Die „Dicke Bertha 2.0“ dominiert das Marktgeschehen – wie lange noch

Die Liquidität bleibt das Schmiermittel an den Rentenmärkten. Nach dem Erfolg des ersten Dreijahrestenders vor Weihnachten werden nun mit dem zweiten Tender ähnliche Hoffnungen verknüpft. Und in der Tat zeigt sich auch EZB-Präsident Mario Draghi von der Wirkung des ersten Tenders beeindruckt. So nennt er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 24. Februar den Tender – nur halb im Scherz – „Dicke Bertha“ und spielt damit auf einen großkalibrigen Mörser an, den Deutschland im Ersten Weltkrieg einsetzte. Dagegen nimmt sich die von vielen, insbesondere angelsächsisch geprägten, Marktteilnehmern geforderte „Bazooka“, mit der der unbegrenzte Ankauf von Anleihen in Bedrängnis geratener Staaten durch die EZB gemeint ist, geradezu wie ein Spielzeuggewehr aus.

Die durch den jüngsten Tender bereitgestellte Liquidität, insgesamt ist es allein durch die beiden Dreijahrestender nun mehr als eine Billion Euro, dürfte den Markt zunächst noch weiter unterstützen. Hiervon sollten die Emittenten aus den von uns nach wie vor als attraktiv eingeschätzten Peripheriestaaten Spanien, Irland und Italien weiter profitieren, so dass wir an unserer Strategie festhalten, diese überzugewichten.

Gänzlich ungetrübt ist das Bild allerdings nicht. Durch die reichhaltige Bereitstellung von Liquidität werden die Probleme nicht gelöst, sondern nur verdeckt. Auf fundamentaler Seite gibt es zwar in den Krisenstaaten bei den Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte einige Fortschritte. Auf der anderen Seite scheint sich die Rezession dort aber zunächst weiter zu verschärfen. Rückschläge können auch von politischer Seite drohen, etwa dann, wenn nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich einige der bisher auf europäischer Ebene verabredeten Maßnahmen wieder in Frage gestellt werden oder die auf EU-Ebene getroffenen Vereinbarungen zur strikteren Budgetkontrolle in einzelnen Ländern nicht „ratifiziert“ werden. So hat Irland beispielsweise jüngst ein Referendum zu dieser Frage angekündigt.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *