Griechisches Roulette und italienischer Zinspoker

Die waghalsige Entscheidung von Staatschef Papandreou, ein Referendum über die mit der EU so hart erarbeiteten Sparpläne abzuhalten, hat die Finanzmärkte rund um den Globus und natürlich auch den Euro erschüttern lassen. Der Zeitpunkt hätte kaum unpassender sein können, nachdem die Investoren unter dem Eindruck des Gipfels gerade Hoffnung zu schöpfen begannen. Der Kursrutsch des Euro von knapp 1,42 USD auf nur noch 1,3620 USD ist – den Umständen entsprechend- sogar noch recht verhalten. Immerhin ist seit Dienstag der Euro-Austritt Griechenlands nicht mehr nur ein theoretisches Gedankenspiel.

Als gäbe es nicht schon genügend Unsicherheit, trägt jetzt auch noch die EZB dazu bei. Über Sinn und Unsinn der überraschenden Zinssenkung kann man vortrefflich streiten – immerhin lag die EWU-Inflation im Oktober noch immer bei drei Prozent. Dass der Schritt unzureichend vorbereitet war, lässt sich dagegen wohl kaum wegdiskutieren. Gedacht als Hilfestellung in schwierigen Zeiten, dürfte sich „Super-Mario“ Draghi bei seinem Amtsantritt durch die mangelhafte Vorbereitung der Märkte einen Bärendienst erwiesen haben. Das letzte, was die Finanzmärkte im gegenwärtigen Umfeld brauchen, ist zusätzlich zur Unzuverlässigkeit Griechenlands auch noch eine unkalkulierbare Notenbank. Mit den sich abzeichnenden weiteren Zinssenkungen und dem trüben Konjunkturausblick für die Eurozone dürfte es der Euro auch in den kommenden Wochen noch schwer haben.

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