Szenarien für die Griechenland-Umschuldung

Vergangene Woche haben die Finanzminister des Euro-Raums ein zweites Rettungspaket für Griechenland vereinbart. Das nunmehr beschlossene Maßnahmenbündel liefert den Hellenen Unterstützungsleistungen in Höhe von insgesamt 130 Mrd. Euro. Vorgesehen ist unter anderem ein Tausch alter, bisher durch Griechenland honorierter Schuldtitel in neue. Zentral wird hierbei sein, ob sich – aus hellenischer Sicht – genügend Gläubiger mit hinreichend großen Summen an dem geplanten Schuldenschnitt beteiligen werden. Aus Sicht betroffener Anleihehalter scheint es unseres Erachtens vorteilhaft, nicht überstürzt in Aktivitäten zu verfallen. Insbesondere sollten Anleihehalter zunächst ein offizielles Umtauschangebot des griechischen Staates nebst zugehöriger Konditionen abwarten.

Drei Kernszenarien erscheinen möglich.

  • In einem, aus Sicht eines Anleihehalters, eher positiven Fall beteiligt sich eine überwältigende Mehrheit der privaten Gläubiger Griechenlands an dessen Umtauschangebot. Die relativ kleine Menge nicht getauschter Altanleihen wird bis zur jeweiligen Fälligkeit anstandslos bedient: insgesamt ein eher unwahrscheinliches Szenario.
  • In einem von uns als durchaus realistisch angesehenen Fall beteiligen sich an dem Umtauschangebot Griechenlands nur wenige Private, so dass die Hellenen ihr Ziel einer nennenswerten Schuldenentlastung zunächst verfehlen. Daraufhin werden, was gerade ermöglicht wird, auch diejenigen zwangsweise umgeschuldet, die sich einem solchen Unterfangen widersetzen.
  • Der aus Sicht eines Anleihehalters schlechteste Fall der von uns gesehenen drei Kernszenarien betrifft eine Situation, in der Griechenland – ähnlich wie Argentinien seit 2001 – Altanleihen komplett ignoriert. Betroffenen Anleihehaltern bleibt nur der mühsame und wenig erfolgversprechende juristische Weg, um Forderungen geltend zu machen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *