Zweckoptimismus und symbolische Notenbankaktionen

Die Euro-Krise lodert weiter vor sich hin und fordert schleichend auch vom Euro-Wechselkurs ihren Tribut. Im Tief war die Gemeinschaftswährung im dünnen Feiertagshandel um Thanksgiving herum dann auch bis auf ein Sieben-Wochen-Tief gefallen. Dass sich der Euro seit Mitte der Woche wieder angrifflustig zeigt und um die Marke von 1,35 USD tänzelt, lässt sich mit drei Aspekten erklären: der konzertierten Aktion der großen Notenbanken zur Liquiditätsbereitstellung, dem wachsenden Optimismus bezüglich eines großen Wurfs beim kommenden EU-Gipfel sowie der ausgeprägten Short-Positionierung des Marktes, die den Short Squeeze begünstigt hat.

Wie dankbar die Finanzmärkte derzeit jede Hilfe von höherer Hand annehmen, zeigt die euphorische Reaktion auf die verbilligte Bereitstellung von Fremdwährungsliquidität. Dabei bietet die EZB schon seit geraumer Zeit auch Dollar-Liquidität an; die Maßnahmen vom Mittwoch sind also keinesfalls neu. Es kann auch nicht die Rede davon sein, dass die Notenbanken die Geldmärkte mit Liquidität fluten. Tatsächliche Liquidität ist nämlich noch nicht geflossen. Der größte Effekt ist wohl psychologischer Natur: anders als die Politik arbeiten die Notenbanken international effizient zusammen und sind anders als die Politik bereit, ein prophylaktisches Sicherheitsnetz zu spannen für den Fall einer weiteren Krisenverschärfung. Über diese symbolische Wirkung hinaus sollte der realwirtschaftliche Effekt der konzertierten Aktion aber nicht überbewertet werden.

Reizvoll wird die Maßnahme in Kombination mit den schon recht hoch gesteckten Erwartungen an den EU-Gipfel am 9. Dezember. Doch es wäre nicht der erste europäische Krisengipfel, von dem sich die Märkte den großen Rundumschlag und die ultimative Rettung erhoffen – nur um dann abermals enttäuscht zu werden. Klar ist: die europäischen Regierungen stehen unter massivem Zugzwang. Die Finanzmärkte wollen einen Beweis für die politische Entschlossenheit, die Schuldenkrise zu bewältigen. Und dies nicht nur mit leeren Worthülsen, sondern mit konkreten Taten. Die deutsche Bundesregierung will eine schärfere Kontrolle des Stabilitätspaktes. Als Themen werden aber auch eine verstärkte wirtschaftliche Koordinierung, die Einführung von Euro-Bonds, die Möglichkeit, Defizitsündern das Stimmrecht in den EU-Gremien zu entziehen oder das Streichen von EU-Strukturhilfen gehandelt. Droht dem Euro abermals eine Enttäuschung der zu hoch gesteckten Erwartungen in die EU-Politik? Nach einer beschaulichen und ruhigen Adventszeit sieht es jedenfalls nicht aus.

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