Ausreichende Kreditversorgung in Deutschland und Europa?

Die Ergebnisse der Banken-Stresstests haben erneut die Frage einer Kreditklemme in Deutschland und Europa aufgeworfen. 31 Banken aus 12 europäischen Ländern sind nun aufgefordert, eine Eigenkapitallücke von 115 Mrd. Euro bis Ende Juni zu schließen. Viele große Kreditinstitute, die schon in der Finanzmarktkrise in Schieflage geraten waren und Staatshilfe benötigten, befinden sich immer noch in einem Konsolidierungsprozess, der oft mit einer zurückhaltenden Kreditvergabe verbunden ist. Die neuen Anforderungen der Europäischen Bankenaufsicht verschärfen die Situation zusätzlich. Im Hinblick auf die ohnehin fragile Konjunkturentwicklung in vielen Ländern Europas stellen mögliche Finanzierungsengpässe vor allem für Unternehmen ein zusätzliches Risiko dar.

In den vergangenen Jahren wurden von privaten Haushalten und Unternehmen zudem verstärkt Kredite mit langer Zinsbindung nachgefragt. Kunden ließen sich so das niedrige Zinsniveau bei Krediten für Immobilien- und langlebigen Ausrüstungsinvestitionen dauerhaft festschreiben. Angesichts der niedrigen Zinsen sind Anleger jedoch immer weniger bereit, in langfristige Festzinsanlagen zu investieren. Dieser „Fristenspagat“ zwischen Kreditgeschäft und Refinanzierungsseite wird für die Banken immer schwieriger.

In Deutschland ist derzeit aber keine generelle Kreditklemme zu beobachten. Eine zurückhaltende Kreditvergabe einiger größerer Anbieter dürfte zumindest teilweise durch eine anhaltend expansive Kreditpolitik von Kreditgenossenschaften und Sparkassen kompensiert werden.

Auf gesamteuropäischer Ebene ist die Gefahr einer Kreditklemme größer. Die Gründe hierfür liegen vor allem in der schlechteren Konjunkturentwicklung verschiedener Länder, im Konsolidierungsprozess, in dem sich verschiedene Banken nach Schieflagen noch befinden, sowie in zum Teil gravierenden Eigenkapitalengpässen als Folge der Banken-Stresstests.

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