Themenwechsel – Von der Eurokrise zur US-Geldpolitik

Der Euro gibt sich seit einigen Wochen der Illusion hin, dass die Euro-Krise dank der Liquiditätsflut der EZB im Griff ist. Weder konjunkturelle Rückschläge, weder erste Diskussionen über das Wann und Wie eines EZB-Exits aus der ultralockeren Geldpolitik noch die labile Situation Portugals oder Spaniens haben dem Burgfrieden in den letzten Tagen schaden können. Auch darüber, dass in den nächsten Wochen zusätzliche politische Risiken ins Spiel kommen (Wahlen in Frankreich und Griechenland, Euro-Referendum in Irland), sieht der Euro bislang noch geflissentlich hinweg.

Der Auslöser, der den Euro dann doch in Bewegung gesetzt und diesen unter 1,3110 USD gedrückt hat, kommt von einer für viele Beobachter vergessenen Seite, nämlich der US-Notenbank. Noch in der Vorwoche hatte Notenbankchef Bernanke geldpolitische Begehrlichkeiten geweckt, indem er die Nachhaltigkeit der jüngsten Verbesserung am Arbeitsmarkt in Frage gestellt hat. Das frisch veröffentlichte FOMC-Sitzungsprotokoll spricht da eine andere Sprache. Die Absage an weitere quantitative Lockerungsübungen verleiht dem Dollar auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch frisches Aufwärtspotential. Wie heftig die Kursreaktion ausgefallen ist, ist unseres Erachtens weniger Ausdruck der Überraschung über die Fed-Äußerungen an sich, sondern vielmehr eine Art Schreckmoment der Märkte, die die US-Seite der Euro-Dollar-Entwicklung angesichts der omnipräsenten Eurokrise völlig aus den Augen verloren hatten.

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