Investmentstrategie: Dieses Mal ist alles anders!? – Teil 2

Über Jahre hinweg wurde Anlegern empfohlen, ihre Investments über verschiedene Assetklassen hinweg zu diversifizieren. Nach den negativen Erfahrungen in Folge der hohen Kursverluste am Aktienmarkt nach dem Platzen der Blase 2000 fokussierten sich viele Anleger insbesondere auf Staatsanleihen, um weg vom riskanten Anlageinstrument Aktie zu kommen. Infolge der bis heute immer weiter gesunkenen Renditen führte diese Strategie zum Erfolg. Inzwischen sind die Renditen für Staatsanleihen jedoch auf extrem tiefen Niveaus angelangt und Argumente für langfristig bessere Zeiten am Rentenmarkt sind rar.

Viele der entwickelten Industriestaaten sind hoch verschuldet. So weisen alleine die G8-Staaten eine durchschnittliche Verschuldung in Höhe von 98% des BIP auf. Um die hohe Verschuldung der Staaten langfristig zu senken, wäre ein Mix aus Restrukturierungs- und Sparmaßnahmen, Wirtschaftswachstum und Überraschungsinflation zielführend. Erfolgreich funktionierte dieser Cocktail bereits in den USA in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Die Vereinigten Staaten wiesen 1946 eine Verschuldungsquote von 122% des BIP auf; deutlich mehr als heute (rund 100%). Durch die Niedrigzinspolitik in den ersten Jahren nach dem Krieg und dem darauf folgenden graduellen Anstieg der Leitzinsen in den 1950er blieben die Zinsen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bis 1959 unter vier und bis 1966 unter fünf Prozent und damit relativ niedrig. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries lag in den späten 1940ern nominal bei nur 2,5% und nach Abzug der Inflation sogar im leicht negativen Bereich. In den 50ern und 60ern „zahlten“ die Anleihenbesitzer somit doppelt: zum einen durch die geringe laufenden Verzinsung und zum zweiten durch die Kursverluste infolge der steigenden Zinsen. Moderate bis hohe Inflation sorgte in den Jahren danach dafür, dass der US-Schuldenstand bis 1980 auf 34% des BIP zurückfiel.

Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Staatsanleihenrenditen auf Sicht der nächsten Jahre weiter sinken und damit wie in den letzten Jahren signifikante Kursgewinne generieren, ist aus unserer Sicht gering. Somit fallen Staatsanleihen aus unserer Sicht als attraktive Assetklasse für geraume Zeit aus. Auf dem aktuell niedrigen Niveau entschädigen sie nicht für den Kaufkraftverlust und sollten die Zinsen wider Erwarten stärker ansteigen, drohen Kursverluste. Wir empfehlen daher weiterhin auf andere Anleihensegmente, wie Emerging Marktes-Anleihen sowie Corporate und Covered Bonds, auszuweichen, da diese ein deutlich höheres Renditepotenzial aufweisen. Auch auf der Aktienseite bleiben wir bei unserer Strategie, zyklische Werte infolge der deutlich nachlassenden Konjunkturdynamik zu ignorieren und stattdessen defensive Titel, insbesondere aber auch die aktuell sehr niedrig bewerteten internationale Blue Chip-Werte (S&P 500, DJ Global Titans) zu kaufen. Im erwarteten Umfeld geringer Wachstumsraten entschädigen substanz- bzw. dividendenstarke Sektoren für unterdurchschnittliche Kursgewinne und sind zugleich besser gegen eine rezessive Entwicklung, welche wir zwar nicht erwarten, jedoch auch nicht ausschließen können, geschützt als zyklische Branchen. Mit der Heraufstufung des Energiesektors (Öl & Gas) sowie der Untergewichtung der zyklischen Sektoren Grundstoffe, Medien und Reise & Freizeit verstärken wir unsere defensive Ausrichtung innerhalb des Euro Stoxx weiter. Die Allokation haben wir im Dezember nicht geändert.

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