Portfolioflussdaten aus USA und EWU: Wohin mit dem Fluchtkapital?

Eines der zahlreichen Damokles-Schwerter, die in den kommenden Wochen noch über dem Euro schweben, sind die Entscheidungen der Ratingagenturen über die Bonität praktisch aller Euro-Mitglieder. Auch wenn Fitch jüngst trotz aller bleibender Skepsis angedeutet hat, dass Frankreichs Rating wohl 2012 doch nicht angetastet wird, steht noch das Votum anderer Agenturen sowie das über andere Länder aus. Die offizielle Entscheidung ist bis spätestens Ende des Monats fällig, bis dahin dürften Gerüchte über mögliche Herabstufungen immer wieder für zusätzliche Volatilität im Euro sorgen. Doch der Verlust des AAA-Ratings für sich genommen ist noch nicht zwingend der Startschuss für einen Ausverkauf der Währung. Angesichts des derzeitigen labilen Stimmungsumfelds würde der Euro auf einen solchen Schritt wohl verstört reagieren, doch das Beispiel der USA zeigt, dass es auch ein Leben nach dem AAA-Verlust gibt, wie der massive US-Renditeverfall seit der Herabstufung im August zeigt.

Ein anderes, heikleres Bild offenbart der Blick auf die grenzüberschreitenden Transaktionen („Tic-Flows“). Während die US-Märkte in den bisherigen Eskalationsphasen der diversen Finanzmarktkrisen hohen Zuspruch ausländischer Investoren erfahren haben, plätschert die Nachfrage ausgerechnet in den letzten Monaten der Euro-Krise nur noch zaghaft dahin (langfristiger Portfolio-Zufluss im Jahr 2011: durchschnittlich nur 29,75 Mrd. USD pro Monat, verglichen mit 66,08 Mrd. USD in 2010). Am kommenden Mittwoch stehen hierzu die neuesten Daten für den Berichtsmonat November an.

Auch die Eurozone verspricht Neues von der Kapitalflussfront. Einen Tag nach den US-Daten gibt es die Portfoliozuflüsse in die Eurozone. Im letzten vorliegenden Monat Oktober haben ausländische Investoren Wertpapiere im Volumen von rund 60 Mrd. EUR aus der Eurozone abgezogen; ein Gegengewicht hierzu bildeten die Repatriierungen europäischer Anleger (35,2 Mrd. EUR), die ihrerseits Gelder aus dem Ausland in die Eurozone geholt haben und damit den Netto-Kapitalabfluss gemildert haben. Die beiden zentralen Fragen sind also: Ist der US-Markt noch immer ein Sicherer Hafen? Setzt sich der Kapitalabzug aus der Eurozone fort?

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