Aktienmärkte im Banne der Schuldenkrise: Ist dieses Mal wirklich alles anders?

Mögen viele Experten auch noch so wegen der Auswirkungen der Krisen der vergangenen Jahre besorgt sein: Aus Sicht der Investmentpraxis ist der Seitwärtsmarkt, in dem sich die globalen Aktienmärkte seit über zehn Jahren befinden, weder eine neue noch eine härtere Marktphase als frühere Perioden.
So zeigt der Rückblick auf den Kursverlauf des S&P 500 Index seit 1871, dass der wichtigste amerikanische Leitindex innerhalb der Zeitspanne von immerhin 141 Jahren satte 80 Jahre in lang andauernden Seitwärtsmärkten verbrachte. Der größte Teil der Kursgewinne, den der Index seit 1871 verbucht hat, wurde in gerade mal zwei Bullenmärkten erzielt (1949-1966 und 1982-2000). Den letzten großen Seitwärtsmarkt markierte der Zeitraum 1966 bis 1982. In diesen 16 Jahren legte der S&P 500 um lediglich 12% zu.

Eingeleitet wurde der Seitwärtsmarkt durch eine vergleichweise starke Abschwächung der US-Wirtschaft und dem Ende des Booms um die „Nifty-Fifty“-Aktien, einer Gruppe von großen Blue-Chip-Werten wie Coca Cola und Procter & Gamble, die insbesondere 1972 deutlich überbewertet schienen. Durch die beiden Ölpreisschocks 1973 und 1979 sowie die schwere Rezession 1974 und andere Belastungen (Vietnam-Krieg, Inflation, Kalter Krieg u.a.) kam der Aktienmarkt nicht mehr aus den Startlöchern. Die gleichzeitig stark ansteigenden Zinsen sorgten zusätzlich für interessante Anlagealternativen im Bondbereich. Die Jahre zwischen 1966 und 1982 waren geprägt durch fünf heftige Korrekturphasen mit bis zu 50% Kursverlust im Zeitraum 73/74 sowie vier deutliche Aufschwungsphasen. Interessanterweise ging es jedoch den US-Unternehmen in dieser Zeit recht gut, so stiegen z.B. die Unternehmensgewinne in diesen 16 Jahren um durchschnittlich vier Prozent pro Jahr.

Der Seitwärtsmarkt, in dem sich die Aktienindizes seit dem Jahresbeginn 2000 befinden, weist viele Parallelen zum erwähnten letzten großen Seitwärtsmarkt auf. Erneut begann der Seitwärtsmarkt mit einem Kursrutsch bei „glamour“-Aktien, dieses Mal in Form von Nasdaq- und Neuer Markt-Titeln. Danach kam es zu zwei US-Rezessionen (2001/2009) und anderen exogenen Schocks (Häusermarktblase, 9/11, Irak, Schuldenkrise). Ähnlich wie in den 70ern sind die Folgen absehbar und unangenehm. Ein auf mehrere Jahre hinaus niedrigeres Wirtschaftswachstum infolge der notwendigen Sparmaßnahmen der hoch verschuldeten Staaten ist sehr wahrscheinlich.

Aktien sind unbeliebt und nach den Kursverlusten der letzten Jahre und der anhaltend hohen Volatilität dürfte sich daran vermutlich auch zunächst nicht viel ändern. Dass allerdings die Bewertung von internationalen Blue-Chips mit defensiven Geschäftsmodellen und Preissetzungsmacht zum Teil deutlich niedriger liegt als im März 2009 oder Anfang der 80er und Privatunternehmen wegen der vorhandenen Substanz aktuell mehr Sicherheit als Staatspapiere verbriefen, sollte bei diesem Vergleich aber nicht unerwähnt bleiben. Bis sich die Gewinnaussichten wieder verbessern, entschädigt die hohe Dividendenrendite von knapp vier Prozent.

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