US-Arbeitsmarkt: Krise noch lange nicht ausgestanden?

Der positive Schwung am US-Arbeitsmarkt seit letztem Herbst gibt Hoffnung, dass die US-Wirtschaft inzwischen soviel Momentum aufgebaut hat, sich auch bei nachlassenden Fiskalimpulsen aus den krisenhaften Verwerfungen der letzten vier Jahre endgültig lösen zu können. So wurden seit dem Beschäftigungstief vom Februar 2010 per Saldo rund 3,5 Mio. neue Jobs geschaffen, davon allein rund 1,2 Mio. in den letzten sechs Monaten. In dieser Situation hat sich ausgerechnet US-Notenbankchef Ben Bernanke sehr skeptisch über den US-Arbeitsmarkt geäußert. Der Beschäftigungsaufschwung sei noch viel zu „fragil“, die Dynamik hinke hinter der in früheren Erholungsphasen her und die Langzeitarbeitslosigkeit entwickle sich zu einem ernsten Problem. Die Märkte haben diese Äußerungen sogleich als Bestätigung dafür interpretiert, dass Bernanke ein „Quantitative Easing III“ will.  

Einige Dinge belegen in der Tat, dass der US-Arbeitsmarkt noch immer krisengebeutelt ist. So liegt etwa die Zahl der Beschäftigten 5,3 Millionen unter dem letzten Beschäftigungshoch. Schreibt man die aktuelle Beschäftigungsdynamik fort, so würde es noch weitere 2 Jahre dauern, bis das letzte Hoch vom Januar 2008 überschritten wird. Problematisch ist auch die hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Über 40% der Job-Suchenden sind bereits länger als 26 Wochen ohne Arbeit. Bei früheren Rezessionen lag dieser Anteil in der Regel nicht über 25%. Die Betroffenen verlieren wertvolle Qualifikationen und werden schwer vermittelbar. Positiv ist, dass die Arbeitslosenquote nun auf 8,3% gefallen ist, sie liegt also klar unter dem letzten Hoch von 10%. Hier ist aber zu bedenken, dass immer mehr Langzeitarbeitslose die Arbeitssuche gänzlich aufgeben und somit aus dem Pool der Arbeitslosen ausscheiden.

Ben Bernanke liefert Stoff für Ernüchterung. Der genaue Blick auf den US-Arbeitsmarkt zeigt, dass vom Staat und auch von den Unternehmen noch mehr getan werden muss, um zu verhindern, dass sich die extrem hohe Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt. Dann hätten die USA nicht nur ein zyklisches, sondern ein evident strukturelles Problem. Bernankes Worte belegen zumindest, dass er derzeit keine ernsten Inflationsgefahren, etwa von der Lohnseite ausgehend, sieht und daher entsprechenden Handlungsspielraum reklamiert. Von der Geldpolitik aber zu erwarten, dass sie allein die kommenden restriktiven Impulse der Fiskalpolitik ausgleichen und den Arbeitsmarkt und die Konjunktur über niedrige Zinsen anzukurbeln vermag, greift zu kurz. Denn ohne strukturelle Hilfen wie etwa verstärkte Weiterbildungs- und Qualifikationsangebote für Arbeitslose und ohne eine Lösung etwa für all jene Hypothekenkredite, die „unter Wasser“ stehen, wird die US-Wirtschaft ein Beschäftigungsniveau wie vor der Krise so schnell nicht wieder erreichen.

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