Notenbanken bekämpfen Liquiditätsengpässe in konzertierter Aktion

In einer koordinierten Aktion haben die bedeutendsten Notenbanken der Welt (BoC, BoE, BoJ, EZB, SNB und Fed) beschlossen, die Versorgung der Märkte mit Dollar-Liquidität weiter sicherzustellen und bereits bestehende Vereinbarungen über den Austausch von Dollar-Liquidität (Swaplinien) bis zum 1. Februar 2013 zu verlängern.

Darüber hinaus wurde entschieden, den Preis für diese Dollar-Liquidität um 50 Basispunkte zu senken. Als zusätzliche Maßnahme haben die Notenbanken untereinander weitere bilaterale Währungsswaps vereinbart, um so die jeweiligen nationalen Geschäftsbanken mit Liquidität in Fremdwährung versorgen zu können. Gegenwärtig gebe es aber noch nicht die Notwendigkeit, von diesen Vereinbarungen Gebrauch zu machen. Vielmehr liegt der Fokus der Notenbanken darauf, die Versorgung des globalen Bankensektors mit Dollar-Liquidität sicherzustellen.

In Anbetracht der schwelenden europäischen Schuldenkrise war in den vergangenen Monaten eine steigende Nachfrage nach Dollar-Liquidität auszumachen. Die jüngsten Beschlüsse sind darauf gerichtet, möglichen Verwerfungen im Interbankengeldmarkt aufgrund von Dollar-Engpässen vorzubeugen.

Letztlich können die getroffenen Beschlüsse der Notenbanken als Sicherheitsnetz betrachtet werden, um bei einer sich weiter eintrübenden Marktstimmung die Liquiditätsversorgung des globalen Bankensektors sicherzustellen.

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2 Kommentare

Ayhan Güler

Guten Tag Herr Bielmeier,

ich befasse mich mehr mit der Schweiz und hätte ein paar Fragen hierzu.

Am Geldmarkt sind stetig steigende Zinsen für schweizer Franken festzustellen. Ist eine Aktion der SNB zur Liquiditätsversorgung mit CHF um die Kreditaufnahme weiter zu fördern und dadurch indirekt den Devisenkurs zu beeinflussen denkbar?

Des Weiteren bestehen am Markt Spekulationen über einen weiteren Schritt der SNB zur Anhebung des Mindestkurses auf ein Niveau von 1,25 EUR/CHF wenn nicht sogar 1,30 EUR/CHF.

Neben der Anhebung des MIndestkurses besteht die Möglichkeit der Einführung von Negativzinsen.

Wie realistisch sind diese Maßnahmen.

Vielen Dank und freundliche Grüße

Ayhan Güler

DZ BANK Research

Anders als in „normalen“ Zeiten sind die steigenden Zinsen an den weltweiten Geldmärkten kein Ausdruck von Leitzinserhöhungserwartungen, sondern von erhöhter Risiko- und Liquiditätsprämie. Der weltweit schwierigen Situation am Interbankenmarkt und der ausgeprägten Zurückhaltung der Banken, untereinander Geld zu verleihen, ist mit herkömmlichen Liquiditätsmaßnahmen nur begrenzt Herr zu werden. Der von Ihnen angesprochene Anstieg bei den Schweizer Geldmarktsätzen ist dabei vergleichsweise gering (von 0,0033% Anfang September auf zuletzt 0,051%, gemessen am 3M-CHF-Libor).

Eine erneute Ausweitung der ohnehin schon großzügigen Liquiditätsbereitstellung der SNB wäre als geldpolitische Maßnahme zur Konjunkturstimulierung denkbar; wie gering allerdings die Wechselkurswirkungsein dürfte, hat die Flutung des Geldmarktes im August/September gezeigt.

Deutlich wahrscheinlicher ist die Anhebung der von der SNB verteidigten EUR-CHF-Untergrenze von derzeit 1,20 CHF. Da die jüngsten Konsumentenpreisdaten (-0,2% m/m, -0,5% y/y) die schwelende Deflationsgefahr erschreckend nachdrücklich unterstrichen haben, fehlt es nicht an Motivation für die SNB. Ein guter Zeitpunkt wäre dafür die Notenbanksitzung am 15. Dezember.

Die Diskussion über Negativzinsen sehen wir kritisch. Es ist korrekt, dass derzeit eine Arbeitsgruppe der Schweizer Regierung prüft, ob im Falle einer weiteren Verschärfung (!) der EWU-Schuldenkrise Negativzinsen und/oder Kapitalverkehrskontrollen sinnvoll wären. Wir halten Negativzinsen für wenig effektiv: Wie wenig Zinssenkungen eine krisenbedingte Franken-Aufwertung aufhalten können, haben wir im August 2011 gesehen. Auch das Experiment in den 70er Jahren, als man versuchte, mit Negativzinsen die CHF-Aufwertung zu stoppen,ist kläglich gescheitert. Zudem ist die SNB in ihren geldpolitischen Entscheidungen unabhängig, muss sich also von der Regierung nicht diktieren lassen, welcher Zinssatz angemessen wäre. (Anders wäre dies bei der Einführung von Steuern auf Ausländer-Konten, gehaltene Anleihen o.ä.. Diese könnten von politischer Seite eingeführt werden.)

Am plausibelsten, da am wirkungsvollsten, ist für uns eine Fortsetzung der Verteidigung einer konkreten Wechselkursgrenze. Der Erfolg der SNB in den letzten Monaten spricht für sich. Die damit erzielte Glaubwürdigkeit würde auch eine schrittweise Anhebung der EUR-CHF-Grenze ermöglichen, die auch bei einer weiteren Kriseneskalation durch die SNB zu verteidigen wäre. Eine spekulative Attacke gegen die SNB ist für uns keine gewinnbringende Strategie.

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