Staatsanleihen – Stürme im „sicheren“ Hafen

In den Jahren nach dem Platzen der Blase am Neuen Markt wurde von den Aufsichtsbehörden eingegriffen, um zukünftig Aktienquoten bei Versicherern zu beschränken. Heute freuen sich viele Investoren am Markt für Staatsanleihen – und dies bezieht sich nicht nur auf den deutschen Markt – über die hohen Gewinne, die sie in den vergangenen Jahren erzielt haben. Allerdings erscheint der Gedanke, dass nun die maximale Anleihenquote begrenzt werden könnte, äußerst weltfremd. Im Gegenteil: Um die Nachfrage nach Staatsanleihen hoch und das Zinsniveau niedrig zu halten, könnten Regulierungsbehörden weltweit zukünftig stimulierend eingreifen. Auch dürften sich mittelfristig die Globalisierungseffekte abschwächen. Weltweit steigende Löhne stellen ein Inflationsrisiko dar, welches sich wiederum negativ auf die Realverzinsung auswirken würde.

Dieses System der „finanziellen Repression“, im Wesentlichen basierend auf negativen Realzinsen, hat sich in den USA im Zeitraum 1945 bis 1980 als hilfreicher Beschleuniger beim Staatsschuldenabbau bewährt. Im Vergleich der laufenden Verzinsung mit der erwarteten Inflation liegen bereits heute große Teile der Zinsstrukturkurve im negativen Bereich. Unter den Staatsanleihen westlicher Industriestaaten sind insbesondere Bundesanleihen damit vielleicht sicher, aber gleichzeitig auch völlig überbewertet.

Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Staatsanleiherenditen auf Sicht der nächsten Jahre dauerhaft sinken und damit wie in den letzten Jahren signifikante Kursgewinne generieren, ist aus unserer Sicht gering. Somit dürften Staatsanleihen zusätzlich auch aus fundamentaler Sicht als attraktive Assetklasse für geraume Zeit ausfallen.

Wir stufen andere Anleihensegmente wie Covered Bonds, Corporate Bonds und Emerging Markets Anleihen als attraktiver ein. Einen langfristigen Ausweg aus der paralysierenden Anlegersituation bieten neben Unternehmensanleihen auch Aktien. Die Konjunkturflaute und schwache Gewinnsteigerungen sprechen auch 2012 gegen ein breites Investment in zyklische Titel. Wir empfehlen stattdessen, auf defensive und günstige Sektoren zu setzen. Im internationalen Vergleich sind unter Chance-Risiko-Aspekten globale Blue-Chips (DJ Global Titans, S&P 500) vielversprechender als DAX und Euro Stoxx-Investitionen.

 

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