USA: Guter konjunktureller Schwung im Endquartal 2011

Die US-Konjunktur hat im Endquartal 2011 guten Schwung gezeigt, das Bruttoinlandsprodukt stieg um 2,8 Prozent ggü. dem Vorquartal (annualisierte Rate) und damit nur leicht unter der Konsenserwartung. Die etwas höhere Konsensprognose von 3,0 Prozent beruhte vor allem auf der überraschend starken und kontinuierlichen Aufhellung der Konsumstimmung seit letztem Herbst und auf den schon früh erkennbaren starken Absatzzahlen in der Autoindustrie. Dass nun die unmittelbare Reaktion an den Finanzmärkten auf die ersten offiziellen BIP-Daten eher etwas ernüchtert ausfiel, hat wohl damit zu tun, dass es vor allem eine sehr hohe Anstiegsrate bei den Lagerinvestitionen war, die allein einen Wachstumsbeitrag von fast 2 Prozentpunkten erbracht hat. Dies ist allerdings nicht jene Art von Wirtschaftswachstum, die man sich erhofft , denn Lagerinvestitionen haftet immer auch das Risiko von abrupten Korrekturen in die andere Richtung an.  Nennenswert auch der starke Rückgang bei den Fiskalausgaben der Regierung in Washington, signalisiert  er doch auch die eher restriktive fiskalische Ausrichtung, die für den Verlauf dieses Jahres vorgegeben erscheint.
Für das Gesamtjahr 2011 wird nun eine erste offizielle Schätzung des BIP-Wachstums  von +1,7 Prozent ausgewiesen, eine Zuwachsrate, die sich mit unserer letzten Prognose deckt.
Wir interpretieren die aktuellen BIP-Zahlen trotz aller möglichen Einschränkungen im ganzen dennoch als vorteilhaft: In der Tat hat sich die Konsumkonjunktur zuletzt sehr gut behauptet. Es ist erstaunlich, dass die privaten Haushalte allen Belastungsfaktoren zum Trotz eine so rege Konsumlaune demonstriert haben. Dabei sind die strukturellen Probleme der US-Wirtschaft, etwa die immer noch sehr hohe private Verschuldung, die Häusermarktkrise und die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt, keineswegs aus der Welt. Wir erwarten dennoch, dass sich der Konjunkturschwung aus dem vierten Quartal nun auch – zumindest zu einem guten Teil – ins neue Jahr überträgt. Die erneute Verbesserung des Konsumklimas im Januar (Index der Uni Michigan) spricht dafür, dass es vorerst keine abrupte Verlangsamung des Konsumtempos geben wird. Auch die Auftragslage bei vielen Industrieunternehmen ist derzeit recht gut, so dass von dieser Seite her die betriebliche Investitionstätigkeit gestützt wird.

Künftiges Abwärtsrisiko für die US-Konjunktur ist nach den letzten Zahlen ganz klar eine Korrektur bei den Lagerinvestitionen. Sicher geht der Lageranstieg auch auf die Anhebung der Bestände bei den Autohändlern zurück, die lange unter den gestörten Lieferketten bei Zulieferteilen litten. Wenn die Autokäufer erst einmal ihren Nachholbedarf gedeckt haben, kann es bei der Autoproduktion und dem Lageraufbau bei den Händlern empfindliche Rückschläge geben. Von der Exportseite her dürfte die US-Wirtschaft demnächst  eher Gegenwind verspüren. Die Nachfrage aus Europa und auch aus Asien dürfte deutliche Dämpfer darstellen.

Ein weiteres Risiko stellen die Energiepreise dar, die im Falle einer Eskalation der Krise um Iran durchaus sehr schnell sehr stark steigen könnten. Von einem scharfen Risikoszenario gehen wir hier aber nach wie vor nicht aus. Alles in allem scheint der US-Aufschwung derzeit gut intakt zu sein, so dass eine BIP-Wachstumsrate von jeweils rund 2 Prozent in diesem und im nächsten Jahr wahrscheinlich scheint. Die US-Notenbank hat jedenfalls signalisiert, das sie länger als bisher geplant an ihrer extrem expansiven Geldpolitik festhalten wird. Dies gibt der US-Konjunktur zusätzlichen Rückhalt.

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