen Rückschlag im Lösungsprozess dar.

Selbst im günstigen Fall einer erfolgreichen Vertrauensfrage Papandreous und einer Ablehnung der Rechtmäßigkeit des geplanten Plebiszits durch die griechischen Verfassungsrichter bleiben Risiken bestehen, dass die vom Gipfel beschlossenen Maßnahmen nicht wie ausgehandelt umgesetzt werden beziehungsweise dass sie zwar umgesetzt werden, jedoch die gewünschte Wirkung am Kapitalmarkt nicht erzielen. Schließlich ist die eigentliche Ursache der Vertrauenskrise, die hohe Staatsverschuldung, mitnichten kuriert. Die Brüsseler Beschlüsse stellen, nach aktueller Einschätzung des Kapitalmarktes, lediglich ein Rezept dar gegen den Verlust des Investorenvertrauens in Willen und Fähigkeit der politisch Verantwortlichen zur Umkehr des jahrzehntelang beschrittenen Pfades zu kontinuierlich steigender Verschuldung.

Potenzielle Auslöser, die die Lösung der Staatsschuldenkrise konterkarieren könnten, liegen dabei auf der Hand. Die Hebelung der EFSF-Milliarden durch das Einwerben privaten und ausländischen Kapitals könnte länger dauern und sich als schwieriger herausstellen, als derzeit erhofft. Das AAA-Rating Frankreichs scheint angesichts der Garantieübernahmen aus dem Rettungsschirm sowie der unverändert schwachen Konjunktur nicht in Stein gemeißelt. Das aktuelle Rettungspaket für Portugal sieht die Rückkehr des Staates an den Kapitalmarkt für das Jahr 2013 vor. Angesichts der wirtschaftlichen Situation dort und unserer Erwartung einer auch im Jahr 2012 fortgesetzten Rezession könnten im Verlauf der kommenden Monate Zweifel am Zeitplan zum Kapitalmarkt-Comeback aufkommen und eine Diskussion über eine „griechische Lösung“ für das iberische Land auslösen. Und schließlich steht im ersten Quartal 2012 in Italien mit fälligen und zur Refinanzierung anstehenden Anleihen im Volumen von rund 110 Milliarden Euro ein erster Lackmustest für das von Berlusconi noch vorzulegende massive Spar- und Restrukturierungspaket des Stiefelstaates an.

Das Risiko für die Kapitalmärkte besteht bei den genannten Problemen nicht darin, dass sie bestehen. Die meisten davon werden schließlich in mehr oder weniger umfangreichem Ausmaß von den Investoren erwartet und sind mit den geschaffenen Werkzeugen von EFSF & Co. beherrschbar. Das eigentliche Risiko besteht nach unserem Dafürhalten in einem erneuten Politikversagen. Sollten Investoren den Eindruck bekommen, dass sich die Politik angesichts neu auftauchender Probleme vom derzeitigen Pfad der Kooperation und des entschlossenen Handelns wieder abwenden und in den während der ersten eineinhalb Jahren der Krise eingeschlagenen Weg des „Durchwurschtelns“ einschwenken, so wäre das wiedererstarkte Vertrauen erneut schnell verspielt und eine anhaltend negative Marktreaktion wäre die wahrscheinliche Folge.

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