Euro profitiert von Fed, aber wie lange?

Die US-Notenbank hat es geschafft, das Thema EWU-Schuldenkrise zumindest momentan am Devisenmarkt in die zweite Reihe zu verbannen. Vor dem Hintergrund der von der Fed eingeführten historischen Neuerungen (Bekanntgabe eines offiziellen Inflationsziels, Veröffentlichung von Leitzinsprojektionen) ist die Aufmerksamkeit des Marktes nur zu verständlich. Über diese Abwechslung freuen nicht nur wir uns, auch der Euro zeigt sich begeistert und nutzte die Ankündigung der Fed, den Leitzins vermutlich bis Ende 2014 (und damit deutlich länger als bislang erwartet) auf dem aktuellen Niveau zu belassen, für ein wahres Kursfeuerwerk, das ihn im Hoch bis auf rund 1,3175 USD katapultiert hat. Ob die USA jedoch auch weiterhin als alleiniger Impulsgeber am Devisenmarkt fungieren werden, ist fraglich. So könnten mit der für heute erwarteten Rückkehr des Verhandlungsführers des Internationalen Bankenverbandes Dallara nach Griechenland bald wieder die sich hinziehenden Verhandlungen in der Frage um einen freiwilligen Gläubigerverzicht in den Mittelpunkt rücken. Auch der am Montag anstehende EU-Gipfel dürfte dafür sorgen, dass die EWU-Schuldenkrise zunächst noch weiter im Mittelpunkt stehen wird. Die Erwartungen des Marktes an die europäische Politik sind auch dieses Mal hoch, wird doch nicht weniger erwartet, als dass der neue Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin endlich mit Leben, sprich Details, gefüllt und sogar verabschiedet wird. Ob die EU dieser Erwartung gerecht werden kann, bleibt zu sehen.

Die große Unsicherheit über die Zukunft des Euros spiegelt sich auch in der Positionierung spekulativer Investoren am Devisenmarkt wieder, die ihre seit Monaten bestehenden Short EUR/USD Positionen in den ersten Wochen dieses Jahres weiter ausgebaut hatten. Zwar lässt die jüngste Aufwärtsbewegung des Euros vermuten, dass zumindest ein kleiner Teil dieser Positionen mittlerweile geschlossen wurden, dennoch waren die ausstehenden Kontrakte noch letzte Woche so hoch, dass die große Liquidierungswelle sicherlich noch vor uns liegt (unseren Berechnungen zufolge lag der durchschnittliche Einstiegskurs der offenen 160,000 Kontrakte von Anfang letzter Woche bei rund $1,3350). Positive Nachrichten vom EU Gipfel haben daher durchaus das Potential dem Euro deutlichen Rückenwind zu geben, sollten Investoren sich gezwungen sehen, ihre Short Positionen zu schließen.

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