Frankreich hat Potenzial, aber auch großen Reformbedarf

Die französische Handelsbilanz ist im vergangenen Jahr auf ein Rekord-Defizit von fast 70 Mrd. Euro geklettert, dies zeigen heute veröffentlichte Daten. Die schwache internationale Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft, die darin zum Ausdruck kommt, macht es der derzeitigen Regierung und der im Mai neu zu wählenden Regierung nicht leicht, das klare Bekenntnis zur Haushaltskonsolidierung in die Tat umzusetzen. Deshalb sind sichtbare Maßnahmen zur Bekämpfung der strukturellen Probleme erforderlich, um die Glaubwürdigkeit des Sparkurses zu unterstreichen. Angesichts eines Schuldenstands von fast 90 Prozent der Wirtschaftsleistung dürften die Finanzmärkte im Anschluss an die Präsidentschaftswahl deutliche Signale erwarten. Da Frankreich in der Eurozone mit Abstand die höchste Ausgabenquote des Staates ausweist, ist der stetige Aufwärtstrend der Staatsverschuldung keine überraschende Entwicklung. Auf der Ausgabenseite sollte durch eine Reform des Sozialversicherungswesens und eine Verwaltungsreform die Kostenbelastung deutlich gesenkt werden. Die Einnahmenseite des Staatshaushaltes würde sichtbar von einem stärkeren Wirtschaftswachstum profitieren – bei gleichzeitig strenger Ausgabendisziplin würde insgesamt das Budget entlastet.

Ein Pluspunkt Frankreichs ist der positive Ausblick für die Bevölkerungsentwicklung, wodurch die Inlandsnachfrage tendenziell gestärkt wird. Damit sich die gute Perspektive für die Demografie auch tatsächlich in der wirtschaftlichen Dynamik niederschlägt, sollte allerdings die im internationalen Vergleich niedrige Beschäftigungsquote durch Arbeitsmarktreformen und Flexibilisierungen im Dienstleistungssektor erhöht werden. Hiervon würden auch die bereits jetzt sehr wettbewerbsstarken Unternehmen profitieren, die sich vornehmlich im Finanzdienstleistungs-, Energie- und Versorgungsbereich befinden.

In einem internationalen Umfeld, in dem die Nachbarländer und vor allem Italien und Spanien umfangreiche Reformen auf den Weg bringen, kann es sich Frankreich gar nicht leisten, nicht ebenfalls die finanziellen Belastungen für die Unternehmen zu senken. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass das zweitgrößte Land der Eurozone im internationalen Wettbewerb in den nächsten Jahren noch weiter zurückfällt und die vereinbarte Haushaltskonsolidierung nicht erfolgreich umsetzen kann.

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