Abwärtsrisiken für den Euro überwiegen weiterhin

Als ob der Kampf gegen die europäische Schuldenkrise bislang nicht schon kompliziert genug war, so wird dieser nun auch noch durch die in Italien und Griechenland hinzugekommenen politischen Unsicherheiten verschärft. Die im Oktober aufgekommene Hoffnung auf eine unmittelbar bevorstehende Lösung der EWU-Schuldenkrise hat mit den jüngsten politischen Entwicklungen einen herben Dämpfer erfahren.

Da Italien derzeit immer tiefer in die Krise zu rutschen scheint und damit auch die Sorgen vor einer erneuten Eskalation der Schuldenkrise jüngst wieder deutlich zugenommen haben, dürfte der Euro in den nächsten Wochen anfällig für weitere Kursrückschläge bleiben. Angesichts dessen, dass marktseitig in Italien erst Anfang 2012 mit Neuwahlen gerechnet wird, und auch in Griechenland Neuwahlen erst Mitte Februar auf der Agenda stehen, dürfte die Frage, wohin die politische Reise gehen wird, uns noch eine Zeit lang in Schach halten. Wenngleich die europäische Schuldenkrise nach wie vor das beherrschende Thema am Devisenmarkt ist, so sollte man die sich mehrenden Sorgen vor einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung der Eurozone, aber auch der Weltwirtschaft insgesamt nicht aus den Augen verlieren. Neue Nahrung haben entsprechende Befürchtungen jüngst durch die EZB erhalten, hat doch der neue EZB-Chef Draghi, quasi als erste Amtshandlung, mit Verweis auf die zugenommenen Konjunkturrisiken in der Eurozone, den Leitzins unerwartet gesenkt. Weitere geldpolitische Lockerungen sollten unserer Ansicht nach in den kommenden Monaten folgen und dem Euro zusammen mit den politischen Problemen in der EWU weitere Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Ein Kommentar

Enrico Liebich

Guten Tag Herr Bielmeier,
die unerwartete Zinssenkung durch den neuen Chef der EZB ist meines Erachtens nur zum Teil den Konjunktursorgen gewidmet. So zeichnen sich zwar in den Umfragen der Banker, Analysten und Unternehmenslenker bedrohliche Umstände ab, die Realwirtschaft scheint aber derzeit relativ robust zu sein. Der gefühlte wichtigere Teil der Zinssenkung zielt meines Erachtens auf die Sorgen der sog. Peripherie. Und hier sind die Umstände mehr als bedrohlich.
Viele Grüße

Enrico Liebich

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *