Konjunkturdaten aus China überraschen positiv

Die chinesische Wirtschaft drosselt das Wachstumstempo weiter – allerdings nur leicht: Wie das chinesische Statistikamt heute Morgen berichtete, ist die Wirtschaftsleistung zum Jahresschluss 2011 um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist zwar so langsam wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Trotzdem stellt der jetzt gemeldete Wert eher eine positive Überraschung gegenüber den in den vergangenen Wochen doch deutlich nach unten revidierten Erwartungen des Marktes und auch gegenüber unseren eigenen Schätzungen dar.

Vieles spricht momentan dafür, dass der Außenhandel im vergangenen Quartal der größte Störfaktor für die Wachstumsdynamik war: Die Exporte sind nach unseren Berechnungen zum Jahresschluss kaum noch gewachsen, insbesondere aufgrund der schwachen Nachfrage aus Europa, wohin rund 20 Prozent der chinesischen Ausfuhren gehen. An dieser Schwäche dürfte sich so bald auch nichts ändern. Gleichzeitig hat China seine eigene Importnachfrage nach der relativ schwachen Entwicklung im Sommerhalbjahr 2011 (hierzu haben auch die Lieferprobleme aus Japan beigetragen) wieder deutlich gesteigert, was sich so aber wohl kaum fortsetzen wird – darauf weisen die etwas schwächeren Daten im Dezember bereits hin.

Das Wachstum wurde zuletzt also von der Binnennachfrage Chinas getragen – das ist zunächst eine gute Nachricht. Skeptisch sehen wir jedoch die Entwicklung im Bausektor, der sich zwar allmählich abkühlt, jedoch auf nach wie vor viel zu hohem Niveau. Hier werden weiter enorme Überkapazitäten aufgebaut, die eine sanfte Landung des Immobilienmarktes, die sich momentan ja durchaus abzeichnet, in Zukunft erschweren. Auch ist ein deutliches Abbremsen der Bautätigkeit absehbar, das das Wirtschaftswachstum Chinas in diesem Jahr noch belasten wird.

Positiv an den nun vorliegenden Wachstumszahlen ist auch, dass Peking sich jetzt wohl nicht so schnell genötigt sehen dürfte, konjunkturpolitischen Aktionismus zu betreiben, wie sich dies noch vor ein paar Wochen andeutete. Größere geld- oder fiskalpolitische Stimuli würden nämlich die aktuellen Schieflagen im Wirtschaftsgefüge Chinas – die heillos überschuldeten Provinzen, oder auch den überteuerten und gerade erst mühsam abgekühlten Immobilienmarkt – weiter verschärfen und die Konjunkturrisiken in der mittleren Frist deutlich erhöhen. Stattdessen sind der Mindestreservesenkung im Rahmen der konzertierten Notenbankaktion im Dezember bislang keine weiteren Schritte gefolgt. Das Wirtschaftswachstum in China wird daher vorerst verhalten bleiben: Im laufenden Quartal rechnen wir mit einer weiteren Verlangsamung der Wachstumsdynamik in Richtung der 8-Prozent-Grenze, die für China allgemein als kritisch gilt. Auch im Gesamtjahr 2012 dürfte das Wachstum nur leicht über dieser Schwelle liegen. Zudem bleibt der Ausblick auf das laufende Jahr von hohen Risiken geprägt. Gelingt es Peking aber, die bisherige „Politik der ruhigen Hand“ beizubehalten, werden die Wachstumsraten wohl auch noch im kommenden Jahr unterdurchschnittlich bleiben, die mittelfristigen Konjunktur- und Stabilitätsrisiken sollten sich dann aber in Grenzen halten.

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