Vorsicht vor dem Short Squeeze

Die EWU-Schuldenkrise lodert weiter und verspricht alles andere als einen geruhsamen Jahresausklang. Mit dem Rutsch unter 1,30 USD hat der Euro die Rechnung für die Versäumnisse der letzten Monate präsentiert bekommen; doch es gibt auch noch ein Leben jenseits der Schuldenkrise. Auch wenn wir in den jüngsten Kursverlusten in erster Linie eine Euro-Schwäche sehen, gäbe es auch Gründe für einen erstarkenden Dollar. So haben die US-Konjunkturdaten in den letzten Wochen mehrheitlich auf der positiven Seite überrascht. Der DZ BANK Surprise-indikator, der die Abweichung der veröffentlichten US-Konjunkturdaten von den Markterwartungen misst, liegt aktuell so hoch wie zuletzt im Juni 2009. Dies wiederum hat auch die sich noch im Herbst überschlagenden Spekulationen auf weitere Maßnahmen zur Quantitativen Lockerung der Fed auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und damit einen Stolperstein für den US-Dollar beseitigt. Erschwerend kommt für den Euro das charttechnische Bild hinzu, das durch einen lehrbuchmäßigen Abwärtstrendkanal dem Euro den Weg gen Süden zeigt. Die Begrenzungslinien verlaufen bei rund 1,2835 USD bzw. 1,3335 USD. Zudem wird der Euro durch das markante Tief vom 10. Januar bei 1,2860 USD abgesichert. Die negative Indikatorenlage legt einen weiteren Kursverfall nahe.

Zu den wenigen Argumenten, die der Euro angesichts schlechten Sentiments, negativen Chartbilds und sich aufhellender US-Konjunktur für sich verbuchen kann, zählt die bereits sehr ausgeprägte Euro-Short-Positionierung. Der Markt hat sich bereits massiv auf einen weiteren Euro-Kursrutsch eingestellt (Euro-Short-Kontrakte laut IMM-Daten: 95.814), was gegen den weiteren Aufbau spekulativer Wetten gegen den Euro spricht. Sollten stattdessen diese Positionen zum Jahresende geschlossen werden, könnte der Euro entgegen der oben vorgebrachten Argumente und für viele auch entgegen jeglicher Vernunft aufwerten.

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