Die Waffen der SNB

Die Strategie der SNB, eine Untergrenze in EUR-CHF von 1,20 CHF zu verteidigen, war bislang ein großer Erfolg. Da der Franken beim aktuellen Kursniveau um 1,23 CHF aber für viele noch immer zu stark ist, mehren sich die Forderungen nach weiteren Aktionen zur Franken-Abwertung.

Eine erneute Ausweitung der ohnehin schon großzügigen Liquiditätsbereitstellung der SNB wäre als geldpolitische Maßnahme zur Konjunkturstimulierung denkbar; wie gering allerdings die Wechselkurswirkungsein dürfte, hat die Flutung des Geldmarktes im August/September gezeigt. Deutlich wahrscheinlicher ist die Anhebung der von der SNB verteidigten EUR-CHF-Untergrenze von derzeit 1,20 CHF. Da die jüngsten Konsumentenpreisdaten (-0,2% m/m, -0,5% y/y) die schwelende Deflationsgefahr erschreckend nachdrücklich unterstrichen haben, fehlt es nicht an Motivation für die SNB. Ein guter Zeitpunkt wäre dafür die Notenbanksitzung am 15. Dezember.

Die Diskussion über Negativzinsen sehen wir kritisch. Es ist korrekt, dass derzeit eine Arbeitsgruppe der Schweizer Regierung prüft, ob im Falle einer weiteren Verschärfung (!) der EWU-Schuldenkrise Negativzinsen und/oder Kapitalverkehrskontrollen sinnvoll wären. Wir halten Negativzinsen für wenig effektiv: Wie wenig Zinssenkungen eine krisenbedingte Franken-Aufwertung aufhalten können, haben wir im August 2011 gesehen. Auch das Experiment in den 70er Jahren, als man versuchte, mit Negativzinsen die CHF-Aufwertung zu stoppen,ist kläglich gescheitert. Zudem ist die SNB in ihren geldpolitischen Entscheidungen unabhängig, muss sich also von der Regierung nicht diktieren lassen, welcher Zinssatz angemessen wäre. (Anders wäre dies bei der Einführung von Steuern auf Ausländer-Konten, gehaltene Anleihen o.ä.. Diese könnten von politischer Seite eingeführt werden.)

Am plausibelsten, da am wirkungsvollsten ist für uns eine Fortsetzung der Verteidigung einer konkreten Wechselkursgrenze. Der Erfolg der SNB in den letzten Monaten spricht für sich. Die damit erzielte Glaubwürdigkeit würde auch eine schrittweise Anhebung der EUR-CHF-Grenze ermöglichen, die auch bei einer weiteren Kriseneskalation durch die SNB zu verteidigen wäre. Eine spekulative Attacke gegen die SNB ist für uns keine gewinnbringende Strategie.

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