Ist Japan der nächste Kandidat für eine Schuldenkrise?

Während die EU um Kontrolle in der Schuldenkrise ringt und Investoren  auch die Schuldensituation der USA mit Missfallen beäugen, hat es Japan trotz einer Schuldenlast von mehr als 200% des BIP geschafft, den Status eines attraktiven und beliebten sicheren Hafens zu erlangen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass Japans Regierungen es traditionell geschafft haben, den Großteil der Staatsverschuldung bei Investoren im eigenen Land zu platzieren. So halten, laut Daten der Bank von Japan, private und institutionelle Investoren in Japan ganze 94% der ausstehenden Staatsanleihen; nur 6% des Bestandes werden im Ausland gehalten. Doch jüngste Studien zur demographischen Entwicklung stellen dieses System nun in Frage.

Die japanische Regierung veröffentlichte diese Woche ihre neusten Bevölkerungsprognosen mit erschreckenden Resultaten. So wird die Bevölkerung Japans bis 2060 voraussichtlich um 30% schrumpfen und gleichzeitig der Anteil der über 65-jährigen auf bis zu 40% steigen. Dies wird nicht nur eine Explosion der Sozialausgaben nach sich ziehen (und damit einen weiteren Anstieg des japanischen Schuldenbergs), sondern auch ein drastisches Nachlassen der inländischen Nachfrage nach japanischen Schuldentiteln. Das System der inländischen Schuldenfinanzierung würde damit nicht mehr funktionieren und Japan abhängig von Fremdkapital aus dem Ausland machen. Eine wenig beruhigende Perspektive.

Auch wenn Japan also momentan auf einer Welle des Vertrauens schwimmt (sehr zum Missfallen der Zentralbank, die u.E. in Bälde intervenieren wird, um den Höhenflug des Yens zu beenden), so zeichnet sich am Horizont ein gewaltiger Sturm ab, der Japan (und den Yen) nachhaltig belasten könnte.

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