USA: Rezessionsängste in den Hintergrund getreten

Gemessen an den Besorgnissen über eine drohende Rezession, die noch in den Sommermonaten die Diskussion beherrschten, hat sich die US-Konjunktur erstaunlich gut geschlagen. Das dritte Quartal steht trotz aller Stimmungsbelastungen, die etwa infolge der dramatischen Kontroverse um die Anhebung der staatlichen Schuldengrenze, immerhin mit einem Quartalszuwachs von rund 2,0 Prozent (annualisiert) zu Buche. Für das Jahresende und mit Blick auf das nächste Jahr sind ebenfalls positive Wachstumsraten zu erwarten.  

Die Tatsache, dass sich in den letzten Monaten zahlreiche Konjunkturindikatoren deutlich verbessert haben, gibt genügend Anlass, für die US-Wirtschaft in der Tat von zwar weiter gedämpften, aber immerhin positiven Wachstumsraten auszugehen. Zunächst fällt ins Auge, dass die Konsumenten ihr Stimmungstief vom Spätsommer hinter sich gelassen haben. So hat etwa der Konsumklimaindex des Conference Board im November einen mächtigen Satz nach oben gemacht und damit den Rückschlag der Vormonate fast wett gemacht. Die positive Beschäftigungsdynamik im Privatsektor (480 Tsd. neue Jobs seit Ende August) mag sie in ihrer Zuversicht gestützt haben.

Auch wenn die Industrieproduktion zuletzt nur schwachen Schwung zeigte, geben die insgesamt guten Auftragseingänge Grund zur Hoffnung, dass es in der Industrie nicht zu größeren Rückschlägen kommen wird. Auch vom Häusermarkt kamen zuletzt positive Nachrichten. Die Baubeginne und Baugenehmigungen stiegen an, der Stimmungsindex der Wohnungsbaufirmen (NAHB-Index) legte zwei Punkte zu und erreichte so im Dezember den höchsten Wert seit 19 Monaten. Die Einkaufsmanager-Indices des ISM in der Industrie und im Servicesektor haben sich seit längerem über der Neutral-Linie von 50 Punkten gehalten und sind so zumindest mit leichtem Wachstum kompatibel.

Sicher gibt es nach wie vor Gefahren für das Wachstum, die etwa vom Immobilienmarkt, dem schwachen privaten Einkommenstrend oder wieder steigender Arbeitslosigkeit ausgelöst oder verstärkt werden können. Insgesamt ist der US-Aufschwung aber intakt. Er könnte vor allem dann gestört werden, wenn negative Einflüsse in größerem Umfang von außen zum Tragen kommen. Dazu gehört etwa die Möglichkeit, dass die Schuldenkrise in der Eurozone eskaliert und sie damit nicht nur in Europa, sondern auch anderswo – über den Außenhandel oder über das Bankensystem – zu rezessiven Effekten führt. Diese Entwicklung ist nicht auszuschließen, sie entspricht aber nicht unserem Hauptszenario. Für die US-Wirtschaft erwarten wir vielmehr weiter ein BIP-Wachstum von je 1,7% in 2011 und 2012. Dass der US-Senat soeben einer vorläufigen Verlängerung der Langzeitarbeitslosenhilfe und der verminderten Sozialbeiträge zugestimmt hat, bestätigt die Zuversicht für diesen gedämpft optimistischen US-Ausblick.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *